Fußball-EM 2016
Ex-Bundestrainer Vogts hält Deutschland für Topfavoriten bei Europameisterschaft

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Düsseldorf (ots) – Der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts hält Deutschland für einen der Topfavoriten bei der Europameisterschaft. Das sagte er im Gespräch mit der „Rheinischen Post“. Er glaubt nicht, dass „der Weltmeistertitel eine Belastung ist. Doch wenn die Spieler denken, es läuft von alleine, dann werden sie sich wundern. Denn jeder will den Weltmeister schlagen“. Von Bundestrainer Joachim Löw verlangt er: „Da müssen sofort die richtigen Signale kommen.“ Durch die Aufstockung des Teilnehmerfelds werde zwar die „EM verwässert“, sagte Vogts. Andererseits habe die deutsche Mannschaft die Gelegenheit, sich in der Vorrunde einzuspielen. „Wenn das deutsche Team im Rhythmus ist, wird es sich sicher für die zweite Runde qualifizieren und gestärkt in die K.o.-Spiele gehen“, sagte er.

DB Cargo
Deutsche Bahn verteidigt Aufgabe von Verladebahnhöfen

Halle (ots) – Die Deutsche Bahn AG hat ihre Pläne verteidigt, aus Kostengründen bundesweit 215 von 1.500 Güterbahnhöfen nicht mehr zu bedienen. Die betroffenen Verladestationen machten nur 0,4 Prozent des Gesamtumsatzes der Güterverkehrstochter DB Cargo aus, sagte der Bahn-Konzernbevollmächtigte für Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, Eckart Fricke, am Montag der Mitteldeutschen Zeitung Dienstagausgabe. „Das ist kein Rückzug aus der Fläche und auch keine Schrumpfkur“, betonte er. In Sachsen-Anhalt sollen zwölf Bahnhöfe nicht mehr von DB Cargo bedient werden. Es handelt sich um Standorte, an denen Waren zwischen Fabriken oder Lastwagen und dem Zug umgeschlagen werden. Nach MZ-Informationen sind darunter auch Stationen, an denen weniger als 50 Waggons pro Jahr be- oder entladen werden, also nicht einmal pro Woche ein Waggon. Einige andere Stationen werden schon länger nicht mehr angefahren, weil die Bahn den entsprechenden Auftrag an private Bahn-Unternehmen verloren hat. Sie waren quasi als „Karteileichen“ aber noch im Güterbahnhofsbestand des Konzerns und sollen nun gestrichen werden. Nach Angaben von Fricke geht es in Sachsen-Anhalt um wöchentlich 14 Waggons, die künftig wegfallen sollen – bei insgesamt 10.200 Wagen pro Woche im ganzen Land. „Dieses Verhältnis zeigt, dass es in Sachsen-Anhalt ordentlich läuft“, sagte der Bahn-Manager. Auf der Streichliste der Bahn steht auch der Elbhafen in Aken, wo 15.000 Tonnen des jährlichen Frachtaufkommens auf DB Cargo entfallen. Der Hafen rechnet bei einem Rückzug der Deutschen Bahn im schlimmsten Fall mit mehreren hunderttausend Euro Verlusten im Jahr (die MZ berichtete). Nach MZ-Informationen zeichnet sich mittlerweile eine Lösung ab, wonach DB Cargo weiter im Geschäft bleiben könnte. Fricke ging auf einzelne Standorte nicht ein. Er sagte, es würden bis Ende Juni mit allen Kunden Gespräche geführt. „Wir suchen nach alternativen Lösungen.“ Diese könnten etwa darin bestehen, Aufträge an Mitbewerber, also private Bahn-Betreiber, abzugeben. Denkbar seien aber auch Verhandlungen über die Transportpreise. Hintergrund der Streichpläne ist die wirtschaftliche Lage von DB Cargo. Das Unternehmen fährt seit Jahren Verluste ein. Im vergangenen Jahr belief sich das Minus nach Bahn-Angaben auf 184 Millionen Euro. Mit dem Rückzug von den betroffenen Verladebahnhöfen will Cargo wieder rentabler werden. Ziel sei es, die Rangierloks, die die Waggons zu den Kunden bringen und abholen, effizienter auszulasten und so Kosten zu sparen, sagte Fricke. Die Kürzungspläne sind Bestandteil des Projekts „Zukunft Bahn“, über das am 8. Juni der Aufsichtsrat des Bahn-Konzerns beraten soll.

Rennen in Donnington
Supersport-WM: Blitz-Türke Kenan Sofuoglu holt dritten Saisonsieg

Donnington (nex) – Der erfolgreichste Supersport-Motorradrennfahrer aller Zeiten, Kenan Sofuoglu, konnte beim gestrigen Rennen in Donnington seinen dritten Saisonsieg einheimsen. Seinen Vorsprung in der Gesamtwertung baute der 31-Jährige Türke mittlerweile auf 26 Punkte aus. Polesetter Sofuoglu verlor zwar bereits in der ersten Runde die Führung an den Amerikaner PJ Jacobsen (Honda), holte sie aber schon in derselben Runde wieder zurück. Nach perfekten 20 Runden schoss der Türke dann als Sieger über die Ziellinie. Um Platz 2 entbrannte ein Kampf zwischen Jacobsen und Sofuoglus Kawasaki Puccetti-Teamkollegen Randy Krummenacher, den der US-Amerikaner für sich entschied. Sofuoglu liegt derzeit mit 121 Punkten auf Platz 1 der Supersport-WM, der Schweizer Randy Krummenacher auf dem zweiten Platz mit 95 Punkten. Patrick Jacobsen (US) ist dritter mit 76, Jules Cluzel (Frankreich) direkt hinter ihm mit 75 und U. K. Kyle Smith auf dem 5. Platz mit 67 Punkten.

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Unruhen in Frankreich
Präsident Erdogan verurteilt Polizeigewalt gegen demonstrierende Arbeiter in Frankreich

Istanbul (nex) – Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat die Gewalt der französischen Polizei gegenüber den friedlichen Demonstranten in Paris aufs Schärfste verurteilt und seine Sorge über das Schweigen der internationalen Medien zu den Ereignissen in Paris und Brüssel zum Ausdruck gebracht.
Erdogan, der auf der Eröffnungsfeier einer Messe im Istanbuler Stadtteil Esenler sprach, kritisierte die internationalen Medien für ihr Schweigen, wo doch Straßenproteste und das brutale Durchgreifen der Polizei in Paris und Brüssel überhandnähmen. Er verwies auf die Gezi-Ausschreitungen von vor drei Jahren, als gewalttätige Demonstranten Fahrzeuge in Brand setzten und örtliche Geschäfte demolierten. „Die Medien, die damals ununterbrochen live aus Istanbul berichteten, sind jetzt bei diesen Ereignissen blind, taub und stumm“, sagte Erdogan und unterstrich, dass ihn die Brutalität der französischen Polizei gegenüber den Demonstranten beunruhige. Das Land wurde infolge der kontrovers diskutierten Vorschläge zur Arbeitsmarktreform von einer Protestwelle erfasst. Es kursieren viele Videoaufnahmen, die zeigen, wie Polizei und Sicherheitskräfte mit offensichtlich unverhältnismäßiger Gewalt gegen protestierende Arbeiter vorgehen. So wird beispielsweise gezeigt, wie ein Polizeibeamter eine Frau aggressiv anrempelt und anschließend zu Boden schubst.

PKK-Terror
Türkei: PKK-Bombe tötet vier Zivilisten – darunter zwei Kleinkinder

Silopi (nex) – Mindestens vier Zivilisten, darunter zwei Kleinkinder, starben am Montag im Südosten der Türkei an den Folgen der Detonation einer improvisierten Bombe. Der Anschlag forderte zudem 19 Verletzte, darunter fünf Polizeibeamte. Dies teilen Quellen aus Polizei und Militär mit, meldet die Nachrichtenagentur Anadolu. Der Sprengkörper, der unter anderem ein vierjähriges Mädchen und ein sechs Monate altes Baby das Leben kostete, wurde von Terroristen gezündet, als ein gepanzertes Polizeifahrzeug durch den Bezirk Silopi in der Provinz Şırnak fuhr. Die Verletzten wurden in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht, während die Polizei eine umfangreiche Antiterror-Operation in der Region startete. Am Montag war zuvor auch ein Polizeibeamter im Militärkrankenhaus von Şırnak an seinen Verletzungen gestorben, die er sich im Antiterrorkampf gegen die PKK zugezogen hatte. Die Terrororganisation wird auch hinter dem jüngsten Anschlag vermutet, die Terroristen hatten die Region bereits mehrfach als Versteck und Zielort für Terroranschläge genutzt. Seit die von der Türkei, den USA und der EU als Terrororganisation eingestufte PKK im Juli 2015 ihren bereits seit 30 Jahren andauernden bewaffneten Kampf wiederaufgenommen hatte, war es in der Stadt bereits mehrfach zu Anschlägen und Antiterroroperationen gekommen. Seither starben etwa 500 Angehörige der Sicherheitskräfte, darunter Soldaten, Polizeibeamte und Dorfschützer. Im Zuge der Antiterroroperationen in der Südosttürkei und im Nordirak konnten 4900 Terroristen neutralisiert werden.

Kampf gegen den Terror
Erdogan: „Niemand ist stark genug, um uns von unseren Ländern zu trennen“

Türkei feiert Jahrestag der Eroberung von Istanbul Istanbul (nex) – Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan beschrieb am gestrigen Sonntag das syrische Regime, die Terrorgruppe IS (Daesh) und die in Verbindung zur PKK stehende PYD als ein Trio, das „kontinuierlich einander unterstützt und den Weg ebnet.“ Erdogan, der anlässlich des 563. Jahrestages der Eroberung von Istanbul eine Rede hielt, erklärte, dass die beiden Gruppierungen und das syrische Regime eine Koexistenz miteinander führten und der eine ohne den anderen nicht überleben könne. „Leider übersehen die Länder, die wir als unsere Verbündeten betrachten, dieses schmutzige Spiel und unterstützen es sogar“, fuhr Erdogan fort. „Jene, die den IS (Daesh) benützen und Syrien in Blut ertränken, ebenso wie jene, die die PYD benützen und versuchen, unsere Grenzen im Süden zu umzingeln, haben ein gemeinsames Ziel – nämlich alle Verbindungen der Türkei zum Nahen Osten und zu Nordafrika zu kappen.“ Die PYD ist der syrische Ableger der PKK, die von der Türkei, den USA und der EU als eine Terrororganisation eingestuft wird. „Niemand ist stark genug, uns von unseren Ländern zu trennen, dem Gebiet Thrakien oder dem Mittelmeerraum, auf die wir nach der Eroberung von 1453 Anspruch erhoben“, so der türkische Präsident Erdogan am Sonntag. Ohne den Namen explizit zu erwähnen, wies Erdogan darauf hin, dass die Terrororganisation PKK „sich nicht um die Region oder die kurdischen Mitbürger schert“. „Sie möchten gerne die Eroberung von Istanbul rächen, aber sie sind in die Gruben, die sie gegraben hatten, selbst hineingefallen“, sagte er in Anspielung auf die Gräben, die im vergangenen Jahr vor mehreren Städten im Südosten der Türkei ausgehoben worden waren. Am 29. Mai 1453 eroberte der osmanische Sultan Mehmed II. Istanbul – damals noch Konstantinopel genannt -, von wo aus die Byzantiner über 1000 Jahre über das Oströmische Kaiserreich geherrsch hatten. Mit der Eroberung wurde die Stadt, die einst das Herz des Byzanz war, zur Hauptstadt des neuen Osmanischen Reiches. Etwa eine Million Besucher, die unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen durch 150 Tore Zutritt bekamen, nahmen an den Feierlichkeiten am gestrigen Sonntag teil. Eine aus 563 Personen bestehende Janitscharengruppe sorgte während des Mega-Events für Musik, während die Turkish Stars, die Kunstflugstaffel der türkischen Luftwaffe, Flugvorführungen präsentierte.  

Gas für Europa
Israelischer Konsul: „Beste Route für israelisches Gas führt durch die Türkei“

Ankara (nex) – Der Generalkonsul von Israel in Istanbul erklärte in einem Interview, dass die einzige ausreichend große Route für den Gasexport Israels ein Land wie die Türkei sei. Sie sei in der Lage, die erforderliche Infrastruktur und den Weiterexport in den Westen zu gewährleisten.

In einem exklusiven Interview mit der Nachrichtenagentur Anadolu sprach der Gesandte über eine mögliche Vereinbarung über den Gastransport von Israel über die Türkei zum europäischen Markt.

„Ein Deal zwischen Israel und der Türkei ist angesichts der regionalen Gegebenheiten natürlich, wenn man sieht, was gerade in der Region passiert, wenn man die Beziehungen zu unseren Nachbarn betrachtet und so weiter“, führte Cohen aus. „Das ist Realpolitik. Die Situation in der Region verlangt gerade jetzt diese Art von Zusammenarbeit zwischen Israel und der Türkei im Energiesektor.“

Türkische und israelische Privatunternehmen erörtern derzeit ein mögliches Gaspipelineprojekt zwischen den beiden Ländern zur Beförderung von Erdgas vom Leviathan-Gasfeld nach Europa, das geschätzte 500 Millionen Kubikmeter Gas enthält.

„Aus geopolitischer Sicht wird es ohne die Türkei als Drehscheibe für Energiequellen und besonders für den Transport von Erdgas vom Osten nach Westen und vom Norden nach Süden sehr schwer werden, wirklich zu diversifizieren und bei der Diversifizierung von Energiequellen erfolgreich zu sein“, führte Cohen weiter aus.

Nach Cohen erfordert die Erdgaslieferung eine adäquate Infrastruktur. Wegen der geopolitischen Lage der Türkei sei es sehr wichtig, dass der Großteil der Erdgastransporte durch die Türkei führe und diese mit ihrem Einsatz im Infrastrukturausbau von Pipelines und LNG-Stationen stattfinde.

Israel bereitet derzeit die gesetzlichen Grundlagen für den Erdgasexport vor. Das Oberste Gericht hat jedoch den im März abgeschlossenenen Rahmenvertrag der Regierung zur Erdgasvereibarung mit den Energieunternehmen abgelehnt und für Korrekturen an das Parlament zurückgeschickt.

Cohen erzählte, dass die israelische Regierung den neuen Energie- und Entwicklungsplan für Erdgasfelder vorgelegt und das Kabinett ihm zugestimmt habe.

Die Türkei und Israel führen ihre Versöhnungsgespräche zur Wiederherstellung ihrer bilateralen Beziehungen fort. Diese wurden im Jahr 2010 extremer Belastung ausgesetzt, als israelische Sicherheitskräfte Mavi Marmara, das Schiff einer Hilfsflottille in internationalen Gewässern gestürmt und zehn türkische Aktivisten getötet hatten.


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Nuit debout
Unruhen in Frankreich: Türkei über Brutalität der französischen Polizei schockiert

Ankara (nex) – Die Türkei übte scharfe Kritik am Umgang mit Demonstranten gegen die Reform des Arbeitsmarktes in Frankreich und rief die französischen Verantwortlichen dazu auf, den Einsatz „unverhältnismäßiger Gewalt“ zu vermeiden. „Seit Februar ist Frankreich Schauplatz von Straßenprotesten und Streiks im Zusammenhang mit Arbeitsrechtsreformen, die zurzeit in der Nationalversammlung und im Senat debattiert werden“, erklärte der Sprecher des türkischen Außenministeriums, Tanju Bilgic am Sonntag, und diese würden „zunehmend gewalttätiger“. Bilgic rief sowohl die französischen Behörden als auch die Protestierenden zur Zurückhaltung auf, damit sich die Situation so früh wie möglich beruhigen könne. „Wir sind in Sorge auf Grund der Interventionen der französischen Sicherheitskräfte, die immer harscher werden, und rufen alle Verantwortlichen dazu auf, die Anwendung unverhältnismäßiger Gewalt zu unterlassen“, hieß es in der Erklärung. „Wir glauben, dass vonseiten der französischen Behörden alle erforderlichen Maßnahmen unverzüglich getroffen werden, um dafür zu sorgen, dass der Frieden wiederhergestellt wird und die Demonstrationen in einer demokratischen und friedlichen Weise vonstattengehen.“ Seit dem letzten Jahr erhebt sich eine Welle von Streiks im Zusammenhang mit umstrittenen Vorschlägen zu einer Arbeitsmarktreform, die Arbeitgebern mehr Möglichkeiten geben soll, Löhne zu kürzen und Arbeiter zu entlassen. Auch würden die Möglichkeiten von Gewerkschaften beschnitten, über Arbeitszeiten zu verhandeln. In Frankreich beträgt die durchschnittliche Arbeitszeit 35 Stunden pro Woche. Die größte französische Gewerkschaft, die Generalvereinigung der Arbeit (CGT), kündigte an, man wolle den Streik fortsetzen, bis die Reformentwürfe vom Tisch seien. In den letzten Tagen waren vermehrt Videoaufnahmen aus französischen Städten wie Paris oder Toulouse aufgetaucht, die zeigten, wie Einsatzkräfte mit möglicherweise unverhältnismäßiger Gewalt gegen Protestierende vorgingen. So wurde etwa gezeigt, wie ein Polizeibeamter einer jungen Frau auf die Schulter geschlagen und sie am Nacken gefasst hatte, ehe sie zu Boden stürzte. In Frankreich veranlassten Behörden daraufhin die Entfernung einiger dieser Videos, die Polizeigewalt während der Proteste dokumentierten, mit der Begründung, diese stellten eine Gefahr für die Sicherheitskräfte dar. Auch die französischen Medien wurden in sozialen Medien scharf kritisiert, weil sie die unverhältnismäßige Gewaltanwendung nur sehr zurückhaltend aufgegriffen hätten. Der französische Premierminister Manuel Valls, einer der entschiedensten Reformbefürworter, stellte zwar eine leichte „Modifikation“ der Reformen in Aussicht. Eine Rücknahme komme jedoch nicht in Frage.
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Türkei
Ankara: Gedenkveranstaltung für Opfer der „Mavi Marmara“

Menschen gedenken der zehn Opfer der Erstürmung der Mavi Marmara-Hilfsflotille

Ankara (nex) – Etwa 200 Menschen versammelten sich am gestrigen Sonntag vor der israelischen Botschaft in Ankara, um des sechsten Jahrestages des tödlichen Angriffs auf ein Schiff der Hilfsflottille „Mavi Marmara“ zu gedenken, das sich auf dem Weg nach Gaza befand.

Das Schiff mit humanitären Hilfsgütern wollte im Jahr 2010 die Gaza-Blockade durchbrechen. Israelische Sicherheitskräfte stürmten das Schiff, neun türkische Aktivisten kamen dabei ums Leben. Ein zehnter Aktivist verstarb vier Jahre später in einem Krankenhaus.

Die Plattform Glaubensfreiheit Ankara organisierte die Gedenkveranstaltung zusammen mit der Internationalen  Humanitären Hilfsorganisation Türkei (IHH) sowie anderen NGOs. Während der Zeremonie beteten die Menschen gemeinsam, schwenkten Palästinaflaggen und riefen Parolen gegen Israel. Der Sprecher der Plattform Ankara, Soner Kartal, sagte, dass der Angriff auf Marmara nicht nur das türkische Volk, sondern die Muslime zum Ziel gehabt habe. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel haben wegen des Vorfalls enormen Schaden erlitten.

Die Türkei verlangt eine Entschuldigung, eine Entschädigung der Familienangehörigen der Opfer sowie die Aufhebung der Gaza-Blockade. 2013 kam es wieder zu einer Annäherung, als die israelische Regierung sich für die Todesopfer auf der „Mavi Marmara“ entschuldigte und sich bereit erklärte, über eine Entschädigung der Hinterbliebenen zu verhandeln.

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind bereits seit 2009 angespannt. Damals übte Recep Tayyip Erdoğan, zu jener Zeit der Premierminister und heute Präsident der Türkei, im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos scharfe Kritik an Luftangriffen der israelischen Armee auf den Gazastreifen infolge Raketenbeschusses israelischer Städte. Die diplomatischen Beziehungen wurden 2010 abgebrochen, nachdem israelische Sicherheitskräfte im Juni desselben Jahres ein Schiff der Hilfsflottille „Mavi Marmara“ gestürmt hatten. Pro-Gaza-Aktivisten wollten damit die 2006 nach der Machtübernahme der Hamas verhängte Seeblockade durchbrechen. Während der Erstürmung kam es zu Zusammenstößen zwischen Aktivisten und israelischen Soldaten, bei denen zehn Menschen, hauptsächlich türkische Staatsangehörige, ums Leben kamen.  Erst 2013 kam es auf Initiative des US-Präsidenten Barack Obama wieder zu einer Annäherung, als die israelische Regierung sich für die Todesopfer auf der „Mavi Marmara“ entschuldigte und sich bereit erklärte, über eine Entschädigung der Hinterbliebenen zu verhandeln. Die Türkei hatte diese beiden Punkte sowie eine Aufhebung der Gaza-Blockade zu Voraussetzungen für eine vollständige Normalisierung der Beziehungen benannt.

Islamische Pilgerreise
Mekka-Verbot für Iraner

Teheran: Iranern bleibt in diesem Jahr Pilgerfahrt nach Mekka verwehrt Iran und Saudi-Arabien konnten sich im Streit über Rituale während des Hadsch nicht einigen. Der Iran wird in diesem Jahr nach Angaben eines Regierungsvertreters wegen „saudischer Restriktionen“ keine Pilgerer zum Hadsch schicken. Eine Delegation der iranischen Behörde für Hadschangelegenheiten kam am vergangenen Dienstag zum zweiten Mal mit saudischen Regierungsvertretern wegen der anhaltenden Diskussionen über Rituale während der Pilgerfahrt zusammen. „Saudi-Arabien verweigert die Zusammenarbeit“, erklärte der Minister für Kultur und islamische Führung Ali Jannati. „Wir konnten uns während der Gespräche nicht einigen.“ Saudi-Arabien wies die Behauptung Teherans, iranische Pilgerer würden an der Durchführung ihres Hadsch, der dieses Jahr in den September fällt, gehindert. Die Diskussionen verschärften sich noch, als der Iran darauf bestand, dass seine Pilgerer bestimmte Rituale während des Hadsch durchführten. Saudische Regierungsvertreter ihrerseits vertreten die Auffassung, dass solche Praktiken wie beispielsweise Versammlungen iranisch-schiitischer Pilgerer während des Hadsch „die anderen Pilgerer an der Fortbewegung hindern“. Saudi-Arabien hatte im Januar dieses Jahres seine Beziehungen zum Iran offiziell abgebrochen, nachdem seine Auslandsvertretungen in Teheran und Maschhad von iranischen Demonstranten wegen der Hinrichtung Nimr al-Nimrs, eines bekannten schiitischen Imams, durch die saudische Regierung angegriffen worden waren.