Gesellschaft
Ai Weiwei: „Die Deutschen sind so falsch“

Der chinesische Exil-Künstler Ai Weiwei kritisierte in einem Interview erneut die Deutschen und Deutschland. Wie zuvor der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, zog er Parallelen mit der Nazi-Zeit.

Teilen

Berlin – Der chinesische Exil-Künstler Ai Weiwei hat in einem Interview erneut die Deutschen und Deutschland kritisiert. Wie zuvor der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, zog er Parallelen mit der Nazi-Zeit.

In einem Gespräch mit der Berliner Zeitung sagte der Regimekritiker:

Deutschland ist zutiefst unehrlich. Sie wollen stolz sein, sie wollen das Richtige tun, dafür haben sie sich sehr angestrengt, weil sie eine so dunkle Vergangenheit haben. Aber funktioniert das wirklich, oder tun sie bloß so? Ich mag es nicht, wenn jemand nur so tut. Wenn es neue Nazis gibt, dann schätze ich das, weil sie echt sind. Ich mag die Liberalen nicht, die nur so tun, als seien sie liberal. Aber tief drinnen haben sie die Nazi-Kultur verinnerlicht.

Und weiter:

Ich werde von der deutschen Gesellschaft unter Druck gesetzt. Das ist okay. Ich kenne ihre Geschichte, weiß, wer ihre Großeltern sind. Aber ich versuche, mir vorzustellen, dass sie ihre Gesellschaft verbessern können.

Bereits im Januar hatte Weiwei die deutsche Gesellschaft harsch kritisiert. Das Land sei intolerant, bigott und autoritär. Deutschland biete kein gutes Umfeld für Ausländer, sagte der 62-Jährige der britischen Tageszeitung The Guardian im Januar. Es herrsche im Land zudem eine autoritäre Denkweise sowie eine Gesinnung wie in den 1930er-Jahren.

Der Nazismus sei noch immer da und zwar in Form eines Überlegenheitsgefühls für die eigene Sicht auf die Welt.

„Faschismus bedeutet, dass man eine Ideologie über andere stellt und diese Ideologie für rein erklärt, indem man andere Denkungsarten abwertet. Das ist Nazismus. Und dieser Nazismus existiert im deutschen Alltag von heute.“

Der Künstler beschrieb die Deutschen zudem als obrigkeitshörig. Sie hätten sich, ähnlich wie in China, damit abgefunden, unterdrückt zu werden.

„Ich mag ein Land oder eine Kultur nicht, die sich so sehr den Autoritäten beugt.“

Wirtschaft abhängig von China

Weiwei erhebt auch Vorwürfe gegen die deutsche Wirtschaftspolitik. Deutschlands Industrie hänge von China ab, deshalb werde die Menschenrechtsfrage nicht angesprochen. Alle westlichen Geschäftsleute wüssten genau, was vorgeht, aber sie sagten nichts, so der Künstler in einem Gespräch mit der Tageszeitung die Welt im August 2019.

Dies sei auch der eigentlich Grund warum seine Filme nicht bei den internationalen Filmfestspielen Berlinale angenommen worden seien. Hierzu der Künstler gegenüber der Berliner Zeitung:

Ich bin mit vielen chinesischen Regisseuren befreundet. Die sagen: Weiwei, die können dich nicht nehmen. Die wollen China nicht auf die Füße treten. Volkswagen – also Audi – ist einer der Berlinale-Sponsoren. Und sie hassen mich. Weil ich mit ihnen darüber gestritten habe, warum sie dieses Werk in China errichten müssen, das ein Arbeitslager ist. Aber es ist okay, ich heule nicht rum. Wenn sie mich bei der Berlinale nicht nehmen, heißt das, ich bedeute etwas. Nicht nur die Kommunistische Partei Chinas hat Angst vor mir. Die Deutschen sind so schwach, so falsch. Sie suchen nicht mal das Streitgespräch mit mir. Sie sagen nur: Ach dieser Typ, er mag einfach keine Berliner Taxifahrer. Es ist Zeit für mich auszusteigen.

„Die Briten sind wenigstens höflich“

Aufgrund der deutschen Fremdenfeindlichkeit sei er nun mit seinem Sohn nach Cambridge gezogen. Er mache sich in Anbetracht des Brexits zwar keine Illusionen darüber, dass die Briten besonders tolerant seien, jedoch seien sie wenigstens höflich.

„Die Briten sind wenigstens höflich. In Deutschland gibt es diese Höflichkeit nicht. Sie haben eine tiefe Abneigung gegen Ausländer.“

 

 

Auch interessant

Trotz Vorwürfen der Meta-Drosselung: Lula sichert sich historischen Wahlsieg in Brasilien

Brasilia - Luiz Inácio Lula da Silva hat die dramatische Stichwahl um die Präsidentschaft in Brasilien gewonnen und sich eine weitere Amtszeit an der...

EZB-Zinspolitik: Anleger sollten europäische Staatsanleihen im Blick haben

Von Silvio Vergallo   Der europäische Anleihemarkt hat sich grundlegend verändert. Nach der langen Niedrigzinsphase im Anschluss an die globale Finanzkrise sind die Renditen europäischer Staatsanleihen...

Von Württemberg in den Kaukasus. Ein deutsches Kapitel in der Geschichte Aserbaidschans

Von Toghrul Hasanzade Als Mammad Amin Rasulzade und andere Gründerväter am 28. Mai 1918 die Gründung der Ersten Aserbaidschanischen Republik verkündeten, gab es in diesen...

US-Senats-Kandidat El Sayed: Trump ist ein Idiot

Detroit - Der demokratische Senatskandidat Abdul El-Sayed aus Michigan hat US-Präsident Donald Trump in einem Podcast als „Idioten“ bezeichnet. Auch Vizepräsident JD Vance und...

Damaskus: Al-Scharaa warnt vor Krieg gegen Israel

Damaskus - Die syrische Führung soll Washingtoner Kreisen zufolge unmissverständlich klar gemacht haben, dass der Wille zur Vermeidung eines erneuten Krieges keineswegs mit mangelnder...

Headlines

Merz: Iran-Krieg kostete Europa mehr als 100 Milliarden

Berlin - Der Konflikt im Nahen Osten und dessen wirtschaftliche Folgen für Europa sorgen für neue diplomatische Spannungen. Bei...

Selenskyj zu Arbeitsbesuch bei Erdoğan in Istanbul eingetroffen

Istanbul - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist heute zu einem Arbeitsbesuch in Istanbul eingetroffen. Auf Einladung des türkischen...

Epstein: El-Sayed fordert Trump zu einem Lügendetektortest auf

Detroit - Im Endspurt des US-Senatswahlkampfs in Michigan haben sich der demokratische Kandidat Abdul El-Sayed und US-Präsident Donald Trump...

Bericht: Israelische Einflusskampagne fördert Islamfeindlichkeit

London - Eine neue Untersuchung legt offen, wie eine verdeckte Desinformationskampagne mit Millionenaufwand antimuslimische und rassistische Narrative in Europa...

Meinung

Merz: Iran-Krieg kostete Europa mehr als 100 Milliarden

Berlin - Der Konflikt im Nahen Osten und dessen wirtschaftliche Folgen für Europa sorgen für neue diplomatische Spannungen. Bei seinem Besuch in Südkorea hat...

Selenskyj zu Arbeitsbesuch bei Erdoğan in Istanbul eingetroffen

Istanbul - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist heute zu einem Arbeitsbesuch in Istanbul eingetroffen. Auf Einladung des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan kommt...

Araştırma: ChatGPT kullanımı beyin aktivitesini önemli ölçüde azaltıyor

Cambridge – MIT Media Lab tarafından yapılan bir araştırma, ChatGPT ve diğer AI asistanlarının kullanımının beyin aktivitesini büyük ölçüde azalttığına dair ilk kanıtları sunuyor. Araştırma,...

CHP: Vatandaşlar ile Parti Arasındaki Artan Kopuş

Nabi Yücel Vatandaşlarla partiler arasındaki giderek derinleşen kopuş, Türkiye'nin en köklü partisi CHP üzerinden somut biçimde gözlemlenebilir. Cumhuriyet Halk Partisi, 38. Olağan Kurultay'ın ardından ve...

Rapor: Afrika Gençliği Ruh Sağlığında Dünya Lideri

Londra - Maddi refah, ruh sağlığının garantisi değil. Şubat 2026 sonunda yayımlanan yeni bir küresel rapor, zihinsel esenlik haritasını temelden sarstı. İngiltere, Japonya ve Yeni...