Downhill-Rennen
Saas-Fee: Mit Vollgas über Eis und Schnee – per Bike
Saas-Fee (ots) – Rund 200 Downhill-Biker stürzten sich am Samstagmorgen vom Mittelallalin auf 3500 Meter über Meer nach Saas-Fee hinunter. Für die Überwindung der 1700 Höhenmeter benötigten die Schnellsten nicht einmal acht Minuten!
Frühmorgens um 06.15 Uhr fanden sich die rund 200 Biker an der Talstation des Alpin Express in Saas-Fee ein, um sich per Bahn zum Start auf dem Mittelallalin auf 3500 Meter über Meer zu begeben. Der Rennleiter Rolf Senn gab dann um Punkt 08.00 Uhr den Startschuss zu einem der spektakulärsten Downhill-Rennen der Schweiz. Die neun Kilometer lange Strecke forderte den Fahrern und dem Material alles ab. Die größte Herausforderung ist dabei der schneebedeckte Parcours, welcher aber natürlich maßgeblich zum Spektakel beiträgt. Vor allem die hinteren Startnummern kämpften mit der immer ruppiger werdenden Piste.
Horrende Geschwindigkeiten
Die Spitzenfahrer aber profitierten von der pickelhart präparierten Piste. So wurden Geschwindigkeiten von bis zu 135 km/h erreicht! Spektakuläre Szenen und Stürze waren bei diesen Tempi natürlich vorprogrammiert. Am schnellsten meisterte die Strecke Lukas Albert aus Sarnen, der bereits nach 7 Minuten 28 Sekunden im Ziel in Saas-Fee einfuhr. Bei den Frauen siegte wie im Vorjahr Barbara Stettler aus Stetten in 13 Minuten 19 Sekunden.
Ein Highlight im Kalender
Bereits jetzt freuen sich die Organisatoren auf das Glacier Bike Downhill in einem Jahr. Am 11. März 2017 werden sich dann wieder wagemutige Biker mit unglaublichen Geschwindigkeiten nach Saas-Fee stürzen.
Weitere Informationen unter:
Glacier Bike downhill
EU habe „keinen ethischen Standpunkt“
Erdogan-Gegner Kilicdaroglu: „Die EU soll für sechs Milliarden Euro alle Flüchtlinge aufnehmen“
Ankara (nex) – Der türkische Oppositionsführer und Vorsitzende der Republikanischen Volkspartei (CHP), Kemal Kilicdaroglu, dem bereits im Wahlkampf von Kritikern eine flüchtlingsfeindliche Position vorgeworfen worden war, kritisierte das Rücknahmeabkommen zwischen der EU und der Türkei und schlug vor, Ankara solle stattdessen selbst sechs Milliarden Euro an die EU bezahlen, damit diese ihrerseits alle Flüchtlinge aufnehme.
Das Rücknahmeabkommen verstoße gegen die Europäische Menschenrechtskonvention, meinte Kilicdaroglu, da es eine Ungleichbehandlung zwischen Flüchtlingen schaffe und die Türkei zu einem „Pufferstaat“ zwischen Europa und dem Nahen Osten mache.
„Lasst uns ihnen – der EU – sechs Milliarden Euro geben, damit sie alle Syrer, Afghanen und Pakistaner aufnehmen können“, erklärte Kilicdaroglu, und fügte hinzu, die EU nehme nur Flüchtlinge mit einem gewissen Mindestbildungsstandard auf. Er sagte, die EU nehme auch keinen „ethischen Standpunkt“ in dieser Sache ein und das Problem könne nicht allein durch Geld gelöst werden. „Flüchtlinge sind Menschen und haben auch Rechte, die durch das Völkerrecht geschützt sind.“
Ein noch nicht in allen Details vereinbartes Rücknahmeabkommen zwischen der Türkei und der Europäischen Union soll im Juni in Kraft treten. Sollte es zu dem Deal kommen, wäre die EU in der Lage, illegal über die Grenze zur Türkei gekommene Einwanderer dorthin zurückzuschieben, damit sie dort ein Asylverfahren in Anspruch nehmen können, bevor sie in ihre Heimatländer zurückgeschoben werden können. Iraker und Syrer, die den Großteil der illegalen Grenzgänger ausmachen, sind von der Vereinbarung jedoch nicht umfasst.
Im Wahlkampf zu den Parlamentswahlen 2015 hatte Kilicdaroglu Kritik dafür geerntet, dass er versprochen hatte, fast zwei Millionen Syrer im Falle eines Wahlsieges der CHP in ihr Heimatland zurückzuschicken. In einem Liveinterview hatte Kilicdaroglu 2014 erklärt, es sei „Verrat“, 1,5 Millionen Flüchtlinge aufzunehmen. In den letzten fünf Jahren hatten Syrer aller Altersgruppen seit Beginn des Bürgerkrieges Zuflucht in der Türkei gesucht. Einige von ihnen haben die Grenze im Rollstuhl oder kriechend unter Mitnahme all ihrer Habseligkeiten überschritten. Nicht zuletzt das Auftreten terroristischer Organisationen wie des IS (Daesh) oder der YPG hat Menschen dazu veranlasst, in der Türkei Schutz zu suchen.
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TV-Serien
Türkische TV-Serie „Diriliş Ertuğrul“ bricht Rekorde
Istanbul (nex) – Die erfolgreiche türkische TV-Serie „Diriliş Ertuğrul“ bricht weitere Einschaltrekorde. Wie der Senderchef von TRT in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Anadolu sagte, zeigten mittlerweile auch ausländische Investoren großes Interesse an der Serie. Aus über 60 Ländern habe es bereits Anfragen für Senderechte gegeben, so Şenol Göka. In der TV-Serie wird die Geschichte von Ertuğrul Gazi erzählt, dessen Sohn das Osmanische Reich gründete.
Engin Altan Düzyatan, der in der Serie Ertuğrul verkörpert, sagte in einem anderen Interview mit AA, dass die Serie eine sehr wichtige Produktion sei und die Rollen in der Serie den Schauspielern eine wichtige Verantwortung aufgeladen hätten. Auf Grund der Reaktionen der Zuschauer sei er zu der Überzeugung gekommen, der Rolle auch abseits der Kameras gerecht werden zu müssen. Der Frage des Reporters, ob die Rolle sein Privatleben beeinflusse, antwortete er: „Es ist eine Ehre, diese Rolle zu spielen und daher sehr wichtig, darauf zu achten, authentisch zu sein. Für einen Schauspieler, der einen ehrenvollen Feldherrn unserer Geschichte spielen darf und dafür die Anerkennung der Zuschauer bekommt, die die Serie erfolgreich gemacht haben, bringt das natürlich eine Veränderung in seiner Lebensweise. Ich habe schon immer versucht, anständig zu Leben, aber seit meiner Rolle als Ertuğrul versuche ich, in meinem Privatleben noch vorsichtiger zu sein.“
Tod im Hotel
USA: Wer ermordete Putin-Berater Michail Lessin?
Washington, D.C. (nex) – Neue Erkenntnisse über den Tod des ehemaligen hochrangigen Kremlberaters Michail Lessin vor fünf Monaten im Dupont Circle Hotel in Washington, D.C. lösen eine Welle an Spekulationen über dessen Hintergründe aus.
Die bisherigen Ergebnisse der Untersuchung des Todesfalls, der in russischen Medien als die mutmaßliche Folge eines Herzanfalls dargestellt worden war, durch US-Behörden deuten immer stärker darauf hin, dass der 57-Jährige einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen sein muss. US-Gerichtsmediziner gehen von Schädelverletzungen als eigentlicher Todesursache aus. Darüber hinaus sei es jedoch dem am Donnerstag veröffentlichten Untersuchungsbericht zufolge auch zu „stumpfer Gewalteinwirkung“ auf Nacken, Torso, Arme und Beine gekommen.
Ist der Mörder über das Dach ins Zimmer gekommen?
Die exakten Umstände seien noch nicht aufgeklärt, heißt es vonseiten der Mediziner. Die New York Times schreibt, Lessins Verletzungen rührten von einer heftigen Auseinandersetzung her, die noch vor seiner Rückkehr in das Hotel stattgefunden haben soll. Andere Quellen wie die türkische „Takvim“ sprechen davon, dass sich Lessin Stunden vor seinem Auffinden am 5. November 2015 im auf allen Etagen von Leibwächtern bewachten Hotel befunden haben soll, ehe diese am Vormittag, nachdem der Chef bis dahin nicht aufgetaucht war und auf Klopfen nicht reagierte, die Zimmertüre aufgebrochen haben sollen. In diesem Fall stellt sich die Frage, ob jemand in der Lage gewesen sein könnte, durch das Dach in das Hotelzimmer zu gelangen. Kremlsprecher Dmitri Peskow beklagt nun, nicht in ausreichendem Maße über den Fortgang der Ermittlungen auf den üblichen Wegen informiert worden zu sein. Die russische Botschaft in Washington erklärte, erst am Donnerstag darüber in Kenntnis gesetzt worden zu sein, dass es zu einem Gewaltverbrechen gekommen sei. Die Russische Föderation bot nun an, mit eigenen Ermittlern die Untersuchung zu unterstützen. Lessin gehörte über längere Zeit hinweg zu den einflussreichsten Figuren im Kreml. Er war jahrelang im Beraterstab des Präsidenten der Russischen Föderation, Vladimir Putin, und ihm wird nicht zuletzt die Idee zugeschrieben, Geld aus den Erlösen des Energiegeschäfts der Gazprom, die in den Staatshaushalt fließen, zur globalen Etablierung eines Medienkonglomerats zu verwenden, das eine Gegenöffentlichkeit zu den weltweit verbreiteten Netzwerken wie CNN oder BBC und zu westlichen Mainstreammedien schaffen sollte. Aus dieser Idee heraus entstand das Netzwerk Russia Today (RT), das heute weltweit in mehreren Sprachen Nachrichten unter besonderer Betonung des russischen Blickwinkels ausstrahlt.Lessin galt als der Stratege hinter Russia Today
Michail Lessin verfügte über ein enormes Vermögen, als er mit seiner Familie in die USA zog. Unternehmen, die er kontrollierte, sollen mehrere Firmen aufgekauft und fünf luxuriöse Domizile in Los Angeles und Umgebung für einen zweistelligen Millionenbetrag erworben haben. Der Senator Roger Wicker aus Mississippi hatte in diesem Zusammenhang sogar nach einer Untersuchung wegen des Verdachts auf Geldwäsche verlangt. Lessins Sohn war an der Produktion bedeutender Hollywoodproduktionen beteiligt. Lessin selbst war von 1999 bis 2004 Minister für Presse, Telerundfunk und Mittel der Massenkommunikation, von 2004 bis 2009 am Aufbau des Netzwerks von Russia Today beteiligt, teilweise als CEO der Gazprom Media. Präsident Putin lobte Lessin nach dessen Ableben für seinen „enormen Beitrag“ zur russischen Medienentwicklung. Bereits unmittelbar nach seinem Ableben verbreitete die britische Daily Mail Gerüchte über eine mögliche Inszenierung des FBI, das Lessins Tod vortäuschen wollte, da es ihn als Insiderquelle aus dem Kreml gewonnen hätte. Anderslautende Gerüchte sprechen von einem Zerwürfnis mit dem Oligarchen Juri Kowaltschuk, ebenfalls Medienmogul und seit 2012 Vorsitzender des Aktionärsbeirats der Bank Rossija, die unter Sanktionen der EU und der USA steht. Auf einen Bruch Lessins mit dem Kreml selbst gibt es jedoch keinerlei belastbare Hinweise.
- Aktion Grenzenloses Internet -
Reporter ohne Grenzen entsperrt zensierte Webseiten der Türkei
Berlin (ots) – Zum Welttag gegen Internetzensur hat Reporter ohne Grenzen (ROG) zensierte Webseiten in China, Malaysia, Saudi-Arabien, der Türkei und Vietnam entsperrt. Mit der Aktion „Grenzenloses Internet“ protestiert ROG gegen die weitreichende Internetzensur in vielen Staaten:
Durch repressive Gesetze und technische Hürden versuchen sie, ihren Bürgern kritische Nachrichtenmedien und andere unabhängige Informationsquellen vorzuenthalten. Die sechs für die Aktion ausgewählten Webseiten sind wichtige Nachrichten- oder Menschenrechtsportale, deren Informationen oft im Widerspruch zu den offiziellen Verlautbarungen der jeweiligen Regierungen stehen.
„Wer Nachrichtenquellen zensiert, will kontrollieren, was Menschen wissen und welche politischen Meinungen sie sich bilden“, sagte ROG-Vorstandsmitglied Matthias Spielkamp. „Mit dieser Aktion demonstrieren wir, dass Internetzensur überwindbar ist. Keine Regierung darf nach Belieben entscheiden können, aus welchen Informationsquellen ihre Bürger schöpfen.“
Um die zensierten Seiten zugänglich zu machen, hat ROG die Webseiten „gespiegelt“ (dupliziert) und auf den Cloud-Servern wichtiger Anbieter wie Amazon, Fastly, Google oder Microsoft abgelegt. Deshalb könnte eine Regierung die gespiegelten Webseiten praktisch nur noch zensieren, indem sie den gesamten jeweiligen Cloud-Server blockiert.
Damit träfe sie aber zugleich Tausende Unternehmen, die auf Dienste derselben Anbieter angewiesen sind. Einen so großen wirtschaftlichen und politischen „Kollateralschaden“ ihrer Internetzensur dürften Regierungen in der Regel scheuen.
Zusätzlich stellt ROG in diesem Jahr eine App zur Aktion „Grenzenloses Internet“ zur Verfügung. Der „RSF Censorship Detector“ fungiert als Erweiterung des Internetbrowsers Google Chrome und bietet automatisch eine Umleitung zur jeweiligen Spiegelseite an, wenn ein Nutzer eine der gesperrten Webseiten aufzurufen versucht.
ALTERNATIVE NACHRICHTENSEITEN, DIE HEIKLE THEMEN AUFGREIFEN
Zu den entsperrten Webseiten gehört das alternative türkische Nachrichtenportal Sendika.org. Seit 14 Jahren versucht es, den Sprachlosen in der Türkei eine Stimme zu geben und über Themen zu berichten, die von den großen Medien ignoriert werden, darunter soziale Themen, die Kurdenfrage sowie die Frauenrechts- und die LGBT-Bewegung. 2013 gehörte Sendika.org zu den führenden Nachrichtenquellen über die Niederschlagung der Gezi-Proteste. Seit dem Wiederaufflammen des bewaffneten Konflikts zwischen Regierung und der kurdischen PKK im vergangenen Juli ist das Portal eine von Dutzenden Nachrichtenwebseiten, die von den Behörden blockiert wurden.
Ein weiteres Beispiel ist die chinesische Nachrichtenwebseite Boxun. Mithilfe eines Netzwerks von Bürgerjournalisten berichtet sie oft sehr schnell über heikle Nachrichten. Zugleich legt das Boxun-Team großen Wert darauf, seine oft anonym eingesandten Informationen zu überprüfen und entsprechend internationalen journalistischen Standards aufzubereiten. Boxun bringt eigene Berichte und Analysen, übernimmt aber auch Texte von chinesischsprachigen Medien in China. Jeder, der in China Informationen an Boxun schickt oder für das Portal schreibt, geht ein großes Risiko ein. Mehrere Boxun-Mitarbeiter sind verhaftet, misshandelt oder zu öffentlichen „Geständnissen“ gezwungen worden.
Ebenfalls entsperrt hat ROG das englischsprachige, auf Malaysia spezialisierte Nachrichtenportal Sarawak Report, ein Schwestermedium des mehrfach ausgezeichneten Exil-Rundfunksenders Radio Free Sarawak. Mit Berichten über illegale Abholzungen und Korruption verschaffte sich die Webseite mit Sitz in London nach ihrer Gründung 2010 schnell internationale Aufmerksamkeit. Seitdem hat sie ihre Berichterstattung auf andere politische Themen ausgeweitet, darunter Enthüllungen über Regierungskorruption. Vergangenes Jahr berichtete sie über Ermittlungen der Justiz zu Vorwürfen, ein Entwicklungsfonds habe Geld auf persönliche Konten des Ministerpräsidenten umgeleitet. Seit dem 20. Juli 2015 hat die malaysische Medienaufsicht die Seite gesperrt.
64 MILLIONEN ZUGRIFFE AUF VOR EINEM JAHR ENTSPERRTE WEBSEITEN
Im vergangenen Jahr hatte ROG schon einmal elf Nachrichtenwebseiten entsperrt, die in zusammen elf Ländern zensiert werden. Die dafür bereitgestellten Server haben seitdem 64 Millionen Zugriffe registriert und mehr als 587 Gigabyte an Daten übermittelt. ROG hat zwischenzeitlich weitere Spiegelseiten eingerichtet und zusätzliche Cloud-Anbieter in die Aktion eingebunden. Dadurch kann die Organisation einen alternativen Spiegelserver anbieten, wenn eine Regierung trotz der hohen Kollateralkosten einen Cloud-Service komplett sperrt. ROG wird die Entsperrungen aufrechterhalten, solange die dafür verfügbaren Mittel ausreichen.
Die Aktion „Grenzenloses Internet“ schreibt die bis 2014 jährlich veröffentlichten ROG-Berichte „Feinde des Internets“ fort. In ihnen beschrieb ROG jeweils Staaten sowie zuletzt auch Firmen und Institutionen, die sich durch besonders weitreichende Internetüberwachung und -zensur einen Namen gemacht haben. Mit der jetzigen Aktion geht ROG über die reine Dokumentation hinaus und durchkreuzt aktiv die Zensurversuche ausgewählter Staaten, die zu den Feinden des Internets zählen.
DIE NEU ENTSPERRTEN WEBSEITEN:
– Sendika.org, zensiert in der Türkei – European Saudi Organization for Human Rights, zensiert in Saudi-Arabien – Sarawak Report, zensiert in Malaysia – Boxun, zensiert in China – Defend the Defenders, zensiert in Vietnam – Radio Free Asia, zensiert in Vietnam
Die vollständige Liste der nun – zu den Welttagen gegen Internetzensur 2015 und 2016 – von ROG entsperrten Webseiten und der jeweiligen Spiegelserver sowie weitere Informationen zu den einzelnen Seiten (auf Englisch) finden Sie unter https://12march.rsf.org. Die Liste der entsperrten Seiten und der verwendeten Dienstleister wird außerdem auf https://github.com/RSF-RWB/collateralfreedom regelmäßig aktualisiert.
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„Aktion Rettungsgasse auf allen Autobahnen“
Rettungsgasse: Hagener Initiative bewegt jetzt das Europaparlament
Hagen/Brüssel (nex/gericke) – So schnell kann es gehen: Vor knapp einem Jahr hat der Hagener Helmut Haring die „Aktion Rettungsgasse auf allen Autobahnen“ gegründet – einfach, „weil ich etwas bewegen wollte: Wir brauchen funktionierende Rettungsgassen, um im Notfall Leben zu retten“.
Und Haring weiß wovon er spricht: Als Servicekraft für die Unterhaltung der Parkplätze bei der Autobahnmeisterei kennt er das Problem feststeckender Rettungskräfte zur Genüge. Und nun bewegt der Hagener mit seiner Initiative sogar das Europäische Parlament in Brüssel: Arne Gericke, Europaabgeordneter der Familien-Partei, kämpft selbst für eine europaweit einheitliche Regelung zur Rettungsgasse. Vor kurzem hat er Haring in Hagen besucht und nicht nur die Idee einer europäischen Gesetzesinitiative mitgenommen – er hat sie binnen Tagen umgesetzt: Gemeinsam mit zwölf Kollegen aus sechs EU-Staaten hat er eine „Schriftliche Erklärung“ des Europaparlaments zur Einführung einer EU-weiten Rettungsgasse eingebracht. Nun bleiben drei Monate, um mindestens die Hälfte der 751 Europaabgeordneten davon zu überzeugen.

Gericke ist dabei guter Hoffnung: „Das Thema bewegt viele – im Europaparlament und auf Seiten der Rettungskräfte. Gemeinsam können wir viel erreichen.“ Dass es rechtlich auf EU-Ebene geht, hat Gericke bereits im vergangenen Herbst durch eine Parlamentarische Anfrage an die EU-Kommission geklärt: „Es braucht dafür nur eine Initiative der Verkehrsminister.“ Und auch wenn der zuständige deutsche Bundesminister Alexander Dobrindt auf ein Schreiben Gerickes eher ablehnend reagiert habe („nationale Angelegenheit“) – „die Reaktion der Brüsseler EU-Kommission und anderer europäischer Verkehrsminister zeigt mir: Es gibt durchaus Bereitschaft.“
Schon heute, so Gericke, sei die „Rettungsgasse“ in sechs EU-Staaten gesetzlich geregelt: Deutschland, Österreich, Tschechien, Ungarn, Slowenien und Luxemburg, allerdings selbst hier nicht überall einheitlich. Ein „Regelchaos, das so keinen Sinn macht“, sagen Haring und Gericke. Deshalb auch ihre Initiative: „Hier kann Europa durch eine kleine Entscheidung ganz praktisch viel Gutes tun.“
Und bis es zu einer Lösung kommt, unterstützt Gericke weiter die Hagener Initiative: „Als Herr Haring mir davon erzählt hat, dass die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen ihm das Anbringen der Info-Banner auf Autobahnbrücken untersagt, habe ich umgehend mein Brüsseler Büro angerufen und ein Schreiben an den Landesverkehrsminister vorbereiten lassen. Es kann doch nicht sein, dass wir so wichtige Initiativen und so engagierte Menschen wie Helmut Haring durch einen lahmenden Amtsschimmel ausbremsen.“ Denn, so Gerickes, „ich selbst merke bei meinen vielen Fahrten durch den großen Wahlkreis Deutschland immer wieder: Die Rettungsgasse ist auch in Deutschland noch viel zu unbekannt. Es bringt nichts, wenn Autos erst beim Anblick des Blaulichts im Rückspiegel zu rangieren beginnen. Die Devise muss lauten: Schon bei Staubildung – Rettungsgasse, automatisch.“
FernsehKrimi-Festival 2016
„Tatort: Verbrannt“ bekommt FernsehKrimi-Preis – Petra Schmidt-Schaller den Darsteller-Preis
Wiesbaden (ots) – Der NDR „Tatort: Verbrannt“ hat am Freitag, 11. März, beim Deutschen FernsehKrimi-Festival 2016 in Wiesbaden den Deutschen FernsehKrimi-Preis bekommen. Petra Schmidt-Schaller, die in dem Krimi als Kommissarin Katharina Lorenz an der Seite von Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) den Tod eines vermeintlichen Schleusers in Polizeigewahrsam aufklärt, erhielt für ihr Spiel den Preis als „Beste Darstellerin“. Das Drehbuch zum „Tatort: Verbrannt“ schrieb Stefan Kolditz, Regie führte Thomas Stuber. Produziert wurde der Film von der Wüste Medien GmbH (Björn Vosgerau, Uwe Kolbe).
Lutz Marmor, NDR Intendant: „Der Deutsche FernsehKrimi-Preis geht zum zweiten Mal in Folge an eine NDR Produktion, das freut mich sehr. Der Preis würdigt die hervorragende Qualität unserer Krimis aus dem Norden. Ich gratuliere Petra Schmidt-Schaller und dem ganzen Team zu diesem Erfolg.“
Christian Granderath, Leiter der NDR Abteilung Film, Familie und Serie: „Ich wünschte, wir hätten diesen Preis nicht bekommen und es hätte diesen Film nie gegeben. Er existiert nur, weil es mit dem schrecklichen Tod Oury Jallohs, der 2005 an Händen und Füßen gefesselt in Polizeigewahrsam verbrannte, einen realen Fall als Vorlage gab.“
Die Jury begründet ihre Entscheidung so: „Das kluge Buch von Stefan Kolditz und die behutsame Regie von Thomas Stuber schaffen – auch dank der klugen Musikauswahl – eine berührende, intensive Atmosphäre, die einen lange über das Sehen des Films hinaus nicht loslässt. Bis in die Nebenrollen haftet allen Figuren eine Ambivalenz an, die sie so überzeugend macht. Der Polizist Mehmet Mutlu, der sich nach seiner vergangenen deutschen Heimat sehnt oder die Polizistin Maria Sombert, die zerrissen zwischen dem Mut zur Wahrheit und der Angst vor Ausgrenzung beinahe zerbricht.“
Zum Inhalt: In einer niedersächsischen Kleinstadt beschatten die Bundespolizisten Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) einen afrikanischen Asylbewerber, der verdächtigt wird, für eine Schleuserbande mit gefälschten Pässen zu handeln. Bei der darauffolgenden Festnahme kommt es zu einer heftigen körperlichen Auseinandersetzung zwischen Falke und dem Verdächtigen.
Der vermeintliche Schleuser wird über Nacht in Polizei-Gewahrsam genommen, um am nächsten Tag verhört zu werden. Am Morgen erfahren Falke und Lorenz, dass es nachts zu einem Unglück gekommen ist, bei dem der Mann unter noch ungeklärten Umständen starb. Falke beginnt gemeinsam mit Lorenz auf eigene Faust zu ermitteln. Der „Tatort: Verbrannt“ bezieht sich auf den realen Fall von Oury Jalloh aus Sierra Leone, der 2005 in Dessau in Polizeigewahrsam verbrannt ist.
Kampf gegen den Terror
Spur der Paris-Attentäter findet sich in IS-Datenleck
Köln (ots) – In den in dieser Woche aufgetauchten Akten des IS (Daesh) finden sich auch die Namen mehrerer Attentäter von Paris. Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung ist die Einreise von drei der Terroristen vermerkt, die am 13. November 2015 an dem Massaker in der französischen Hauptstadt beteiligt waren:
Samy Amimour, Fouad Mohamed Aggad und Ismael Omar Mostefai.
Bei ihrer Einreise in den IS in den Jahren 2013 und 2014 gaben sie nur an, für den IS kämpfen zu wollen, obwohl auf dem Personalbogen auch der Einsatz als Selbstmordattentäter angekreuzt werden konnte. Zudem findet sich an anderer Stelle der mutmaßliche Kopf der Gruppe, Abdelhamid Abaaoud, der offenbar mit seinem Kampfnamen Abu Omar Al-Beljiki als Bürge für die Einreise eines weiteren französischen Islamisten in den IS fungierte. Der Einreisebogen von Abaaoud selbst befindet sich nach einer ersten Analyse nicht in den Unterlagen.
Bemerkenswert ist auch eine offenkundige Einreisewelle französischer Djihadisten, die am 18.12.2013 gemeinsam in den sogenannten Islamischen Staat einreisten. Mindestens 14 Männer mit ihren Familien überquerten an jenem Tag mit demselben Schleuser und mit der Bürgschaft eines einzigen marokkanischstämmigen Djihadisten die türkisch-syrische Grenze. Einer aus der Gruppe, Fouad Mohamed Aggad, mordete später im Pariser Bataclan. Damals starben allein in dem Konzerthaus 90 Menschen.
Neben Abaaoud gehen französische Sicherheitsbehörden von einem weiteren Hintermann der Pariser Anschläge aus, der sich währenddessen in Syrien aufgehalten haben soll.
Zu ihm suchten, so berichteten Zeugen später, einige Attentäter noch während der Tat telefonisch Kontakt: Abu Suleyman al-Faransi alias Charaffe el-Mouadan. Auch sein Einreisebogen findet sich in den Unterlagen. Die rund 22.000 Dokumente, die NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung vorliegen, stammen überwiegend aus den Jahren 2013 und 2014 und wurden von der sogenannten „General-Grenz-Verwaltung“ des IS angelegt.
Da es zahlreiche Dopplungen in dem Material gibt, ist allerdings die Anzahl der tatsächlich vom IS registrierten Kämpfer erheblich niedriger.
Nach einer ersten Auswertung scheint das Material wenige Tausend Einzelpersonen zu betreffen, darunter mindestens 100 Deutsche. In 23 Spalten werden die Neuankömmlinge außer nach biografischen Details, Kontaktdaten von Angehörigen, Schleusern und Bürgen auch nach speziellen Fähigkeiten und der beabsichtigten Tätigkeit bei der Terrormiliz gefragt. Das Bundeskriminalamt, dem solche Unterlagen nach eigenen Angaben ebenfalls vorliegen, erklärte in einer Stellungnahme, dass es sich mit „hoher Wahrscheinlichkeit um authentische Papiere“ handele.
Zuvor hatten Sicherheitsbehörden die Angaben der deutschen Eingereisten mit den ihnen vorliegenden Informationen abgeglichen. Auch NDR, WDR und SZ haben die Dokumente einer journalistischen Prüfung unterzogen. Unter Wissenschaftlern und Terrorismusforschern ist seit Bekanntwerden des Funds eine Debatte über die Echtheit der Papiere entbrannt. Während Experten wie der Extremismusforscher Peter Neumann vom King’s College in London und der Djihadexperte Will McCants vom renommierten Brookings Institute die Dokumente für authentisch halten, zweifeln andere, wie der Forscher Charlie Winter von der Georgia State University in den USA an der Formularvorlage und den verwandten Symboliken.
Dalia Ghanem-Yazbeck vom Carnegie Middle East Center in Beirut glaubt, die Dokumente seien nicht so ausgereift, wie andere zuvor publizierte IS-Dokumente. Allerdings sei die schiere Masse rekrutierter Personen beeindruckend. Nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung haben auch Sicherheitsbehörden mehrerer europäischer Staaten Zugriff auf Teile der internen IS-Daten. Die Auswertung der Dokumente könnte nun zur Aufklärung der Hintermänner von Paris beitragen.
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Landtagswahlen
SPD-Chef Sigmar Gabriel: „Werden am Sonntag besser abschneiden als erwartet“
Köln (ots) – Zwei Tage vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz hat der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel in einem RTL-Interview Optimismus für seine Partei verbreitet und die Bürger aufgerufen, zur Wahl zu gehen. „Ich glaube, dass wir besser abschneiden, als das viele erwarten“, sagte der SPD-Chef am Freitagnachmittag in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „RTL Nachtjournal“.
Gabriel zeigte sich überzeugt, dass Malu Dreyer, sozialdemokratische Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz, die Wahl dort am Sonntag gewinnen werde. „Sie schafft es, das zeigen alle Umfragen. Die Menschen in Sachsen-Anhalt und in Baden Württemberg haben offensichtlich andere Themen als die in Rheinland-Pfalz. Dort wollen die Menschen, dass Malu Dreyer Ministerpräsidentin bleibt.“
Angst vor dem Wahlsonntag habe er nicht, beteuerte Gabriel gegenüber dem „RTL Nachtjournal“. „Das Einzige, vor dem ich Angst habe, ist, dass nicht genügend Menschen zur Wahl gehen. Wenn die Demokraten zu Hause bleiben, dann gewinnen die, die mit der Demokratie nix am Hut haben. Deswegen ist sozusagen unabhängig von der Frage, welche demokratische Partei man wählt, es wichtig, dass Menschen hingehen.“
Mit Blick auf die laut Umfragen stärker werdende AfD warnte Gabriel: „Die Sehnsucht nach einfachen Antworten, die Sehnsucht zurück nach der Überschaubarkeit des Nationalstaats, die kann man nicht bedienen, ohne die Menschen zu belügen. Wer so tut, als könnten wir zurück in die Zeit, in der Deutschland abgeschottet ist vom Rest der Welt, der macht sich was vor. Ich glaube, was wir machen müssen, ist Sicherheit zu vermitteln, soziale Sicherheit, innere Sicherheit in einer Zeit des Wandels. Das ist nicht einfach, aber ich würde mal immer dem nicht glauben in der Politik, der schwierige Aufgaben mit einfachen Antworten zu beantworten versucht. Meistens sind das die größten Lügenbolde in der Politik.“
Die Landtagswahlen seien keine Abstimmung über die Flüchtlingspolitik, betonte Sigmar Gabriel. „Am Ende ist es eine Abstimmung über die Zukunft der Bundesländer.“ Wäre er Vater eines Kindes in einem dieser drei Länder, würde er sich vor allem Gedanken darüber machen, wie es mit den Schulen weitergeht, was mit Kindertagesstätten, mit Arbeit und Beruf sei. „Ich würde mir mehr um die Zukunft des Landes Gedanken machen und davon meine Entscheidung abhängig machen.“
Ausland
Brasilien: Lula kann wiederauferstehen
Stuttgart (ots) – Selbst die brasilianische Opposition hält das Vorgehen der Justiz gegen Ex-Präsident Lula für überzogen. Der Antrag, ihm dem Pass abzunehmen, damit er nicht fliehen kann, ist in der Tat lächerlich.
Dass Lulas Aktivitäten im Dienste von Bauunternehmern ein „Gschmäckle“ haben, ist unbestritten. Aber das offenkundig maßlose Vorgehen der Staatsanwaltschaft beschädigt den Ruf der Justiz und trägt zur Polarisierung der Gesellschaft bei: Lula und die immer nur sehr gemäßigte brasilianische Linke werden in konservativen Kreisen geradezu gehasst.
Für Lula hat der Skandal womöglich ein Gutes: Er gerät in die Rolle des Opfers. Erweisen sich die Vorwürfe als gegenstandslos oder wenigstens als nicht so schwer, kann er daraus durchaus noch politisches Kapital schlagen. (…)Wenn er das jetzt durchsteht, dann kann er 2018 antreten als Kandidat für sein drittes Mandat als Präsident. Dass er, so tief seine Nachfolgerin auch in der Krise steckt, tatsächlich gewählt wird, scheint zurzeit unwahrscheinlich. Aber wenn 2018 die Wirtschaft wieder wächst, wie die Experten vorhersagen, steht er vielleicht plötzlich wieder bestens da.

