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Gaza: Mehr als 1.000 Kindern wurden Beine amputiert

Nach Angaben der Kinderrechtsorganisation Safe the Children haben in Gaza seit Ausbruch des Konflikts vor drei Monaten im Durchschnitt mehr als 10 Kinder pro Tag ein oder beide Beine verloren.

Ein palästinensisches Kind, dessen Gesicht durch einen israelischen Bombenangriff am 21. Dezember 2023 auf ein Haus in Rafah, im Süden des Gazastreifens, verbrannt wurde. (Aufnahme vom 22.12.2023. Foto: Twitter)
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Gaza – Nach Angaben der Kinderrechtsorganisation Safe the Children haben in Gaza seit Ausbruch des Konflikts vor drei Monaten im Durchschnitt mehr als 10 Kinder pro Tag ein oder beide Beine verloren. Mehr als 1.000 Kindern wurden Beine amputiert. Laut der WHO wurden viele dieser Operationen an Kindern ohne Betäubung durchgeführt.

In einer Erklärung, in der er sich auf Statistiken der Vereinten Nationen beruft, sagte der Direktor von Save the Children für die besetzten palästinensischen Gebiete, Jason Lee, das „Leiden der Kinder in diesem Konflikt ist unvorstellbar und umso mehr, als es unnötig und völlig vermeidbar ist“.

„Die Tötung und Verstümmelung von Kindern wird als schwere Verletzung von Kindern verurteilt, und die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, so Lee.

Lee zitierte auch eine Erklärung der Weltgesundheitsorganisation, in der es heißt, dass viele dieser Operationen an Kindern angesichts des gravierenden Mangels an medizinischer Versorgung und grundlegenden Gütern im Gazastreifen ohne Anästhesie durchgeführt wurden.

Lee sagte, er habe gesehen, dass „Ärzte und Krankenschwestern völlig überfordert“ seien, wenn Kinder mit Explosionswunden eingeliefert würden.

„Es ist selbst für erfahrene Fachleute zu viel, wenn sie Kinder mit solchen Schmerzen sehen und nicht über die nötige Ausrüstung oder Medikamente verfügen, um sie zu behandeln oder die Schmerzen zu lindern“, sagte er.

Nach Angaben der Wohltätigkeitsorganisation ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder an Explosionsverletzungen sterben, fast siebenmal höher als bei Erwachsenen, da sie anfälliger und empfindlicher für Verletzungen sind.

„Ihre Schädel sind noch nicht vollständig ausgebildet, und ihre unterentwickelten Muskeln bieten weniger Schutz. Daher ist es wahrscheinlicher, dass eine Explosion die Organe in ihrem Bauch zerreißt, selbst wenn es keine sichtbaren Schäden gibt“, sagte Lee und forderte einen „endgültigen Waffenstillstand“, um den Fluss von humanitärer Hilfe und Medikamenten zu ermöglichen.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen hat außerdem vor einer dreifachen Bedrohung für die Kinder im Gazastreifen gewarnt – nicht nur vor der Gefahr des wütenden Konflikts, sondern auch vor Unterernährung und Krankheiten.

Laut UNICEF sind die Fälle von Durchfallerkrankungen bei Kindern unter 5 Jahren im Vergleich zur Zeit vor dem Krieg um 2.000 Prozent gestiegen.

„Der signifikante Anstieg der Fälle in einem so kurzen Zeitraum ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich die Gesundheit der Kinder im Gazastreifen rapide verschlechtert“, so die Organisation.

Und 90 Prozent der Kinder unter 2 Jahren leiden jetzt unter „schwerer Nahrungsmittelarmut„, so die Organisation – gegenüber 80 Prozent nur zwei Wochen zuvor.

UNICEF-Sprecher: Dies ist ein Krieg gegen Kinder

UNICEF-Sprecher James Elder hat in einem schockierenden Video die israelischen Angriffe in Gaza verurteilt.

„Gaza ist ein Friedhof für Tausende von Kindern geworden“, sagte Elder. Zudem hätten viele der zum Krankenhaus gebrachten verletzten Kinder keine Eltern oder Verwandten mehr.

„Ich habe ihn unter den Trümmern gefunden. Ich weiß nicht, wer seine Eltern sind“, so ein Mann, der die Raketenangriffe überlebt hat und ein Kleinkind in seinen Armen trägt in dem Video.

Die Kinder stünden oft unter Schock und einige seien noch sehr jung.

„Sie können nicht sprechen, geschweige denn ihren Namen oder einen ihrer Familienangehörigen nennen. Diese Kinder sind sehr verletzlich“, so der UNICEF-Sprecher.