Ifo-Beschäftigungsbarometer
Arbeitsmarkt droht Stagnation
Düsseldorf (dts) – Nach sieben Anstiegen in Folge ist das Ifo-Beschäftigungsbarometer im Juli erstmals wieder gesunken. Der Index sank um 0,6 auf 107,2 Punkte. „Die positive Dynamik schwächt sich etwas ab“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe, der die exklusive Umfrage für das „Handelsblatt“ unter 9.500 Firmen betreut.
Neues Personal sei vor allem in der Fahrzeug-, Elektro-, und Chemieindustrie gefragt. Am Donnertag wird die Bundesagentur für Arbeit über die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Juli informieren. Bankvolkswirte rechnen mit einen Rückgang der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit um rund 5.000; die Arbeitslosenquote dürfte bei 6,4 Prozent verharren.
G-10-Kommission
Geheimdienst-Kommission prüft Verfassungsklage gegen Regierung
Berlin (dts) – Die G-10-Kommission des Bundestages prüft eine Klage vor dem Verfassungsgericht, um Einsicht in die Bad Aiblinger Selektorenliste des US-Geheimdienstes NSA zu erzwingen. Zu diesem Zweck hat die Kommission nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR bereits Juristen beauftragt. Die Bundesregierung hatte ihr verweigert, die Liste mit den Suchmerkmalen selbst einsehen zu dürfen.
Auch Grüne und Linke wollen auf Einsicht in die Listen klagen. Das Kürzel G 10 steht für den Grundgesetzartikel 10, der das Fernmeldegeheimnis schützt. Ohne ein Ja der Kommission dürfen mutmaßliche Terroristen oder Waffenschieber nicht überwacht werden. Die Bundesregierung hatte den ehemaligen Bundesrichter Kurt Graulich als Sonderbeauftragten ernannt, der vor knapp zwei Wochen mit seiner Arbeit begonnen hat. Er soll feststellen, in welchem Umfang der Bundesnachrichtendienst der NSA bei Spionage-Operationen gegen europäische Partnerländer half und ob dabei gegen Absprachen verstoßen wurde. Die Ergebnisse seiner Prüfung sollen den zuständigen Gremien zur Verfügung gestellt werden. Die Oppositionsabgeordneten im NSA-Ausschuss lehnen dieses Vorgehen ebenso ab wie die Mehrheit der Mitglieder in der G-10-Kommission. Man müsse die Listen selbst sehen und könne sich nicht auf einen Beauftragten verlassen, hieß es aus Kreisen der G-10-Kommission. Die Juristen sollen nun zunächst klären, ob die Kommission – ein eigenständiges Organ des Bundestages – klageberechtigt ist. Einen solchen Fall hat es noch nicht gegeben.
Mit einer endgültigen Entscheidung über die Klage wird Ende August in der nächsten Sitzung der G-10-Kommission gerechnet. Das einst gute Verhältnis zwischen Regierung, Geheimdiensten und der G-10-Kommission gilt als gestört, seit Mitglieder des Gremiums sich von der Regierung nicht vollständig informiert oder gar hintergangen fühlen. Sie klagen, sie seien in der Vergangenheit über den wahren Zweck von Überwachungsmaßnahmen nicht ausreichend informiert worden. Wegen des gestörten Verhältnisses wurde unlängst die Genehmigung einiger neuer Überwachungsmaßnahmen verzögert. Auch deshalb wäre aus Sicht der meisten Mitglieder des geheim tagenden Gremiums jetzt ein eigener Einblick in die Selektorenliste der NSA notwendig gewesen. In einem als geheim eingestuften Brief hatte Kanzleramtsminister Peter Altmaier vor einigen Wochen die Vorsitzenden der G-10-Kommission, des NSA-Untersuchungsausschusses und des Parlamentarischen Kontrollgremiums über seine Gründe für die Verweigerung informiert. Demnach wäre „eine Offenlegung des Selektorenprofils“ der NSA ohne Zustimmung der USA ein Verstoß gegen das „geltende Völkervertragsrecht“. Deutschland werde dann wohl nicht nur von den USA, sondern womöglich auch von Drittstaaten als „insgesamt als unzuverlässiger Partner angesehen“, dem „besonders sensibles Material nicht mehr anvertraut werden“ könne.
Triton
Erneut Hunderte Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet – 13 Tote
Rom (dts) – Im Rahmen der EU-Grenzschutzmission „Triton“ sind bei insgesamt fünf verschiedenen Einsätzen vor der Küste Libyens am Montag mehr als 1.800 Flüchtlinge gerettet worden. Ein Schiff der irischen Marine habe dabei auch 13 Tote an Bord genommen, teilte die italienische Küstenwache mit. Die Todesursache war zunächst unklar.
Libyen gilt als Haupttransitland für Flüchtlinge aus dem Nahen Osten, Asien und Afrika auf dem Weg nach Europa. Seit Anfang des Jahres versuchten der Internationalen Organisation für Migration zufolge mehr als 150.000 Menschen, über das Mittelmeer nach Europa zu fliehen, mehr als 1.900 kamen dabei ums Leben.
WHO
UN: Über 660 Millionen Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser
Köln (dts) – Rund 663 Millionen Menschen haben nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks Unicef und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Noch schlechter sei es um die sanitäre Grundversorgung bestellt: 2,4 Milliarden Menschen haben den Organisationen zufolge weder eine Toilette noch Latrine zur Verfügung. „Sein Wasser aus einem Tümpel zu trinken oder für die Notdurft auf ein Feld gehen zu müssen das sind stille Menschenrechtsverletzungen, die keine Schlagzeilen machen“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland.
„Aber sie haben täglich für fast 1.000 Kinder weltweit tödliche Folgen.“ Durchfallerkrankungen, die durch verschmutztes Trinkwasser, fehlende Latrinen und mangelnde Hygiene verursacht werden, gehörten zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. Unicef fordert, dass bis 2030 das Menschenrecht auf Wasser und Sanitärversorgung für alle realisiert wird.
Mers
Südkorea verkündet Ende der Mers-Epidemie
Seoul (dts) – Die südkoreanische Regierung hat das Ende der Mers-Epidemie verkündet. Mediziner und die Regierung seien zu dem Schluss gekommen, dass die Menschen im Land sich keine Sorgen mehr machen müssten, sagte Ministerpräsident Hwang Kyo Ahn am Dienstag. Seit dem Ausbruch der Epidemie im Mai starben 36 Menschen in Südkorea an dem Virus.
Tausende Schulen wurden geschlossen, die südkoreanische Wirtschaft erlitt schwere Verluste. Die Regierung geriet zunächst für ihre zögerliche Reaktion in die Kritik. Schließlich wurden jedoch umfassende Quarantäneregeln beschlossen, von denen Tausende Menschen betroffen waren und die eine weitere Ausbreitung des Virus verhinderten.
Spanien
Hells-Angels-Chef Hanebuth gegen Kaution freigelassen
Madrid (dts) – Nach zwei Jahren ist der deutsche Hells-Angels-Anführer Frank Hanebuth in Spanien gegen Kaution auf freiem Fuß gekommen. Das wurde am Montag aus spanischen Justizkreisen bekannt. Hanebuth war im Juli 2013 auf Mallorca festgenommen worden.
Als Kopf des Hells-Angels-Charters „Spain“ wurden ihm und weiteren Mitgliedern unter anderem Bildung einer kriminellen Vereinigung, Förderung illegaler Prostitution, Drogenhandel und Geldwäsche vorgeworfen. Nach vier Wochen Einzelhaft kam er im September 2013 in normale Untersuchungshaft und wurde im Oktober mit 17 weiteren Verdächtigen nach Madrid überstellt. Im Dezember 2013 wurde er in den Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses im südspanischen El Puerto de Santa María verlegt. Bei einem Haftprüfungstermin am 22. Juni 2015 entschied ein Ermittlungsrichter, dass Hanebuth weiter in Untersuchungshaft bleiben müsse, die in Spanien bis zu vier Jahre dauern kann. Im Juli 2015 teilte sein Anwalt mit, dass Hanebuth gegen eine Kaution von 60.000 Euro auf freien Fuß gesetzt werden soll, Spanien aber nicht verlassen dürfe. Nach Angaben seines Anwalts will Hanebuth bis zur Verhandlung in Spanien arbeiten. Hanebuth war früher Chef der Hells-Angels-Sektion in Hannover und galt als zentrale Figur der deutschen Organisation der Motorrad-Gang.
Wall Street
Auch Dow Jones lässt wegen China-Sorgen nach
New York (dts) – Nach den kräftigen Verlusten am chinesischen Aktienmarkt hat auch der Dow am Montag im Minus geschlossen. Zum Handelsende in New York wurde der Index mit 17.440,59 Punkten berechnet, ein Minus in Höhe von 0,73 Prozent im Vergleich zum Freitagsschluss. Intel und General Electric gehörten zu den wenigen Werten, die dennoch im Plus lagen.
Die größten Kursverluste gab es unter anderem bei Boeing, Chevron und JPMorgan. Zuvor hatte es an der Frankfurter Aktienbörse noch deutlich kräftigere Verluste gegeben. Zum Xetra-Handelsschluss wurde der DAX mit 11.056,40 Punkten berechnet, ein Minus in Höhe von 2,56 Prozent im Vergleich zum Freitagsschluss. Alle DAX-Titel waren im Minus. Der Euro legte unterdessen am Montagabend um über ein Prozent auf 1,1095 US-Dollar zu.
Krieg gegen den Terror
Kobane: Kurden bedanken sich bei Erdogan
Kobane (nex) – Wie die Tageszeitung Cumhuriyet und das Online-Nachrichtenportal Daily Sabah berichten, hat sich Idris Nassan, der verantwortliche Abgeordnete für auswärtige Angelegenheiten in der Verwaltung von Kobane im nördlichen Syrien, bei der Türkei für ihre großartigen Erfolge im Kampf gegen den IS bedankt. „Die Türkei wäre nicht verpflichtet gewesen, uns Informationen über die Operationen zu geben, denn die durch die Luftangriffe ins Visier genommenen Ziele liegen außerhalb der Gebiete, die unter der Kontrolle der YPG (Personenschutzeinheiten der syrisch-kurdischen Partei PYD) stehen. Wir wissen, dass sie in dieser Angelegenheit mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten. Das ist völlig ausreichend.“
Es gebe ebenfalls eine Zusammenarbeit zwischen den YPG-Kräften und den Vereinigten Staaten, so Nassan. Die YPG sind ein Teil der Koalition. Im Kampf gegen den Terrorismus werden diese und die YPG-Kräfte zusammen mit der Türkei die noch folgenden Manöver gegen den IS gemeinsam koordinieren müssen. „Das ist ein sehr erfreulicher Schritt im Kampf gegen den Terrorismus“, so Nassan. Die pro-kurdischen und der PKK nahestehenden Parteien HDP und PYD hatten der Türkei ohne fundierte Beweise vorgeworfen, den IS-Terror zu unterstützen. Diese Vorwürfe wurden durch den Anschlag in Suruc mit über 30 Toten und 100 Verletzen verstärkt. Durch entschlossene Maßnahmen gegen den IS und mehrere Operationen auf Ziele der Terrororganisation konnte die türkische Regierung die haltlosen Vorwürfe ihrer Gegner widerlegen.
"Allianz für Fortschritt und Aufbruch"
AfD-Spitze will neue Lucke-Partei totschweigen
Berlin (dts) – Die Bundesspitze der AfD hat die Parteibasis aufgefordert, die neue Partei von Ex-AfD-Chef Bernd Lucke weitgehend zu ignorieren und sie nicht durch eigene Kommentierungen aufzuwerten. Das geht aus einer E-Mail der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry und Jörg Meuthen an die Parteimitglieder hervor, über die das „Handelsblatt“ berichtet. In der Mail nehmen Petry und Meuthen unter der Überschrift „Umgang mit der Neugründung einer Partei von ehemaligen AfD-Mitgliedern“ direkten Bezug auf Luckes neue Partei „Allianz für Fortschritt und Aufbruch“ (Alfa).
Darin heißt es, der Bundesvorstand habe beschlossen „dazu aufzurufen, die neue Partei, ihre Protagonisten und ihre Veröffentlichungen in welcher Form auch immer, schlicht nicht zu kommentieren.“ Petry und Meuthen plädieren stattdessen dafür „unsere eigene Politik“ zu machen. „Setzen wir unsere eigenen Themen und verschaffen wir durch unsere Stellungnahmen der neuen Partei nicht zusätzliche Öffentlichkeit.“ Ausgenommen seien „strafrechtlich relevante Sachverhalte der Beleidigung und üblen Nachrede, die es gab und geben wird“. Frühere Unterstützer des Lucke-Vereins „Weckruf 2015“ sind indes weiter in der AfD willkommen. Der Verein werde zwar als „Vorfeldorganisation dieser neuen Partei“ angesehen. „Wir haben daher im Bundesvorstand einstimmig eine Unvereinbarkeit hinsichtlich der gleichzeitigen Mitgliedschaft in diesem Verein und unserer AfD beschlossen“, erklären Petry und Meuthen. Sie betonen jedoch, dass die Unvereinbarkeit ausschließlich bestätigte Vereinsmitglieder betreffe und nicht ehemalige Unterstützer. Die ersten „Weckrufler“ hätten sich nach Lektüre der Partei-Satzung bereits zurückgemeldet, so die beiden AfD-Chefs.
Proteste französischer Bauern
Grüne für deutsch-französischen Agrargipfel
Berlin (dts) – Die Grünen im Bundestag fordern angesichts der Proteste französischer Bauern gegen Billigimporte aus Deutschland einen deutsch-französischen Agrargipfel. „Die Lage ist auf beiden Seiten der Grenze dramatisch“, sagte der agrarpolitische Sprecher der Grünen, Friedrich Ostendorff, im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Die Fachminister aus den beiden Ländern müssen sich jetzt zusammensetzen.“
Am Ende der Gespräche müsse herauskommen, dass „Bauern nicht weiter gnadenlos produzieren. Die Märkte sind übervoll.“ Die Produktionsmengen von Milch und Fleisch in Deutschland müssten zurückgeführt werden, so Ostendorff. Die Exportorientierung von Politik und Bauernverband bezeichnete der Grünen-Politiker als mit ursächlich für die derzeitige Niedrigpreis-Krise. Zu Deutschlands Agrarminister Christian Schmidt (CSU) sagte Ostendorff: „Herr Schmidt hat mit der Realität nicht zu tun. Statt die Sorgen der Landwirtschaft ernst zu nehmen, setzt er auf den Export. Das ist Augenwischerei.“ In der Nacht zum Montag hatten französische Bauern an der Grenze Barrieren aufgebaut, um aus Deutschland kommende Lastwagen mit Agrarprodukten zu stoppen. Sie bemängeln Wettbewerbsverzerrungen zugunsten der deutschen Landwirte – vor allem aufgrund der Arbeitskosten.


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