Von Ernst Wolff
Wohl kaum jemand sieht der Zukunft zu Jahresbeginn 2017 mit ungetrübtem Optimismus entgegen. Zu recht, denn die Zeichen der Zeit stehen auf Sturm. Doch gerade schwierige Großwetterlagen erfordern einen klaren Kopf und präzise Orientierung.
Beides aber ist schwer zu erlangen, wenn man ständig dem Trommelfeuer der etablierten Mainstream-Medien ausgesetzt ist. Dort werden Halbwahrheiten mit Unwahrheiten gemischt, tatsächliche Sachverhalte verdreht, Ängste geschürt und Vorurteile bedient.
Wer auf diese Weise unter einer Flut von Informationen erstickt, wendet sich deshalb gern „Experten“ zu, die ihm im Labyrinth unserer Gesellschaft den Weg weisen sollen. Eine ganze Heerschar solcher Politik- und Wirtschafts-„Experten“ war in den vergangenen Wochen aktiv, um uns allen die Weltlage zum Jahreswechsel und die Aussichten für 2017 zu erklären.
Das Problem: Die vermeintlich fundierten Analysen dieser „Experten“ lenken genauso wie die übliche Berichterstattung von den wahren Schuldigen an den derzeitigen Problemen – Spekulanten, Bankern und den ihnen hörigen Politikern – ab, erzeugen Panik, wo diese vollkommen unangebracht ist, und verharmlosen, wo dringende Aufmerksamkeit geboten wäre.
Hier ein Beispiel dafür, wie wir alle durch derartige Analysen fehlinformiert werden und Gefahr laufen, wirkliche Bedrohungen nicht wahrzunehmen oder zu unterschätzen:
Der Fall Monte dei Paschi
Es gibt kaum einen Wirtschafts- oder Finanz-„Experten“, der sich in den vergangenen Wochen nicht mit der Frage beschäftigt hat, ob die älteste italienische Bank Monte del Paschi di Siena denn nun gerettet werde, ob ihre Rettung durch den italienischen Staat oder die EU erfolgen und ob die EZB grünes Licht dafür geben werde. Dabei wurde immer wieder betont, wie gefährlich ein „Fallenlassen“ des Institutes durch die Verantwortlichen wäre.
Jede der gestellten Frage hätte von vornherein uneingeschränkt mit „ja“ beantwortet werden können. Die Monte dei Paschi kann nämlich unter keinen Umständen fallen gelassen werden, weil sie sonst den allseits bekannten Domino-Effekt auslösen und das gesamte globale Finanzsystem gefährden würde. Die italienische Regierung kann also gar nicht anders als ihren Teil dazu beizutragen und EU und EZB können ebenfalls nicht anders als einer Rettung zuzustimmen.
Ebenso wie die politischen Scheingefechte zwischen Rom, Brüssel und Berlin haben sämtliche „Experten“-Analysen um die Monte dei Paschi die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf Fragen gerichtet, die im Grunde gar keine waren. Damit aber haben sie von einem Problem abgelenkt, das im Hintergrund lauert, immer größere Ausmaße annimmt und für uns alle zu einer ständig zunehmenden Gefahr wird: Die Reaktion der Finanzindustrie auf den unvermeidlichen Zerfall der EU.
Bail-out statt Bail-in
Nach der Krise von 2008, in der die Banken durch ein Bail-out (also mit Hilfe von Steuergeldern) gerettet wurden, hat die EU die Bail-in-Regelung eingeführt. Sie gilt seit dem 1. Januar 2016 in allen EU-Ländern und besagt, dass im Fall des drohenden Zusammenbruchs einer Bank zunächst Anleger, Aktionäre und Sparer zur Kasse gebeten werden müssen und dass erst danach der Steuerzahler belastet werden darf.
Diese Regelung ist bereits 2013 auf Zypern und Ende 2015 bei vier italienischen Banken in der Toskana angewandt worden. Im letzten Fall hat sie, da sehr viele Mittelständler als Anleger betroffen waren, eine Welle des Protestes ausgelöst. Da bei der Monte dei Paschi mehr als 150.000 private Anleger betroffen wären, hat sich die italienische Regierung aus Angst vor Protesten und deren politischen Folgen strikt geweigert, das Bail-in anzuwenden.
Zwar hat die EZB (vor allem auf deutschen Druck hin) versucht, die Regierung in Rom umzustimmen – jedoch ohne Erfolg. Das hat dazu geführt, dass Italien nun mit dem Einverständnis der EU und der EZB soeben eingeführtes geltendes Recht außer Kraft setzt, um die Monte dei Paschi mittels eines Bail-outs über Wasser zu halten.
Diese – vorübergehend wirksame – Rettungsmaßnahme wird von den „Experten“ derzeit als „Sieg der Vernunft“ gefeiert und dem breiten Publikum als „Lösung der italienischen Probleme“ präsentiert. Das aber ist nicht nur falsch, sondern hindert diejenigen, die es für bare Münze nehmen, daran, Vorkehrungen für eine kommende Krise zu ergreifen, deren Ausmaß gar nicht abzuschätzen ist.
Die tatsächliche Alternative heißt: Bankenrettung oder Volksaufstand
Tatsächlich weigert sich die vor unseren Augen zerfallende EU, die von ihr selbst geforderte Regelung des Bail-in im Fall der Monte dei Paschi zu erzwingen, weil sie fürchtet, dass die Enteignung von Anteilseignern, Aktionären und Sparern im Extremfall einen Volksaufstand auslösen, zumindest aber zu einem für das Bankensystem höchst gefährlichen Banken-Run führen könnte.
Damit aber nimmt die Eurokrise eine völlig neue Qualität an. Noch im vergangenen Jahr hat die EU nämlich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um eine weitere Bankenrettung mit Steuergeldern, also ein Bail-out, zu verhindern. Zu diesem Zweck hat sie 2015 sechs Mitgliedsländer verklagt und gezwungen, die Bail-in-Regelung umgehend zu geltendem Recht zu erklären. Dass sie dieses nun bei der Monte dei Paschi nicht juristisch erzwingt, zeigt, dass die EU derzeit keinen anderen Ausweg mehr sieht, als vor möglichen Protesten zurückzuweichen und auf ein Bail-out zurückzugreifen.
Das aber wird für die arbeitenden Menschen in Italien und ganz Europa drastische Folgen haben. Die Regierung in Rom wird mit allen Mitteln versuchen, die für die Bankenrettung ausgegebenen Gelder an anderer Stelle einzusparen, d.h. sie wird Kürzungen im Sozialbereich vornehmen, Steuern erhöhen, den Niedriglohnsektor ausweiten, das Arbeitsrecht weiter aufweichen und möglicherweise den Mindestlohn senken.
All diese Maßnahmen werden die ohnehin tiefe soziale Krise im Land weiter verschärfen. Gleichzeitig wird sich die Lage im Bankensektor durch die Rettung der Monte dei Paschi keinesfalls grundlegend verbessern. Die Probleme sind nur aufgeschoben und werden in absehbarer Zeit in noch schärferer Form erneut auftreten. Das bedeutet: Beim Eintritt der nächsten Krise wird das Potenzial für eine soziale Explosion noch größer sein als zurzeit.
Der Weg führt letztendlich in den Finanz-Faschismus
Für den Rest Europas hat die Rettung der Monte dei Paschi ebenfalls erhebliche Auswirkungen: Die erneute Belastung von Steuerzahlern wird politisch zu weiteren Verwerfungen und zu einer weiteren Zersetzung der EU führen, da die Mehrheit der EU-Bürger derartige Zahlungen – wie die Abstimmung zum Brexit eindrucksvoll gezeigt hat – ablehnt.
Zum anderen wird durch die Rettung der Monte dei Paschi ein Präzedenzfall geschaffen, der es so gut wie unmöglich machen wird, irgendwo in Europa noch einmal die Bail-in-Regelung anzuwenden. Das heißt: Es wird bei zukünftigen Bankenproblemen weitere Bail-outs geben – mit der Folge, dass weiteres Geld gedruckt, der Euro noch stärker entwertet und die Blasen an den Anleihen-, Aktien- und Immobilienmärkten noch weiter aufgebläht werden.
Da auch die Finanzindustrie weiß, dass am Ende dieses Weges nur noch die Alternative Crash oder Hyperinflation steht, wird sie die Politik und die EZB irgendwann ultimativ dazu auffordern, das Ruder herumzureißen und zu diesem Zweck auf das Bail-in zurückzugreifen. Das aber wird dann nur unter Anwendung von Gewalt gegen die Bürger möglich sein – der Grund, warum Polizei und Militär derzeit überall (unter dem Vorwand der Terrorismus-Bekämpfung) aufgerüstet werden.
Sollte aber auch der Einsatz von Polizei und Militär nicht ausreichen, bleibt der Finanzindustrie nur noch eine Möglichkeit: Dann wird sie auf die Abschaffung des letzten Rests an verbleibender Demokratie setzen und die Karte des Faschismus ziehen. (Die Unterstützung Donald Trumps in den US-Wahlen durch die Wall Street ist ein erster Schritt in diese Richtung und nimmt die Entwicklung in Europa vorweg.)
Die vermeintlichen „Experten“ erzählen uns von alledem – nichts. Statt uns zu warnen, verschleiern und vernebeln sie eine höchst gefährliche Entwicklung, die sich mit unerbittlicher Konsequenz vor unseren Augen entfaltet, und lenken unsere Aufmerksamkeit auf unbedeutende Nebenschauplätze.
Das aber bedeutet: „Experten“ zu vertrauen, heißt, nicht in der Lage zu sein, die tatsächlichen tiefgreifenden Triebkräfte der Veränderung in unserer Gesellschaft zu erkennen und unvorbereitet in eine Zukunft zu gehen, die von verschärfter Austerität, zunehmender Geldentwertung, einer Aufrüstung des staatlichen Gewaltapparates und einer weiteren Einschränkung demokratischer Rechte geprägt sein wird. Ganz zu schweigen von den daraus resultierenden immer heftigeren internationalen Verteilungskämpfen und einer damit einhergehenden kontinuierlich zunehmenden Kriegsgefahr.
Ernst Wolff ist freier Journalist und Autor des Buches “Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs“, erschienen im Tectum-Verlag, Marburg.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.
Terror in Istanbul
Türkischer Islamgelehrter: Egal ob in einer Gebets- oder Vergnügungsstätte – Terror kennt keine Religion
Ankara (nex) – Der höchste islamische Gelehrte der Türkei, Prof. Dr. Mehmet Görmez, hat den bewaffneten Angriff in einem Istanbuler Nachtclub in den frühen Morgenstunden des gestrigen Sonntags scharf verurteilt. Bei dem Anschlag sind 39 Menschen getötet sowie 69 weitere verletzt worden.
„Der bewaffnete Angriff auf unschuldige Menschen in den frühen Morgenstunden des neuen Jahres verletzt unser Volk zutiefst“, betonte der Präsident des türkischen Amtes für religiöse Angelegenheiten (Diyanet) in einer schriftlichen Erklärung und bezeichnete den Anschlag als eine Barbarei. Weiter heißt es:
„Es gibt keinen Unterschied, ob ein solches unmenschliches Massaker auf einem Markt, in einer Vergnügungs- oder in einer Gebetsstätte stattfindet. Terroristen greifen keine Orte, sondern Menschen, Völker und die ganze Menschheit an. Terror kann nicht toleriert werden, ganz gleich, von wem oder woher er kommt.“
Zuvor hatte der Gouverneur von Istanbul, Vasip Sahin, den Anschlag im Stadtteil Ortaköy als einen grausamen Terrorakt bezeichnet.
„Um 1.15 Uhr Ortszeit hat ein Terrorist mit einer Waffe von großer Reichweite zunächst den draußen stehenden Polizisten sowie einen Zivilisten getötet, um sich Zugang in den Club zu verschaffen“, erklärte er.
Dann habe er seine gewalttätige und grausame Tat durchgeführt, beschrieb der Gouverneur den Tathergang. Der Attentäter habe brutal und grausam in die feiernde Menge gefeuert.
Die Ermittlungen dauerten an, und das Gouverneursamt werde die Bevölkerung über Neuigkeiten auf dem Laufenden halten, fügte der Gouverneur hinzu. Drei Wochen zuvor waren bei einem Doppelanschlag in Istanbul 45 Menschen, die meisten unter ihnen Polizisten, gestorben.
Türkei
Reina-Attentat: USA bestreiten vorherige Kenntnis über Anschlag
Ankara (nex) – Die US-amerikanische Botschaft in der Türkei hat am gestrigen Sonntag Medienberichte, wonach sie früher Kenntnis über den tödlichen Terroranschlag auf den Nachtclub Reina gehabt habe, zurückgewiesen.
„Entgegen den Gerüchten in den sozialen Medien hatte die US-Regierung keine Informationen über die Bedrohung bestimmter Vergnügungsstätten, so auch des Reina Clubs, und die US-Regierung hat die Amerikaner nicht gewarnt, von bestimmten Orten oder Vierteln fernzubleiben“, teilte die Botschaft in einer Erklärung mit. Mindestens 39 Menschen starben, nachdem der Terrorschütze in den frühen Morgenstunden des Neujahrs das Feuer auf die Partygäste in der Open-Air-Disco Reina im Stadtviertel Ortaköy eröffnete. 69 weitere Personen wurden verletzt. Unter den Opfern befanden sich sowohl Einheimische als auch Ausländer. „Wie das Weiße Haus und unsere Botschaft es bereits mitgeteilt haben, verurteilen wir den Terroranschlag aufs Schärfste“, heißt es weiter in der Erklärung. Auslöser des Statements der US-Amerikaner war die Behauptung des Reinabesitzers Mehmet Kocarslan, US-Kreise hätten Kenntnis vom Anschlag gehabt. Kocarslan stellte später klar, dass er gemeint habe, die US-Regierung hätte seine Staatsbürger vor derartigen Anschlägen gewarnt. Die Botschaft in Ankara stellte klar, dass am 22. Dezember eine allgemeine Warnung für die Türkei und weitere verschiedene Regionen Europas herausgebracht worden sei, „so wie wir es immer tun, wenn es Hinweise darauf gibt, dass amerikanische Staatsbürger Ziel von Gewalt sein könnten. Der türkische und der US-amerikanische Geheimdienst beraten sich eng im Kampf gegen den Terror, indem sie zum Beispiel Informationen über mutmaßliche terroristische Bedrohungen austauschen. Diese Zusammenarbeit wird fortgesetzt, da wir gemeinsam durch den Terror bedroht sind“, ist weiter in dem Statement zu lesen.
Terrorismus
IS-Festnahme: Verdächtiger wollte mit Fake-Polizeiautos in Menschenmengen fahren
Saarbrücken (nex) – Wegen des Verdachts auf Terrorismusfinanzierung hat die saarländische Polizei am Samstagmorgen einen 38-jährigen Mann festgenommen.
Am vergangenen Freitag erreichte ein Hinweis des Bundeskriminalamtes (BKA) den saarländischen Staatsschutz. Spezialeinsatzkräfte der Polizei nahmen daraufhin am Silvestermorgen den Verdächtigen in seiner Wohnung fest. Derzeit sitzt er in Untersuchungshaft.
Einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft in Saarbrücken zufolge wird der Mann verdächtigt, im Dezember Kontakt zu einem Mittelsmann des IS aufgenommen und 180.000 Euro gefordert zu haben.
Wie Medien berichten, habe der Syrer geplant, mit diesem Geld Fahrzeuge zu kaufen und mit Sprengstoff zu beladen. Die Fahrzeuge sollten vor den Anschlägen als Polizeiautos umlackiert werden. Damit sollte dann in eine Menschenmenge in verschiedenen deutschen Städten gefahren werden.
Bei seiner Vernehmung habe der Verdächtige den Kontakt mit dem IS eingeräumt. Terroristische Absichten habe er laut Generalstaatsanwältin Margot Burmeister allerdings bestritten. Medienberichte, wonach er mit dem Geld des IS lediglich seine Familie unterstützten wollte, bestätigte Burmeister nicht.
Der Haftbefehlserlass habe sich auf die Annahme gegründet, einen Terroranschlag selbst zu begehen oder anderen die Mittel dafür zur Verfügung zu stellen, so Burmeister.
Racial Profiling
Grünen-Chefin Peter kritisiert Vorgehen der Kölner Polizei gegen Nordafrikaner
Düsseldorf (ots) – Grünen-Parteichefin Simone Peter hat das Verhalten der Kölner Polizei gegenüber Hunderten Menschen nordafrikanischer Herkunft in der Kölner Silvesternacht kritisiert.
„Das Großaufgebot der Polizei in Köln und anderen Städten hat Gewalt und Übergriffe in der vergangenen Silvesternacht deutlich begrenzt“, sagte sie der „Rheinischen Post“.
„Allerdings stellt sich die Frage nach der Verhältnis- und Rechtmäßigkeit, wenn insgesamt knapp 1.000 Personen alleine aufgrund ihres Aussehens überprüft und teilweise festgesetzt wurden“, sagte Peter.
„Völlig inakzeptabel ist der Gebrauch von herabwürdigenden Gruppenbezeichnungen wie ‚Nafris‘ für Nordafrikaner durch staatliche Organe wie die Polizei“, sagte die Parteivorsitzende.
Auch der migrationspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, äußerte sich skeptisch. „Bevor ich nicht von jeder Seite ihre Version des Vorgangs kenne, will ich mich nicht über das Verhalten der Kölner Polizei äußern“, sagte Beck.
„Ich bin grundsätzlich allerdings der Meinung, dass so genanntes ´racial profiling´ – also ein polizeiliches Vorgehen allein aufgrund der tatsächlichen oder vermeintlichen ethnischen Zugehörigkeit, Religion und nationalen Herkunft von Menschen – keine legitime Vorgehensweise der Polizei wäre“, sagte der Kölner Grünen-Politiker.
„Polizeiliche Maßnahmen müssen durch Gefahrenlagen oder das Verhalten einer Person begründet sein, nicht in ihrer Identität. Alles andere verstieße gegen die Antirassismus-Konvention für der Vereinten Nationen“, sagte Beck.
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Ausland
Rüstungsindustrie: Türkei und Saudi-Arabien gründen Gemeinschaftsunternehmen
Istanbul (nex/eurasia) – Das größte türkische Rüstungsunternehmen ASELSAN und das saudische Unternehmen Taqnia haben am Dienstag die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens bekanntgegeben. Türkei winken umfassende Exportchancen in das saudische Königreich.
In einer offiziellen Mitteilung an die Istanbuler Börse gab ASELSAN die Registrierung eines türkisch-saudischen Gemeinschaftsunternehmens unter dem Namen SADEC bekannt. Dem Unternehmen wurde ein Marktkapitalisierungswert von sechs Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt.
Am 23. November unterzeichneten die Konzerne aus der Türkei und Saudi-Arabien ein vorläufiges Abkommen für das Joint Venture. Die staatlich kontrollierte Rüstungsschmiede ASELSAN rangiert laut einer Erhebung des militärwissenschaftlichen Fachmagazins Defense News 2016 auf Platz 58 der weltweit 100 größten Verteidigungsunternehmen.
“Ein primäres Ziel der Zusammenarbeit wird unweigerlich die militärische Elektronik sein”, sagte ein Beamter bei ASELSAN. Als Teil des Abkommens bauen ASELSAN und Taqnia eine Produktionsstätte in Saudi-Arabien, die der Idee dient, “modernste Technologien” zu bauen. Gut informierte Rütungsvertreter gaben Aufschluss darauf, dass die wichtigsten Bereiche der technologischen Zusammenarbeit der Bau von Radaren, Komponenten der Kriegsführung und elektro-optische Technologien sein werden.
Das Geschäft wird sich darauf konzentrieren, Hardware und Software zu entwickeln sowie sie zu bauen, um diese auf dem saudischen und Golf-Markt zu verkaufen, erklärte ein ASELSAN-Vertreter. ASELSAN und Taqnia halten am Joint Venture jeweils 50 Prozent der Anteile.
Im September 2013 ratifizierten die Türkei und Saudi-Arabien ein Abkommen zur intensiveren verteidigungsindustriellen Kooperation. Dabei sollen die industriellen Kapazitäten beider Nationen durch eine effektivere militär-technologische Zusammenarbeit in den Feldern Entwicklung, Produktion und Prokuratur von Gütern und Dienstleistungen gestärkt werden.
Das Abkommen zwischen der Türkei und Saudi-Arabien ist für fünf Jahre von Bestand und kann sukzessive um ein Jahr ausgeweitet werden.
2012 genehmigte das türkische Parlament ein Deal mit Saudi-Arabien über die Ausbildung von militärischem Personal, auf das Riad angesichts seiner anhaltenden Militäroperationen in Jemen angewiesen ist.
Industrieexperten in Ankara gaben an, dass die Rüstungsabkommen zwischen der Türkei und Saudi-Arabien in nächster Zukunft zu lukrative Exportchancen für Ankara führen wird. Verkäufe umfassen militärische Unterstützungsschiffe, Angriffsboote, gepanzerte Fahrzeuge und Drohnen nach Saudi-Arabien. Das arabische Königreich zeigte auch Interesse am indigenen Kampfpanzer der Türkei, Altay. Dieser soll 2017 in die Serienproduktion gehen.
Erschienen bei Eurasianews
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Bildungspolitik
Pisa-Chef Schleicher fordert Reform für Lehrberufe
Düsseldorf (ots) – Der Chefkoordinator der Pisa-Studie bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Andreas Schleicher, hat eine „Bildungsreform 2.0“ angemahnt, um die Arbeitsbedingungen für Lehrer in Deutschland zu verbessern.
„Wir brauchen jetzt, mehr als 15 Jahre nach der ersten Pisa-Studie, eine Bildungsreform 2.0“, sagte Schleicher der „Rheinischen Post“. Dabei gehe es ihm vor allem um eine Verbesserung der Unterrichtsqualität und der Arbeitsbedingungen für Lehrer.
„Ich meine damit nicht die Gehälter, die sind in Deutschland meist sehr gut. Was es aber hierzulande noch viel zu wenig gibt, ist ein Arbeitsumfeld, in dem Lehrer viel mehr Möglichkeiten für die gemeinsame Entwicklung und Umsetzung von Unterrichtskonzepten haben“, so Schleicher.
In Singapur hätten Lehrer 100 Stunden für Weiterbildung pro Jahr zur Verfügung. „Und zwar mit Kollegen zusammen und nicht abgehoben an den Universitäten wie hier.“ Dieses Defizit habe durchaus etwas mit den stagnierenden Pisa-Ergebnissen der Schüler zu tun.
„Wie gut die Schüler abstrahieren können, hat damit zu tun, wie sehr Lehrkräfte fächerübergreifend denken oder arbeiten. Da ist die Politik gefragt, mehr Freiräume für die Schulen zu schaffen“, sagte Schleicher. Vor allem müssten Anreize her, dass gute Arbeit der Lehrer Anerkennung finde.
Der Bildungsexperte kritisierte, dass eine Reformbereitschaft in Deutschland kaum vorhanden sei. „Was die Veränderungsdynamik seit einigen Jahren betrifft, schneidet Deutschland nicht besser als befriedigend ab“, sagte Schleicher.
Reisen
Kartellamt will gegen heimliche Aufschläge bei Flugreisen vorgehen
Düsseldorf (ots) – Das Bundeskartellamt will als künftige Verbraucherschutzbehörde stärker gegen fragwürdige Geschäftspraktiken im Internet vorgehen.
„Wenn eine Fluggesellschaft beim Online-Buchen Aufschläge praktisch verheimlicht, könnten wir das abstellen; wenn ein Online-Versandhaus die Rückgabe von Waren unklar regelt, ebenso“, sagte Kartellamts-Präsident Andreas Mundt der „Rheinischen Post“.
Mit diesen Beispielen wirbt Mundt dafür, dass das Kartellamt, wie von Union und SPD geplant, eine Verbraucherschutzbehörde wird: „Wir unterstützen den Vorschlag, auch Verbraucherschutzbehörde zu werden. Es braucht mehr Durchschlagskraft, um gegen massenhafte Verstöße gegen Verbraucherrechte, wie sie im Internet vorkommen, vorgehen zu können.“
Im Moment könnten zwar einzelne Verbraucher klagen, aber entsprechende Urteile seien nicht allgemeingültig. „Wenn wir als Behörde dagegen Verfahren durchführen können, könnten Entscheidungen unmittelbar einer großen Zahl von Verbrauchern helfen.“
Das Verfahren gegen Facebook wegen vermutetem Missbrauchs der marktbeherrschenden Stellung will Mundt bald abschließen. „Wir wollen das Verfahren schnell abschließen und arbeiten mit Hochdruck daran. Persönliche Daten haben eine große wirtschaftliche Bedeutung.
Werden diese rechtswidrig erhoben, kann dies bei einem großen Unternehmen wie Facebook ein Verstoß gegen das Kartellrecht bedeuten.“
Mietrecht
Defektes Telefonkabel: Mietminderung um zehn Prozent möglich
Berlin (ots) – Für die Telefonverbindung bzw. den Internetanschluss ist der Mieter einer Wohnung ab der Steckdose selbst zuständig. Das heißt, er kann und muss sich in der Regel einen Anbieter aussuchen.
Doch das Kabel bis zu dieser Buchse fällt nach Auskunft des Infodienstes Recht und Steuern der LBS in den Verantwortungsbereich des Vermieters. Ist dieser Anschluss defekt, droht Mietminderung. (Landgericht Essen, Aktenzeichen 10 S 43/16)
Der Fall:
Der Mieter einer Wohnung wollte es sich nicht länger gefallen lassen, dass er wegen eines offensichtlich funktionsuntüchtigen Kabels von der Außenwelt abgeschlossen war – zumindest im Hinblick auf das Telefonieren via Festnetz und den Netzanschluss. Er betrachtete das mehr als 14-monatige Fehlen dieser Kommunikationsmöglichkeit als einen Mangel der Mietsache und minderte deswegen seine monatlichen Zahlungen.
Das Urteil:
Wohnen umfasst alles, was zur zeitgemäßen Benutzung der gemieteten Räume als Lebensmittelpunkt gehört. Längst zählt dazu auch eine Festnetzleitung. Deswegen könne man bei deren Fehlen nicht von einer lediglich unerheblichen Tauglichkeitsbeeinträchtigung sprechen, entschied das Landgericht Essen.
Wenn es erforderlich sei, müsse der Eigentümer dem Anbieter zum Reparieren der Leitung Zugang zu seinem Objekt gewähren. Andernfalls sei eine Minderung der Miete um zehn Prozent möglich. Der Hinweis auf eine Nutzung des mobilen Telefonierens zähle angesichts einer so lang anhaltenden Störung nicht.
Dokumentarfilm
„Muslimische Friedenskämpfer – Mit Prävention gegen den Terror“
Baden-Baden (ots) – Ein Mainzer Präventionsprogramm hat sich zum Ziel gesetzt, muslimische Jugendliche vom Extremismus fernzuhalten.
Die Gründer des Programms arbeiten als muslimische Gefängnisseelsorger unter anderem gegen die Radikalisierung in deutschen Gefängnissen. Spätestens seit den Anschlägen von Paris und Brüssel gelten Gefängnisse auch in Europa als Brutstätten für Extremisten und islamistische Attentäter.
Alle sind sich einig: Dagegen muss dringend etwas unternommen werden. Aber was? Der 60-minütige SWR Dokumentarfilm „Muslimische Friedenskämpfer – Mit Prävention gegen den Terror“ zeigt am Mittwoch, 11. Januar 2017, um 23:30 Uhr, wer sich dafür einsetzt und welche Erfahrungen bisher mit dem Präventionsprogramm gemacht wurden.
Kritische Auseinandersetzung mit dem Islamismus
Die Pädagogin Misbah Arshad hat ein Anti-Radikalisierungsprogramm entwickelt, das Mainzer Jugendbildungsprogramm „Kompass – Muslimische Jugendbildung“. Unterstützt wird sie dabei von Mustafa Cimsit, Religionswissenschaftler und Imam.
Das Programm richtet sich an muslimische Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren, Mädchen und Jungs gemeinsam – ungewöhnlich für eine muslimische Gemeinde. Das Ziel: eine kritische Auseinandersetzung mit den Themenkomplexen Islamismus, Dschihadismus und Salafismus aus theologischer, gesellschaftlicher und politischer Perspektive.
„Wir müssen jugendliche Muslime gegen den Terror sozusagen ‚immunisieren‘.“, fordert Arshad, „Wir müssen mehr Präventionsarbeit leisten, wir brauchen mehr Ressourcen. Für uns als Muslime ist es wichtig, dass wir am Kampf gegen den gewaltbereiten Salafismus teilnehmen.“
Pionierarbeit der Gefängnisseelsorger
Misbah Arshad und Mustafa Cimsit haben neben „Kompass“ noch eine weitere berufliche Aufgabe, die ihnen sehr am Herzen liegt: Sie sind beide Gefängnisseelsorger für muslimische Gefangene in der JVA Frankfurt; Cimsit seit 2012 und Arshad seit 2015 im Frankfurter Frauengefängnis. Bei ihrer Arbeit geht es nicht nur um klassische Seelsorge.
Auf dem Spiel steht weit mehr: Beide wollen verhindern, dass sich Muslime hinter Gittern den Islamisten anschließen. Ihre Arbeit ist nichts anderes als Terrorprävention. Der Film begleitet Misbah Arshad und Mustafa Cimsit ein Jahr lang bei ihrer Präventionsarbeit mit den muslimischen Jugendlichen in Mainz, Wiesbaden und bei ihrer Gefängnisseelsorge in Frankfurt.
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