Altertümliche Kochkünste
Türkei: Hethiter-Menü mit 4000 Jahre alten Rezepten in Alacahöyük serviert

Die Hethiter, die vor 4000 Jahren in Anatolien lebten, hinterließen auf Tafeln ihre Kochrezepte. Ein Archäologenteam hat nun einige davon nachgekocht. Die Köche hatten dabei versucht, die damals herrschenden Verhältnisse 1:1 nachzustellen.

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Ankara (nex) – Ein Menü der besonderen Art konnten  Archäologen und Besucher der antiken Stätte Alacahöyük am Mittwoch genießen, als das dortige Forscherteam 4000 Jahre alte Rezepte der hethitischen Küche ausprobierte, zubereitet ohne jedwede moderne Ausstattung.

Alacahöyük ist eine neolithische Siedlung und bedeutsame Ausgrabungsstätte. Es war das landesweit erste in der Türkei ausgegrabene Ensemble diese Art. Die ersten Arbeiten am Ort hatten 1907 begonnen. Ömür Akkor, ein Teammitglied, schilderte gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu, wie diese Idee umgesetzt wurde:

„Wir haben Forschungen durchgeführt über Kochkultur, Nahrung und Brot der Anatolisch-Hethitischen Periode von vor 4000 Jahren“, so Akkor. Anschließend habe man die Situation nachgestellt und die Bedingungen der damaligen Zeit imitiert. „Altertümliche Siedler brachten zum Ausdruck, dass an ihren Festtagen kaltes Fleisch, gekochte Zwiebeln und Brot gereicht wurden. Sie haben keine Hefe zum Brotbacken verwendet oder die Brote in feuchten Öfen gebacken. Das Team hat mit zurechtgehämmertem Weizen statt mit gesiebtem Mehl gearbeitet.“ Die Vielfalt der Rezepte auf den Tafeln zeige, dass die Hethiter damals sowohl in der Kochkultur als auch auf anderen Gebieten sehr erfolgreich gewesen wären.

Die Archäologen, so Akkor, hätten aus Deutschland importierten Buchweizen und kein anderes Hilfsmittel als ein Messer zur Zubereitung der Speisen genutzt. Darüber hinaus habe man mehr als 100 verschiedene Namen für Backwaren auf den hethitischen Tafeln gefunden. Im Zuge der Ausgrabungen sei man auch auf neue Erkenntnisse bezüglich der Nutzung von Olivenöl, Honig, Getränken und Gemüse gestoßen, zudem auf extreme Vorsicht bezüglich der Hygienebestimmungen. So stand auf das Betreten der Küche mit ungepflegten Haaren oder Bärten, mit Tieren oder ohne zuvor ein Bad genommen zu haben die Todesstrafe.

Der osmanische Archäologe Makridi Bey war der Erste, der 1907 Ausgrabungen in Alacahöyük in Angriff nahm. Im Jahr 1935 stellte Republiksgründer Mustafa Kemal Atatürk staatliche Fonds für die Durchführung der archäologischen Arbeiten zur Verfügung. Mittlerweile hat sich die Universität Ankara des Komplexes angenommen. Etwa 2000 v. Chr. sollen die Hethiter nach Anatolien eingewandert sein. Bekannt waren sie bislang vor allem durch ihre Kupferarbeiten. Auch eine Reihe religiöser Kultgegenstände und Bauwerke aus der Zeit dieser Kultur sind in dem Ausgrabungspark erhalten. Die in der zentralanatolischen Provinz Çorum gelegene Stätte wird jährlich von etwa 50 000 Interessierten besucht.

Zu den Highlights des hethitischen Menüs gehörten übrigens unter anderem:

Brote: Ninda.imza (ohne Gewürze), Mulati (aus Gerste), Ninda.gur.ra (mit Käse und Feigen), Ninda purpura (Brötchen), Ninda.ku (süßes Brot).

Hauptgerichte: Aprikosenbutter, Beruwa (verschiedenes gestampftes Fleisch mit Gurke), Beruwa mit Kichererbsen, Happena (Schmortopfgericht mit Fleisch, Olivenöl und Honig), Kariya (gegrillte Lammleber und Herz), Kaltes Fleisch, Sandwiches (mit gekochtem Fleisch und Zwiebeln)

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