Flüchtlingspolitik
Bosbach unterstützt de Maizières Plan zur Asylverschärfung

Berlin (dts) – Der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach hat zu einer Rückkehr zum Ressortprinzip aufgerufen. „Wer trägt jetzt eigentlich noch die Verantwortung für die innenpolitischen Entscheidungen, ist es das Innenministerium oder das Kanzleramt?“, so Bosbach in einem Gespräch mit den Zeitungen der Funke-Mediengruppe mit Blick auf den Asyl-Vorstoß von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), den das Kanzleramt gestoppt hatte.

Es sei ein Unterschied, ob Kanzleramtschef Peter Altmaier die Flüchtlingspolitik koordiniere „oder die Leitung eines Ressorts“ übernehme, sagte Bosbach. Die Innenpolitiker stünden geschlossen hinter der Politik des Innenministers. Das bestätigte auch der CSU-Innenpolitiker Stephan Mayer. „Thomas de Maizière liegt mit seinen Vorschlägen vollkommen richtig“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Bosbach kritisierte, „im Moment bestimmt die SPD, was geschieht, beziehungsweise was nicht geschieht“. Nach seiner Darstellung wachsen in der Union von Tag zu Tag die Zweifel, ob die Bewältigung des Flüchtlingsstroms noch zu schaffen sei.

Konjunkturbericht
Bericht: Geschäftsklima im Handwerk auf Allzeithoch

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Das Geschäftsklima im Deutschen Handwerk hat ein Allzeithoch erreicht. 90 Prozent aller Handwerker sind mit den Geschäften zufrieden, geht aus dem Konjunkturbericht zum dritten Quartal hervor, der am Montag in Regensburg veröffentlicht wird und über den die „Welt“ berichtet. „Die Umsätze der Betriebe werden 2015 deutlich zulegen“, sagte Handwerksgeneralsekretär Holger Schwannecke der Zeitung. Der Zentralverband erhöht seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf zwei Prozent. Auch 2016 sei ein Umsatzplus von zwei Prozent erreichbar. Das Handwerk wächst damit stärker als die Gesamtwirtschaft. Die Bundesregierung erwartet für dieses Jahr ein Wachstum von 1,7 Prozent, für das kommende Jahr 1,8 Prozent. „Die Handwerkskonjunktur bewegt sich seit 2010 auf einem guten Niveau, im Herbst 2015 legt sie noch eine Schippe drauf“, sagte ZDH-Generalsekretär Schwannecke. Zu diesem Ergebnis trügen die stabile gesamtwirtschaftliche Konjunktur, die ausgezeichnete Konsumstimmung und die anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnraum und Sanierung bei. Reallohnplus, niedrige Zinsen und Rekordbeschäftigung trieben die Ausgaben der Verbraucher in die Höhe. Das Handwerk wird so zur tragenden Stütze der Konjunktur. Während die Exportwirtschaft schwächelt, strotzt die Binnenkonjunktur vor Kraft. Industrieproduktion, Auftragseingang und Exporte waren zuletzt gesunken. Auch die Abgasaffäre bei Volkswagen hat die Stimmung in der deutschen Wirtschaft eingetrübt. Am Freitag gibt das Statistische Bundesamt in Wiesbaden das Wachstum im 3. Quartal bekannt. Unter Konjunkturexperten wächst die Sorge, der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts könnte hinter den Erwartungen zurückbleiben. Im zweiten Vierteljahr hatte das Plus noch 0,4 Prozent betragen.

PKK-Führer gegen PKK
Türkei: Öcalan gibt PKK-Terror Schuld an HDP-Wahlniederlage

Ankara (nex) – Der inhaftierte Führer der terroristischen PKK, Abdullah Öcalan, soll einem am Samstag in der türkischen Tageszeitung HaberTürk veröffentlichten Bericht zufolge scharfe Kritik an seiner Organisation und an der ihr nahe stehenden Demokratischen Partei der Völker (HDP) geübt haben. Insbesondere gab er sowohl der PKK als auch der HDP selbst die Schuld an deren Wahlniederlage am 1. November. Die Schlappe rühre daher, dass die Terrororganisation nicht auf ihn gehört hätte. „Ich sagte: ‚Es kann keinen Frieden im Schatten der Waffen geben.‘ Ich sagte ihnen, wenn die Waffen sprechen, können wir auch nicht über den Frieden und eine Lösung sprechen. Sie hörten nicht auf mich. Ich hatte Recht. Jetzt ist es Zeit für Selbstkritik bei PKK und HDP.“ Darüber hinaus soll er gesagt haben: „Ihre Politik ist gescheitert, sie sind erfolglos geworden. Sie haben die Waffen wieder zur Hand genommen und bei der kleinsten Meinungsverschiedenheit wieder gegen den Staat erhoben. Die ganzen Errungenschaften waren umsonst.“

„Volkskrieg“ ohne Volk

Öcalan soll auch gesagt haben, dass der Aufruf der PKK zur Revolte keine Resonanz in der Öffentlichkeit gefunden habe und dass die Gruppenstrategie nicht richtig gewesen sei. „Das kurdische Volk hat die Organisation nicht unterstützt. Sie [die PKK] war nicht in der Lage, nachzuvollziehen, wonach die Menschen wirklich verlangten und zu analysieren, was sie tatsächlich wollten.“ Die PKK wäre, so Öcalan, nicht in der Lage gewesen, die Realitäten in der Türkei und in der Region richtig einzuschätzen. „Trotz der unzähligen Rufe nach Waffenniederlegung durch die Führung der PKK haben sie immer wieder zu den Waffen gegriffen.“ In einer Erklärung, die durch die HDP-Abgeordneten Pervin Buldan und Sırrı Süreyya Önder während des kurdischen Neujahrsfestes in Diyarbakır im März des Jahres vor tausenden Menschen verlesen wurde, hatte Öcalan zur Einberufung eines Kongresses aufgerufen, der die Niederlegung der Waffen beschließen sollte. „Ich denke, es ist notwendig und historisch geboten für die PKK, den über 40 Jahre hinweg geführten bewaffneten Kampf gegen die türkische Republik zu beenden und einen Kongress abzuhalten, um dem Geist der neuen Ära gerecht zu werden“, schrieb Öcalan. Bei den Neuwahlen zur Großen Nationalversammlung verlor die HDP in den kurdisch dominierten Gebieten des Ostens und Südostens der Türkei gegenüber dem Ergebnis im Juni 2015 fast fünf Prozent ihrer Stimmen, während die regierende Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) zwischen sieben und zehn Prozent dazugewinnen konnte. Während die AKP insgesamt im Juni nur 40,9 Prozent der Wählerstimmen erzielen konnte, schaffte sie es am Sonntag der Vorwoche, mit 49,5 Prozent ihre absolute Mehrheit zurückzuholen. Die Republikanische Volkspartei gewann nur unerheblich dazu und kam auf 25,3 Prozent, während die nationalistische MHP mit 11,9 und die HDP mit nur noch 10,8 Prozent zu den Verlierern der Wahl gehörten.

PKK wählte nach Suruç den Weg der Gewalt

Nachdem ein mutmaßlich der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zuzurechnender Anschlag am 20. Juli 2015 in Suruç dutzende Todesopfer gefordert hatte, ermordeten PKK-Terroristen daraufhin zwei türkische Polizeibeamte. Die türkische Regierung lancierte daraufhin eine umfangreiche Antiterroroperation gegen die PKK, die in den USA, der EU und der Türkei als Terrororganisation eingestuft wird. Seit ihrer Gründung im Jahre 1978 kämpfte die PKK bis in die frühen 2000er gewaltsam für eine Loslösung der mehrheitlich kurdisch bewohnten Gebiete von der Türkei. Danach veränderte sie ihr Ziel in das einer „Autonomie“. Der Konflikt forderte bislang 40 000 Menschenleben.  
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Flüchtlingspolitik
De Maizière informierte Kanzleramt nicht über Asyl-Vorstoß

Berlin (dts) – Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat laut eines Berichts der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (F.A.S.) das Kanzleramt nicht über seine Weisung informiert, die Verfahrenspraxis für syrische Flüchtlinge zu ändern. Vielmehr habe Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU), der zugleich Koordinator der Bundesregierung in der Flüchtlingskrise ist, am Freitag erst durch einen Anruf von SPD-Parteichef Sigmar Gabriel davon erfahren. Gabriel habe Altmaier davor gewarnt, dass das Vorgehen des Ministers massiv die Vereinbarung gefährde, die am Donnerstag von Kanzlerin Merkel, CSU-Chef Seehofer und dem SPD-Vorsitzenden Gabriel getroffen worden war, um die Flüchtlingskrise in geordnetere Bahnen zu lenken. Nach Intervention des Kanzleramts musste de Maizière am Freitagabend dann die neue Regelung zurücknehmen, die wieder Anhörungen von Syrern vorsieht und ihnen nur noch subsidiären Schutz ohne Familiennachzug gewähren sollte. Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Torsten Albig, sagte der F.A.S., vereinbart sei die Einschränkung des Familiennachzugs für eine sehr kleine Personengruppe. „Eine automatische Erweiterung auf alle bleibeberechtigten Flüchtlinge wird es mit den rot-grünen Ländern nicht geben. Dies wäre nicht nur inhuman, es wäre auch unklug, weil es die Integration der vielen jungen Männer verhindert, wenn sie ihre Frau und Kinder nicht nachholen können“, so Albig.

Flüchtlingsverkehr
Ministerium: 13 Züge und 190 Busse pro Tag für Flüchtlingstransport

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Berlin (dts) – Zur Verteilung der Flüchtlinge in Deutschland werden nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums täglich 13 Sonderzüge und 190 Busse eingesetzt. Das berichten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Das Bundesverkehrsministerium hat seit dem 1. November die Leitung der „Koordinierungsstelle Flüchtlingsverkehr“ vom Bundesinnenministerium übernommen. Diese Stelle organisiert die Beförderung der Asylbewerber, die über die Balkanroute nach Deutschland kommen, zu den Aufnahmestellen in den Bundesländern. Nach Angaben des Ministeriums werden die Flüchtlinge mit Zügen der Deutschen Bahn und privater Bahnunternehmen befördert. Die Busse kommen von privaten Unternehmen, der Bundeswehr und des Technischen Hilfswerks (THW). „Die Kapazitäten sind kontinuierlich erhöht worden“, sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die Kosten für den Transport übernimmt das Bundesfinanzministerium.

Lufthansa-Streik
Flugbegleiter unterbrechen Streik bei Lufthansa für einen Tag

Frankfurt/Main (dts) – Die Flugbegleitergewerkschaft UFO hat ihren Streik bei der Lufthansa für einen Tag unterbrochen. Nach Angaben der Lufthansa soll der Flugbetrieb daher am Sonntag weitgehend normal verlaufen. Einzelne Streichungen seien jedoch aus operativen Gründen möglich. Erst für Montag hat die Gewerkschaft die Flugbegleiter wieder zum Ausstand aufgerufen – nannte jedoch zunächst keine Details. Am Freitag und Samstag hatten die Lufthansa-Flugbegleiter die Arbeit an den Standorten Frankfurt und Düsseldorf niedergelegt. Hunderte Flüge fielen aus, Zehntausende Passagiere waren betroffen. In dem Tarifstreit geht es um die Alters- und Übergangsversorgung der rund 19.000 Lufthansa-Flugbegleiter.

Emnid-Umfrage
Wahltrend: AfD mittlerweile bei neun Prozent

Berlin (dts) – Der Höhenflug der AfD in der Wählergunst hält an: Im aktuellen Sonntagstrend, den das Meinungsforschungsinstitut Emnid wöchentlich im Auftrag von „Bild am Sonntag“ erhebt, kann die Partei noch einmal einen Zähler zulegen und kommt auf neun Prozent. Damit erreicht die AfD dasselbe Niveau wie die Linkspartei, die hingegen einen Prozentpunkt abgeben muss. Besonders stark schneidet die AfD in Ostdeutschland ab: Hier kommt sie auf 14 Prozent. Bei den ostdeutschen Männern sind es sogar 18 Prozent. Ebenfalls einen Prozentpunkt zulegen kann die SPD (26 Prozent). Unverändert bleiben die Werte von Union (36 Prozent), FDP (vier Prozent) und Grünen (zehn Prozent). Die Sonstigen landen bei sechs Prozent. „Die AfD ist die einzige Partei in Deutschland, die die Vorurteile von Teilen der Bevölkerung gegenüber Ausländern hemmungslos ausbeutet“, sagte Parteienforscher Ulrich von Alemann der BamS.

Fußballakademie in Hatay
In der Türkei entsteht Syriens Fußball von morgen

Hatay (nex) – Sobald ein „neues Syrien“ aus den Trümmern des Bürgerkrieges erstanden ist, soll dieses auch über eine Fußballauswahl verfügen, die den Menschen des Landes ihren Stolz zurückgeben kann. Und der Grundstein zu einem solchen Erfolg soll in der Türkei gelegt werden, genauer gesagt in der südtürkischen Provinz Hatay, wo derzeit 80 junge Menschen zwischen neun und 16 Jahren in einer Aufsehen erregenden Fußball-Akademie trainieren. Die Einrichtung wurde im Oktober von der Vereinigung syrischer Türken gegründet, für die jungen Spieler, die in der Türkei Schutz vor dem Bürgerkrieg im eigenen Land finden, erlangen auf diese Weise ein Stück Normalität zurück und können an ihrem Traum weiterbauen. „Der Krieg in Syrien ist der größte Krieg in diesem Jahrhundert“, erklärte Ahmed Vezir, der Generalsekretär des Verbandes und Koordinator der Fußballakademie, gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu. Er habe bisher Millionen von Menschen betroffen. „Jetzt sind viele Lehrer, Ärzte, Künstler, Handwerker oder Menschen mit Berufsausbildung tot oder haben die Heimat verlassen. Wenn der Krieg in Syrien vorbei ist, sollten wir unser Leben in einer starken Weise zu leben beginnen. Wir sollten in einer in jedweder Hinsicht qualifizierten Weise in unser Land zurückgehen.“ Eines der Projekte für ein „neues Syrien“ sei dabei auch die Fußball-Akademie in Hatay. „Wie warten auf die Unterstützung durch die türkischen Vereine“, erklärt Vezir. „Als wir noch in Syrien waren, haben wir kein einziges Spiel der türkischen Nationalmannschaft oder Europapokalspiel der türkischen Klubs verpasst. Wir haben für sie gebetet und ihre Siege in den Straßen gefeiert. Jetzt brauchen wir die Gebete der Türkei.“ Die Kinder und Teenager werden von professionellen Trainern und erfahrenen Spielern betreut. Am Ende soll aus den derzeit 80 trainierenden Jugendlichen ein Team geformt werden. Auch die Kinder selbst sind voll des Enthusiasmus. Ridvan Bal (10) findet den Kurs sehr gut. Sein Vorbild ist der türkische Star Arda Turan. Kened Abu (13), der ebenfalls aus dem Bürgerkriegsgebiet entkommen ist, erklärt: „Ich möchte meinen Traum Wirklichkeit werden lassen. Ich habe nicht geglaubt, eine Möglichkeit dazu zu finden. Ich danke allen, die diese Akademie möglich gemacht haben.“ Derzeit befinden sich 2,18 Millionen syrischer Flüchtlinge in der Türkei. Seit Beginn des Bürgerkrieges, der bislang 250 000 Menschenleben gefordert hat, sind vier Millionen Syrer auf der Flucht, mindestens 7,6 Millionen, die sich noch in ihrem Land befinden, haben ihr Zuhause verloren.  
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Netanyahu trifft Obama
Israel: Netanyahu will fünf Milliarden an Militärhilfe von Barack Obama

Jerusalem (nex) – Israels Premierminister Benjamin Netanyahu wird am kommenden Montag zum mittlerweile 16. Mal in dessen mittlerweile fast siebenjähriger Amtszeit mit US-Präsident Barack Obama zusammentreffen. Israelischen Medien zufolge wird es bei den Gesprächen in Washington um Militärhilfe für den US-Verbündeten und um den andauernden Konflikt zwischen Israel und Palästina gehen. Der Jerusalem Post zufolge hofft Netanyahu darauf, zusätzlich zwei Milliarden US-Dollar an Militärhilfe für Israel sichern zu können. „Israel will jetzt ein auf mehrere Jahrzehnte fixiertes Sicherheitspaket im Umfang von jährlich fünf Milliarden US-Dollar schnüren, das 2017 in Kraft treten und eine Steigerung gegenüber der letzten Drei-Milliarden-Paketlösung darstellen soll“, wird eine israelische Quelle aus dem Sicherheitsapparat in der Jerusalem Post zitiert. „Nachdem der Iran seine Positionen in Syrien verstärkt hat, ist seine Armee in der Region stärker geworden.“ Israel ist zudem noch weiteren Sicherheitsrisiken ausgesetzt. Neben der Hisbollah im Norden und der Hamas in Gaza gewinnt nun auch der so genannte „Islamische Staat“ (IS) in Gaza und im Sinai an Terrain.

Flüchtlingskrise
Asselborn warnt vor Grenzschließungen

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Luxemburg (dts) – Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn hat in der Flüchtlingskrise vor einem Zusammenbruch des Schengen-Systems gewarnt. „Wir haben nur noch ein paar Monate Zeit, um zu verhindern, dass überall in Europa die Grenzübergänge scharf überwacht werden“, sagte Asselborn dem „Tagesspiegel am Sonntag“. Der Verlust des kontrollfreien Grenzübertritts, wie er im Schengen-Abkommen vorgesehen ist, wäre „ein Rückschlag für die Wirtschaft, vor allem aber auch für die Bürger“, sagte Asselborn, dessen Land gegenwärtig den EU-Vorsitz innehat.