Griechenland
Bürgermeister Boutaris wegen Türkei-freundlicher Äußerung brutal zusammengeschlagen

Bei einer Gedenkfeier wird der Bürgermeister Thessalonikis zu Boden gestoßen und von mehreren Personen mit Schlägen und Tritten am ganzen Körper traktiert.

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Bürgermeister von Thessaloniki will bessere Beziehungen zur Türkei: Von griechischen Nationalisten geschlagen und getreten

Thessaloniki (nex) – Yiannis Boutaris (75) ist seit 2011 Bürgermeister der griechischen Stadt Thessaloniki. Nach einem Berufsleben als Geschäftsmann und Winzer übergab er das von ihm geleitete Familien-Weingut 2002 an seine Kinder und engagiert sich seitdem ehrenamtlich in der Politik. Boutaris ist Gründungsmitglied der Initiative für Thessaloniki und der Kleinpartei Drasi.

Die Partei ist Mitglied der europäischen Fraktion „Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa“. Bei einer Gedenkfeier wird der Bürgermeister Thessalonikis zu Boden gestoßen und von mehreren Personen mit Schlägen und Tritten am ganzen Körper traktiert.

Auf einer Gedenkfeier am Samstag hatte sich der Bürgermeister der zweitgrößten Stadt Griechenlands für „bessere und intensivere Beziehungen zum Nachbarland Türkei“ in „gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereichen“ ausgesprochen.

Nach seiner Ansprache wurde Yiannis Boutaris von einer Horde aus mehreren griechischen nationalistisch-rechten Personen umringt und zu Boden gerissen. Anschließend schlugen und traten die Täter heftig auf den am Boden liegenden Politiker ein. Seine Tortur ging selbst dann noch weiter, als Boutaris bereits ohne Besinnung war.

Der Burgerneister von Thessaloniki wurde vom Rettungsdienst in ein Krankenhaus eingeliefert, welches er, entgegen dem Rat der behandelden Ärzte, auf eigenen Wunsch am gestrigen Sonntag wieder verließ.

Ein Sprecher der Polizei in der griechischen Stadt teilte am Sonntagabend mit, dass zwei Täter festgenommen worden seien. Einer der Festgenommenen, es soll sich um einen 20 Jahre alten Mann handeln, habe seine Tatbeteiligung gestanden. Als Motiv gab der Mann an, ihn hätten die Äußerungen von Yiannis Boutaris provoziert, wonach der Bürgermeister bessere Beziehungen zur Türkei anstrebe.

Bei dem anderen festgenommenen Verdächtigen handelt es sich nach Angaben der Polizei um einen wegen Raubes mehrfach vorbestraften 36-jährigen Mann. Nach weiteren Verdächtigen, möglicherweise einem Dutzend, werde gefahndet.

Der 75-jährige Yiannis Boutaris wird wegen seiner objektiven Haltung zur Türkei von griechischen Rechtsextremen, aber auch griechischen Amtskollegen immer wieder beschimpft und verunglimpft. So twitterte der Bürgermeister von Mykene-Argos, Mitglied der liberalkonservativen Partei Neue Demokratie: „Das ist das Schicksal von Verrätern des griechischen Volkes.“ In den sozialen Medien gab es weitere derartiger Äußerungen von Mitgliedern und Anhängern nationaler und faschistischer Organisationen.

https://youtu.be/Y_8sd44RX30

Thomas Bernhard

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