Krieg gegen den Terror
„Adlerkralle 2″: Türkische Militäroperation auf PKK-Stellungen im Nordirak

Die türkischen Streitkräfte führen im Rahmen der Operation „Adlerkralle 2“ seit dem 10. Februar eine Militäroperation gegen vermutete Stellungen der Terrororganisation PKK in Gara/Nordirak durch.

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Ein Gastbeitrag von Kemal Bölge

Die türkischen Streitkräfte führen im Rahmen der Operation „Adlerkralle 2“ seit dem 10. Februar eine Militäroperation gegen vermutete Stellungen der Terrororganisation PKK in Gara/Nordirak durch.

Der Einsatz begann in der Nacht um 02:55 Uhr Ortszeit, an dem neben 41 Kampfflugzeugen, Aufklärungs- und Tankflugzeugen, Drohnen, auch ATAK-Kampfhubschrauber sowie Kommando Spezialkräfte (ÖKK) und Spezialeinheiten der Gendarmerie (JÖH) eingesetzt wurden. Seit Jahren unterhält die türkische Armee auch Stützpunkte auf nordirakischem Gebiet, um gegen PKK-Terroristen vorzugehen, die Angriffe auf türkisches Territorium planen. Es handelt sich beim Anti-Terror-Kampf der türkischen Armee um einen der umfangreichsten Einsätze seit Jahren.

Der türkische Nachrichtendienst hatte nach Medienangaben Hinweise erhalten, wonach eine PKK-Terrorgruppe von iranischem Gebiet der Kandil-Berge aus sich auf den Weg gemacht habe, um über Gara Anschläge in der Türkei zu verüben. In den letzten zwei Jahren haben die türkischen Streitkräfte ihre Präsenz im Nordirak noch einmal verstärkt, weil die PKK diese Region als Rückzugsgebiet für weitere Anschläge und Transport-Route von den Kandil-Bergen über Gara nach Sincar und von dort nach Syrien genutzt hatte.

Das weitläufige Areal, von dem hier die Rede ist, erstreckt sich von der iranischen Grenze bis nach Silopi/Türkei. Zum besseren geografischen Verständnis: Gara ist etwa 40 km von der türkischen Grenze entfernt, nach Dohuk sind es 20 km und zur syrischen Grenze 82 km Entfernung. Das Operationsgebiet hatte sich für die Terrororganisation zu einem Logistikzentrum entwickelt. Da jedoch die türkische Armee die Transportwege der Terroristen aus der Luft überwacht und auch Angriffe gegen Waffentransporte durchführt, wurde es für die Extremisten schwieriger, an Waffen und Munition zu gelangen.

Früher war es für die PKK einfach über den Iran und Irak Terroranschläge in der Türkei zu verüben, weil sich diese in den massiven Gebirgszügen mit über 2.000 Metern Höhe gut verstecken und unerkannt bleiben konnten. Die Satelliten- und Drohnenaufklärung kann PKK-Stellungen und Verstecke nun auch im Gebirge orten und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Nicht jede Armee wäre in der Lage, unter diesen extrem schwierigen Bedingungen im Winter eine derartige Militäroperation in den Bergen des Nordirak durchzuführen. Verteidigungsminister Hulusi Akar gab mit den Befehlshabern der anderen Waffengattungen in der Operationszentrale der Armee eine Pressekonferenz.

Nach dessen Angaben wurden beim Einsatz mehr als 50 Ziele aus der Luft zerstört, darunter Terrornester und Lager. 48 Terroristen seien getötet und zwei Extremisten auf der Flucht aus einem Höhlenversteck festgenommen worden. „Die Militäroperation ist abgeschlossen. Unsere Heeres- und Luftwaffeneinheiten sind sicher auf ihre Stützpunkte und Kasernen zurückgekehrt“, so Akar. Die Spezialeinheiten hätten bei ihrer Operation auch Verhör- und Folterzellen, die von der PKK errichtet wurden, zerstört.

Auch aus anderen Teilen des Iraks sollen Zivilisten von den Terroristen verschleppt und in diesen Folterzellen festgehalten werden. Damit zeigt die PKK ihr wahres Gesicht, denn Sicherheitsexperten verweisen seit Jahrzehnten auf die Skrupellosigkeit und Gefährlichkeit dieser Terrororganisation hin, die nicht nur Erwachsene verschleppt, sondern auch Kinder und Jugendliche. Seit über 500 Tagen protestieren kurdische Mütter und Väter gegen die dunklen Machenschaften der PKK vor der Parteizentrale der HDP in Diyarbakır. Die Eltern fordern die sofortige Freilassung ihrer Kinder und beschuldigen die HDP ihre Kinder entführt und der PKK zugeführt zu haben. Die HDP wird verdächtigt, der verlängerte politische Arm der Terrororganisation PKK zu sein.

PKK tötet 13 Zivilisten

Die Sicherheitskräfte hätten in einem von der PKK errichteten Höhlenversteck eine grausige Entdeckung gemacht. 13 Zivilisten, die von der Terrororganisation zuvor verschleppt wurden, seien Akars Angaben zufolge exekutiert worden. Erste Untersuchungen wiesen bei einem Opfer ein Einschussloch an der Schulter und bei den anderen 12 getöteten Kopfschüsse auf.

Die zwei festgenommenen Terroristen gaben bei ihrer Vernehmung an, dass die 13 festgehaltenen Zivilisten zu Beginn der Militäroperation auf Anweisung des Höhlenverantwortlichen der Terroristen getötet worden seien. Nach Informationen von Generalstabschef Yaşar Güler habe das Operationsgebiet eine Länge von 75 km und eine Breite von 25 km umfasst. Bei der „Feindberührung“, also dem ersten Gefechtskontakt mit den Terroristen, sind nach Angaben des Vier-Sterne-Generals drei türkische Soldaten gefallen und drei verletzt worden.

Proxy war gegen die Türkei

Der Twitter-Account der US-Botschaft in Ankara veröffentlichte wegen der drei gefallenen türkischen Soldaten am 12. Februar eine Kondolenz-Mitteilung. Die USA stünden an der Seite ihres „Verbündeten“ und drückten den Familien der gefallenen Soldaten gegenüber ihr Beileid aus.

Die Mitteilung der US-Vertretung ist an Dreistigkeit und Heuchelei kaum zu überbieten, da es die Vereinigten Staaten sind, die die Terrororganisation PKK/YPG mit allen Mitteln einschließlich Waffen, unterstützen. Die USA, Israel und andere „westliche Verbündete“ benutzen Terrororganisationen wie die PKK/YPG, DAESH/IS, FETÖ und andere extremistische Organisationen als Stellvertreter, um durch eine asymmetrische Kriegsführung gegen die Türkei ihre Politik aufzuzwingen. Es findet kein zwischenstaatlicher Krieg wie früher statt, sondern ein „Proxy war“, also ein Stellvertreterkrieg, der durch Terrororganisationen gegen die Türkei geführt wird.

Nach dem erfolgreichen Einsatz der türkischen Armee gegen PKK-Terrornester in Avaşin, Metina, Hakurk, Haftanin etc. auf irakischer Seite zog sich die Terrororganisation unter anderem nach Gara zurück, weil dieses schwer zugängliche gebirgige Areal als Rückzugsort und Logistikzentrum galt. Mit der Zerstörung von Gara richten sich die Blicke nun nach Kandil, Sincar und insbesondere nach Nordostsyrien, wo die Terrororganisation mit massiver Unterstützung der US-Armee etwa 30 Prozent von Syrien besetzt hält.


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


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