Meinung
Kommentar: Es gibt kurdische und völkisch-kurdische Mütter

Als der damalige Co-Vorsitzende der völkisch-kurdischen Partei HDP, Selahattin Demirtaş, die Anhänger seiner Partei im Oktober 2014 aufrief, die vereinzelten Übergriffe auf Gebäude der HDP zu vergelten, saßen seine Töchter im warmen Schoß der Mutter Başak Demirtaş.

Teilen

Ein Gastbeitrag von Nabi Yücel

Als der damalige Co-Vorsitzende der völkisch-kurdischen Partei HDP, Selahattin Demirtaş, die Anhänger seiner Partei im Oktober 2014 aufrief, die vereinzelten Übergriffe auf Gebäude der HDP zu vergelten, saßen seine Töchter im warmen Schoß der Mutter Başak Demirtaş, während andere Mütter nicht ahnen konnten, welche Auswirkungen dieser verheerende Brandsatz Selahattin Demirtaş`s auf sie haben wird.

Wochen später und nach landesweit 52 Morden an kurdischen Anhängern der Hüda-Par, ethnischen Türken und vermeintlichen kurdischen Kollaborateuren, verübt durch marodierende Anhänger der Partei HDP, weinten die kurdischen Mütter, während die völkisch-kurdischen Mütter weit über diesen schicksalhaften Datum hinaus auf den Straßen in Demonstrationszügen Freudentänze veranstalteten.

Es gab also solche und solche Mütter.

Während Başak Demirtaş als Mutter noch heute ihre Töchter gut behütet weiß und der Ehemann für diesen Fauxpas sich vor Gericht verantworten muss, sitzen andere Mütter an den Gräbern ihrer Kinder, die vor genau vier Jahren von marodierenden HDP-Anhängern gelyncht wurden. Başak Demirtaş kann ihren Ehemann im Untersuchungsgefängnis besuchen, während die Mütter der Opfer ihre Kinder in Friedhöfen besuchen können.

Es gibt also privilegierte und unprivilegierte Mütter.

Als im Juni 2020 vor dem Kreisverband der HDP in Diyarbakır mehr als ein Dutzend ParteimitgliederInnen einen Freudentanz hinlegten, saßen nur wenige Meter daneben die Mütter von Diyarbakır in einem Protestzelt, in dem seit mehr als einem Jahr von der Partei vergeblich und unter Tränen forderten, die Terrororganisation PKK zu überzeugen, ihre entführten oder verführten Kinder freizulassen.

Es gibt also unbesorgte und besorgte Mütter.

Während die sogenannten Samstagsmütter von der HDP und deren PolitikerInnen massiv unterstützt werden und dadurch weit über den Atlantik hinaus Bekanntheitsgrad erlangt haben, sitzen die Mütter von Diyarbakır nach wie vor alleine im Zelt und werden von denselben Politikern und Abgeordneten links liegen gelassen. Ihr Bekanntheitsgrad erstreckt sich daher höchstens bis zur Außengrenze der Türkei.

Es gibt also nicht nur solche und solche Mütter, privilegierte und unprivilegierte Mütter, unbesorgte und besorgte Mütter, sondern auch noch bevorzugte und nicht beachtete Mütter.

Als in Deutschland jüngst Dutzende Menschenrechtler, Politiker, Demokraten und Humanisten die Freilassung von Selahattin Demirtaş forderten, stand die kurdischstämmige in Berlin lebende Mutter Maida T. sich schon seit Wochen die Beine in den Bauch, ohne dass ihr ein einziger dieser Figuren solidarisch zur Seite gestanden wäre oder ein Statement abgegeben hätte. Maida T. steht noch heute vor dem Reichstagsgebäude, wo sie die Freilassung ihrer Tochter Nilüfer vom PKK-nahen Verein „Navenda Kurdistan“ in Berlin fordert, wo sie getäuscht und ins Ausland verfrachtet wurde, um für eine stalinistisch-marxistische Ideologie zu sterben.

Es gibt also nicht nur solche und solche Mütter, privilegierte und unprivilegierte Mütter, unbesorgte und besorgte Mütter, bevorzugte und nicht beachtete Mütter, sondern auch kurdische und völkisch-kurdische Mütter, die von der HDP, von Menschenrechtlern, von Politikern, von Demokraten und von Humanisten gleichermaßen missbraucht werden. Das ist auch das einzige, was diese Mütter verbindet.


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


Auch interessant

– Terrorismus –
PKK-Kindersoldaten: Der lange Kampf kurdischer und jesidischer Eltern um ihre Töchter und Söhne

Dass die Terrororganisation PKK nicht davor zurückschreckt, auch Kinder und Minderjährige zu entführen, um sie bei Kämpfen als Kanonenfutter zu gebrauchen, ist seit Langem bekannt. Was bis jetzt zumeist nur durch wenige Beteiligte innerhalb der kurdischen und jesidischen Community lautstark verurteilt wurde, sorgt nun auch international für teils heftige Kritik. Der allgemeine Tenor lautet: So geht es nicht mehr weiter!

PKK-Kindersoldaten: Der lange Kampf kurdischer und jesidischer Eltern um ihre Töchter und Söhne

Auch interessant

Mattner: Israelkritik ist kein linkes Randphänomen

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Wenn man sich anschaut, wer vor rund 20 Jahren deutliche Kritik an der israelischen Regierung geäußert hat, wird es aus...

Michael Thomas: „Parallelen zwischen Israel und Deutschland unter Hitler“

Ein Gastkommentar von Michael Thomas Der jüngste Ausfall vom israelischen „Sicherheitsminister“ Itamar Ben-Gvir beschreibt den Zustand Israels genauer und zeigt, wo das Land steht. Leider zeigt...

Rente mit 63 vor dem Aus: Was Deutsche jetzt planen müssen

Karl Lauterbach warnt. Die Rentenkommission empfiehlt. Und die AfD-Fraktion feiert einen Vorschlag, den sie selbst seit Jahren fordert. Drei völlig unterschiedliche Player, ein gemeinsamer...

Westbank-Journalist Andrey X: „Sie haben auf mich geschossen“

Jerusalem - Der israelische Journalist und Aktivist Andrey X berichtet von einem weiteren gefährlichen Vorfall während seiner Arbeit im Westjordanland. Andrey X berichtet von einem...

Papst Leo XIV. verurteilt erneut Siedlergewalt

Vatikan - Der internationale Druck auf die israelische Siedlungspolitik und die ausufernde Gewalt extremistischer Siedler im besetzten Westjordanland erreicht eine neue Ebene. Nach einem...

Headlines

Michael Thomas: „Parallelen zwischen Israel und Deutschland unter Hitler“

Ein Gastkommentar von Michael Thomas Der jüngste Ausfall vom israelischen „Sicherheitsminister“ Itamar Ben-Gvir beschreibt den Zustand Israels genauer und zeigt,...

Papst Leo XIV. verurteilt erneut Siedlergewalt

Vatikan - Der internationale Druck auf die israelische Siedlungspolitik und die ausufernde Gewalt extremistischer Siedler im besetzten Westjordanland erreicht...

Mattner: „Auch israelische Siedler können Terroristen sein“

Ein Gastkommentar von Susanne Mattner Ich bin ehrlich gesagt äußerst erstaunt – und zwar positiv –, dass die Frankfurter Rundschau...

Safa: Netanjahu ist nicht das Problem, Israel ist

Beirut - Der libanesische Diplomat und Menschenrechtsaktivist Mohamad Safa hat in einem ausführlichen Kommentar den internationalen Fokus auf Israels...

Meinung

Rente mit 63 vor dem Aus: Was Deutsche jetzt planen müssen

Karl Lauterbach warnt. Die Rentenkommission empfiehlt. Und die AfD-Fraktion feiert einen Vorschlag, den sie selbst seit Jahren fordert. Drei völlig unterschiedliche Player, ein gemeinsamer...

Michael Thomas: „Parallelen zwischen Israel und Deutschland unter Hitler“

Ein Gastkommentar von Michael Thomas Der jüngste Ausfall vom israelischen „Sicherheitsminister“ Itamar Ben-Gvir beschreibt den Zustand Israels genauer und zeigt, wo das Land steht. Leider zeigt...

Rapor: Afrika Gençliği Ruh Sağlığında Dünya Lideri

Londra - Maddi refah, ruh sağlığının garantisi değil. Şubat 2026 sonunda yayımlanan yeni bir küresel rapor, zihinsel esenlik haritasını temelden sarstı. İngiltere, Japonya ve Yeni...

CHP: Vatandaşlar ile Parti Arasındaki Artan Kopuş

Nabi Yücel Vatandaşlarla partiler arasındaki giderek derinleşen kopuş, Türkiye'nin en köklü partisi CHP üzerinden somut biçimde gözlemlenebilir. Cumhuriyet Halk Partisi, 38. Olağan Kurultay'ın ardından ve...

Geleceğin Cumhurbaşkanı: Hakan Fidan

Polat Karaburan Recep Tayyip Erdoğan, yarım asrı aşkın bir süredir Türkiye’nin siyasi hayatına yön veriyor. 1976 yılında merhum Necmettin Erbakan’ın siyasi hareketinde filizlenen bu yolculuk,...