Berlin
Maas für Strafverschärfung bei illegalen Straßenrennen

Düsseldorf (nex) – Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat sich für eine Strafverschärfung bei illegalen Autorennen ausgesprochen und sich damit einer Forderung des Bundesrats angeschlossen. „Bei den illegalen Straßenrennen handelt es sich um ein Phänomen, das überall in Deutschland zu einem Hobby von Verrückten geworden ist“, sagte Maas der „Rheinischen Post“. Die Auswirkungen seien katastrophal. „Es sind schon Menschen dabei zu Tode gekommen.“ Es gebe bereits zahlreiche Strafverfahren nach jetzigem Recht. „Dennoch: Wir sollten sehr sorgfältig prüfen, ob die geltenden Regeln wirklich ausreichen.“ Da es bereits eine Gesetzesvorlage gebe und „angesichts der Entwicklung auf unseren Straßen halte ich es für vorstellbar, dass wir rasch gesetzlich reagieren.“

Fernsehen
Maria Furtwängler fürchtete sich vor der „Tatort“-Melodie

Osnabrück (nex) – Die Schauspielerin und „Tatort“-Kommissarin Maria Furtwängler (50) hat es als Kind mit der Angst zu tun bekommen, wenn sie die „Tatort“-Melodie hörte. „Meine Eltern haben einmal nicht so gut aufgepasst, als ich eindeutig noch zu klein war. Ich habe mich da reingeschlichen, während meine Eltern gebannt einen ,Tatort‘ schauten. Und da habe ich, hinter dem Sofa kauernd, Dinge gesehen, die ganz grauenvoll und gleichzeitig furchtbar spannend erzählt waren“, sagte Furtwängler der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Danach war diese ,Tatort‘-Melodie für mich über lange Zeit mit einem so großen Schrecken verbunden, dass ich mich verkrochen habe, wenn ich sie gehört habe“, sagte Furtwängler weiter. Sie habe dann erst ab ihrer Volljährigkeit häufiger „Tatort“ geguckt. An diesem Sonntag ist die Schauspielerin in ihrer Rolle als niedersächsische LKA-Ermittlerin Charlotte Lindholm im 1000. „Tatort“ mit dem Titel „Taxi nach Leipzig“ zu sehen. In dem Interview gestand Furtwängler eine kriminelle Jugendsünde ein: „Ich erinnere mich lichterloh und ganz genau, wie ich als Zehn- oder Elfjährige mit Herzklopfen und einer Freundin nach der Schule in ein Kaufhaus in München gegangen bin. Das war so etwas wie eine Mutprobe, die ich nie vergessen werde. Ich habe da mit zittrigen Händen so einen Glitzerstift, den man sich ins Gesicht schmieren konnte, eingesteckt. Wir haben wohl eine halbe Stunde wachsbleich und schwitzend vor diesem Regal gestanden – meine Freundin hat sich nicht getraut, aber ich hab mich getraut. Es war furchtbar, aber für uns Kinder war das ein Thrill.“ Mit der Tatsache, im September 50 geworden zu sein, hat sich Maria Furtwängler mittlerweile abgefunden: „Mit dem 50. Geburtstag habe ich meinen völligen Frieden spätestens in dem Moment gemacht, als ich las, ich sei nun so alt wie Salma Hayek, Sophie Marceau und Halle Berry, die auch alle in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag gefeiert haben. Alles kluge Frauen, die viel erreicht haben und darüber hinaus verdammt attraktiv sind. In besserer Gesellschaft kann ich mich doch gar nicht befinden.“

Robbies Reichtum
Robbie Williams über seinen Reichtum: „Ich führe ein irreales Leben“

Hamburg (nex) – In der neuen Ausgabe des Magazins BARBARA, die ab sofort im Handel erhältlich ist, spricht Sänger Robbie Williams mit Barbara Schöneberger über Neurosen, Zukunftsängste und sein Verhältnis zu Geld. Manchmal fiele es ihm heute noch schwer zu begreifen, wie reich er ist. „Ich führe ein irreales Leben, wirklich. So unfassbar anders als das, in dem ich aufgewachsen bin“, erzählt er. „Ich mache immer noch hinter meiner Frau Ayda sämtliche Lampen aus. Diese Verschwendung! So bin ich nicht erzogen worden!“ Wenn all das Geld von heute auf morgen weg wäre, könnte er sich damit arrangieren, meint er. Bett, Klo, Fernseher und Internet sind die Dinge, die er am nötigsten zum Leben bräuchte. Was ihm aber schon zu schaffen macht, ist der Gedanke, ein Ex-Popstar zu sein: “ Sind da draußen noch genügend Leute, die mich hören wollen? Lässt man beim Radiosender meine neue CD mit spitzen Fingern in den Mülleimer fallen? Robbie Williams ist sich sicher: Ich möchte im Mainstream-Showbusiness sein, so lange es geht“.

Transatlantisches Bündnis
Generalsekretär Tauber: „Es ist ein Fehler, sich im Zweifel immer auf die USA zu verlassen“

CDU fordert Zusammenrücken der Europäer nach der Trump-Wahl Osnabrück (nex) – CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat sich nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten für ein Zusammenrücken Europas ausgesprochen. „Wir müssen uns neu um das deutsch-amerikanische Verhältnis und zugleich um die Stärkung Europas bemühen“, sagte Tauber im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Es sei “ ein Fehler der Europäer“, sich darauf zu verlassen, dass die Amerikaner im Zweifel immer bereitstünden. Die Europäer müssten selber mehr Verantwortung übernehmen und „mehr tun in der gemeinsamen Verteidigungs-, Außen- und Sicherheitspolitik“. Tauber zeigte sich überzeugt, dass es im deutsch-amerikanischen Verhältnis auch nach der Wahl des Republikaners Trump „sehr viel Kontinuität“ geben werde. Die Republikaner insgesamt seien traditionell transatlantisch, sagte Tauber: „Die Partei streitet für dieselben Werte wie wir – für Freiheit und für Demokratie.“

Türkisch-weißrussische Beziehungen
Erdogan: Weißrussland-Besuch Meilenstein für Beziehungen zwischen Ankara und Minsk

0
Minsk (nex) – Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat erklärt, dass sein Weißrusslandbesuch einen Meilenstein für die Beziehungen zwischen Ankara und Minsk darstellt. Es war der erste Besuch eines türkischen Präsidenten in dem osteuropäischen Land. Erdogan und sein weißrussischer Amtskollege Alexander Lukaschenko hielten am gestrigen Freitag nach ihren Gesprächen im Palast der Unabhängigkeit eine gemeinsame Pressekonferenz ab. Erdogan teilte mit, dass bei dem effizienten Treffen neun Vereinbarungen in den Bereichen Bildung, Landwirtschaft und Energie unterzeichnet worden seien. Des Weiteren seien Protokolle und Kooperationsabkommen, unter anderem eins zwischen der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu und der weißrussischen Belta, geschlossen worden. „Unser Ziel ist, ein Handelsvolumen in Höhe von einer Million US-Dollar zwischen den beiden Ländern zu erreichen“, so Erdogan. „Wir können es schaffen.“ Lukaschenko wies darauf hin, dass die Türkei ein guter Partner für sie sei. „Wir legen großen Wert auf unsere Freundschaft“, betonte er. Zuvor hatte Erdogan an der Eröffnungszeremonie der kurz zuvor wiederaufgebauten Minsk-Moschee teilgenommen. Die Moschee sei ein Symbol der Freundschaft zwischen den beiden Ländern, unterstrich der türkische Präsident, dankte Lukaschenko für dessen Unterstützung bei deren Bau und fügte hinzu: „Die Minsk-Moschee ist in einer Zeit, in der die Islamophobie und Diskriminierung verschiedener Religionen und Kulturen sowie Anschläge auf Gebetsstätten in Europa zugenommen haben, von besonderer Bedeutung. Wir hoffen, dass Lukaschenkos Toleranz, die Verschiedenartigkeit begrüßt, ein Exempel in der Welt statuiert.“ Der türkische Präsident erinnerte auch daran, dass sein weißrussischer Amtskollege einer der Ersten war, die nach dem vereitelten Putschversuch vom 15. Juli ihre Solidarität mit der Türkei zum Ausdruck brachten. Am Abend nahmen die beiden Staatschefs am Türkisch-Weißrussischen Businessforum teil.

Steuerdumping innerhalb Deutschland
NRW-Vorstoß gegen Steueroasen in Deutschland

Düsseldorf (nex) – Nordrhein-Westfalen will Steuerdumping innerhalb Deutschlands unterbinden. „Auch in Deutschland verschieben Firmen ihre Gewinne über Lizenzzahlungen in Tochtergesellschaften, die in Gemeinden mit niedrigen Hebesätzen bei der Gewerbesteuer sitzen“, sagte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) der „Westdeutschen Zeitung“. Über einen Entschließungsantrag des Bundesrates wird die Bundesregierung aufgefordert, einen Gesetzesvorschlag vorzulegen, um steueroptimierte Gewinnverlagerungen „auch im nationalen Kontext zu verhindern“. In NRW wird vor allem der Stadt Monheim vorgehalten, über einen extrem niedrigen Gewerbesteuer-Hebesatz auch Briefkastenfirmen anzulocken. „Einziges Ziel dieser Auslagerung ist, in großem Stil Steuern zu umgehen“, sagte Walter-Borjans der Zeitung.

Baku-Tiflis-Kars-Eisenbahnstrecke
Neue Eisenbahnstrecke: Gütertransport von Asien nach Europa in nur 15 Tagen

Istanbul (nex/eurasia) – Die Baku-Tiflis-Kars-Eisenbahnstrecke (BTK) wird Güter aus Asien in nur 15 Tagen nach Europa transportieren. Das Projekt werde die historische Seidenstraße wiederbeleben, so der türkische Staatspräsident am 9. November in einer Rede. Das Büro des türkischen Premierministers verlautbarte am Donnerstag, dass die Baku-Tiflis-Kars-Eisenbahnlinie nach Bauende „die Reisedauer zwischen Asien und Europa via Eisenbahn auf 15 Tage reduzieren“ werde. Die BTK-Strecke werde zu einer Hauptverbindung zwischen Europa und der türkisch geprägten Region Zentralasiens. Laut dem Gouverneur der osttürkischen Provinz Kars, Rahmi Dogan, wird die erste Etappe der türkisch-kaukasischen Eisenbahnstrecke noch dieses Jahr fertiggestellt. Er sagte:

„Die BTK-Eisenbahnlinie wird auch zum Export türkischer Produkte beitragen. Mit dieser Linie ist der fehlende Teil vervollständigt. China wird seine Waren über die BTK-Eisenbahnlinie nach Europa und andere Länder transportieren. Nach der Inbetriebnahme dieser Linie werden die Waren Europa nicht in zwei Monaten, sondern in rund zwei Wochen erreichen.“


Auch interessant:

Mega-Projekte Türkei: Größter Staudamm wird schon 2018 fertig


Zuvor sagte der türkische Minister für Transport, Schifffahrt und Kommunikation, Ahmet Arslan, gegenüber der Nachrichtenagentur Trend, dass die BTK-Eisenbahnlinie zusammen mit anderen Projekten der Türkei und dem nationalen Logistiksektor jährlich Einnahmen in Milliardenhöhe bescheren werde. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kommentierte, mit der neuen Eisenbahnstrecke wiederbelebte die Türkei die historische „Seidenstraße“, mit der Güterstrome von China nach Europa organisiert wurden. Die BTK-Strecke wird auf Basis eines Abkommens zwischen Georgien, Aserbaidschan und der Türkei gebaut. Schon bald könnte über die neue Eisenbahnstrecke jährlich 17 Millionen Tonnen Fracht transportiert werden, erwarten Experten. Beginnen wollen die Verantwortlichen mit dem Transport von einer Million Passagieren und 6,5 Millionen Tonnen Fracht.  
Erschienen auf eurasianews      

Türkische Außenwirtschaft
Türkei: Vereinbarung mit Katar ist erster Schritt zu einem Freihandelsabkommen

Ankara (nex) – Während sich innerhalb der Europäischen Union eine beispiellose Koalition gegen den EU-Beitritt der Türkei formiert, hat sich Letztere in dieser Woche nach Großbritannien nun auch mit Katar an einen Tisch gesetzt, um die Umsetzung eines Freihandelsabkommens in die Wege zu leiten. Die Türkei und Katar haben am Donnerstag eine Verständigungsvereinbarung unterzeichnet, die den Abschluss mehrerer bereits zuvor ausgehandelter Verträge besiegeln soll. Der stellvertretende türkische Premierminister Mehmet Simsek und Katars Wirtschaftsminister Scheich Ahmed bin Jassim al-Thani unterfertigten die Vereinbarung in Istanbul. Simsek gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass eine stärkere Verankerung der Beziehungen, wie diese Übereinkunft sie bewirkt, auch die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern voranbringen wird. „Heute wurde eine Reihe von Entscheidungen gefällt, unter anderem die Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens im Bereich der Zollgebühren. Auch Freihandelszonen standen bereits auf der Agenda der 5. Gemeinsamen Wirtschaftskommission“, erklärte Simsek. „Im Rahmen der nunmehrigen 6. Gemeinsamen Wirtschaftskommission haben wir die bereits dort vorbereitete Verständigungsvereinbarung finalisieren können.“ Wenn die Türkei mit katarischen Führern zusammenkomme, werde nur über Chancen gesprochen, beispielsweise in der Türkei selbst, in Katar, den Golfstaaten und auch anderen Ländern, so Simsek. „Deshalb sollten wir uns stärker auf konkrete Projekte fokussieren“, erklärte der Minister weiter. „Wir haben signifikante Verbesserungen im bilateralen Handel erreicht, aber wir sind immer noch weit vom gewünschten Level entfernt.“ Mit dem Abschluss der Vereinbarung soll das angestrebte bilaterale Handelsvolumen jedoch ein ungleich höheres Niveau erreichen können als dies der Fall war – und sie soll den Weg zu einem angestrebten Freihandelsabkommen ebnen. Derzeit, so Simsek, arbeiten 99 Unternehmen mit katarischen Beteiligungen in der Türkei zu finden. Deren Anzahl werde in den kommenden Jahren voraussichtlich wachsen.

Auch interessant:

Nach Brexit: Türkei und Großbritannien planen Freihandelsabkommen

 

Demos gegen Terror
Türkei: Proteste vor französischer Botschaft gegen PKK-Terror

Ankara (nex) – Familien von getöteten türkischen Staatsangehörigen, Veteranen und Dorfwächtern haben am Freitag vor der französischen Botschaft in der türkischen Hauptstadt Ankara protestiert, weil, so die Demonstranten, Frankreich die Terrororganisation PKK unterstütze. Die etwa 200 Menschen versammelten sich vor dem Botschaftsgebäude. Sie trugen Banner mit den Aufschriften „Terror trifft auch euch“ und „Hört auf, Terror zu unterstützen“. Die Gruppe legte auch eine Schweigeminute zum Gedenken der Verstorbenen ein und sang die türkische Nationalhymne. In einer Erklärung des Vereins für die Demokratiemärtyrer, Veteranen und Terroropfer sagte der Vorsitzende Ziya Sözen, dass sie sich zuvor auch vor der deutschen und der belgischen Botschaft eingefunden hätten, um gegen deren, so Sözen, „Unterstützung der PKK“ zu protestieren: „Natürlich stehen wir hinter Frankreich bei seinem Kampf gegen den Terror und wir unterstützen Frankreich ganz sicher. Als Land und Leute verurteilen wir die Terroranschläge in Frankreich aufs Schärfste und sind der Meinung, dass wir die gleiche Sensibilität von Frankreich erwarten dürfen.“ Sözen wies darauf hin, dass Frankreich Terroranschläge, die in der Türkei stattgefunden hätten, nicht verurteilt habe und fügte hinzu: „Wir verurteilen Frankreich und andere europäische Länder für ihre Doppelmoral aufs Schärfste. Die PKK-Mitglieder, die sie als unschuldig bezeichnen, haben unseren Distriktgouverneur umgebracht, der dem türkischen Volk diente“, fuhr er fort. „Es darf nicht vergessen werden, dass jeder, der Terroristen schützt und unterstützt, Mittäter bei von Terroristen begangenen Morden ist.“ Der Gouverneur des Distrikts Derik in der Provinz Mardin, Muhammet Fatih Safitürk, erlag am Freitagmorgen seinen Verletzungen, die er sich bei einem PKK-Anschlag auf sein Büro am Tag zuvor zugezogen hatte. Die Demonstranten hinterließen einen schwarzen Blumenkranz vor der französischen Botschaft. Einige warfen mit Eiern, die Bereitschaftspolizei schritt ein. Die PKK wird von der Türkei, den USA und der EU als eine Terrororganisation eingestuft. Sie hat im Juli vergangenen Jahres ihren 30-jährigen Kampf gegen den türkischen Staat wiederaufgenommen. Seitdem wurden bei PKK-Anschlägen etwa 800 Sicherheitskräfte sowie zahlreiche Zivilisten, darunter auch Frauen und Kinder, getötet, während bei Anti-Terror-Einsätzen bislang über 10.000 PKK-Terroristen außer Gefecht gesetzt wurden.

Auch interessant: 

Türkei: Kurden solidarisieren sich mit Erdogan gegen Putschisten

 

Kampf gegen den Terror
Analyse: USA stufen saudischen Prediger Muhaysini in Syrien als Terroristen ein

Washington (nex/eurasia) – Das US-amerikanische Finanzministerium hat am Donnerstag erklärt, dass Doktor Abdullah Muhammed bin Suleyman el-Muhaysini und drei weitere Dschihadisten in die US-Regierungsliste für internationale Terroristen aufgenommen wurden. Alle vier werden beschuldigt, der ehemaligen al-Nusra-Front, einer al-Qaida-nahen Organisation in Syrien, zu dienen. Damit gehen die USA einer zentralen Forderung Russlands nach, al-Nusra-Führer gezielt zu verfolgen. Die US-amerikanische Finanzabteilung bestätigte in ihrem Bericht, dass sich die al-Nusra-Front inzwischen in Dschabhat Fatah el-Scham (JFS) umbenannt hat. Der Name sei jedoch nur ein neuer „Alias“, geändert am Verhalten der Organisation habe sich nichts. Der aus Saudi-Arabien stammende El-Muhaysini beteuert stets, dass er ein unabhängiger Scharia-Gelehrter mit keinen offiziellen Zugehörigkeiten sei. Der Analyst Thomas Joscelyn vom Long War Journal glaubt, das könne nicht stimmen. Er vermutet, dass der Saudi ein hochrangiger al-Qaida-Scharia-Vertreter sein könnte. Er unterhält zahlreiche Verbindungen zum internationalen al-Qaida-Netzwerk, wenn auch eine persönliche Mitgliedschaft nicht zweifelsfrei bewiesen werden kann. Die US-Finanzabteilung beschreibt el-Muhaysini als Schlüsselfigur bei Dschabhat Fatah el-Scham. Sie gibt an: „Seit dem späten Jahr 2015 ist el-Muhaysini ein akzeptiertes Mitglied des inneren Führungszirkels der al-Nusra-Front.“ Er agierte als Nusras „religiöser Berater“ und „repräsentierte“ die Gruppe in einem „Operationsraum in der syrischen Provinz Idlib“. Joscelyn erwähnt, dass der saudische Prediger seit 2015, als die Rebellen die Region Idlib einnahmen, ein wichtiger Ideologe der Ahrar al-Scham-geführten Rebellenallianz Dschaisch el-Fatah (zu Deutsch: „Eroberungsarmee“) war. El-Muhaysini gilt auch als wichtiger Rekrutierer für die Organisationen des Idlib-Raumes. Er soll dabei helfen, einen dschihadistischen Staat in Nordsyrien zu gründen, so die Finanzabteilung. Sie schreibt: „Im April 2016 startete el-Muhaysini eine Kampagne zur Rekrutierung von 3.000 Kämpfern in Nordsyrien.“ Die Einschreibungen kamen allen aufständischen Gruppen zu Gute, aber die US-Regierung betont, die Anstrengungen dienten vor allem der al-Nusra-Front. Die Rebellen der Provinz Idlib unterstützte er ebenso finanziell. Die Provinz gilt zwar als Nusra-Hochburg, aber auch als eine Heimstätte der großen Rebellenorganisationen Ahrar al-Scham und Freie Syrische Armee. Er „setzte Institutionen zur finanziellen Unterstützung terroristischer Gruppen auf, darunter eine hoch erfolgreiche Kampagne, demnach er fünf Millionen US-Dollar zur Bewaffnung von Kämpfern realisierte“. El-Muhaysini war ein Schüler von Suleyman el-Alwan, einem dschihadistischen Kleriker, der verantwortlich für die Indoktrination von einigen hochrangigen al-Qaida-Führern war. Die sogenannte US-amerikanische 9/11-Kommission kam zu dem Schluss, dass el-Alwan einen der Attentäter bei dem Angriff auf das World Trade Center in New York instruierte. Wiederholt verteidigt el-Muhaysini den moderateren der insgesamt zwei einflussreichen al-Qaida-Emire, Ayman el-Zawahiri. Anfang 2014 versuchte el-Muhaysini noch, zwischen dem „Islamischen Staat“ , der al-Nusra-Front und Ahrar al-Scham zu vermitteln. Eine Aussöhnung wurde nicht erreicht, obwohl Nusra und Ahrar dafür bereit waren, behauptet Joscelyn. In diesem Zusammenhang geht aus einem der beliebten el-Muhaysini Twitter-Accounts hervor, dass er sich wiederholt für Gespräche mit dem hochrangigen IS-Führer Abu Ali el-Anbari traf. Neben der al-Nusra-Front unterhält el-Muhaysini auch wohlwollende Beziehungen zu anderen al-Qaida-nahen Gruppen wie die Türkistan Islam Partisi, einer türkischsprachigen zentralasiatischen Organisation. Im Video anbei hält el-Muhaysini beispielsweise eine Ansprache vor zentralasiatischen Türken:
Im Gespräch mit Eurasia News kommentierte der Syrien-Experte Ömer Özkizilcik, der sich auf Rebellenbewegungen konzentriert, über el-Muhaysini: „El-Muhaysini ist eine unabhängige Persönlichkeit in Syrien, die oft eine vermittelnde Rolle zwischen den diversen Rebellenbrigaden einnimmt und sich für die Zusammenarbeit dieser stark macht. Er ist der oberste religiöse Berater von Dschaisch el-Fatah.“ Özkizilcik erkennt aber auch an, dass er „für die al-Nusra-Kämpfer in Syrien ein wichtiger Gegenspieler zum radikaleren der zwei einflussreichsten al-Qaida-Führer, Abu Muhammed el-Maqdisi, ist. El-Maqdisi ist für seine radikalen IS-ähnlichen Ansichten in der Szene bekannt. Die syrische al-Qaida-Organisation erhob el-Muhaysini zum Gegenpol. Er spielt in diesen Kreisen eine moderatisierende Rolle im Rahmen der al-Nusra-Ideologie.“ Mit Blick auf die Anerkennung von moderaten Rebellen wie die Freie Syrische Armee sagte der Syrien-Analyst: „Eine der wichtigsten islamischen Aussprüche von ihm war, dass er im Gegensatz zur al-Nusra-Front das Hissen der Flagge der Revolution für islamisch legitim ansieht. Ein FSA-Kämpfer ist nicht schlechter als ein Dschihadist der al-Nusra.“ „El-Muhaysini war ein zentraler Akteur bei der Überredung al-Nusras, sich vom al-Qaida-Netzwerk loszueisen“, schloss Özkizilcik und warnte: „Seine Einstufung als Terrorist wird al-Nusra von ihrem Kurs in Richtung des eher moderaten Mainstreams wieder abbringen und sie radikalisieren. Zudem könnte seine Rolle künftig im Bündnis Dschaisch el-Fatah hinterfragt werden. Organisationen wie Ahrar al-Scham, Feylaq el-Scham, Adschnad el-Scham und Nurreddin Zengi werden sich nicht gerne mit einem als Terroristen eingestuften Gelehrten umgeben. Seine Stellung als Berater könnte verloren gehen.“ USA listen weitere drei Persönlichkeiten als Terroristen Neben el-Muhaysini wurden Dschamal Husein Zayniyah, Abdul Dschaschari und Aschraf Ahmed Fari el-Allak in die Terrorliste aufgenommen. Zayniyah soll vergangenes Jahr der Nusra-Emir für el-Kalamun, Syrien und Libanon gewesen sein. Er überblickte Gefangennahmen und Verhandlungen zur Freigabe von Geiseln. Die USA glauben, er wäre „verantwortlich“ für die Entführung einer Gruppe „christlicher Nonnen in Maalula in der Damaskus-Provinz“. Auch stehe er hinter der Gefangennahme von 16 libanesischen Soldaten. Abdul Dschaschari ist ein al-Nusra-„Militärberater, der dabei half, Gelder für Familien von Kämpfern zu akquirieren“, so die US-Regierung. Der Anführer von al-Nusra, Abu Muhammed el-Dschulani, „ernannte Dschaschari zum Führer der Nusra-Militäroperationen“ im Sommer 2014. Er führte die Organisation auch ein Jahr später bei „Militäroperationen in Nordsyrien“ an. Aschraf Ahmed Fari el-Allak gilt als al-Nusra-„Militärkommandeur“ in Südsyrien, vor allem in der Provinz Deraa. Er diente auch als „Emir von Saraya und Deraa-Stadt“. In diese Funktion war er verantwortlich für die „Mobilisierung von Kämpfern und Waffen“. Die Einstufung lässt sich zeitlich mit der Entscheidung des scheidenden US-Präsidenten Barack Obama zusammenführen, Schlüsselfiguren von Nusra künftig gezielt mit Luftschlägen auszuschalten. Bislang nahmen die USA mehrheitlich nur Dschihadisten mit langjähriger al-Qaida-Vergangenheit ins Visier. Laut einem Bericht der Washington Post „hat Präsident Obama das Pentagon beordert, Führer von [al-Nusra] zu finden und zu töten, weil die Sorge besteht, dass die Gruppe Teile Syriens als eine neue Basis für Operationen in Europa nutzen könnte“.
 
Erschienen auf eurasianews