Corona-Pandemie
Epidemiologe Lauterbach: Es gibt Morddrohungen gegen mich und meine Familie

Bereits im Februar 2020 wusste Karl Lauterbach, dass wir es nicht mit einer Epidemie zu tun haben - sondern mit einer weltweiten Pandemie. "Es gab keine Immunität, keine Voraussetzungen, das Virus zu stoppen. Mir war sofort klar, dass sich dieses Virus weltweit verbreiten wird", sagt Karl Lauterbach.

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Karl Lauterbach ist Bundestagsabgeordneter, Arzt, Epidemiologe – und einer derjenigen, die sich in den vergangenen anderthalb Jahren unermüdlich mit der Pandemie beschäftigt haben. Dabei wurde ihm – vor allem durch die Medien – häufig eine ganz bestimmte Rolle zugeschrieben: die des „Corona-Mahners“ und des „ewigen Erklärers“. Schon früh war dem Politiker klar, dass es sich bei Sars-CoV-2 um ein Virus handelt, das sich auf der ganzen Welt verbreiten wird, erklärt Karl Lauterbach in der aktuellen Folge des Expert:innen-Podcasts der Apotheken Umschau „Klartext Corona“. Und wagt darin auch einen Ausblick auf den kommenden Herbst.

Bereits im Februar 2020 wusste Karl Lauterbach, dass wir es nicht mit einer Epidemie zu tun haben – sondern mit einer weltweiten Pandemie. „Es gab keine Immunität, keine Voraussetzungen, das Virus zu stoppen. Mir war sofort klar, dass sich dieses Virus weltweit verbreiten wird“, sagt Karl Lauterbach im Apotheken Umschau-Podcast „Klartext Corona“. Doch wie kam es dazu, dass der Politiker in den Medien stets als Mahner und Warner der Corona-Pandemie gilt? „Ich habe nicht nur gemahnt, sondern auch Ratschläge gegeben, was man machen könne“, erklärt er. So habe er etwa schon früh darauf hingewiesen, dass Produktionskapazitäten für Impfstoffe aufgebaut werden müssen und in vielen Fällen versucht, Hilfe zu geben, wie es funktionieren könnte.

Hass und Bedrohungen in gravierendem Ausmaß

Die Folge waren zum Teil Hass und Bedrohungen in einem Ausmaß, das Lauterbach überrascht hat. „Es gibt Menschen, die mich und meine Familie bedrohen, die sogar Morddrohungen artikulieren, meine Wohnung mit Steinen bewerfen“. Das habe, so der Politiker, „ein gravierendes Ausmaß angenommen.“ Danach gefragt, was man in Sachen Pandemiebekämpfung aus heutiger Sicht hätte anders machen können, ist Lauterbach überzeugt: In der zweiten Welle hätte man konsequenter in den Lockdown gehen müssen. „Da sind uns ein paar Zehntausend Menschen unnötigerweise gestorben.“

Kinder durch Delta-Variante gefährdet

Was Kinder und Jugendliche angeht, meint Lauterbach, man hätte die Schulen fast komplett offenlassen können, wäre man früher zu der Kombination aus Tests und Wechselunterricht übergegangen. Doch in den kommenden Herbst blickt er aufgrund der sich verbreiteten

Delta-Variante eher besorgt:

„Die Kinder sind in den Schulen gefährdet, denn die Delta-Variante ist auch für sie sehr ansteckend. Ich würde es begrüßen, wenn mehr Kinder geimpft würden. Ich glaube, dass die Delta-Variante Kinder mehr gefährdet als die Impfung.“

Der Experte ist sich sicher, dass viele Eltern das bald genauso sehen und ihre Kinder impfen lassen.

Normalität im nächsten Jahr

Was meint Karl Lauterbach, wann wir wieder zurück zur Normalität kehren werden? „Das dauert noch etwas“, glaubt der SPD-Gesundheitsexperte und macht Hoffnung auf das nächste Jahr. Trotzdem ist er sich sicher: „Covid wird nie vergleichbar sein mit der Grippe.“ Vor allem für ältere Menschen bleibe das Virus gefährlicher. Und – auch wenn er nicht als Mahner gelten möchte – wüssten wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, ob es nicht Varianten geben wird, die den Impfschutz komplett durchbrechen können.

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