PKK-Auflösung
Özgür Çelik: „Das ist ein getarnter Sèvres-Plan“

Çelik: "In der als „Friedenserklärung“ präsentierten Erklärung verbergen sich Formulierungen, die zeigen, wie tief und gefährlich dieses Projekt wirklich ist"

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Ein Gastbeitrag von Özgür Çelik

In letzter Zeit hört man aus einigen Kreisen Rufe wie „Wir legen die Waffen nieder, wir wollen Frieden“. Das klingt vielleicht angenehm. Es heißt, Mütter werden nicht mehr weinen, es wird kein Blut mehr vergossen und die Brüderlichkeit soll gestärkt werden.

Wer wünscht sich keinen Frieden? Natürlich ist Frieden das höchste Ziel. Doch unser Problem als Türkische Nation ist nicht der angebliche Frieden an sich, sondern die Absichten, die sich hinter diesem sogenannten Frieden verbergen.

Die PKK hat seit über 47 Jahren die Kinder dieser Nation, Frauen und Kinder eingeschlossen, brutal ermordet. Unter dem Deckmantel des „Freiheitskampfes“ hat sie Tausende das Leben gekostet.

Und jetzt? Wenn sie sagen „wir lösen uns auf“, soll alles vorbei sein? Wohin werden sie ihre Waffen legen? Was geschieht mit ihrer Munition? Was ist mit den Verstecken und Zellen, die sie seit Jahren in Großstädten aufgebaut haben? Solange nicht jeder einzelne ihrer Kämpfer namentlich dem Staat übergeben wurde – wie sollen wir diesem Prozess vertrauen?

Lest die Auflösungserklärung der PKK genau!

In der als „Friedenserklärung“ präsentierten Erklärung verbergen sich Formulierungen, die zeigen, wie tief und gefährlich dieses Projekt wirklich ist:

• Die Ablehnung des Vertrags von Lausanne und der Verfassung von 1924 und stattdessen die Anspielung auf den Vertrag von Sèvres als „Lösungsrahmen“.

• Durch Aussagen wie „Die türkische und kurdische Bevölkerung sind Gründungsbestandteile“ wird die Einheit der türkischen Nation untergraben.

• Begriffe wie „Demokratische Nation“ oder „Demokratische Republik Türkei“ zielen auf eine Umwandlung der Einheitsstruktur in ein föderales System.

• Mit dem Begriff „Verfassungsänderung“ wird versucht, die Grundlagen des säkularen, nationalen und unitarischen Staates zu zerstören.

Dies ist kein „Waffenstillstand“, sondern ein Strategiewechsel. Die PKK versucht nun, am Verhandlungstisch das zu erreichen, was sie auf dem Schlachtfeld verloren hat.

Die Falle ist groß, das Spiel ist tief.

In diesem Prozess sollen national-konservative Kreise nicht mehr mit PKK- und Apo-kritischen Parolen konfrontiert werden, sondern vielmehr gegen Atatürk-Anhänger und die Gründungswerte der Republik ausgespielt werden. Das Ziel ist es, die Grundpfeiler der Republik zu zerstören, das Gedächtnis der Nation und ihr Gefühl der Einheit auszulöschen.

Unzählige tapfere Söhne dieser Nation haben für diese von Märtyrerblut durchtränkte Erde ihr Leben gegeben. Und heute wird das jahrtausendealte Erbe, der Kampf und der Staat der türkischen Nation mit Wortspielen am Verhandlungstisch zur Diskussion gestellt.

Wach Auf!

Das ist kein Frieden. Das ist ein getarnter Sèvres-Plan! Das ist keine Lösung, das ist der Versuch, die Türkei durch Föderalisierung zu spalten.

Wie Can Yücel sagte:

„Ihr sagt, die Ordnung soll sich ändern, aber solange die Ausgebeuteten dieselben bleiben, sind eure Worte nur leeres Gerede!“

Wollen wir als Türkische Nation wirklich die Ausgebeuteten sein?

Was ist zu tun?

• Wenn wir sehen wollen, dass die PKK wirklich die Waffen niederlegt, müssen alle Waffen und die gesamte Munition den Türkischen Streitkräften übergeben werden.

• Alle Mitglieder der Organisation müssen namentlich an den Staat ausgeliefert werden.

• Das gesamte Nachrichtennetzwerk, die finanziellen Ressourcen und städtischen Zellen der PKK müssen vollständig aufgedeckt werden.

• Keine Verfassungsänderung darf unter dem Einfluss dieser Strukturen vorbereitet werden. Eine neue Verfassung kann nur von den wahren Vertretern des Volkes durch einen nationalen Konsens verfasst werden.

Das ist keine Parteifrage. Es geht nicht um Türken, Kurden, Aleviten, Sunniten, Lasen oder Tscherkessen – es ist der Existenzkampf jedes ehrenhaften Menschen, der auf diesem Boden lebt.

Wach auf!

Die Waffen mögen schweigen, doch das Spiel geht weiter.

Erkenne das Szenario der Kapitulation, das sich hinter der Friedensmaske verbirgt!

Dieses Vaterland wird nicht noch einmal zerrissen,

die Türkische Nation wird nicht noch einmal niederknien.

Und heute gilt mehr denn je:

„Es gibt keine Verteidigungslinie, sondern eine Verteidigungsfläche – und diese Fläche ist das ganze Vaterland!“

Und diese Fläche ist nicht nur unser Boden – sie ist unsere Sprache, unsere Geschichte, unsere Verfassung und unsere nationale Identität.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


Zum Autor

Özgür Çelik studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Philosophie an der Universität Duisburg-Essen. Seine Fachgebiete sind die deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik, die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sowie zwischen der EU und der Türkei, türkische Politik, die türkische Migration und Diaspora in Deutschland

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