Corona-Krise
DGB: Kurzarbeiter nicht im Regen stehen lassen

Osnabrück – Unmittelbar vor neuen Beratungen über das Jahressteuergesetz drängt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) darauf, Millionen von Kurzarbeitern vor Zusatzbelastungen bei der Steuer zu schützen. Vorstand Stefan Körzell sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ), die Koalition dürfe „diese Beschäftigten nicht im Regen stehen lassen“. Das Kurzarbeitergeld wird zwar steuerfrei ausgezahlt. Es unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Das heißt: Die Lohnersatzleistung wird zur Berechnung des Steuersatzes herangezogen. Und mit diesem erhöhten Prozentsatz wird dann das übrige Einkommen versteuert. Das Jahressteuergesetz soll bis zum 18.Dezember endgültig gebilligt werden. An diesem Mittwoch tagt der Finanzausschuss des Bundestags. Körzell mahnte:
„Wer mit dem Kurzarbeitergeld erhebliche Einkommenseinbußen hinzunehmen hat, soll nicht auch noch mit Steuernachzahlungen zu kämpfen haben.“
Gerade wenn Beschäftigte im Niedriglohnbereich tätig seien und ihr Kurzarbeitergeld nicht durch den Arbeitgeber aufgestockt werde, drohten untragbare Mehrbelastungen. „Das gilt beispielsweise für Teile der Gastronomie, für den Einzelhandel, die Hotellerie, aber auch andere eher mittelständisch geprägte Branchen.“ Der Gewerkschafter appellierte an die Koalition, sich einen Ruck zu geben und doch noch im Jahressteuergesetz Abhilfe zu schaffen. Es gehe dabei nicht um dauerhafte Änderungen an der prinzipiellen Steuersystematik, sondern allein um einen pragmatischen Umgang mit der Krisen-Situation, um ohnehin hart Getroffene nicht noch mehr zu belasten. „Für die Dauer der Pandemie, also auch für das Jahr 2021, sollten mindestens Menschen mit geringeren Einkommen von einer durch den Progressionsvorbehalt ausgelösten Steuernachzahlung verschont werden.“

Corona-Krise
NRW ringt mit Söders Corona-Vorstoß

Essen  – Im Kampf gegen die weiterhin hohen Corona-Infektionszahlen ist die schwarz-gelbe Regierungskoalition von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) offenbar durch die deutliche Kursverschärfung des bayerischen Regierungschefs Markus Söder (CSU) auf dem falschen Fuß erwischt worden. „Markus Söder predigt seit Beginn der Pandemie bundesweit einheitliche Regeln, um sie dann in markigen Worten einseitig und unabgestimmt aufzukündigen“, kritisierte FDP-Landtagsfraktionschef Christof Rasche gegenüber der in Essen erscheinenden Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Söders Katalog enthalte einige nicht kontrollierbare Maßnahmen. „Das führt zu Verdruss statt Akzeptanz“, so Rasche. Es sei irritierend, dass Bayern die gemeinsame Priorität aller Bundesländer für Präsenzunterricht an den Schulen aufgekündigt habe. Vize-Ministerpräsident und FDP-Landeschef Joachim Stamp reagierte auf Anfrage der WAZ zurückhaltender: „Wenn Anpassungen notwendig sind, müssen wir angemessen reagieren. Landesweite Kita- oder Schulschließungen wird es nicht geben.“ NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) schloss derweil eine Verschärfung ausdrücklich nicht aus: „Sollte sich die Gesamtlage nicht zeitnah verbessern, erscheint auch bundesweit ein noch restriktiveres Vorgehen notwendig, um die Zahl der Neuinfektionen überall deutlicher zu reduzieren“, sagte er der WAZ.

"Unautorisierte Aufnahmen"
Türkei: Russische Journalisten wieder freigelassen

Istanbul – Die Türkei hat zwei russische Journalisten freigelassen, die letzte Woche wegen des Verdachts verhaftet worden waren, ohne Genehmigung eine Drohnenfabrik des Herstellers Baykar gefilmt zu haben. Ein Gericht in Istanbul ordnete die Freilassung von Alexej Petruschko und Kameramann Iwan Malyschkin an, so ein türkischer Offizieller gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Die beiden Journalisten, die für den russischen Fernsehsender NTV arbeiten, wurden am Donnerstag in Istanbul verhaftet, wie das türkische Außenministerium mitteilte. Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf eine namentlich nicht genannte Quelle im türkischen Außenministerium berichtete, wurden die Journalisten verhaftet, als sie „ohne jede Akkreditierung eine Drohnenfabrik filmten“. „Sie kamen nach Istanbul zum Filmen, haben aber weder eine Erlaubnis noch eine Akkreditierung erhalten“, zitiert AFP die Quelle. Bereits am Montag hatte der Kreml die Hoffnung auf die „baldige Freilassung“ der beiden Journalisten geäußert. Der russische Präsidentschaftssprecher Dmitri Peskow sagte Reportern, dass die Moskauer Diplomaten „in Kontakt mit der türkischen Seite“ seien, um den Fall zu lösen. Baykars unbemannte Luftfahrzeuge (UAV) wurden in jüngsten Konflikten wie in Libyen, Syrien und Bergkarabach eingesetzt. In mehreren Fällen wurden Bayraktar TB 2-Drohnen mit türkischen Luft-Boden-Flugkörpern bewaffnet.

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– Istanbul – „Unautorisierte Aufnahmen“: Russische Journalisten in der Türkei verhaftet

Vadim Takmenev, der stellvertretende Chefproduzent und TV-Moderator des russischen Fernsehsenders NTV, hat den türkischen Botschafter in Moskau, Mehmet Samsar, bei der Freilassung des Kamerateams des Senders um Hilfe gebeten.

„Unautorisierte Aufnahmen“: Russische Journalisten in der Türkei verhaftet

"Falsche Darstellung
WHO: Corona-Lage in der Türkei „nicht so schlimm wie in Europa“

Genf – Nachdem Inhalte eines Interviews der Deutschen Welle  mit der Weltgesundheitsorganisation von Medien falsch dargestellt wurden, hat die UN-Koordinationsbehörde mit einer Stellungnahme reagiert. Wie TRT Deutsch berichtet, hat das Türkei-Büro der WHO ein am Freitag mit dem türkischen Dienst der Deutschen Welle (DW) geführtes Interview zur Corona-Lage in der Türkei nochmals veröffentlicht. Demnach habe sich die Organisation aufgrund einer verzerrten medialen Darstellung von Aussagen zu einer Klarstellung gezwungen gesehen, zitiert TRT Deutsch die Stellungnahme vom Sonntag. „Eine klare und konsistente Kommunikation ist äußerst wichtig für das nützliche Engagement der Community und die evidenzbasierte Politik und Entscheidungsfindung aller Beteiligten“, betonte die WHO mit Blick auf die Verantwortung von Medien bei der Verbreitung von Informationen. „Wir haben jedoch festgestellt, dass einige Medien einige der Aussagen, die wir während des Interviews mit DW Türkçe tatsächlich gemacht haben, jetzt leider falsch darstellen.“ „Die Türkei hat sich von Anfang an gut geschlagen. Wir sind jetzt auch nicht so schlecht dran wie andere Länder“, betonte die WHO demnach in Bezug auf die Transparenz der Türkei hinsichtlich der Fallzahlen. Die generelle Corona-Lage in der Türkei sei „nicht so schlimm wie in Europa“ oder woanders in der Welt. Trotzdem müssten sich alle an den Corona-Maßnahmen beteiligen, sonst könnten Gesundheitssysteme an ihre Belastungsgrenze geraten – wie es in den USA zu beobachten sei.

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Als Lady Mary Wortley Montagu, die Frau des englischen Botschafters am osmanischen Hof in Konstantinopel, 1717 beobachtet, wie Haremsfrauen ihre Kinder absichtlich mit Pocken infizieren, glaubt sie erst an eine barbarische Praxis.

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Luftfahrt
Die türkische Luftfahrtindustrie hat eine lange Tradition

Von Kemal Bölge

Am 5. Dezember 2020 hat der türkische Luft- und Raumfahrtkonzern TUSAŞ Engine Industries in Eskişehir den ersten in der Türkei hergestellten Hubschraubermotor TS1400 (1.660 PS) an TAI (Turkish Aerospace Industries) feierlich übergeben. Mit dieser Übergabe würde einer Serienfertigung des einheimisch entwickelten Motors nichts mehr im Wege stehen.

Pioniere der türkischen Luftfahrt

Dabei hat die türkische Luftfahrtindustrie eine lange Tradition vorzuweisen. Luftfahrtpioniere wie Vecihi Hürkuş, Nuri Demirağ oder Selahattin Reşit Alan gelten als Wegbereiter dieser industriellen Entwicklung. Hürkuş nahm mit 16 Jahren als Freiwilliger am Balkan-Krieg 1912 teil und absolvierte zunächst die Schule zum Flugzeugmechaniker und wurde anschließend Pilot.

Er baute 1924 mit eigenem Know-how das erste türkische Flugzeug Vecihi K-VI. 1925 wurde die Türkische Flugzeuggesellschaft (Türk Tayyare Cemiyeti) gegründet, mit dem der Grundstein zur Gründung der ersten Flugzeugfabrik in Kayseri gelegt und eine Zusammenarbeit mit der deutschen Flugzeugfirma Junkers unterzeichnet wurde. Diese Produktionsstätte (TOMTAŞ) wurde am 6. Oktober 1926 eröffnet und die ersten hergestellten Flugzeuge waren die Junker A-20. Von der A-20 wurden 1927 30 und von der F-13 drei Stück gebaut. Wegen finanzieller Schwierigkeiten von Junkers musste die Zusammenarbeit mit dem deutschen Flugzeugbauer beendet werden.

(Foto: Tayyareci Vecihi Hürkuş Müzesi Derneği)

Erste Flugzeugfabrik in Kayseri

Mit Junkers gab es Probleme mit den Patenten und den Flugzeugtests. Hinzu kam, dass die damalige deutsche Regierung ihre finanzielle Unterstützung für Junkers beendete. Mit einer finanziellen Entschädigung an Junkers übertrug diese ihre Aktien am Gemeinschaftsunternehmen an die Türkische Flugzeuggesellschaft. 1932 erhielt die Produktionsstätte den Namen Flugzeugfabrik von Kayseri (Kayseri Uçak Fabrikası), die im Zuge der US „Marschall-Hilfen“ die Produktion einstellen musste. An der ehemaligen Flugzeugfabrik befindet sich heute das 2. Luftversorgungs- und Wartungszentrum der türkischen Luftwaffe.

Der Unternehmer Nuri Demirağ gründete 1936 im Istanbuler Stadtteil Beşiktaş eine Flugzeugwerft, bei dem der Flugzeugingenieur Selahattin Alan für das erste in der Türkei konstruierte und hergestellte einmotorige ND-36 Flugzeug verantwortlich war. Es folgte das zweimotorige Modell Nu-D 38 für sechs Passagiere. Sowohl Hürkuş als auch Demirağ erhielten nach dem Tod von Atatürk staatlicherseits nicht die Unterstützung, die sie dringend benötigt hätten.

Demirağ ließ sich nicht davon beeindrucken und erhielt für die Nu-D 38 1944 die internationale Fluglizenz. Trotzdem musste dieser visionäre und mutige Unternehmer seine Flugzeugwerft schließen und es wurden keine einheimischen Flugzeuge mehr gebaut. Postume Ehrung wurde dem Luftfahrtpionier Vezihi Hürkuş zuteil, als die türkische Luftwaffe ihr Schul- und Erdkampfflugzeug Hürkuş (TAI Hürkuş) nach ihm benannte. Seit 2007 existiert ein Vezihi-Hürkuş Museumsverein, der die Aufgabe hat, das Vermächtnis des Wegbereiters der türkischen Luftfahrt der Öffentlichkeit mit Veranstaltungen näher bekannt zu machen.

Aufbau der türkischen Rüstungsindustrie

Die von Atatürk propagierte Leitlinie einer unabhängigen Politik beinhaltete auch den Aufbau einer eigenen Rüstungsindustrie, was jedoch nicht von allen Regierungen umgesetzt wurde. Die türkische Militärintervention 1974 in Zypern und das anschließende US-Waffenembargo gegen die Türkei war die Motivation zur Gründung des Unternehmens Aselsan, das ursprünglich als Telekommunikationsfirma gegründet wurde.

Bis zur Regierungsübernahme der AKP hatte kaum eine türkische Regierung so viel Wert auf den Ausbau der eigenen Rüstungsindustrie gelegt. Präsident Erdoğan und seine Regierung wissen, dass der Schutz der Türkei und die Wahrung von Interessen nur durch eine eigene autonome Verteidigungsindustrie möglich ist.

Die türkische Rüstungsindustrie verzeichnet seit Jahren einen starken Zuwachs. Der Umsatz von Unternehmen wie Aselsan, Baykar, Tusaş, Roketsan, Havelsan etc. betrug 2019 mehr als 10,884 Mrd. US-Dollar, was gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen Zuwachs von 24,23 Prozent bedeutete. Die Entwicklung der türkischen Verteidigungsindustrie ist kein Zufall, denn dahinter steckt eine konkrete Strategie.

Der Kampf gegen den PKK-Terror und andere Terrororganisationen, die Entwicklungen in Syrien und im Irak sowie die Ereignisse im östlichen Mittelmeer haben die Strategen und Verantwortlichen in der Türkei zum Handeln gezwungen. Es kam noch hinzu, dass „Partnerstaaten der NATO“ die Türkei im Kampf gegen die PKK, Daesh (IS) oder andere radikale Organisationen nicht unterstützt und für bestimmte Waffen und Systeme die Lieferung mit scheinheiligen Gründen verwehrt haben. Der Umsturzversuch von 2016 und die von den USA in Syrien massiv unterstützte PKK/YPG, sind weitere Gründe für den Ausbau von eigenen Waffensystemen.

Die Kriege in Syrien, in Libyen und zuletzt im südlichen Kaukasus haben die Fähigkeiten von modernen türkischen Waffensystemen und elektronischer Kriegsführung unter Beweis gestellt. Vor allem der Einsatz von bewaffneten Drohnen hat die Art und Weise, wie man heute Kriege führt, revolutioniert. Man muss aber bedenken, dass in dem Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan nur ein Bruchteil der technologischen Fähigkeiten von türkischen Waffensystemen zum Einsatz kam.

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– Luftfahrt – Türkei: Entwicklung des ersten türkischen Hubschraubermotors TS1400 fertiggestellt

In einer feierlichen Zeremonie in der westtürkischen Stadt Eskisehir, hat der türkische Luft- und Raumfahrtkonzern TUSAŞ Engine Industries Inc. (TEI) am Samstag den ersten einheimisch hergestellten Hubschraubermotor TS1400 an den Mutterkonzern TAI (Turkish Aerospace Industries) übergeben.

Türkei: Entwicklung des ersten türkischen Hubschraubermotors TS1400 fertiggestellt

Corona-Krise
Vorbild Bayern: SPD-Opposition fordert Wechselunterricht auch in NRW

Die SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag hat die Landesregierung aufgefordert, wie in Bayern einen Wechselunterricht an den Schulen des Landes einzuführen. „Markus Söder setzt in Bayern für die Schulen das um, was wir seit Wochen auch in NRW fordern. Armin Laschet muss jetzt nachziehen“, sagte Fraktionschef Thomas Kutschaty dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Von Mittwoch an werden in Bayern wegen der hohen Corona-Infektionszahlen ab Klassenstufe acht die Klassen überall geteilt werden und gehen in einen Wechsel aus Präsenz- und Distanzunterricht über. In Hotspots ab einer Inzidenz von 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche sollen die Schüler ab Klasse acht alle in den Distanzunterricht. Kutschaty sagte, die Schulen und Träger bräuchten „endlich einen verlässlichen Handlungsrahmen“. Die Landesregierung dürfe die Kommunen nicht weiter allein lassen mit der Frage, wie sie bei entsprechenden Infektionszahlen auf die Situation reagieren sollten.

Umfrage
In der Corona-Pandemie große Zufriedenheit mit Apotheken

Die Bundesbürger sind mit den Apotheken auch während der Corona-Pandemie sehr zufrieden. Acht von zehn Erwachsenen (79 %) haben im Zeitraum von März bis August 2020 – also während der ersten Welle – eine Apotheke besucht. Neun von zehn Apothekenkunden (87 %) bewerteten die Apotheken mit der Schulnote 1 oder 2, also mit sehr gut oder gut. „Wir waren und sind auch in Krisensituationen für unsere Patienten da. Wir freuen uns über die Anerkennung unserer Leistungen“, sagt Mathias Arnold, Vizepräsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Im Auftrag der ABDA befragte forsa im August 2020 repräsentativ 1002 Bundesbürger ab 18 Jahren. Die Apothekenkunden gaben verschiedene Gründe für den Apothekenbesuch an. Bei möglicher Mehrfachnennung nannten 82 % das Einlösen eines Rezepts an und 68 % den Kauf eines rezeptfreien Arzneimittels. Zudem gab es Corona-typische Gründe: 22 % kauften in der Apotheke ein Desinfektionsmittel, ebenfalls 22 % eine Atemschutzmaske. 6 % suchten eine Apotheke auf, weil sie gezielt Informationen zur Corona-Infektion benötigten. Auch der Botendienst wurde häufig genutzt: 14 % aller Apothekenkunden ließen sich Arzneimittel bis an die Haustür bringen. In der Altersgruppe 60 Plus waren sogar jeder Fünfte (21 %). Arnold: „Der Botendienst ist ein wichtiger Beitrag für die Verringerung von Neuinfektionen. Denn so können Apotheken zum Beispiel Menschen, die sich in häuslicher Quarantäne befinden, mit großer Sicherheit versorgen – in der Regel noch am gleichen Tag.“

Gesundheit
Puzzles dünsten Schadstoffe aus

Kann einem vom Puzzeln übel und schwindelig werden? Reporterinnen und Reporter des Wirtschafts- und Verbrauchermagazins „Markt“ im NDR Fernsehen sind dem Verdacht nachgegangen: Nach einem Hinweis einer Zuschauerin kaufte die „Markt“-Redaktion stichprobenartig vier verschiedene 1000-Teile-Puzzles in Geschäften und im Internet und gab sie in ein Labor für Innenraumtoxikologie. Mit einer Prüfkammeruntersuchung stellte das Fachlabor fest, ob bedenkliche Stoffe ausdünsten. Das Ergebnis: Aus allen Puzzles der Stichprobe gasen die Schadstoffe VOC (volatile organic compounds) aus. Das Labor fand Werte von 0,3, 0,5 und sogar rund 0,9 Milligramm VOC pro Kubikmeter. Ob sich VOC auch im Innenraum hält, müsste eine weitere Untersuchung ergeben. Das Umweltbundesamt gab auf Nachfrage von „Markt“ an, dass VOC-Werte im Innenraum kleiner als 0,3 Milligramm pro Kubikmeter sein sollten – nur dann seien sie hygienisch unbedenklich. Das Bundesinstitut für Risikobewertung sagte auf Nachfrage der NDR „Markt“-Redaktion, dass sogenannte VOCzu Symptomen wie Schwindel oder Kopfschmerzen führen könnten, wenn sie in der Raumluft vorhanden sind. Allerdings sei es oft nicht möglich, die Beschwerden bestimmten chemischen Verbindungen zuzuordnen. Warum setzen die Hersteller VOC überhaupt ein? Die Rückmeldungen auf die Recherchen von „Markt“ waren unterschiedlich: Entweder gab es keine Antwort oder nur vage Hinweise auf die Produktion. Die stellvertretende Geschäftsführerin des Instituts für Innenraumtoxikologie, Susanne Michaluk: „Bei Betrachtung der Einzelkomponenten und ihrer Eigenschaften kann man davon ausgehen, dass es (VOC, die Red.) hauptsächlich in Farbbestandteilen, Lacken und Beschichtungen vorkommt, aber auch in Kleberschichten, die auch in der Produktion Anwendung finden.“ Der Internetanbieter „wish“ nahm sein Puzzle auf die NDR Anfrage hin vom Portal, Amazon prüft es intern. Woolworth und Ravensburger halten ihr jeweiliges Produkt für gesundheitlich unbedenklich. Ravensburger ist nach Eigenaussage mit Lieferanten im Gespräch, um VOC noch effektiver zu vermeiden. Wie können sich Verbraucher vor VOC schützen? Der Tipp von einer Allgemeinärztin: „Wir empfehlen auf jeden Fall, die Packung frühzeitig zu öffnen und an der frischen Luft stehen zu lassen, damit die Konzentration möglichst gering wird. Ideal ist es auch, während des Puzzelns die Fenster zu öffnen und für eine gute Durchlüftung zu sorgen.“

Wirtschaft
Eines von 4 Ländern weltweit: Türkei steigert Exporte trotz Corona

Istanbul – Trotz der weltweiten Pandemie ist die Türkei eines von vier Ländern, das seine Exporte steigern konnte. Nach Angaben des türkischen Handelsministeriums erreichten die Exporte im November dieses Jahres 16 Milliarden und die Exporte nach 11 Monaten 151,7 Milliarden Dollar. Im dritten Quartal war die Türkei mit 6,7 Prozent die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt, welche für diesen Zeitraum einen historischen Erfolg darstellt. Nach Angaben des türkischen Handelsministeriums beliefen sich die Exporte im November auf 16,088 Milliarden Dollar. Obwohl in einigen Wirtschaftszweigen enorme Rückgänge zu verzeichnen waren, stachen andere wiederum mit erstaunlichem Gewinn hervor. Der 11-monatige Export belief sich auf 151,7 Milliarden Dollar. Das Verhältnis von Exporten zu Importen betrug dabei 76 Prozent. Insbesondere bei den Exporten von Medizinprodukten wurden bemerkenswerte Zahlen erzielt. Diese erreichten in den elf Monaten des Jahres 780 Millionen Dollar. Exporte von Covid-19 Produkten wie z. B. Atemschutzgeräte stiegen um 420 Prozent, die Exporte von Masken und Kitteln um 575 Prozent und die Exporte von Rapid-Diagnosekits im November um 319 Prozent. Im November exportierten erstmals 1.726 neue Unternehmen ihre Warengüter. Insgesamt 42.187 Unternehmen haben im gleichen Zeitraum Ausfuhren getätigt, wobei 17 Wirtschaftszweige ihre Exporte gegenüber dem Vorjahresmonat signifikant steigern konnten. Die Branchen, die im November die stärkste Leistung erzielten, waren der Schiffsbau (u.a. Jachten), die mit einem Plus von 38 Prozent 223 Millionen Dollar erreichten, Stahl, der mit einem Plus von 24 Prozent 1 Milliarde 228 Millionen Dollar erreichte, und Obst- und Gemüseerzeugnisse, die mit 165 Millionen Dollar ein Plus von 18 Prozent erreichten. Deutschland war im November mit 1,5 Milliarden Dollar das Land mit den meisten Importen aus der Türkei. Bezogen auf die Menge erreichten die türkischen Exporte im November letzten Jahres 14 Millionen Tonnen mit einem Plus von 7,9 Prozent und von Januar bis November 139 Millionen Tonnen mit einem Plus von 3,5 Prozent. Hierzu Selim Uludokumaci, Inhaber und Standortleiter Einkaufsberatung der MILES Consulting & Commerce aus Ostfildern in Baden-Württemberg:
Mein Forecast für Q1 und Q2 ist, dass der Export von PPE’s (Personal Protective Equipments) ungehindert weitergehen wird, insbesondere im Bereich Rapid-Antigentests aus Ankara und Masken und Kittel aus Istanbul und Izmir, bis tatsächlich ein geeigneter Impfstoff auf dem Markt ist. Die Schwankungen der Lira sollten Importeure aus dem Ausland immer auf dem Blick haben, da auch diese aufgrund der weltweiten Krise weiterhin andauern wird.

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Nicht nur die türkische Lira erholt sich, auch die Industrieproduktion stieg im Vergleich zum Vorjahr im fast zweistelligen Bereich.

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Istanbul
„Unautorisierte Aufnahmen“: Russische Journalisten in der Türkei verhaftet

Moskau – Vadim Takmenev, der stellvertretende Chefproduzent und TV-Moderator des russischen Fernsehsenders NTV, hat den türkischen Botschafter in Moskau, Mehmet Samsar, bei der Freilassung des Kamerateams des Senders um Hilfe gebeten. Wie die Nachrichtenagentur TASS weiter berichtet, teilte das russische Außenministerium mit, dass am 3. Dezember die russischen Journalisten Alexej Petruschko und Iwan Malyschkin, die sich in Istanbul aufhielten, nicht kontaktiert werden konnten. Das Ministerium wies darauf hin, dass der letzte Kontakt mit ihnen am Donnerstag stattfand, als die russischen Reporter sagten, dass sie von Unbekannten festgenommen und von ihnen an einen unbekannten Ort hingebracht worden seien. Zuvor teilte der Sender mit, dass ihre Mitarbeiter keinen Kontakt mehr aufgenommen hätten, nachdem sie die Redaktion über ihre Festnahme durch Polizeibeamte in der Nähe von Istanbul informiert hatten. Wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf eine namentlich nicht genannte Quelle im türkischen Außenministerium berichtet, wurden die Journalisten verhaftet, als sie „ohne jede Akkreditierung eine Drohnenfabrik filmten“. „Sie kamen nach Istanbul zum Filmen, haben aber weder eine Erlaubnis noch eine Akkreditierung erhalten“, zitiert AFP die Quelle. Das Büro des Gouverneurs von Istanbul gab am Freitagabend bekannt, dass die Dauer des Polizeigewahrsams für die Journalisten um drei Tage verlängert worden sei und dass die Ermittlungen über sie im Gange seien. Die russische Botschaft in der Türkei erklärte ihrerseits, dass sie mit den türkischen Behörden in Kontakt stehe, um die Situation zu klären. „Wir zählen auf operative Zusammenarbeit“ auf türkischer Seite, sagte die Botschaft in einer Erklärung, die auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht wurde.

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