Es gebe eine ganze Menge Dinge, die die deutsche Regierung anderen einschließlich der namibischen Regierung vorschreibe. Sie entscheide, wann sie das tue und wann nicht. Im Augenblick habe sie entschieden, dass sie eine Entschuldigung aussprechen werde, aber dass sie anstelle von Wiedergutmachung der namibischen Regierung nur Entwicklungshilfe zahlen werde. Damit schrieben sie den Opfern in Namibia vor, was sie zugestehen und was nicht, so Rukoro weiter.
In einem Interview mit Radio Dreyeckland kritisierte auch Israel Kaunatjike, ein Herero, der in Berlin lebt und sich für das Bündnis “Völkermord verjährt nicht!” sowie bei Berlin Postkolonial engagiert, dass namibische Herero- und Nama-Verbände von den Gesprächen über eine Aufarbeitung des deutschen Völkermordes Anfang des 20. Jahrhundert ausgeschlossen seien. Kaunatjike spricht gegenüber dem Sender von “Geheimverhandlungen, zu denen die Opferverbände nicht eingeladen sind” und erklärt, die Gruppen wollten die Ergebnisse, die ohne ihre Beteiligung verhandelt worden seien, nicht respektieren. Die namibische Regierung verfolge nur finanzielles Interesse an so genannter Entwicklungshilfe und sei nie in der Frage selbst engagiert gewesen, betonte der Aktivist. Erst auf weltweiten Druck der Opferverbände, dem sich auch das Parlament nicht habe verschließen können, habe sich die Regierung 2006 für das Thema zu interessieren begonnen. Die Opfervertreter selbst habe man jedoch von Beginn an ausgebootet. Der frühere Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses im Deutschen Bundestag, Ruprecht Polenz, habe auf Anfrage im Namen der deutschen Regierung erklärt, dass Verhandlungen dieser Art nur auf Regierungsebene stattfänden, so Kaunatjike. Es sei jedoch die Vertretung eines kleinen Stammes sehr wohl in Berlin mit zu den Verhandlungen eingeladen worden, die jedoch nicht die breite Bevölkerung und die Opfer repräsentiere. “Das ist ein ‘Teile und herrsche’, und das stört uns einfach”, erklärt der Herero-Aktivist. Eine Bedeutung für die Gegenwart habe die Frage, wer in wessen Namen verhandelt, durchaus noch, so Kaunatjike. “Vertriebene in Botswana, Südafrika und Angola, deutsche Siedler leben heute noch auf deren Land”, erklärte er weiter. Zu 75 Prozent handle es sich dabei um Farmland. Man strebe diesbezüglich eine Restitution oder eine Entschädigung an. “Unsere Anliegen werden ignoriert”, so Kaunatjike in einem Gespräch mit dem Nachrichtenportal NEX24. “Sie werden uns aber nicht bremsen können.” Man rücke die Schädel seiner Vorfahren unter fadenscheinigen Gründen nicht heraus. Um die angebliche Minderwertigkeit der Afrikaner zu belegen, brachten die Deutschen aus ihrer damaligen Kolonie Schädel und Gebeine Einheimischer nach Berlin. Der Historiker Jürgen Zimmerer, der sich seit Jahren mit der Kolonialgeschichte befasst, geht davon aus, dass damals über 1000 menschliche Überreste nach Deutschland gelangten, deren Reste teilweise bis heute in Archiven, Magazinen und Kliniken lägen, berichtet Deutschlandradio Kultur. Die Geschichte der Schädel, das sei bis heute ein Trauma für ihr Volk, empört sich Ester Utjiua Muinjangue, Angehörige der Volksgruppe der Herero aus Namibia. “Die deutsche Schutztruppe brachte die abgetrennten Köpfe zu den Herero-Frauen und zwang sie, sie zu reinigen, damit sie wie Eier fein säuberlich in Kartons nach Deutschland transportiert werden konnten, beschreibt Muinjangue. Es konnten die Köpfe ihrer Ehemänner, Brüder oder Schwestern sein.” Der seit 1970 in Berlin lebende Herero-Nachfahre Kaunatjike fordert außer einer offiziellen Entschuldigung der Bundesregierung die viel stärkere Förderung zivilgesellschaftlicher Initiativen zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Genozid als bisher. Die Bundesregierung habe die Forschung an menschlichen Gebeinen, die im kolonialen Unrechtskontext nach Deutschland deportiert worden seien und nicht der Rückgabe an die Herkunftsgesellschaften dienten, zu unterbinden. Die Aufstellung riesiger rasseanthropologischer Sammlungen mit den sterblichen Überresten tausender Kolonisierter und Widerständiger aus aller Welt sei eines der düstersten Kapitel der europäischen Wissenschaftsgeschichte, lässt das Bündnis in der Pressemitteilung verlautbaren. Vor dem Hintergrund der daran anknüpfenden Verbrechen der NS-Wissenschaft komme der Bundesrepublik hierbei eine besondere historische Verantwortung zu.
Entschädigungsverhandlungen
Völkermord an Herero: Deutschland verweigert Zahlungen
Dortmund (nex) – Von den Medien kaum beachtet fand vor einigen Tagen in Berlin ein internationaler Kongress über den deutschen Völkermord an den Herero und Nama statt. Der ehemalige CDU-Politiker Ruprecht Polenz, der die Verhandlungen mit der namibischen Regierung für die Bundesregierung führt, hat ausgeschlossen, dass es Wiedergutmachung geben wird.
Bei Vetretern der Nachfahren der Opfer des Völkermordes stieß das auf massive Ablehnung. In einer gemeinsamen Resolution fordern die Kongressteilnehmenden die direkte Beteiligung der Herero und Nama an allen Verhandlungen mit Deutschland zum Völkermord und die weltweite Anerkennung des ersten Genozids des 20. Jahrhunderts. Bereits im September gab es Verhandlungen zwischen den Regierungen Deutschlands und Namibias über eine Aufarbeitung des Genozids an Herero und Nama. Opferverbände beklagen, dass die Regierung in Windhuk dabei lediglich eigene finanzielle Interessen verfolge.
In zahlreichen Kongressreden, auf zwei eindrucksvollen Kundgebungen in Berlins Mitte, einer von MdB Niema Movassat (Die LINKE) organisierten Pressekonferenz und einem Arbeitstreffen mit Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag machten die Vertreter_innen der Herero- und Nama-Verbände unmissverständlich deutlich, dass es Versöhnung nur auf der Basis ihrer direkten und bedingungslosen Beteiligung an den schon seit 2014 laufenden Verhandlungen zwischen der namibischen und deutschen Regierung zum Genozid an ihren Gemeinschaften geben kann. Sie betonten, dass die beiden Regierungen den entsprechenden Beschluss des namibischen Parlaments vom 26. Oktober 2006 als die alleingültige Grundlage von neu zu beginnenden Verhandlungen anerkennen und die international garantierten Rechte der betroffenen Gemeinschaften wahren müssten.
In enger Zusammenarbeit mit afrikanischen, Schwarzen und kolonialismuskritischen Nichtregierungsorganisationen aus Deutschland erarbeiteten die Herero- und Nama-Delegierten in Berlin eine gemeinsame Kongressresolution, in der die kritische Auseinandersetzung mit dem Völkermord zu einer globalen und gesamtgesellschaftlichen Aufgabe erklärt wird. Neben einer offiziellen Anerkennung des Genozids, einer aufrichtigen Bitte um Entschuldigung von deutscher Seite und Wiedergutmachungsverhandlungen unter direkter Beteiligung der Repräsentant_innen der Herero und Nama aus Namibia und aus der Diaspora wird daher auch eine kritische Beobachtung des verlangten Trialogs durch Nichtregierungsorganisationen gefordert.
„Es ist einerseits ein positiver Schritt, aber der andauernde Ausschluss der traditionellen Führer der Nachkommen der beiden Volksgruppen, auf die die Befehle zum Völkermord direkt zielten, verringert die Bedeutung der Verhandlungen zwischen den Regierungen. Es wird keine wirklich dauerhafte Lösung geben, wenn nicht die Vertreter der Opfer-Volksgruppen beteiligt werden“, so Herero-Häuptling Vekuii Rukoro in einem Interview mit dem Nachrichtenportal Telepolis.
"Ab November werden die Tage länger"
Bundeswehr startet Youtube-Serie „Die Rekruten“
Köln (nex) – Am 1. November startet auf dem YouTube-Kanal „Die Rekruten“ eine neue Serie der Bundeswehr. Die „Reality-Doku“ begleitet zwölf Rekruten während ihrer Grundausbildung an der Marinetechnikschule in Parow (Stralsund). Vom ersten Antreten bis zum feierlichen Gelöbnis – die Serie zeigt hautnah, wie aus jungen Menschen junge Soldatinnen und Soldaten werden. Die Folgen erscheinen täglich um 17 Uhr auf dem YouTube-Kanal.
„In zwölf Wochen durchleben die jungen Leute eine spannende Entwicklung. Sie, werden an ihre Grenzen geführt und entdecken dabei ihre eigenen Stärken. Wir zeigen das auf Augenhöhe mit den jungen Menschen und räumen gleichzeitig mit den alten Klischees über die Bundeswehr auf“, so Dirk Feldhaus, Beauftragter für die Kommunikation der Arbeitgebermarke Bundeswehr. Der Stil der Serie ist dabei durch eine besondere Nähe zu den Protagonisten gekennzeichnet. Sie holt die Jugendlichen in ihrer Welt ab und die Zuschauer durchleben aus erster Hand die persönlichen Höhen und Tiefen der Protagonisten mit.
In den Jahrzehnten vor der Aussetzung der Wehrpflicht haben Millionen von Männern die Grundausbildung selbst erlebt und viele Mythen und Geschichten darüber erzählt. Die Serie zeigt jetzt authentisch, wie die Grundausbildung heute abläuft für junge Männer und junge Frauen, die sich heute freiwillig für eine Karriere in der Bundeswehr entscheiden.
Unter dem Motto „Mach, was wirklich zählt.“ sucht die Bundeswehr seit 2015 die geschicktesten Hände und klügsten Köpfe für ihre anspruchsvollen Aufgaben. Als attraktiver Arbeitgeber bietet die Bundeswehr einen sinnstiftenden und einen – auch über die Dienstzeit hinaus – qualifizierenden Beruf. Jährlich stellt die Bundeswehr über 20.000 Menschen ein, knapp 10.000 junge Menschen starten ihre Karriere mit dem Freiwilligen Wehrdienst.
Mehr zum Thema:
Deutschland: Junge Muslime entdecken die Bundeswehr als Karriereweg
"Nicht zu den Krefeld Pinguinen"
Eishockey: NHL-Star Ehrhoff kehrt in die DEL zurück
Düsseldorf (nex) – Eishockey-Nationalspieler Christian Ehrhoff wechselt zurück in die Deutsche Eishockey-Liga (DEL). Das sagte der 34 Jahre alte Verteidiger, der in der nordamerikanischen Profiliga NHL keinen Vertrag mehr erhalten hatte, der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“.
Zu welchem Verein er wechseln wird, ließ er offen. Sein Heimatverein allerdings, die Krefeld Pinguine, wird es nicht sein. „In einem persönlichen Gespräch habe ich dem Aufsichtsrat mitgeteilt, dass ich nicht für die Pinguine spielen werde“, sagte Ehrhoff der Redaktion.
„Meine Entscheidung hat primär keine finanziellen, sondern nur sportliche Gründe. Ich möchte mich für einen Klub entscheiden, bei dem ich mich so optimal wie möglich auf die Weltmeisterschaft und die Olympischen Spiele vorbereiten kann.“
Nachdem Christian Ehrhoff vor drei Wochen ein Angebot der Boston Bruins aus der NHL abgelehnt hatte, weil er dort nicht die Rolle des siebten Verteidigers übernehmen wollte, hatte die Jagd nach dem besten deutschen Verteidiger begonnen. Angeblich sollen unter anderem die Kölner Haie Interesse an einer Verpflichtung des 862-fachen NHL-Spielers haben.
Hasskommentare
SPD und Grüne fordern Ermittlungen gegen Facebook-Chef Zuckerberg
Antrag von SPD und Grünen in Niedersachsen – „Betreiber machen sich strafbar“
Osnabrück (ots) – Wenn Facebook Hasskommentare nicht löscht, sollen deutsche Strafverfolgungsbehörden notfalls gegen Unternehmens-Chef Mark Zuckerberg vorgehen. Das fordern die Fraktionen von SPD und Grünen im niedersächsischen Landtag, berichtet die „Neue Osnabrücker Zeitung“ unter Berufung auf einen Entschließungsantrag, über den das Parlament kommende Woche abstimmen soll.
„Auch Verantwortliche sozialer Netzwerke, die trotz entsprechender Hinweise Hasskommentare nicht entfernen, machen sich strafbar“, sagte Grünen-Abgeordneter Helge Limburg dem Blatt. Im Zweifel sei hier die Justiz gefragt, so der parlamentarische Geschäftsführer seiner Fraktion.
Im Antrag berufen sich SPD und Grüne auf den Paragrafen 130 zur Volksverhetzung im Strafgesetzbuch. Ihrer Auffassung nach machen sich die Verantwortlichen von sozialen Netzwerken strafbar, „wenn sie volksverhetzende Inhalte tolerieren und nicht umgehend löschen“. Das Gesetz sieht Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren vor.
Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, dass auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) härtere Strafen gegen Hasskommentare auf Facebook plant. „Es ist denkbar, die rechtliche Verantwortung derjenigen Konzerne gesetzlich auszuweiten, die als Teil ihres Geschäftsmodells die Verbreitung strafbarer Hasskommentare technisch ermöglichen“, sagte Maas dem „Spiegel“. So könnte Facebook für strafbare Kommentare seiner Nutzer juristisch belangt werden.
Kino
ROGUE ONE: A STAR WARS STORY
Dortmund (nex) – Die Rebellion steht unmittelbar bevor: Regisseur Gareth Edwards („Godzilla“) inszeniert mit ROGUE ONE: A STAR WARS STORY ein packendes Science-Fiction-Spektakel, das bisher nie gesehene Schauplätze und neue Charaktere mit dem bekanntesten Epos aller Zeiten verbindet.
Der erste Stand-Alone-Film aus dem Star Wars Universum verspricht atemberaubende Unterhaltung, fulminante Action-Szenen und eine mitreißende Geschichte rund um die junge Rebellin Jyn Erso (Felicity Jones) – ein Muss für alle Blockbuster-Fans!
In seinem mit Spannung erwarteten Blockbuster verbindet Gareth Edwards bisher nie gesehene Schauplätze und neue Charaktere mit dem bekanntesten Epos aller Zeiten. Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe ungleicher Rebellen rund um die junge Rebellin Jyn Erso (Felicity Jones), die sich zusammenschließen, um die geheimen Pläne des gefürchteten Todessterns zu stehlen, der gefährlichsten Waffe des Imperiums.
Mit Rogue One: A Star Wars Story startet der erste Film, der in der Rubrik „A Star Wars Story“ läuft, in den deutschen Kinos. Während die Filme der Star Wars Saga – darunter auch der mit über neun Millionen Besuchern phänomenal erfolgreiche Star Wars: Das Erwachen der Macht – eine fortlaufende Geschichte rund um die Familie Skywalker erzählen, werden die „A Star Wars Story“-Filme in sich abgeschlossene Abenteuer sein, die stilistisch neue Wege beschreiten, zeitlich und räumlich losgelöst sind und vollkommen neue Facetten und Charaktere der Star Wars – Galaxis beleuchten.
Für Rogue One: A Star Wars Story konnten die Filmemacher einen beeindruckenden Cast vor der Kamera versammeln, dazu zählen: die Oscar®-Nominierte Felicity Jones, Diego Luna, Ben Mendelsohn, Donnie Yen, Jiang Wen, Mads Mikkelsen, Alan Tudyk, Riz Ahmed und der Oscar®-Gewinner Forest Whitaker. Regie führte Gareth Edwards („Godzilla”), produziert wurde ROGUE ONE: A STAR WARS STORY von Kathleen Kennedy, Allison Shearmur und Simon Emanuel. Als ausführende Produzenten zeichnen John Knoll und Jason McGatlin verantwortlich, als Co-Produzenten fungieren John Swartz und Kiri Hart.
"Aufbruchsignal"
Bildungsarmut: Christian Lindner schlägt Elite-Gymnasien für Problemviertel vor
Düsseldorf (nex) – Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat zur Bekämpfung der Bildungsarmut als konkrete Maßnahme Elite-Gymnasien für Problemviertel vorgeschlagen.
„In 30 Stadtteilen unseres Landes mit den größten sozialen Problemen gründet das Land Elite-Gymnasien – ausgestattet mit den modernsten Mitteln für den naturwissenschaftlich-technischen Unterricht“, schreibt Lindner in einem Gastbeitrag für die „Rheinische Post“.
Bereits im Kindergarten, so Lindner, sollten die besten Talente entdeckt werden und sich für den Besuch dieser Schulen qualifizieren. Der liberale Politiker prognostiziert, dass in solchen Stadtvierteln eine Änderung der Sozialstruktur erfolgen könnte.
„Statt mit ihren Kindern aus den Schulen in diesen Stadtteilen zu fliehen, werden dann viele Eltern aktiv dorthin streben“, heißt es weiter in dem Gastbeitrag.
Lindner: „Wo benachteiligte Kinder wohnen, schaffen wir besondere Exzellenz. Das sendet ein Aufbruchsignal ins ganze Land.“
Analyse
Syrien-Experte: Verlust von Tel Rifaat bedeutet Aus für PKK-Staat in Syrien
Dortmund (nex/eurasia) – In einer Analyse für das türkische Nachrichtenportal „Suriye Gündemi“ geht der Syrien-Experte Ömer Özkizilcik den jüngsten militärischen Zusammenstößen zwischen der kurdischen YPG und der Freien Syrischen Armee im Norden des bürgerkriegsgeschüttelten Landes nach. Er skizziert die strategische Bedeutung der nordsyrischen Stadt Tel Rifaat. Die Kontrolle über die Ortschaft erlaubt es, neue strategische Ziele in der Region ins Visier zu nehmen.
Zwischen der nordsyrischen Provinzhauptstadt Aleppo und der Grenzstadt Azez liegt die strategisch wichtige Kleinstadt Tel Rifaat nur wenige Kilometer von der Ortschaft Mare entfernt, die wie Azez unter der Kontrolle protürkischer Rebellen der Freien Syrischen Armee steht. In den vergangenen Tagen sorgte die Stadt Tel Rifaat unter Kennern des syrischen Bürgerkrieges für Aufmerksamkeit. Sie ist Ausgangs- und Kulminationspunkt eines größeren Konflikts unter syrischen Akteuren, die sich mit regionalen Kräften koordinieren.
In diesem Zusammenhang meldeten zahlreiche Nachrichtenagenturen unter Berufung auf den türkischen Generalstab, dass die Armee der Türkei in der Nacht zum vergangenen Donnerstag 160 bis 200 Kämpfer der kurdischen YPG-Organisation, die eine Ablegerin der terroristischen PKK ist, im Raum Tel Rifaat getötet habe. Dem geht zuvor, dass die Freie Syrische Armee im Rahmen der Operation „Schutzschild Euphrat“ gemeinsam mit der türkischen Armee die Terrormiliz IS aus der symbolträchtigen Stadt Dabik vertrieb. Diese gilt für IS-Kämpfer als spirituelles Zentrum, in dem laut islamischer Tradition eine apokalyptische Schlacht der „wahren Muslime gegen den Unglauben“ stattfinden werde.
Den Nimbus nutzend, rückten die FSA-Rebellen weiter südlich vor, bis die kurdische YPG anscheinend einen Wettlauf um IS-Territorium gen el-Bab einleiten und die FSA im Handstreich militärisch an der Bekämpfung des IS hindern wollte. Die FSA reagierte mit der Veröffentlichung einer Aufforderung an die Adresse der YPG, die Region um und Tel Rifaat selbst, das die Kurden-Organisation als Sprungbrett gen Osten nutzte, binnen 48 Stunden zu verlassen. Eine Missachtung der Aufforderung werde militärische Konsequenzen nach sich ziehen. Nach Bombardierungen durch die türkische Luftwaffe und Artillerie starteten die FSA-Rebellen eine Bodenoffensive auf mehrere Ortschaften östlich und südlich von Tel Rifaat. Bislang ist die Offensive noch nicht erfolgreich. Es ist bekannt, dass die Türkei erste Panzer und Panzerfahrzeuge nach Mare entsandte, um die Offensive zu unterstützen.
Dabei spielt die geografische Bedeutung der Stadt im Rahmen strategischer Erwägungen militärischer Bewegungen eine zentrale Rolle. So durchzieht Tel Rifaat eine Autostraße, die die Türkei mit der ehemaligen Metropole Aleppo verbindet, wo über 8,000 Rebellen operieren. Eine Eisenbahnstrecke mit gleicher Route schließt sich an. Noch 2004 lag die Bevölkerungsgröße der Ortschaft bei 20,000 Menschen.
Mit Beginn des Bürgerkrieges übernahm die Freie Syrische Armee die Kontrolle über Tel Rifaat. Die Stadt entwickelte sich zum wichtigen logistischen Knotenpunkt entlang der Versorgungsroute Türkei-Aleppo. Durch Tel Rifaat wurden Lebensmittel und Verteidigungsgüter nach Aleppo transportiert. Obwohl die Stadt für kurze Zeit in die Hände der IS-Terroristen geriet, konnten die moderaten Rebellen Tel Rifaat im Laufe des Jahres 2013 wieder befreien.
Tel Rifaat ist eine Hochburg moderater Oppositioneller, die sowohl den IS, die al-Assad-Armee, als auch die marxistisch-leninistische YPG bekämpfen. Bei Waffenstillständen, die stets von kurzer Dauer waren, demonstrierte die Lokalbevölkerung regelmäßig in den Farben der Freien Syrischen Armee.
Irak: Türkische Panzer unterstützen kurdische Kämpfer
Die Mehrheitsbevölkerung von Tel Rifaat ist mehrheitlich sunnitisch-arabisch geprägt. Eine kleine Minderheit stellt sich aus Turkmenen und Kurden zusammen. Dieser Umstand ist im syrischen Bürgerkrieg bedeutsam, da sich dieser nicht zuletzt entlang konfessioneller und ethnischer Sollbruchstellen abspielt.
Die Kehrtwende für die FSA-Präsenz begann im Februar dieses Jahres. Assadtreue Regierungstruppen begannen gemeinsam mit Schiiten-Kämpfern und der russischen Luftwaffe eine Offensive auf die eingekesselten Alawiten-Hochburgen Nubl und Zehra. Dabei rückten die Einheiten von der Umklammerung in Aleppo-Stadt nach Westen. Das führte dazu, dass die Armee mit Hilfe russischer Luftüberlegenheit, die Versorgungsroute der Rebellen in Aleppo nach Tel Rifaat kappte.
Der Faktor YPG machte diese Offensive allerdings erst möglich. Während die syrische Armee auf die Alawiten-Städte vorrückte, erhielten die Kurden-Kämpfer russische Luftunterstützung. Angesichts der militärischen Übermacht kollabierten die Verteidigungslinien der FSA-Rebellen und die YPG rückte in Tel Rifaat und Minnig ein. Türkische Artilleriesalven, die einsetzten, konnten das Ergebnis nicht mehr rückgängig machen.
Die konzentrierte Offensive der Achse Assad-Russland-YPG führte dazu, dass die 100.000 bis 150.000 Zivilisten der Region an die türkische Grenze bei Bab el-Salamah flüchteten. Tel Rifaat gilt heute als eine Geisterstadt, die von der YPG gehalten wird. Menschenrechtsorganisationen und Kritiker sprachen von Praktiken der YPG, die unmissverständlich an „ethnische Säuberung“ erinnern. Da die YPG eine in der Regel auf Kurden ausgerichtete Miliz ist, kommt es mit arabischen oder turkmenischen Bevölkerungsschichten zwangsweise zu Komplikationen, bei denen die Zivilbevölkerung das Nachsehen hat.
Der Verlust von Tel Rifaat zwang auch die Türkei dazu, ihre logistische Unterstützung in militärischen Fragen an wichtige Rebellengruppierungen in der Aleppo-Region, darunter die religiös-konservative Ahrar el-Scham-Organisation, zu überdenken. Ankara verlegte den Nachschub vom Grenzübergang Bab el-Salamah nach Bab el-Hava, der an die türkische Provinz Hatay grenzt.
Unterm Strich ergibt sich die Schlussfolgerung, dass die YPG einen Puffer der syrischen Armee gegen die FSA zur Isolierung Nordsyriens von Rest-Aleppo darstellt. Das strategische Verhalten der YPG bestätigt die Annahme, dass die YPG auch im Namen der Regierungstruppen Assads Tel Rifaat unter allen Umständen halten wolle, um die Einkesselung von Aleppo-Stadt langfristig zu ermöglichen. Experten der Region schließen nicht aus, dass die YPG – wie von der syrischen Armee bereits angedroht – im Falle einer ernsten Bedrohung wieder auf Luftunterstützung aus Damaskus oder Russland spekulieren dürfte. Frontkontakt der syrischen Armee mit der türkeigedeckten FSA könnte die Stellung Assads in Aleppo-Stadt in Frage stellen. Spannungen zwischen Ankara und Damaskus könnten sich unter diesem Eindruck deutlich verschärfen.
Für die YPG bedeutet der Verlust von Tel Rifaat auch das endgültige Aus für die Schaffung eines PKK-nahen unabhängigen kurdischen Staates auf syrischem Boden. Dafür müsste die YPG die drei kurdischen Kantone Efrin, Kobani und Dschesira miteinander geografisch verbinden. Dieser Schritt könne nicht ohne einen Ausbruch von Tel Rifaat nach Osten umgesetzt werden.
Erschienen bei unserem Kooperationspartner Eurasianews
Mossul-Offensive
Irak: Türkische Panzer unterstützen kurdische Kämpfer
Afyonkarahisar (nex) – Ein Angriff der Peschmerga auf die vom IS (Daesh) kontrollierte Stadt Baschika sei von türkischer Seite mit Artillerie und Panzerfeuer unterstützt worden, teilte Yildirim nach einer Mitgliederversammlung der regierenden Partei für Fortschritt und Gerechtigkeit (AKP) in der westtürkischen Stadt Afyonkarahisar mit.
„Die Peschmerga gingen gegen den IS (Daesh) in Baschika vor“, so Yildirim. „Sie baten unsere Truppen im Lager Baschika um Hilfe, und wir unterstützen sie nun mit Artillerie, Panzern und Firtina-Haubitzen.“
Die Türkei unterhält ein Trainingslager in der Nähe von Baschika, einer Stadt, die sich etwa 20 Kilometer nordöstlich von Mossul befindet. Ihre Präsenz hat zu Spannungen zwischen Ankara und Bagdad geführt, da irakische Parlamentarier den Rückzug der dort stationierten Truppen gefordert haben.
Die Peschmerga-Kämpfer teilten mit, dass sie die Stadt am gestrigen Sonntag im Zuge der Militäroffensive zur Befreiung der zweitgrößten irakischen Stadt Mossul vom IS (Daesh) befreit hätten.
Der türkische Ministerpräsident äußerte sich auch zur Rolle der Türkei im Irak und in Syrien, wo sie im August eine Operation zur Säuberung der Grenzen von Terroristen gestartet hatte. Die Türkei werden nicht um Erlaubnis für den Kampf gegen den Terror inner- und außerhalb des Landes bitten, stellte er klar.
„Wir werden nicht zögern, die erforderlichen Schritte zum Schutze der territorialen Integrität unseres Landes und der Einheit und Solidarität unseres Volkes zu unternehmen“, so Yildirim weiter.
Auch interessant:
„Wir danken der Türkei jeden Tag dafür, dass sie unser Dscharablus befreit hat“
Türkei
Präsidialsystem: Türkischer Präsident soll auf fünf Jahre gewählt werden
Afyonkarahisar (nex) – Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim erklärte am gestrigen Samstag, dass die Amtszeit des Präsidenten in der Türkei gemäß der geplanten Verfassung fünf Jahre betragen werde.
„Wir gehen davon aus, dass der Präsident im Präsidialsystem auf fünf Jahre gewählt werden wird“, sagte Yildirim, der ein Interview beim staatlichen Fernsehsender TRT gab.
Seit der Wahl des ehemaligen türkischen Ministerpräsidenten und Vorsitzenden der Partei für Gerechtigkeit und Fortschritt, Recep Tayyip Erdogan, zum Präsidenten im August 2014 stehen Verfassungsänderungen, insbesondere der Ruf nach dem Präsidialsystem, auf der politischen Tagesordnung des Landes.
Diese Wahl war die erste, bei der ein türkischer Präsident direkt vom Volk gewählt wurde.
Yildirim äußerte sich während des Interviews auch positiv über den Vorsitzenden der oppositionellen Partei der Nationalistischen Bewegung, Devlet Bahceli, wegen dessen Unterstützung für das Präsidialsystem:
„Herr Bahceli ergreift manchmal ganz überraschend die Initiative. Und öffnet damit auch jedesmal eine Tür zur Lösung eines Problems des Landes, das schon unlösbar geworden war.“
Bahceli hatte vorgeschlagen, ein Referendum zur türkischen Verfassung und zum Präsidialsystem durchzuführen, um die Diskussionen darüber zu beenden.
Yildirim äußerte sich auch zu den Parlamentswahlen gemäß der neuen Verfassung. Auch die Abgeordneten könnten auf fünf Jahre gewählt werden, so der Ministerpräsident:
„Wir sind noch nicht bei den Details, aber wir denken, dass die Parlamentswahlen alle fünf Jahre stattfinden sollten.“
Gegenwärtig werden die Abgeordneten alle vier Jahre gewählt.
Militäroperation „Schutzschild Euphrat“
Syrien: Sibel Öztürk – der „Erste-Hilfe-Engel“ von Dscharablus
Gaziantep (nex) – Der „Erste-Hilfe-Engel“ von Dscharablus in Syrien, eine türkische Rettungssanitäterin, tritt den Schrecken des Krieges zum Trotz täglich einen Wettlauf mit der Zeit an, um Leben zu retten und den Menschen in Syrien medizinische Versorgung zukommen zu lassen.
Seit etwa zwei Wochen arbeitet Sibel Öztürk in Dscharablus. Wenn auch die Stadt in Nordsyrien im Zuge der türkischen Militäroperation Schutzschild Euphrat von den IS (Daesh)-Terroristen befreit worden ist, gehen die Kämpfe in den umliegenden Gebieten dennoch weiter, und die Verletzten werden zur Behandlung nach Dscharablus gebracht.
Öztürk, die auch ehrenamtlich beim Nationalen Rettungssanitäterteam der Türkei aktiv ist, verbringt die meiste Zeit im Krankenhaus und auf der Straße. Öztürk eilt in Höchstgeschwindigkeit zu den Verletzten, um sie in das mit der Unterstützung der Türkei errichtete Krankenhaus in Dscharablus zu bringen.
Die 30-Jährige erzählt der Nachrichtenagentur Anadolu, dass sie vor Dscharablus in einer Notfallzentrale in der südosttürkischen Provinz gearbeitet habe. Zunächst habe ihr der neue Job Angst gemacht. „Aber jetzt habe ich mich daran gewöhnt, in diesem Gebiet zu leben und liebe meine Arbeit“, sagt sie und fügt hinzu:
„Als ich zum ersten Mal hier war und den Fuß auf die Straßen von Dscharablus setzte, war ich in Sorge. Aber jetzt kann ich mit Leichtigkeit einen Rettungswagen fahren und meiner Arbeit nachgehen.“
Der Job sei hart, gesteht sie. „Aber unsere Aufgabe besteht darin, Leben zu retten, und wir arbeiten in dem Bewusstsein, dass wir diese Aufgabe unter allen Umständen erledigen müssen.“
Öztürk sagt, sie erlebe jeden Tag ein anderes erschütterndes Ereignis. „Anfangs war es hart für mich, abgetrennte Arme und Beine, die Tränen der Kinder, die ihren Vater verloren haben, zu sehen“, so Öztürk weiter. „Aber unsere Gefühle sollten die Art und Weise, wie wir unseren Job erledigen, nicht beeinflussen“, fordert sie.
„Ich kann auch, wenn es sein muss, einen Rettungswagen fahren, da ich den entsprechenden Kurs absolviert habe. Unsere Pflichten bei der Arbeit helfen uns, unsere Gefühle unter Kontrolle zu halten und schnell zu arbeiten“, fährt sie fort und fügt hinzu, dass sie sich sicher fühle, auch wenn sie in einem Kriegsgebiet arbeite.
Die Türkei startete die Militäroperation Schutzschild Euphrat am 24. August mit dem Ziel der Verbesserung der Sicherheitslage, Unterstützung der Koalitionskräfte und Eliminierung der Terrorbedrohung – insbesondere durch den IS (Daesh) – entlang der türkischen Grenze, bei der mit Panzern, Artillerie und Kampfjets der Türkei unterstützte Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA) zum Einsatz kamen.


Bundeswehr startet Youtube-Serie „Die Rekruten“" title="
Eishockey: NHL-Star Ehrhoff kehrt in die DEL zurück" title="
Bildungsarmut: Christian Lindner schlägt Elite-Gymnasien für Problemviertel vor" title="