Bergkarabach-Krise
Ökologe: Armenien nutzt Sarsang-Staudamm als Terrorwaffe

Vor der Eskalation des Bergkarabachkonflikts in den 1990er Jahren wurde das Wasser des Stausees zur Bewässerung von ca. 100.000 Hektar Ackerland flussabwärts genutzt.

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ein Gastbeitrag von Salim Balayev

Da Aserbaidschan geografisch gesehen in der trockenen Klimazone liegt, wird etwa 90 Prozent des Bewässerungswassers in der Landwirtschaft des Landes verwendet. In dieser Hinsicht ist die Region Berg-Karabach keine Ausnahme.

Es wurde daher noch zu Sowjetzeiten im Jahre 1976 in der Region Aghdara auf dem Tartar Fluss mit einer Länge von 12 km und einer Wasserumfang von 565 Millionen m3 der Sarsang Stausee errichtet, um die Landwirtschaft in der Region zu entwickeln. Diese hydraulische Anlage war aufgrund der Höhe ihres Staudamms der höchste Stausee der in Aserbaidschan errichtet wurde. Sein Wasser versorgte nicht nur in Berg-Karabach, sondern auch in den Tieflandregionen wie Tartar, Aghdam, Barda, Goranboy, Yevlakh und Aghjabedi annähernd 100.000 Hektar Landesgebiet mit Bewässerungswasser. Auch die Menschen der Region nutzten dieses Wasser als Trinkwasserquelle.

In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts mündeten die von den Armeniern in Berg-Karabach begonnenen Separatistenbewegungen jedoch in einem blutigen Krieg, und 20 Prozent des Landes Aserbaidschans, sowie die Region Aghdara, wurden von armenischen Militäreinheiten illegal besetzt. Der Sarsang-Stausee geriet unter die Kontrolle der armenischen Separatisten.

Infolge der ungefähr 30-jährigen Besetzung der Gebiete Aserbaidschans durch Armenien wurde von diesen Gebieten aus nicht nur eine aggressive Politik gegen unser Land betrieben, sondern auch die natürlichen Ressourcen unseres Landes brutal geplündert und nach Armenien befördert.

Als ob all dies nicht genug wäre, wurde es durch die absichtliche Verunreinigung unserer grenzüberschreitenden Flüsse sowohl der Wirtschaft als auch der Umwelt des Landes bewusst schwerer Schaden zugefügt.

Auch wenn vor drei Jahren nach dem Krieg ein großer Teil unserer Gebiete von den Besatzungstruppen Armeniens befreit wurden, befinden sich armenische Militäreinheiten nach wie vor  rechtswidrigerweise auf dem Territorium von Berg-Karabach und die Zerstörung der Umwelt in diesen Gebieten hält noch immer an.

Indem die armenischen Militäreinheiten den größten Stausee in Berg-Karabach – den Sarsang-Stausee in der Region Aghdara – unter ihrer Kontrolle halten, setzen sie die umliegenden Regionen weiterhin einer Umweltzerstörung aus.

Durch die Freisetzung des überschüssigen Wassers aus dem Sarsang-Stausee in den Wintermonaten verurascht Armenien künstliche Überschwemmungen und Fluten in den Tieflandregionen sowie Zerstörung landwirtschaftlicher Felder.


Hierzu: „Weaponization of Water: The Case of Sarsang Reservoir“


Im Sommer sperren sie das Wasser und erzeugen somit eine künstliche Dürre. Die aserbaidschanischen Landwirtschaft setzen sie hierdurch weiterhin schwere Belastungen aus. Infolgedessen steht die Region vor einer ernstzunehmenden Umweltkatastrophe.

Auf der anderen Seite ist der Damm des Sarsang-Reservoirs zudem in einem technisch sehr schlechten Zustand, da während der fast 30-jährigen Besatzungsperiode die Wartungsarbeiten komplett vernachlässigt wurden. Somit ist auch eine sehr bedrohliche Lage entstanden, da der Damm hoch einsturzgefährdet ist. Ein Einsturz könnte auch von der armenischen Regierung im Falle eines erneuten Krieges bewusst herbeigeführt werden.

Der Einsturz des vollständig mit Wasser gefüllten Staudamms des Sarsang-Stausees kann innerhalb einer Stunde das Gebiet des benachbarten Tartar Bezirks und innerhalb der nächsten 2-3 Stunden sechs weitere Bezirke komplett überfluten – es kann zu einer ernstzunehmenden humanitären Krise kommen.

Mit anderen Worten, wenngleich die armenische Regierung eine dreiseitige Erklärung zum Kriegsende unterzeichnet hat, unterhält sie immer noch rechtswidrige Militäreinheiten auf vier Prozent des Territoriums von Berg-Karabach. Sie betreibt die Aggressionspolitik in den Gebieten Aserbaidschans weiter. 

Aserbaidschan informiert weiterhin alle internationalen Organisationen über den von Armeniern durch den Sarsang-Stausee verübten ökologischen Terror.

Im Übrigen erinnern wir daran, dass die Parlamentarische Versammlung des Europarats bereits 2016 eine Bestimmung „über die humanitäre Katastrophe, die die bedrohliche Lage des Sarsang-Stausees im besetzten Gebiet Aserbaidschans auslösen kann“ verabschiedet hat.

Darin wird die Tatsache der rechtswidrigen Absperrung der Wasserversorgungs- und Bewässerungssysteme in den besetzten Gebieten Aserbaidschans durch Armenien unter Verletzung der Grundprinzipien des Völkerrechts aufs schärfste verurteilt.

Die Versammlung forderte die armenischen Streitkräfte auf, im Einklang mit vorherigen internationalen Bestimmungen die rechtswidrige Kontrolle über den Stausee und alle damit verbundenen Bewässerungssysteme an die aserbaidschanischen Behörden zu übergeben. In der Bestimmung wurde die internationale Gemeinschaft aufgefordert, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um militärische Provokationspläne zu verhindern und sich auf Unfälle oder Naturkatastrophen vorzubereiten, die unter den gegenwärtigen Bedingungen zu unzähligen Opfern führen würden.

Es sei daran erinnert, dass auch die Mission der OSZE zur Bewertung der ökologischen Lage vorher gemäß der Bestimmung der UN-Generalversammlung vom 7. September 2006 zur „Lage in den besetzten Gebieten Aserbaidschans“ Analysen durchgeführt und eine entsprechende Stellungnahme abgegeben hat. Die Mission, die die Region besuchte, hat eine solche Schlussfolgerung gezogen, dass der Mangel an ausreichender Wasserversorgung der aserbaidschanischen Landwirtschaft ernsthafte Schäden zufügt, was bereits zur vollständigen Zerstörung der Waldmassiven in der Region geführt hat.

Wie es in den offiziellen Dokumenten internationaler Organisationen erwähnt wird, ist es schon allerhöchste Zeit, dem ökologischen Terror, den die Armenier durch den Sarsang-Stausee gegen Aserbaidschan verüben, Einhalt zu gebieten. Die Kontrolle und Verwaltung des Sarsang-Seestaus sollte umgehend der aserbaidschanischen Seite übergeben werden.

Die aserbaidschanischen Behörden haben seit vielen Jahren entschlossen dafür gekämpft, den ökologischen Eingriff der Armenier in unser Land durch den Sarsang-Stausee zu verhindern. Aber dieses Handeln hat anscheinend nicht die benötigten Ergebnisse gebracht.

Die Schäden, die durch die Fortsetzung des ökologischen Terrors von der armenischen Seite nicht nur Aserbaidschan, sondern auch der Tierwelt und Pflanzenwelt der gesamten Südkaukasusregion sowie der Gesundheit der in der Region lebenden Menschen zugefügt werden, sollten bereits gleichfalls bei der europäischen Gemeinschaft die Besorgnisse erregen.

In anderen Worten: die Staatsoberhäupter europäischer Länder, Beamte einflussreicher internationaler Organisationen des Kontinents sowie die Parlamente der Länder sollten sich endgültig ins Handeln setzen und Druck auf die armenische Regierung ausüben um die Armenier an solchen gehässigen Handlungen zu verhindern. Ansonsten wird die Umweltkrise, die eines Tages in der Region bald auftreten wird, nicht auszuweichen sein.


 

Salim Balayev 

Chairman of Public Union
of Ecological Enlightenment „Ecolog-2010“

Baku, Azerbaijan


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.

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