Meinung
„Der Westen hat die YPG zu dem gemacht, was sie ist“

Yücel: "Auch auf dem Höhepunkt der syrischen Aufstandsbewegung der Opposition gegen das Assad-Regime kämpften Milizen der Freien Syrischen Armee (FSA) vor allem gegen den Islamischen Staat (IS) mit bescheidenen Mitteln."

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Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel

Die eigentlichen Kämpfe in Syrien liegen erst einige Jahre zurück. Und doch scheint sich zum Ende der Vorherrschaft der völkisch-kurdischen YPG oder die der Demokratischen Kräfte Syriens, inmitten all der Empörungswellen im deutschen und angelsächsischen Sprachraum, niemand mehr an sie erinnern zu wollen.

Auch auf dem Höhepunkt der syrischen Aufstandsbewegung der Opposition gegen das Assad-Regime kämpften Milizen der Freien Syrischen Armee (FSA) vor allem gegen den Islamischen Staat (IS) mit bescheidenen Mitteln. Die Europäische Union haderte mit sich selbst, vollumfänglich Waffen oder Unterstützung anzubieten. Die USA lieferten, aber nicht annähernd soviel, um entscheidende Fortschritte zu erzielen.

Dann brach der Islamische Staat (IS) in Syrien komplett herein, eröffnete eine zweite Front. Die Freie Syrische Armee zog sich allmählich in die Vorstädte und Städte zurück, gerade weil keine internationale Unterstützung oder Hilfe kam. Jetzt ergriff das Assad-Regime die Gelegenheit am Schopfe, die so konzentrierten Aufständischen niederzumetzeln. Ihr stand nun die völkisch-kurdische YPG zur Seite.

Gegenseitig flankiert, überrannten sie syrische Städte wie Aleppo, wo Grausamkeiten verübt und erst nach Jahren noch heute ans Tageslicht kommen. Aleppo steht seither sinnbildlich für die kaltblütige, wohlkalkulierte Politik der YPG, mit all jenen ins Bett zu steigen, die sie ein bisschen näher ans Ziel bringt und dabei jede Menge Zivilisten und Oppositionsbewegungen zu Opfern.

Derart geschwächt, demoralisiert und zerstreut wie die FSA war, übernahm in Nordsyrien nun die YPG die Vormacht. In dieser Situation schwenkte die IS um, beanspruchte nun die nordsyrischen Gebiete für sich.

Ein paar Monate später, nachdem sich eiligst eine internationale Anti-IS-Koalition formiert hatte, riefen die YPG um Hilfe gegen den Islamischen Staat – gerade weil sie zuvor die kampfstarke FSA zusammen mit Assad und Russland aufgerieben hatten. Die YPG waren zuletzt in der arabischen Grenzstadt Ain al-Arab festgenagelt worden und ihnen drohte das Aus. Die Anti-IS-Koalition reagierte prompt, schickte ganze Geschwader, um die Region in Schutt und Asche zu legen. Zuletzt rückten kurdische Peschmergas der Autonomen kurdischen Regionalregierung Nordiraks über die türkische Grenze in Ain al- Arab ein, um ihrem Volksangehörigen zu Hilfe zu eilen, während die Bevölkerung von Ain al-Arab in der Türkei Zuflucht fanden.

Von den Peschmergas, die in letzter Sekunde die Einnahme von Ain al-Arab (Kobanê) verhinderten, oder den zuvor geflogenen Flächenbombardements der Alliierten, ist seitdem nichts mehr zu hören. Stattdessen wird die YPG glorifiziert, werden ihre sogenannten Heldentaten in den Vordergrund gerückt.

Niemand hinterfragte, wie die YPG zusammen mit dem Assad-Regime zuvor die FSA geschwächt, Nordsyrien destabilisiert hatte, um danach die restlichen syrischen Oppositionellen und Milizen von der Landkarte zu tilgen. Anschließend waren die FSA, waren die syrischen Oppositionsgruppen zwar sauer auf die YPG; zurecht wie sich rausstellt. Sie waren ja gut genug, um sich gegen das Assad-Regime aufzubäumen. Aber nicht gut genug, um im Interesse der USA oder der Europäer das Land völlig ins Chaos zu stürzen.

Dafür sorgte die YPG, ein Ableger der berüchtigten völkisch-kurdischen Terrororganisation PKK. Kaum war die YPG Alleinherrscher eines dünnen Streifens entlang der syrisch-türkischen Grenze, gingen die Verbrechen erst richtig los. Für den bewaffneten Kampf entführte die YPG Mädchen und Jungen, drillte sie an der Waffe. Jene, die zurück zu ihren Familien flüchten konnten, erzählen noch heute internationalen Menschenrechtsorganisationen und den Vereinten Nationen (UNO), wie traumatisierend das war.

Damit die Alleinherrschaft gesichert bleibt, verfolgte man und verfolgt bis heute rigoros jede oppositionelle Bewegung. Es gibt keine andere Partei oder Organisation, die sich innerhalb dieses Territoriums der YPG Opposition nennen darf. Entführung von Journalisten und Notablen, Unterdrückung der Rechte von Minderheiten und Religionsminoritäten, Mord und Totschlag, all das ist bis heute Alltag.

Bei den Überlebenden und Unterdrückten muss es wie blanker Hohn klingen, wenn der Führer der YPG, bzw. der 2015 auf Anraten des Pentagons umfirmierten SDF (Demokratische Kräfte Syriens), Mazlum Kobanê, in der Washington Post jetzt erklärt, auch sie hätten Fehler gemacht. Aber, diese Fehler seien während des Terrors und der Bedrohung durch die IS gemacht worden, so Kobanê.

Das erklärt aber nicht, wieso die Unterdrückungsmaschinerie der YPG/SDF den Druck auf Zivilisten und Oppositionelle weiterhin aufrechterhält: dass weiterhin Kindersoldaten eingesetzt werden; Minderheiten unterdrückt; Journalisten verfolgt und ermordet; Menschen aufgrund dieses Gebarens in umliegende türkisch-kontrollierte Gebiete flüchten.

Der Grund ist recht simpel. Der Westen hat die YPG, hat die SDF zu dem gemacht, was sie ist: ein Terrorregime. Der Westen hat diese Organisation erst zu diesem gefürchteten Terrorregime heranreifen lassen. Mit Lobhudelei und jeder Menge Gratis-Persilscheinen gehen seither auf das Konto der völkisch-kurdischen YPG/SDF weiterhin jede Menge Verbrechen ein, während ihr Führer sich erhebt und in einem letzten Appell, ein souveränes Land als Verbrecherregime brandmarkt.

Die Krönung ist ja, dass sich sogar europäische Regierungsvertreter berufen fühlen, dieses Terrorregime mit einem souveränen Land wie der Türkei gleichzusetzen und letzteren auch noch zur Mäßigung aufzurufen. Eine deutsche Außenministerin, die ausgerechnet Ankara zur Zurückhaltung aufruft, sie vor einer Bodenoffensive warnt, während die YPG/SDF kurzerhand in „Kurden“ zusammengefasst und als Ziel klassifiziert werden, ist untragbar und wie das Terrorregime eine Gefahr für den Weltfrieden und die internationale Ordnung selbst.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


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