Analyse
Irak: Bagdad droht nach Legalisierung von Schiiten-Miliz Legitimitätsproblem

Urla (nex/eurasia) – Die irakische Zentralregierung hat die pro-iranische Schiiten-Miliz Haschd Schaabi als Teil des militärischen Staatsapparates legitimiert. Eurasia News geht der Entscheidung, die grundsätzlich befürwortet werden muss, kritisch nach und beleuchtet die zukünftigen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Miliz-Charakter der Haschd Schaabi.
Am 26. November 2016 hat das irakische Parlament in Anwesenheit von 208 Abgeordneten über das Gesetz zur Legalisierung der pro-iranischen Schiiten-Miliz Haschd Schaabi, auf Deutsch: „Volksmobilmachung“, abgestimmt. Der wohl umstrittenste Akteur im Irak seit dem Aufstieg der Terrormiliz “Islamischer Staat“ wurde rechtlich legitimiert. Nach Artikel 7 bildet Haschd Schaabi eine unabhängige Organisation innerhalb der irakischen Armee, die dem Premierminister Bericht erstattet. Gehalt, Militärgrade und andere Mechanismen werden an der regulären Armee ausgerichtet. Die aktuelle Organisationsstruktur der Miliz soll binnen drei Monaten aufgelöst werden. Sie soll keinerlei politische Verbindungen unterhalten und überparteilich agieren, heißt es. Im Juni 2014 wurden die Haschd Schaabi nach einer Fetwa des schiitischen Ayatollahs Ali el-Sistani, die einflussreichste Autorität der Konfession im Irak, gegründet, um die offiziellen Sicherheitskräfte des Landes gegen den IS zu unterstützen, der zu diesem Zeitpunkt Mosul einnahm. Der Aufbau der sogenannten Volksmobilmachung gestaltet sich kompliziert und ihre Strukturen sind teilweise undurchsichtig. Rund 60 bewaffnete Gruppen sind Teil der Haschd. Irakische Quellen behaupten, dass rund 140.000 Menschen als Mitglieder registriert sind. Das Budget der Organisation für 2017 ist auf 122.000 Angehörige ausgerichtet. Die mehrheitlich schiitisch geprägte Miliz ist mit dem Gesetzentscheid vom November zu einer offiziellen militärischen Einheit Iraks aufgestiegen. Alle Mitglieder der Schirmorganisation sind zu Kräften unter der Kontrolle der Regierung in Bagdad geworden. Das Gesetz sagt kaum etwas Eindeutiges über das Verhältnis der einzelnen Milizgruppen in der Organisation und zum Staat aus. In keinem Artikel des Gesetzes wird der Status der einzelnen Milizgruppen geregelt, die offiziell direkt unter der Volkmobilmachung kämpfen, aber auch außerhalb der Haschd Schaabi agieren. Das ist auch der Grund, warum sich eine genaue Anzahl der bewaffneten Gruppen und ihre Kämpfer nicht definieren lässt. Sie agieren innerhalb und außerhalb des Miliz-Schirmes Haschd Schaabi. Hinzu kommt, dass verschiedene Gruppen in verschiedenen Regionen aktiv sind. Die Aktivitäten und die Zahl der Gruppen variiert stark.
Der neue offizielle Status der Haschd Schaabi könnte ein entscheidender Schritt sein, um Komplikationen und Machtkämpfen künftig einen Riegel vorzusetzen. Der Ausschluss der Frage über die Zukunft der einzelnen Gruppen im Rahmen des neuen Gesetzes löst kritische Debatten aus. Es ist völlig unklar, welche Rolle diese teilweise sehr pro-iranisch und schiitisch-islamistisch geprägten Gruppen einnehmen werden. Zunächst wurde vermutet, dass die Gruppen mit ihrer Integration aufgelöst werden.
In erster Linie weckt die konfessionell ausgerichtete Identität der Haschd Schaabi Fragen über die Legitimität hervor, da die Organisation über eine Dschihad-Fetwa von Ayatollah el-Sistani operiert. Diese betont den schiitischen Charakter des Miliz-Schirmes. Die PR-Aktivitäten unterstreichen die schiitische Identität der Haschd. Darunter fallen Flaggen, Fotos, Slogans und Abzeichen. Dieser Umstand provoziert Teile der irakischen Bevölkerung dahingehend, über die Legitimität der Schiiten-Miliz nachzudenken, da sie trotz kleiner Anteile auf Operationsebene eben nicht das ethnisch und konfessionell diverse Bild Iraks widerspiegelt. Gegenwärtig schlummern Konflikte nur unter der Oberfläche. In Kirkuk und Tuz Churmatu brachen sie kurz vereinzelt auf. Spannungen mit Kurden und sunnitischen Arabern können jederzeit in einem umfassenden Konflikt münden. Der Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ beherrscht die Öffentlichkeit gegenwärtig noch. Trotz der Legalisierungsanstrengungen lässt sich argumentieren, die Möglichkeit besteht, dass Sunniten und Kurden von der bloßen militärischen Feuerkraft der Haschd Schaabi beunruhigt werden. Insbesondere Hardliner innerhalb der Organisation, die mit sektiererischen Aktivitäten gegen die Minderheiten des Landes auffallen, sorgen für Schlagzeilen. Es muss anerkannt werden, dass die Schiiten-Miliz Bagdad im Kampf gegen den IS enorme Hilfen leistete. Die Organisation lässt sich auch als wichtiges Rettungsankar der irakischen Regierung gegen die asynchron agierenden IS-Kämpfer anerkennen. Das darf aber nicht davon hinwegtäuschen, dass Nachforschungen von internationalen Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International oder Human Rights Watch den Beleg erbrachten, dass einige Gruppen der Haschd Schaabi in Menschenrechtsbrüchen verwickelt waren. Die Gefahr ist, dass die Schiiten-Miliz faktisch das Verhalten einer Miliz beibehält und ihre teilweise unterdrückerischen Praktiken unter der Vollmacht des Staates und im Rahmen der Bagdader Regierungspolitik weiterführt. Die Regierung in Bagdad ist ihrerseits mehrheitlich schiitisch geprägt. Die Umstände führen zum Schluss, dass die irakische Zentralregierung wegen der Haschd Schaabi ein Legitimitätsproblem kriegen könnte, auch wenn die Schiiten-Miliz zu einer abhängigen Organisation mit Verantwortung legalisiert wird. Der Fakt, dass die Regierung davon abhängig ist, Sicherheit und Ordnung mittels undurchsichtigen Miliz-Verbänden zu gewährleisten, ist nicht vertrauensfördernd. Stattdessen müsste die irakische Regierung daran festhalten, feste Strukturen zu bauen, indem bestehende Sicherheitsapparate wie die Armee oder Polizei gestärkt werden. Das eigenständige Miliz-System, das von der Haschd Schaabi verkörpert wird, schadet in der Regel den Institutionalisierungsprozessen im Staat. Auf dem ersten Blick sieht es so aus, als wenn die Schiiten-Miliz als einheitliche Organisation agiert. Aber auf dem Kriegsplatz benutzt jede Haschd Schaabi-Gruppe eine eigene Fahne und folgt den individuellen Befehlen ihrer eigenen Kommandeure. Für die Regierung wird es nicht einfach, einen Verband, bestehend aus 60 unterschiedlichen Gruppen, erfolgreich zu kontrollieren. Unabhängig von der Kontrolle durch Bagdad haben besteht die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Haschd Schaabi intern zersetzen könnte. Die großen Milizgruppen versuchen die kleineren zu dominieren, da die bewaffneten Gruppen auch außerhalb des Haschd Schaabi-Schirms Aktivitäten nachgehen. Unterm Strich bleibt festzuhalten, dass externe Konflikte um Macht und Einfluss die Dynamik der Haschd Schaabi intern beeinflussen könnte. Trotz Integration der Schiiten-Miliz in die irakischen Sicherheitskräfte ist es wahrscheinlich, dass diese Miliz samt Untergruppen ihre ideologischen und politischen Verbindungen nach dem Sieg über den IS beibehalten werden. Auch wenn die Haschd Schaabi nicht Teil der Regierung ist, könnte sie einen administrativen Anteil in jenen Regionen beanspruchen, die sie „beschützen“. Auf diesem Weg ist es nicht unwahrscheinlich, dass die bereits schwache Zentralregierung Bagdad weiter unterminiert wird und lokale, unabhängige Elemente Bagdads schwindenden Einfluss kompensieren. Die irakischen Staatsstrukturen müssten sich in einen schwierigen Kampf gegen Milizisierung begeben, der kaum zu gewinnen ist. Verliert die Terrormiliz IS ihre Bedeutung und wenn der Kampf um Staatspfründe sowie Parteienkonkurrenz zunimmt, werden diese Schiiten-Milizen unvermeidlich polarisiert. Es ist bekannt, dass zahlreiche schiitische Parlamentarier Beziehungen zu Gruppen in der Haschd Schaabi pflegen. Das beste Beispiel dafür ist die Badr-Organisation. Sie ist als größte und einflussreichste Gruppe der Haschd. Sie trat bis 2003 als Miliz des Obersten Islamischen Rates von Irak (ISCI) auf. Ab dann agierte Badr als unabhängige Organisation und trennte sich vom ISCI. Hinweise ergeben, dass Parlamentarier in Bagdad der Badr-Organisation auf einer semi-offiziellen Ebene Bericht erstatten über das tägliche Politikgeschäft. Das erlaubt der Haschd Schaabi, Druck auf die Politik auszuüben. Zusammenfassend ergibt sich, dass Unsicherheiten und Diskussionen über die Haschd Schaabi fortfahren werden, auch nachdem sie legalisiert und einen offiziellen Status erhielt. Ein erster Schritt, um die Haschd Schaabi gesetzlich kontrollieren zu wollen, ist positiv. Zahlreiche Fragen über die Rolle der Schiiten-Organisation im Sicherheitsapparat bleiben nach wie vor unbeantwortet.

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Syrien: Iranischer Kommandeur der berüchtigten al-Quds-Brigaden in Aleppo gesichtet
 
Erschienen bei Eurasianews

Syrienkrieg
Katastrophenhilfe: Wir bewegen uns in Syrien in den nächsten Genozid hinein

Stuttgart (nex) – Der Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe, Martin Kessler, übt angesichts der Flüchtlingskatastrophe in Syrien und dem Irak massive Kritik an der Politik. „Ich befürchte, dass wir uns sehenden Auges in den nächsten Genozid hinein bewegen“, sagte er im Interview der „Stuttgarter Zeitung“ und der „Stuttgarter Nachrichten“. Er fühle sich sehr stark an den Balkan erinnert. „Denn wir erleben eine Reihe von Kesselschlachten in Aleppo und Mossul – in Idlib wird Ähnliches folgen“, so Kessler. 20 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica habe die Politik es nicht vermocht, Instrumente zu schaffen, die so etwas verhindern. Die Sicherheitsarchitektur der Vereinten Nationen biete nur begrenzte Möglichkeiten. Es mache ihn immer wieder wütend, hilflos zuschauen zu müssen. „Als humanitäre Hilfsorganisation sind wir einem System ausgeliefert, das offensichtlich nicht funktioniert.“ Etwa 60 syrische Hilfsorganisationen haben unlängst ihre Aktivitäten aus Protest niedergelegt. „Dies ist ein Ausdruck der Hilflosigkeit, dass ihnen die Hände gebunden sind“, sagte Kessler. „Und es ist ein politisches Zeichen zu sagen: Wenn ihr euch nicht an den Verhandlungstisch setzt, stellen wir die humanitäre Hilfe ein.“ Aus der umkämpften IS-Hochburg Mossul werden bis zu einer Million Flüchtlinge erwartet. „Das ist ein langsamer Fluss“, sagte Kessler. 70 000 Menschen seien schon in Camps untergebracht. „Ich befürchte, dass es bei einem weiteren Vordringen in IS-Bereiche mit den Menschen aus Mossul nicht so eine solidarische Bewegung des Westens geben wird wie im Falle Aleppo.“ Die Spendenbereitschaft für syrische Flüchtlinge sei in Deutschland „nicht so schlecht“, betonte er. „Die Solidarität ist da durchaus zu erkennen.“

NRW
Düren: Fast 30 Syrer und Libanesen liefern sich Massenschlägerei mit Knüppeln und Stangen

Düren (nex/pol)) – Gegen 16 Uhr am Freitagnachmittag kam es in Düren im Bereich Neue Jülicher Straße/ Alte Jülicher Straße zu einem Aufeinandertreffen von zwei Gruppen von annährend 30 Männern. Die beiden Lager aus Männern überwiegend aus Syrien und aus dem Libanon kamen in Streit und schlugen sich teils mit Knüppeln, Stangen und anderen Werkzeugen. Die Polizei Düren trat mit einem sofortigen hohen Kräfteansatz dem Tumult entgegen. Die bisherige Bilanz spricht von vier Geschädigten mit leichten Verletzungen, wovon zwei Männer mit dem Rettungswagen zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden mussten, wo sie aber wieder entlassen wurden. Die Polizei nahm drei Tatverdächtige, die alle im Alter von 16, 23 und 26 Jahre aus Syrien stammen, vorläufig fest. Aus einem anfänglichen verbalen Streit zwischen dem 16-jährigen syrischen Tatverdächtigen und einem 53-jährigen Libanesen entstand durch Zulauf von anderen Personen zuerst ein Tumult im Bereich Josef-Schregel-Straße, der seine Fortsetzung durch gegenseitige körperliche Angriffe bis zur Schul- und Kirchstraße fand. Die Polizei ermittelt nun wegen gefährlicher Körperverletzung gegen den 16-Jährigen, dessen 26-jährigen Bruder und einen weiteren 23-jährigen Landsmann.

Kommentar
Warum Libyens gefährlichste Miliz von Donald Trump profitieren könnte

Von Dzsihad Hadelli Auch fünf Jahre nach dem Tod von Muammar Gaddafi ist Libyen tief gespalten. Seit Dezember 2015 herrscht eine von der UN aufgestellte Einheitsregierung (Government of National Accord, kurz: GNA) über Teile in Westlibyen, im Osten das House of Representatives (HoR). Ein Parlament, das seine Macht nicht abgeben will, und vom umstrittenen Feldmarschall Khalifa Haftar geschützt wird. Die Miliz IS zog aus dem Chaos Gewinn und besetzte über ein Jahr lang die Küstenstadt Sirte. International sorgte das für viel Aufregung. Der bisher größte, vielleicht auch einzige, Erfolg der GNA ist die Organisation der Militäroperation Al-Bunyan Al-Marsous, welche in den letzten sechs Monaten den IS/Daesh gänzlich aus der Stadt gejagt hat. Damit verlor die Miliz seine letzte Bastion in Libyen und wurde zumindest wieder in den Untergrund getrieben. Was macht Khalifa Haftar so gefährlich? Unbeeindruckt den Erfolgen in Sirte führt der HoR -Verteidigungsminister, Feldmarschall Khalifa Haftar, seinen ganz eigenen Antiterrorkrieg gegen IS-Ableger, vermeintliche „Islamisten“ sowie auch Oppositionelle sämtlicher politischer Lager. Unterdessen steht seine Miliz, die selbsternannte Libysche Nationalarmee (LNA) wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen am Pranger. Sowohl lokale Menschenrechtsgruppen wie Human Rights Solidarity, als auch NGOs wie Amnesty International und Human Rights Watch werfen der LNA bei ihrem Antiterrorkrieg schwerste Menschenrechtsverletzungen vor. Die Miliz selbst besteht größtenteils aus Nationalisten, Säkularisten, ehemaligen Gaddafi-Truppen und einer immer kleineren Anzahl von Föderalisten. Haftars Bemühungen mit diesen, die Stadt Benghazi vom „IS zu befreien“, ist ein anhaltendes Desaster. Es führte zur Zerstörung ganzer Bezirke und schuf bisher etwa 100.000 Flüchtlinge. Der Ministerpräsident und mehrere Minister des GNA sehen seit der Zerschlagung des IS nun hauptsächlich in Khalifa Haftars Miliz die Hauptbedrohung für ein einheitliches Libyen. Starke Unterstützung erhält die LNA dabei hauptsächlich von Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Aber auch Russland spielt eine immer größere Rolle. Durch ein vier Milliarden US-Dollar schweres Abkommen zwischen dem HoR und Moskau, leisten russische Militärexperten der Miliz direkte Unterstützung vor Ort. Haftar selbst kehrte vor wenigen Wochen erst von einem mehrtägigen Treffen mit dem russischen Außenminister Sergei Lawrow aus Moskau zurück. Beide sprachen in hohen Tönen voneinander. Er lobte Russlands „große Hilfe“ für seine Miliz und Lawrow sprach für die Zukunft eine noch stärkere militärische Unterstützung aus. Und selbst die Parallel-Zentralbank, welche die HoR-Regierung in Ostlibyen unterhält, ließ dieses Jahr ihre eigenen Währungsscheine in Russland drucken. US-Republikaner stärken Haftars engste Verbündete Seit dem überraschenden Wahlerfolg des Republikaners Donald Trump ist seitens der USA ein Rückgang für die Unterstützung der GNA zu befürchten. Die USA, wie auch Deutschland, erkennen zwar seit 2015 den GNA als offizielle Vertretung des libyschen Volkes an, Analysten vermuten von Trump jedoch kurzfristige Lösungsvorschläge für den Nahenosten. Diese werden darin bestehen Potentaten wie Al-Sisi, Al-Assad oder Haftar bei ihren vermeintlichen Anti-Terror Kampagnen zu unterstützen. Bereits eingebrachte Missionen wie die „Zerstörung der ISIS in 30 Tagen“ untermauern die kurz-orienterte vorgehensweise des Republikaners. Trump zielt zudem auf ein besseres Verhältnis mit Putin ab und kündigte bereits an, Russlands „Lösungsvorschläge“ für den Nahenosten zu teilen. Auch Russland verfolgt eine Politik der Unterstützung von Staatsmännern und Militärs, die im Anti-Terror Krieg mit eiserner Faust gegen sämtliche Oppositionelle vorgehen. Gerade die diplomatische Beziehung zwischen Russland und Ägypten war nie so stark wie seit dem Militärputsch des Abdelfatah Al-Sisi im Jahr 2013. Al-Sisi gehört international zu den größten Unterstützern der Haftar-Miliz. Auch Trump verdeutlichte mehrfach sein großes Interesse am ägyptischen Putschisten. So versprach er vor den US-Wahlen, mit ihm als Präsidenten „Ägypten kein Alliierter mehr, sondern ein Freund Amerikas“ werden würde und versprach Al-Sisi Unterstützung bei seinem Anti-Terror Krieg. Dazu gehört seit 2014 auch die massive militärische Unterstützung der Haftar-Miliz. Trumps neu ernannter Außenminister Rex Tillerson ist zudem Öl-Manager und unterhält ebenfalls gute Beziehungen zu Putin. Hat zudem noch Erfahrungen mit Libyen. Da die Republikaner in beiden Kammern des US-Kongresses mehrheitlich regieren und Donald Trump an deren Spitze steht, bahnt sich für viele Libyer eine USA zusammen, die nicht nur offensichtlich nicht an Langzeitlösungen für den Nahenosten interessiert ist, sondern zukünftig auch eine stärkere Unterstützung für exakt die Regime unterhält, die weltweit am stärksten im Bürgerkrieg in Libyen mitwirken und gleichwohl die selbe Agenda teilen. Um so weniger überrascht es, dass viele Haftar-Loyalisten den Wahlerfolg Trumps begrüßen. Das HoR gehörte in der arabischen Welt zu den Ersten, die Trump zum Wahlsieg gratulierten. In einem Statement, unterschrieben von den höchsten HoR Mitgliedern, wird neben der Gratulation auch um die Aufhebung des aktuell verhängten Waffenembargos über Libyen gebeten. HoR-Mitglied Tareq Geroushi erklärte hierzu gegenüber der Nachrichtenagwetur Reuters, „die (US) Republikaner verstehen die Realität des Terrorismus in unserem Land und werden die libysche Armee (gemeint LNA-Miliz) unterstützen.“ Der HoR-Politiker ist nicht ganz zufällig auch der Sohn des populären Generalmajors Saqer Geroushi, Haftars obersten Chef der LNA-Luftwaffe.

Gesellschaft
Warum distanzieren sich Muslime nicht vom Terror?

Von Fabian Köhler

Wenn Terroristen Menschen ermorden, dann schlägt kurz darauf auch immer die Stunde der Leichenfledderer. Da ist natürlich der IS, der sich gewohnheitsmäßig zu allem und jedem bekennt, womit sich Angst schüren lässt.

Da sind die „Law & Order“-Politiker, die diese Angst begierig aufgreifen und für jeden Anschlag das passende Gesetz in der Schublade haben. Da sind die Rechten, die –  noch bevor die letzte Leiche verblutet ist – ihren Hass auf Islam, Merkel und Flüchtlinge in die Welt tweeten. Das sind jene Linken, die sich mehr über die inszenierten Pietätlosigkeiten der Rechten als über den Anschlag empören.

Irgendwo in diesem Sammelsurium ritualisierter Inszenierungen fällt dann auch immer die Frage, warum sich Muslime eigentlich nicht vom Terror distanzieren. Die Frage ist in zweierlei Hinsicht dämlich. Auch wenn man um die Feststellung so langsam nicht mehr drumherum kommt, dass das jüngste Kapitel europäischer Terrorismusgeschichte auch etwas mit Flüchtlingen und muslimischen Migranten zu tun hat, ändert das nichts daran, dass mein türkischer Nachbar ebenso wenig mit einem tunesischen Terroristen zu tun hat wie Horst Seehofer mit dem christlichen und massenmordenden Diktator der Philippinen. Und in die Kategorie „friedlicher muslimischer Nachbar“ fallen selbst nach Zahlen des BKA 99,99 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime. Die Frage, warum sich Muslime nicht vom Terror distanzieren, ist aber noch aus einem weiteren Grund unsinnig: Sie tun es längst, andauernd. In Talkshows, Timelines, bei öffentlichen Auftritten und auf dem Berliner Breitscheidplatz. Ich habe einmal nachgezählt, wie oft sich allein die vier bekanntesten Islamverbände in diesem Jahr von terroristischen Anschläge distanziert haben. Folgende Liste ist dabei herausgekommen. Und das sind nur die Pressemittlungen auf den Webseiten der Verbände, ohne Statements von Funktionären oder Mitgliedern und öffentliche Kundgebungen. Eine Auswahl:

20.12. ZMD verurteilt Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt aufs Schärfste
20.12. VIKZ verurteilt den terroristischen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin auf das Schärfste
20.12. DITIB verurteilt Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt
20.12. Ahmadiyya verurteilt mutmaßlichen Terrorangschlag in der Bundeshauptstadt
20.12. IGMG ist zutiefst betroffen über Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt
17.12. DITIB verurteilt Terrorangriff in Kayseri
11.12. DITIB verurteilt Terrorangriff in Istanbul
10.12. VIKZ verurteilt Terrorangriff in Istanbuld Beşiktaş auf das Schärfste
19.11. IGMG verurteilt PKK-Terror
06.10. DITIB zeigt sich entsetzt über Angriffe auf Moscheen
28.09. ZMD verurteilt die beiden Terroranschläge in Dresden auf die Fatih-Camii-Moschee und auf das Kongresszentrum
27.09. IGMG verurteilt hinterhältige Bombenanschläge in Dresden
22.08. DITIB verurteilt Terror in Gaziantep
05.08. ZMD zeigt sich fassungslos angesichts von Anschlägen in Frankreich und Deutschland
27.07. Ahmadiyya erschüttert über hassmotivierte Anschlag in Ansbach
25.07. IGMG „zeigt sich schockiert über Bombenanschläge und Amokläufe“
24.07. DITIB verurteilt jeden Aufruf zu Hass und Gewalt im Rahmen des Putschversuchs in der Türkei
23.07. DITIB verurteilt Attentat von München
23.07. ZMD verurteilt Attentat von München
22.07. Ahmadiyya zutiefst bestürzt über die Bluttat in München
18.07. VIKZ verurteilt Putschversuch in der Türkei auf das Schärfste
16.07. ZMD verurteilt den Putschversuch in der Türkei
16.07. DITIB verurteilt den Putschversuch in der Türkei
16.07. IGMG verurteilt Putschversuch in der Türkei
15.07. ZMD verurteilt brutalen Akt in Nizza
15.07. VIKZ verurteilt feigen Akt von Nizza
15.07. DITIB verurteilt Attentat von Nizza, außerdem die von Ankara, Istanbul und Medina
15.07. IGMG verurteilt Anschlag von Nizza
15.07. Ahmadiyya verurteilt den Terroranschlag in Nizza
06.07. IGMG verurteilt Anschläge von Medina und Katif
04.07. Ahmadiyya verurteilt den Terrorangriff in Saudi Arabien
30.06. VIKZ verurteilt Terroranschlag auf Istanbuler Flughafen auf das Schärfste
29.06 DITIB verurteilt Terrorangriff am Atatürk Flughafen in Istanbul
29.06. IGMG verurteilt Terroranschläge am Istanbuler Flughafen
28.06. ZMD zeigt sich erschüttert angesichts des Anschlags in Istanbul
12.06. Ahmadiyya verurteilt Massaker in Florida auf das Schärfste 08.06. ZMD zeigt sich erschüttert über Terrorpläne zur EM
08.06. DITIB verurteilt jede öffentliche Schmähung, jeden Aufruf zu Hass und Gewalt
11.05. DITIB zeigt sich arlamiert über Anstieg von Moscheeangriffen
04.05. ZMD verurteilt russische und syrische Angriffe als Verbrechen gegen die Menschlichkeit
28.03. ZMD verurteilt Anschläge in Baghdad und Lahore
28.03. Ahmadiyya verurteilt die Anschläge in Lahore
28.03. IGMG verurteilt Anschlag auf einem Kinderspielplatz in Lahore
23.03. Ahmadiyya verurteilt die Anschläge von Brüssel
23.03. VIKZ verurteilt Anschläge von Brüssel auf das Schärfste
22.03. ZMD verurteilt die Attentate in Brüssel aufs Schärfste
22.03. DITIB verurteilt den Terror von Brüssel auf Schärfste
22.03. IGMG zeigt sich erschüttert über Anschläge in Brüssel
14.03. DITIB verurteilt Terrorangriff in Ankara
13.03. IGMG verurteilt Terror in Ankara
18.02. IGMG verurteilt feigen Terrorakt in Ankara
18.02. VIKZ verurteilt terroristischen Anschlag in Ankara
18.02. DITIB verurteilt abscheulichen Angriff von Ankara
02.02. IGMG zeigt sich erschüttert über Brandanschlag auf Moschee
13.01. VIKZ verurteilt Terroanschlag in Istanbul
12.01. IGMG verurteilt Terroranschlag in Istanbul
12.01. DITIB verurteilt Terrorangriffe von Istanbul auf das Schärfste
12.01. ZMD verurteilt Terroranschlag in Istanbul  
Erschienen bei Schantall und die Scharia

Terrorismus
LKW-Attentat in Berlin: Marokko warnte Deutschland zweimal vor Anis Amri

Urla (nex) – Nach einer Meldung des investigativen Nachrichtenportals Mondafrique habe die marokkanische Regierung angegeben, dass Marokko Deutschland zweimal vor der von Anis Amri ausgehenden Gefahr gewarnt.

Der Tunesier steht im Verdacht, am vergangenen Montag mit einem Lkw einen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin verübt zu haben.

Die marokkanische Regierung habe demnach den Bundesnachrichtendienst am 19. September und 11. Oktober vor Amris Neigung zum Extremismus gewarnt. „Die Mitteilung des marokkanischen Geheimdienstes enthielt eine klare Warnung über den Wunsch des Tunesiers, einen Terroranschlag zu verüben“, zitiert das Portal eine anonyme Quelle. Die Presseattachée Fatima Fertat erklärte in einem Interview mit der „Welt“, dass der marokkanische Geheimdienst mit dem BND Amris Neigung und Bereitschaft zur Durchführung eines Terroranschlags erörtert habe. Der BND wurde vor der von Anis Amri ausgehenden Gefahr mehrere Wochen vor dem Terroranschlag in Berlin gewarnt. der marokkanische Geheimdienst habe, wie die marokkanische Regierung auch der „Welt“ bestätigt habe, den BND am 19. September und am 11. Oktober Warnungen übermittelt. Die deutschen Behörden teilten mit, dass der Fokus der Ermittlungen in dem Fall nun auf die Frage gelegt würde, ob Amri Komplizen oder ein Netzwerk gehabt hat, die ihn bei der Durchführung des Anschlags unterstützt haben. Zu dem Anschlag hat sich der IS (Daesh) bekannt. Die der Terrororganistion nahestehende Nachrichtenagentur Amak veröffentlichte am gestrigen Freitag ein Video, auf dem Amri angeblich dem IS-Anführer die Treue schwört.

"Größte Operation der Welt"
Putin: Evakuierung Aleppos wäre ohne Türkei nicht möglich gewesen

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Moskau (nex) – Der russische Staatspräsident Wladimir Putin hat die Evakuierung Ostaleppos als die größte humanitäre Operation der Welt bezeichnet.

Putin erklärte dies am gestrigen Freitag während seiner 12. Jahrespressekonferenz, an der mehr als 1.400 Journalisten teilnahmen.

„Dies ist die größte Operation der Welt“, erklärte er auf dem russischen Staatssender Russia Today.

Laut Putin seien etwa 100.000 Menschen aus der nordsyrischen Stadt Aleppo evakuiert worden.

Der russische Staatspräsident ging auch auf die trilaterale Kooperation zwischen der Türkei, Iran und Russland ein, die eine bedeutende Rolle in der Aleppo-Krise spiele.

Am vergangenen Dienstag hatte in Moskau ein Treffen der russischen, iranischen und türkischen Außenminister stattgefunden. Sie einigten sich auf eine gemeinsame Erklärung zur Gewährleistung der Evakuierung der Zivilisten und bewaffneter Gruppen aus Ostaleppo.

Das wäre, so der russische Präsident, ohne die aktive Zusammenarbeit der Türkei und Irans nicht möglich gewesen.

Putin erklärte, dass die Unterzeichnung eines Waffenstillstandsabkommens in Syrien notwendig sei. Er erinnerte daran, dass die Türkei und Iran zuvor dem Vorschlag, Vertreter des syrischen Regimes und der Opposition in Kasachstan zusammenzubringen, zugestimmt hätten.

Der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew hatte seine Bereitschaft, den Verhandlungen in Astana eine Plattform zu bieten, zum Ausdruck gebracht.


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Ganz ohne den Westen: Türkei, Russland und Iran Garantiemächte in Syrien

 

Reisen
Urlaubsanbieter für Deutschland erwarten Rekordwinter

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Düsseldorf (nex) – Hotels, Gaststätten und Reiseveranstalter für Urlaub in Deutschland rechnen nach Jahren des Wachstums in diesem Winter mit einem erneuten Plus. „Der Deutschlandtourismus geht mit starkem Rückenwind in das Weihnachtsgeschäft. Die Branche steht vor einem Rekordwinter“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks, der „Rheinischen Post“. Gründe für die gute Situationen seien die gestiegene Konsumlaune und die angespannte Sicherheitslage in zahlreichen ausländischen Urlaubsregionen. Sie motiviere viele Deutsche dazu, Urlaub lieber im eigenen Land zu machen. Wie aus einer Umfrage des DIHK unter mehr als 5000 Unternehmen der Tourismusbranche hervorgeht, bewerten 56 Prozent der Befragten ihre Lage als gut. Nur acht Prozent gaben an, es gehe ihnen schlecht. Dem DIHK zufolge sind das die besten Befragungswerte seit Beginn der Unternehmens-Umfragen Mitte der 90er Jahre. Beliebteste Ziele für Urlaub in Deutschland sind die Küsten von Nord- und Ostsee. Danach ziehen Fluss- und Seenlandschaften sowie die Alpen und das Alpenvorland die meisten Touristen an, wie aus der DIHK-Befragung hervorgeht. Die sonnigen Aussichten für Deutschland als Urlaubsziel werden allerdings durch den Personalmangel eingetrübt. „In der Gastronomie suchen fast drei Viertel der Betriebe vergeblich nach Köchen und Servicemitarbeitern“, sagte Dercks. Viele machten aus der Not eine Tugend. „Die Bereitschaft zur Integration von Flüchtlingen ist in der Branche sehr hoch.“ Ein Viertel der Betriebe im Gastgewerbe beschäftige bereits Flüchtlinge oder wolle dies innerhalb der nächsten zwei Jahre tun.

Syrienkonflikt
Evakuierung Aleppos: Fast 200 Verletzte in türkischen Krankenhäusern behandelt

Urla (nex) – Wie türkische Behörden am heutigen Freitag mitteilten, wurden nach der Evakuierung der nordsyrischen Stadt Aleppo fast 200 verletzte Zivilisten in der Türkei behandelt. Nach Angaben des türkischen Ministerpräsidialamtes wurden 199 Personen, unter denen sich auch 80 Kinder befanden, von der von Oppositionellen gehaltenen Stadt Idlib zu Krankenwagen am türkischen Grenzübergang Cilvegözü gebracht. Trotz aller Bemühungen der türkischen Ärzte sind 18 Schwerverletzte gestorben, heißt es weiter. Seit dem Beginn der Evakuierungen wurden 81 Patienten in Krankenhäuser weiterer türkischer Provinzen verlegt und 28 wieder entlassen.

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Syrien: Sibel Öztürk – der „Erste-Hilfe-Engel“ von Dscharablus

 

Türkei
Kampf gegen Terror: Türkische Polizei nimmt 31 IS-Verdächtige fest

  Ankara (nex) – Wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldet, seien im Zuge von Ermittlungen gegen die Terrororganisation IS (Daesh) von insgesamt 41 Verdächtigen 31 festgenommen worden. Das hätten Sicherheitskreise Anadolu unter der Bedingung der Anonymität mitgeteilt. Die Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft habe für die 41 Verdächtigen wegen „Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrororganisation“ Festnahmebefehle erlassen. Die Istanbuler Polizei habe die 31 festgenommenen IS-Verdächtigen zur Polizeistation mitgenommen. Nach den anderen zehn Personen werde noch gefahndet.