DAX Talfahrt
Nach Börsen-Absturz in China: DAX im Sturzflug

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Frankfurt/Main (dts) – Nach den neuerlichen Kursverlusten an den chinesischen Börsen ist der DAX zu Wochenbeginn mit kräftigen Kursverlusten gestartet: Unmittelbar nach Handelsstart notierte der deutsche Leitindex bei 9.801,69 Punkten. Dies ist ein Minus von 3,19 Prozent im Vergleich zum Handelsschluss vom Freitag. An der Spitze der Kursliste stehen die Papiere von Beiersdorf, Linde und der Münchener Rückversicherung. Die Aktien von Daimler, BMW und Heidelbergcement bilden die Schlusslichter der Liste. Anfang April hatte der DAX noch auf einem Rekordhoch von 12.390 Punkten notiert. Die Börsen in Asien hatten zuvor ihre Talfahrt beschleunigt: Der Shanghai Composite brach um über acht Prozent ein. Der Nikkei-Index in Japan sank um 4,5 Prozent und unter die wichtige Marke von 19.000 Punkten.

Religiöse Fanatiker, machthungrige Diktatoren: Chaos im Orient
TV-Tipp: „Gäste bei Sandra Maischberger“ am 25.08. um 22.45 Uhr im Ersten

Gäste bei Sandra Maischberger am 25.08. um 22.45 Uhr im Ersten „Religiöse Fanatiker, machthungrige Diktatoren: Chaos im Orient“ Der „Islamische Staat“ terrorisiert weiter die arabische Welt, erklärte dem „Teufel Erdogan“ jetzt den Krieg. In Syrien tobt seit Jahren ein brutaler Bürgerkrieg. Millionen Menschen sind auf der Flucht, viele wollen nach Europa. Wer die Bösen sind, scheint für den Westen klar zu sein. Wer aber sind die Guten im Mittleren Osten? Droht auf Jahrzehnte die Selbstvernichtung einer ganzen Region? Gäste: Remzi Aru, Sprecher der Türken (Unternehmer) „Mit Erdogan hat sich die Türkei sehr gut entwickelt. Das Land ist demokratisch und die Presse ist freier als in Deutschland. Die Türkei ist für viele Länder der arabischen Welt ein Vorbild“, meint der türkisch-deutsche Unternehmer, der im letzten Jahr den umstrittenen Wahlkampfauftritt Erdogans in Köln und Berlin organisierte. Der 47-Jährige ist sich sicher, dass „die AKP und Erdogan auf unbestimmte Zeit weiter die türkische Politik bestimmen werden“. Die jüngsten Angriffe gegen die kurdische PKK befürwortet der AKP-Wähler. „Das war zwingend notwendig. Man hat lange genug mit der Terrororganisation gesprochen. Die haben die Friedensgespräche beendet, indem sie Menschen umgebracht haben.“ Düzen Tekkal (Fernsehjournalistin) „Der Zustand meiner Religionsgemeinschaft hat mich zur Kriegsreporterin gemacht“, sagt die Jesidin kurdischer Abstammung. Düzen Tekkal reiste mehrmals ins IS-Kriegsgebiet im Nordirak und Syrien. Dort sprach sie unter anderem mit Frauen, die von IS-Kämpfern verschleppt und vergewaltigt wurden. Mit Sorge beobachtet sie den eskalierenden Konflikt zwischen der Türkei und den Kurden. „Ausgerechnet der IS profitiert davon“, fürchtet die Filmemacherin. — mit Düzen Tekkal. Ulrich Kienzle (Journalist und ehem. ARD-Korrespondent) Dem türkischen Staatspräsidenten gehe es um den Machterhalt, so die Einschätzung des früheren ARD-Korrespondenten für die arabische Welt. „Seine Vereinbarung mit den USA, einen Krieg gegen den Terrorismus zu führen, hat Erdogan in erster Linie dazu ausgenutzt, gegen die PKK vorzugehen.“ Mit diesen Bombardierungen hoffe er Unsicherheit zu schüren. Seine düstere Prognose für den Mittleren Osten: „Die Region wird unruhig bleiben, es wird weiter Gewalt und es wird weiter Krieg geben.“ — mit Ulrich Kienzle hier:Foto: WDR/Max Kohr. Jürgen Todenhöfer (Bestsellerautor) „Der ‚Islamische Staat’ ist nicht mit Krieg zu besiegen“, sagt der Publizist, der mit seinen Reiseberichten aus Afghanistan, Syrien, aus dem Iran oder zuletzt aus dem „Islamischen Staat“ die Debatte über den Mittleren Osten prägt. Der IS beherrsche mittlerweile ein Gebiet, das größer sei als Großbritannien, und plane die „größte religiöse Säuberungsaktion der Geschichte“. Im nordirakischen Mossul etwa, einer der Hochburgen des IS, wo Jürgen Todenhöfer sich einige Tage aufhielt, seien tausende Jesiden vertrieben oder getötet worden, ebenso Tausende Schiiten. — mit Jürgen Todenhöferhier: Foto: dpa.    

Griechenland
Varoufakis erteilt Syriza-Rebellen eine Absage

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Athen (dts) – Griechenlands früherer Finanzminister Janis Varoufakis wird sich nicht den abtrünnigen Syriza-Abgeordneten anschließen, die eine neue Linkspartei unter dem Namen „Einheit des Volkes“ gegründet haben. „Uns verbinden viele Gemeinsamkeiten und Sympathien. Ich mag sie, und ich glaube, sie mögen mich. Aber ich glaube, unter politischen Gesichtspunkten sind wir zu weit auseinander. Es wäre keine sinnvolle Kombination“, sagte Varoufakis im Interview mit der „Welt“.
Seine wichtigste Differenz mit den linken Rebellen in der Regierungspartei Syriza betreffe Griechenlands Verbleib im Euro: „Für sie ist der Rückkehr zur Drachme eine Frage der Ideologie. Sie sind Sozialisten, und damit sympathisiere ich. Aber die Drachme hatten wir schon, und damals war Griechenland auch kein sozialistisches Land. Ich halte es für besser, im Euro zu bleiben, wenn auch nicht um jeden Preis. Aber ich bin ganz sicher nicht dafür, um jeden Preis zur Drachme zurückzukehren. Währungen sind kein Selbstzweck.“ Mit Varoufakis verlieren die linken Kritiker des bisherigen Premiers Alexist Tsipras ein wichtiges mögliches Zugpferd. Varoufakis hatte die Entscheidung für oder gegen die neue Linkspartei bisher offengehalten.
Am 20. September finden in Griechenland Neuwahlen statt; der ehemalige Finanzminister Varoufakis genießt wegen seines Rücktritts aus der Regierung Tsipras große Popularität in Griechenland. Er hatte sein Amt im Juli aufgegeben, weil er Tsipras` Entscheidung nicht mittragen wollte, die EU-Reformforderungen anzunehmen, die Griechenlands Wähler kurz zuvor in einem Referendum abgelehnt hatten. Auf die Frage, ob er noch einmal in ein Kabinett unter Tsipras eintreten würde, antwortete Varoufakis: „Man sollte niemals nie sagen. Auf persönlicher Eben habe ich immer noch gute Beziehungen zu Alexis und vielen anderen innerhalb von Syriza.
Ob ich in eine Regierung eintreten würde, würde ich von einem einfachen Kriterium abhängig machen: Ist ihre Wirtschaftspolitik tragbar?“ Das betreffe insbesondere die neuen Kredite für Griechenland im Rahmen des gerade beschlossenen dritten Hilfspaketes. „Wenn ich neue Kredite aufnehme, frage ich mich, ob ich sie zurückzahlen kann. Das ist nur vernünftig. Und wenn ich das nicht glaube, nehme ich den Kredit nicht auf. Ich glaube nicht, dass dieses Hilfspaket funktionieren kann. Und ich bin sicher, dass niemand das glaubt – einschließlich Wolfgang Schäuble und Christine Lagarde.“

Aufträge im Gesamtwert von 11 Milliarden US-Dollar
Türkei: Enormes Wachstum der Rüstungsindustrie um 21 Prozent jährlich

Die türkische Verteidigungsindustrie wächst seit fünf Jahren konstant jährlich um 21 Prozent. Im vergangenen Jahr gewannen die Rüstungsschmieden der Türkei Aufträge im Gesamtwert von 11 Milliarden US-Dollar. Das geht aus einem am Freitag veröffentlichtem Bericht des türkischen Rüstungsgüterhersteller-Verbandes (SaSaD) hervor. Ankara (eurasia) – Die Schlüsselindustrie vereinigt seit fünf Jahren in Folge ein überdurchschnittliches Wachstum von jährlich 21 Prozent. Ein Großteil der Bestellungen kommen dabei vom türkischen Militär selbst. Nail Kurt, Vorsitzender der Vereinigung für türkische Rüstungsexporte, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu, dass die Armee die Entwicklung und Modernisierung der heimischen Industrie mit Aufträgen seit dem Jahr 2005 gezielt fördert. Er erklärte: „Der Löwenanteil des Wachstums in der Branche setzt sich aus inländischen Projekten zusammen, langfristig werden diese jedoch nicht mehr ansteigen. Zukünftig werden die Exportmärkte und internationale Kooperationsprojekte den Wachstum bestimmen.“ So ist ein Großauftrag, den sich türkische Rüstungshersteller für den Bau von Flugzeugteilen sicherten, beispielsweise allein 6,9 Milliarden US-Dollar schwer. Insbesondere findet sich die Verteidigungsluftfahrtindustrie der Türkei seit den letzten Jahren vermehrt in internationalen Kooperationsaufträgen wieder, wie zum Beispiel beim Bau und Produktion des Martin Lockheed Kampfflugzeuges vom Typ F-35 Joint Strike Fighter. Zudem unterstützen türkische Hersteller ihre europäischen Partner bei der Produktion des A400M Mega-Transportflugzeuges. Zentrales Zugpferd dieser Dynamik ist das staatliche Unternehmen TUSAŞ Havacılık ve Uzay Sanayi A.Ş., auf Englisch: Turkish Aerospace Industries (TAI).

Weitere Großaufträge, insgesamt im Wert von 2,6 Milliarden US-Dollar, wurden im Gegenzug für die Auslieferung einer ganzen Palette von Rad- und Kettenfahrzeuge akquiriert, die als Truppentransporter oder Plattformen zur Aufklärung und Kommunikation verwendet oder für verschiedene Waffensysteme konfiguriert werden

Die Einnahmen des Industriezweiges belaufen sich 2014 auf 5,1 Milliarden US-Dollar von 5,07 Milliarden im Jahr 2013. Auch der Export ist vergangenes Jahr auf 1,9 Milliarden US-Dollar angestiegen. 2013 kursierte dieser noch bei 1,6 Milliarden. Zeitgleich importierte die Rüstungsindustrie im Vorjahr Technologie-Produkte aus dem Ausland, die sich auf rund eine Milliarde US-Dollar belaufen. Die Türkei strebt danach, ihre rüstungsindustrielle Abhängigkeit vom Ausland abzustreifen und eine eigene, nationale Verteidigung nachhaltig als auch auf einem breiten Fundament aufzubauen. Dabei stellte sie sich der Herausforderung, zahlreiche Rüstungskonzerne zu den Top 100 der Welt heranwachsen zu sehen und drei rüstungsindustrielle Markenprodukte herzustellen. 2014 investierte Ankara über eine Milliarde US-Dollar in die militärische Forschung und Entwicklung des Landes. Erschienen auf Eurasia News

Frauenrechte
Saudi Arabien: Frauen dürfen zum ersten Mal in der Geschichte wählen

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Riad (nex) – Zum ersten Mal in der Geschichte Saudi-Arabiens ist es Frauen erlaubt, sich für die Wahlen im Dezember dieses Jahres innerhalb der kommenden Woche anzumelden. Gemäß saudischen Medien zufolge befürworten Frauenrechtler des Landes den großen und äußerst wichtigen Schritt: „Das ist etwas Neues für saudische Frauen“, hat eine  Aktivistin für die Rechte der Frauen dem saudischen Staatsfernsehsender Al Ekhbariya in einem Interview erzählt. „Ich bin ziemlich sicher, dass die Frauen die unterschiedlichsten Gedanken und Meinungen dazu haben werden. Das macht mich sehr glücklich“. „Es ist ein Zeichen des Fortschritts, dass saudischen Frauen zu Wahlen gehen und ihre Stimme abgeben, aber es reicht bei Weitem nicht, um die vollständige Integration der Frau in das saudische, öffentliche Leben zu sichern“, hat Adam Coogle von der Organisation Human Rights Watch in einem Statement geschrieben. Die Wahl im Dezember wird die erste Gelegenheit für Frauen seit einem Erlass des verstorbenen König Abdullah aus dem Jahre 2011 sein, ihr Wahlrecht auszuüben. Der Erlass gewährt den Frauen das Recht an der politischen Teilnahme. Kritiker haben das Ereignis als Modernisierung bis hin zu Inkonsequenz beschrieben. Seit den 30er Jahren wird die offizielle Religion des Königreichs Saudi-Arabien durch eine strenge Interpretation des sunnitischen Islams, der wahhabitischen Strömung, geprägt. Gestützt auf diese Interpretation der Religion verwendet Saudi-Arabien ein informell feststehendes Schutzsystem für Frauen. So dürfen sie weder Autofahren noch ohne die Begleitung eines männlichen Verwandten verreisen.

Ausländerfeindlichkeit
SPD: Merkel muss sich zu Übergriffen auf Flüchtlinge äußern

Berlin (dts) – Angesichts der rechtsextremistischen Ausschreitungen im sächsischen Heidenau fordert die SPD Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, klar Stellung zu beziehen. Es sei „traurig, dass es immer wieder Einzelne gibt, die Hass und Gewalt gegen Fremde schüren wollen“, sagte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi der „Süddeutschen Zeitung“. „Die Bundeskanzlerin darf in dieser Frage nicht weiter abtauchen.“ Man müsse deutlich machen, dass es in Deutschland „null Toleranz gegenüber Ausländerfeindlichkeit und Gewalt“ gebe, sagte Fahimi angesichts der jüngsten Vorfälle. „Es wäre daher wichtig, dass die Kanzlerin die unsäglichen Ausschreitungen in Heidenau mit aller Vehemenz verurteilt.“ Die „dramatische Flüchtlingssituation in ganz Europa“ erfordere „jetzt eine klare Haltung“, so die Generalsekretärin. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel kündigte an, er werde an diesem Montag die Flüchtlingsunterkunft in Heidenau besuchen, vor der es über das Wochenende zu schweren Ausschreitungen gekommen war.

Umweltpolitik
Gabriels eigene Berater attackieren Energiemarkt-Pläne

Berlin (dts) – Die Pläne von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) zur Neuordnung des deutschen Energiemarktes stoßen im Wissenschaftlichen Beirat des Ministeriums auf scharfe Kritik. In dem neuen Energie-Konzept des Ministeriums zeigten sich „Marktskepsis und fehlendes Marktverständnis auf gravierende Art“, urteilen die Kölner Top-Ökonomen Axel Ockenfels und Achim Wambach in einem Gastbeitrag für die „Welt“. Die im sogenannten „Weißbuch“ vorgeschlagenen Maßnahmen zur Energiemarkt-Reform seien zum Teil „abenteuerlich“ und „blauäugig“ und beruhten auf „falschen Annahmen“. Im Ergebnis berge das Weißbuch „neue große Risiken für den Strommarkt.“ Das Bundeswirtschaftsministerium hatte Anfang Juli nach monatelangen Konsultationen ein Konzept für einen von erneuerbaren Energien dominierten Strommarkt vorgelegt. Ein neuer Ordnungsrahmen war nötig geworden, weil die Europäische Energiebörse EEX bislang den Kraftwerkseinsatz nach Höhe der Brennstoffkosten sortiert. Da inzwischen jedoch erneuerbare Energien ohne Brennstoffkosten einen großen Teil der Stromproduktion ausmachen, sendet die Börse keine funktionierenden Preissignale für Investoren mehr aus. Der künftige „Energiemarkt 2.0“ soll nach dem Willen des Bundeswirtschaftsministeriums nun dem „Grundsatz der freien Preisbildung“ folgen. Zugleich sieht das Weißbuch des Ministeriums den Aufbau einer „Kapazitätsreserve“ vor. Das sind gesondert finanzierte Kraftwerke, mit denen die Stromversorgung „gegen nicht vorhersehbare Ereignisse abgesichert werden soll.“ Diese beiden Grundprinzipien des neuen Energiemarkt-Konzeptes werden nun von den Kölner Wirtschaftsexperten Ockenfels und Wambach massiv infrage gestellt. So sei schon die geplante „Garantie für freie Preisbildung“ fragwürdig, weil die Stromnachfrage grundsätzlich unflexibel ist und damit zum Beispiel bei extremen Preissteigerungen nicht beliebig stark nachgeben kann. Die Folgen dieses „Marktversagens“ würden vom Konzept des Ministeriums nicht ausreichend berücksichtigt. Nach dem Konzept des „Weißbuchs“ sollen Knappheitssituationen vielmehr bewusst zu extremen Preisspitzen an der Strombörse führen, die dann ausreichende Anreize für den Neubau von Erzeugungsanlagen darstellten. Für „abenteuerlich“ halten die Ökonomen Ockenfels und Wambach allerdings die aus dieser Erwartung abgeleiteten Maßnahmen im Weißbuch. „Bei großer Knappheit steigt die Marktmacht stark an“, warnen die Wissenschaftler: „Wenn 95 Prozent der Erzeugungskapazität benötigt wird, um eine recht unflexible Nachfrage zu bedienen, ist jeder Anbieter bereits ab einem Marktanteil von fünf Prozent systemrelevant.“ Es sei „blauäugig, darauf zu setzen, dass sich ein Markt, in dem fast alle Anbieter systemrelevant sein können, selbst diszipliniert.“ Das geplante System könne deshalb zu einer „Stromkrise“ führen, wie sie etwa „im Sommer 2000 Kalifornien durch extrem hohe Strompreise in die Knie gezwungen hat“, schreiben die Autoren: „Eine `Garantie für freie Preisbildung` ist aus dieser Perspektive eine für Konsumenten überaus besorgniserregende und eine für Investoren nicht sehr glaubwürdige Idee.“ Auch die zweite zentrale Maßnahme, die Einrichtung einer Kraftwerksreserve, sei systemisch nicht überzeugend: Dieses von der Bundesregierung geplante Instrument basiere auf der Annahme, dass die Kapazitätsreserve vom übrigen Stromgroßhandelsmarkt getrennt werden könne. Diese Annahme sei jedoch „falsch“, betonen die Wissenschaftler, denn: „Auch bei einer Kapazitätsreserve kommt man um die kritische Preisfrage nicht herum: Wenn die Reservekraftwerke in den Markt kommen, muss zugleich auch der Preis festgelegt werden, den die Stromerzeuger im normalen Markt in dieser Zeit erhalten.“ Werde dafür ein zu niedriger Preis festgelegt, würden „die für Investitionen notwendigen Knappheitssignale im Markt verhindert“, heißt es im dem Gastbeitrag für die „Welt“: Ein zu hoher Preis jedoch könne „die Stromausgaben sehr schnell in schwindelerregende Höhen steigen lassen.“ Diese Unsicherheiten über die Preisregulierung werde Investoren abschrecken. Insgesamt dürften die Architekten eines neuen Strommarkt-Designs „nicht die Augen vor ökonomischen Realitäten verschließen“, fordern Ockenfels und Wambach: Das Weißbuch des Bundeswirtschaftsministeriums setze einerseits auf den Markt, „untergräbt aber zugleich die Funktionsfähigkeit des Marktes durch vermeintliche Garantien für unbegrenzte Preisforderungen in Zeiten großer Systembelastung und Marktmacht“. Im Ergebnis berge das Weißbuch „neue große Risiken für den Strommarkt.“

Schulreform
Kristina Schröder fordert späteren Unterrichtsbeginn

Berlin (dts) – Kristina Schröder (CDU), ehemalige Bundesfamilienministern, plädiert generell für einen späteren Unterrichtsbeginn und fordert ein Pilotprojekt an den Oberstufen. „Wenn wir an den Oberstufen eine Stunde später mit dem Unterricht beginnen, wären wir schon ziemlich weit“, sagte Schröder der „Welt am Sonntag“. Auch für die Grundschulen findet sie einen Schulstart von neun Uhr erwägenswert. „Oft arbeiten beide Eltern Vollzeit. Zumindest in den akademischen Berufen geht der Trend zur flexiblen Arbeitszeit, ein Arbeitsbeginn von neun Uhr ist sehr verbreitet“, sagt Schröder. „Ein gemeinsames Frühstück wäre mit einem späteren Schulstart wahrscheinlicher. Und auch abends wäre es etwas weniger Stress, weil die Kinder nicht so früh ins Bett müssten.“ Man könne „den Rhythmus anders takten, so dass ein Schulschluss von 16 Uhr trotzdem an manchen Ganztagsschulen realistisch wäre“, sagte Schröder und forderte Eltern dazu auf, ihren Einfluss stärker wahrzunehmen. „Viele Eltern sind sich nicht darüber bewusst, dass jede Schule selbst über den Unterrichtsbeginn entscheiden kann“, sagt Schröder. „Wenn sich die Eltern einig sind, später anzufangen, wird das keine Schulleitung ignorieren können.“ Frühes Aufstehen schädigt die Gesundheit. Rund 70 Prozent der Menschen in Deutschland leben gegen ihren Rhythmus. „Die Arbeitszeiten stimmen für fast keinen mehr“, sagte Till Roenneberg, Chronobiologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München der „Welt am Sonntag“. Er spricht von „genetischer Diskriminierung“ und fordert, in Schule und Universität sollten die Prüfungen nicht mehr vor elf Uhr stattfinden.

Heidenau
De Maizière: Vorgänge in Heidenau beschämend für unser Land

Berlin (dts) – Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat in scharfen Worten die Angriffe gegen Flüchtlinge in Heidenau verurteilt: „Diejenigen, die gegenüber Flüchtlingen, egal aus welchen Gründen sie nach Deutschland gekommen sind, Hass und Angst schüren und die Polizeibeamte angreifen und verletzen, stellen sich außerhalb unserer Wertegemeinschaft“, sagte der CDU-Politiker dem „Tagesspiegel“. „Die Vorgänge sind beschämend für unser Land und absolut inakzeptabel. Jeder Flüchtling der zu uns kommt, egal aus welchen Motiven, hat ein Recht darauf, sicher und vernünftig untergebracht zu werden.“ De Maizière sagte weiter: „Jeder, der das in Frage stellt, sollte sich nur für einen Moment in die Situation der Flüchtlinge versetzen. Jeder, der die Flüchtlinge beleidigt oder gar tätlich angreift, wird die volle Konsequenz des Rechtsstaats zu spüren bekommen. Wir werden uns das nicht gefallen lassen.“
 

Dr. Dre - "Compton"
Türkei: Rap-Ikone Dr. Dre sampelt türkische Volkssängerin

Türkische Volkssängerin Selda Bağcan inspiriert Rap-Ikone Dr. Dre Istanbul (nex) – Auf dem am 7. August veröffentlichten Album „Compton“ des weltberühmten Hip-Hop-Produzenten Dr. Dre kommt eine bekannte türkische Stimme zu Ehren, nämlich die mittlerweile 66-jährige Sängerin Selda Bağcan, deren Song „İnce İnce“ auf dem Album gesampelt wurde. Die Sängerin räumte offen ein, dass ihr der US-amerikanische Rapper, dessen Album in der Woche nach seinem Erscheinen immerhin 25 Millionen Mal auf Apple Music gestreamt und fast 500 000 Mal heruntergeladen wurde, kaum geläufig sei. „Er ist kein Sänger, den ich sehr gut kenne. Ich kenne Madonna und Michael Jackson“, erklärte Bağcan lächelnd. „Ich singe Volkslieder, wie sollte ich ihn da kennen?“ Bağcan wurde in der Türkei für ihre politischen Texte bekannt, die nicht immer im Sinne der Eliten und der mächtigen Militärs ausgestaltet waren. Im Laufe der 1970er Jahre wurde sie sogar mehrfach inhaftiert und verbrachte mindestens fünf Monate in türkischen Gefängnissen, weil sie entweder in kurdischer Sprache gesungen oder verbotene Gedichte des beliebten Dichters Nazim Hikmet vertont hatte. Zu ihrem 44. Bühnenjubiläum hat Selda Bağcan ein Album „40 Songs aus 40 Jahren“ herausgebracht. Diese am 13. Juli von ihrer eigenen Plattenfirma Major Music herausgegebene Produktion rangiert derzeit auf Platz zwei der türkischen D&R-Verkaufscharts. Bağcan, die zusammen mit 20 Katzen im am Bosporus gelegenen Istanbuler Viertel Tarabya lebt, gab auch an, dass das Dr. Dre-Team sie wegen der Urheberrechte kontaktiert habe. „Sie haben noch nichts bezahlt, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass sie bezahlen; wir warten“, so die Sängerin. Dr. Dre heißt eigentlich Andre Romelle Young und galt bereits während seiner Zeit als Mitglied seiner früheren Gruppe N.W.A. (Niggaz Wit Attitudes) als Revolutionär auf dem Gebiet der Rapmusik. Heute soll er der reichste Rapmusiker der Welt sein. Er hat vor einem Jahr seine Firma Beats Electronics, die unter anderem verschiedenste Formen von Audiogeräten herstellt, für drei Milliarden US-Dollar an Apple verkauft. Er hatte als Produzent auch einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Karrieren von Stars des Genres wie Eminem, Snoop Dogg oder 50 Cent. Er war allerdings nicht der erste, der den Song „İnce İnce“ in einem Rap-Track verwendet hatte. Bereits 2010 hatte ihn Grammy-Gewinner Mos Def in seinem Song „Supermagic“ vom Album „The Ecstatic“ verarbeitet. Der auf Bağcans Album „Turkuola“ (1976) erstmals veröffentlichte Track basiert seinerseits auf einem Song des Folksängers Aşık Mahzuni Şerif (1940-2002). Dr. Dre benutzte das dort verwendete Riff in seinem Song „Issues“. Selda Bağcan erklärte gegenüber Daily Sabah, sie denke, ihr Ruhm sei außerhalb der Türkei größer als in ihrer Heimat. Im Laufe der letzten beiden Jahre sei sie auf vielen Rockfestivals weltweit aufgetreten, unter anderem in den Niederlanden, wo sie mit der aus Tel Aviv stammenden Rockband Boom Pam performte und die Menge mit ihnen türkische Songs gesungen hätte. Für das Publikum außerhalb des Landes sei die anatolische Musik ungewohnt. „Dort gibt es Schmerz, Rebellion, Traurigkeit, jede Stimme dieses Landes“, so Bağcan. Und in diesem Sinne sei es auch kein Wunder gewesen, dass ihre Mischung aus türkischer und westlicher Musik „erstaunlich modern“ klinge und deshalb auch im Ausland Erfolg hätte. Bağcan möchte im nächsten Jahr ein weiteres Konzert in den USA geben.