Abschied vom Ölkartell
Katar steigt aus der OPEC aus

Katar verlässt im Januar die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC). Offizieller Grund ist der vom Land beabsichtigte Ausbau der Gasförderung. Oder steckt noch mehr dahinter? Ein Kommentar.

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Von Thomas Bernhard und John Whatkins

Für die Einen mag es eine Überraschung sein, die Anderen haben den Schritt, den Katar nunmehr im nächsten Monat vollziehen wird, längst erwartet:

Wie Katars Energieminister Saad al-Kaabi in Doha ankündigte, wird sein Land im Januar kommenden Jahres aus der OPEC austreten. Das Land gehörte dieser Organisation 57 Jahre lang an. Der Rückzug spiegele den „Wunsch Katars wider, sich auf die Steigerung der Gasproduktion zu konzentrieren“.

Katar teilt sich mit dem Iran das sogenannte „South-Pars-Feld“, welches Experten als das wohl bisher größte entdeckte Gasfeld der Erde ansehen. Auf der Liste der weltweit größten Gasfelder hat es mehr gewinnbare Reserven als alle anderen Felder zusammen.

Das Gasfeld befindet sich im Persischen Golf und erstreckt sich von der Küste Katars quer über fast die gesamte Breite des Meeresarms. Die Fläche des Gasfeldes beträgt knapp 10.000 km², wovon etwas mehr als 2/3 in Katar liegen. Die Gasreserven des Feldes betragen geschätzte 1.300 TCF (englischtrillion cubic feet, Billionen Kubikfuß). Etwa 500 TCF liegen auf iranischem Gebiet.

Das Nord-Feld oder Nord-Gasfeld ist der auf dem Gebiet von Katar liegende Teil des South-Pars-Gasfelds. Es erstreckt sich vor der Küste des Lands über eine Fläche von 6.000 km² und beinhaltet mit 900 Billionen Kubikfuß (25,5 Billionen Kubikmeter) etwa 20 % der bekannten Erdgasreserven. Es ist von großer wirtschaftlicher und geostrategischer Bedeutung und soll u. a. ein Grund für den Syrienkrieg sein.

Katar will, wie schon länger bekannt ist, die Gasförderung bis spätestens 2024 von jährlich 77 Millionen Tonnen auf 110 Millionen Tonnen erhöhen.

Die Entscheidung Katars könnte auch zum Teil, zumindest was den Zeitpunkt der Bekanntgabe anbelangt, mit dem erbitterten Streit mit dem Nachbarland Saudi-Arabien zusammenhängen, obgleich das Emirat dies zurückweist.

Im Sommer 2017 hatten Saudi-Arabien sowie Bahrain und andere arabische Länder wie Ägypten eine Verkehrs- und Handelsblockade gegen den Golfstaat Katar verhängt. Gleichzeitig erfolgte der Abbruch der diplomatischen Beziehungen.

Die Türkei wiederum steht Katar seit Juni 2017 bei, als als Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate begannen, den Kleinstaat mit einem bis heute bestehenden Embargo zu isolieren. Seither liefert die Türkei die Produkte, die Katar nicht mehr von seinen Nachbarn beziehen kann, bis hin zu Milch. Die Türkei richtete auch in Katar eine Militärbasis ein, die offenbar auch dem Zweck dient, die Hürde der Abschreckung für einen Überfall auf das Land höher zu hängen.

Eng sind auch die übrigen wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen beider Länder. Katar hat in den vergangenen Jahren viel in der Türkei investiert. Die „Qatar National Bank“, eine der größten Banken in der arabischen Welt, hat z.B. die türkische „Finansbank“ erworben; 15 Prozent ihrer Aktiva haben bereits einen Türkeibezug. Und die katarische „Commercial“ kaufte die „Alternatifbank“.


Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.


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