Ein Gastkommentar von Kemal Bölge
Wenn ein hessischer Minister Menschen mit Migrationshintergrund wegen ihrer Sprache verhöhnt, ist das mehr als ein politischer Fehltritt.
Vor ein paar Tagen hat der hessische Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Manfred Pentz, auf Instagram den Volt-Politiker Sahak Ibrahimkhil mit gebrochenem Deutsch verhöhnt. Auslöser waren die Ausschreitungen in Frankfurt, die der CDU-Politiker als „migrantische Gewalt“ bezeichnet hatte. Diese Äußerung wurde vom Volt-Politiker Ibrahimkhil scharf kritisiert. Pentz antwortete daraufhin: „Warum Du so sprechen..?!“ und fügte hinzu: „Ich nix sprechen, ich schreiben.“
Beim rassistischen Nachäffen von Menschen mit Migrationshintergrund durch bewusst grammatikalisch falsches und vereinfachtes Deutsch handelt es sich um eine Form des Alltagsrassismus. Dabei wird von der Sprachkompetenz einer Person auf deren Intelligenz, sozialen Status und persönlichen Wert geschlossen.
Durch dieses Nachäffen grenzt sich die diskriminierende Person (der Muttersprachler) vom Opfer ab. Es entsteht ein „Wir gegen die Anderen“. Damit soll Überlegenheit demonstriert werden, um die betroffene Person herabzuwürdigen.
Doch Manfred Pentz ist nicht irgendjemand, sondern der hessische Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten. Er vertritt Hessen nach außen, in Europa und anderswo. Mit dieser rassistischen Entgleisung hat er sich selbst disqualifiziert. Herr Pentz hat mit seinen Äußerungen rassistische Stereotype bedient.
Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein hat vor wenigen Wochen die Brandmauer gegen die AfD kritisiert und sie als „unchristlich“ bezeichnet. Dabei war es kein Geringerer als er selbst, der die Brandmauer gegen die Rechtsextremisten verteidigt hatte. Nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt forderte er, dass die AfD in den Parlamenten nicht ausgegrenzt werden dürfe. Nach dieser Logik ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die hessische CDU mit der AfD koaliert.
Die hessische CDU stand schon immer eher rechts. Man denke nur an die rassistische Unterschriftenkampagne von Roland Koch gegen die doppelte Staatsbürgerschaft. Manch einer dachte damals: „Wo kann ich hier gegen Ausländer unterschreiben?“
Was sagt uns all das? Rassistische und herabwürdigende Äußerungen gegen Migrantinnen und Migranten haben stark zugenommen. Doch von einem hessischen Europaminister eine derart zutiefst rassistische Äußerung zu hören, hat noch einmal eine andere Qualität. Rassismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und ist en vogue.
Gute Nacht, Deutschland!
Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.
Zum Autor
Kemal Bölge, studierter Politologe und Historiker. Ressortleiter Balkan bei der Forschungseinrichtung für Mezalim. Er schreibt zudem als freier Autor für verschiedene Online-Publikationen. Seine Schwerpunkte sind die Außen- und Sicherheitspolitik, insbesondere die Beziehungen EU-Türkei, die zukünftige Struktur der NATO und die Außen- und Sicherheitspolitik der Türkei

