Sarajewo – Mehr als 500 Aktivisten aus über 20 Ländern sind von Srebrenica in Bosnien und Herzegowina im Rahmen des internationalen Konvois „Palestine Convoy“ zu einer Fahrzeugkolonne in Richtung Palästina aufgebrochen.
Die Organisatoren wählten den Ort des Starts bewusst: Von der Stätte des Völkermords von Srebrenica aus wollen sie nach eigenen Angaben ein Zeichen gegen das Leid der Palästinenser in Gaza und im Westjordanland setzen. Inzwischen hat der Konvoi die südosttürkische Stadt Adana erreicht.
Der Arzt und Konvoi-Sprecher Hüseyin Durmaz erklärte gegenüber türkischen Medien, die Teilnehmer hätten in Srebrenica der Opfer des Genozids gedacht und für sie gebetet.
„Wir glauben, dass alle Formen von Ungerechtigkeit miteinander verbunden sind. Damals konnten wir nicht eingreifen und nicht helfen. Deshalb wollen wir heute angesichts dessen, was in Gaza, im Westjordanland und in Palästina geschieht, nicht schweigen.“
Durmaz betonte außerdem, einer der Schwerpunkte der Initiative sei das Westjordanland.
„Wir wollen nicht, dass das Westjordanland zu einem neuen Gaza wird. Es ist unsere Pflicht, das zu verhindern.“
Über Albanien und Griechenland in die Türkei
Nach dem Start in Bosnien führte die Route über Albanien und Griechenland, bevor der Konvoi am Grenzübergang İpsala die Türkei erreichte. Nach Angaben der Organisatoren reisen inzwischen mehr als 500 Aktivisten mit 17 Bussen und zahlreichen weiteren Fahrzeugen. In mehreren türkischen Städten wurden sie von Bürgern und zivilgesellschaftlichen Organisationen empfangen.
Zuletzt erreichte der Konvoi die südosttürkische Stadt Adana. Vor der Zentralmoschee versammelten sich zahlreiche Menschen zu einem Solidaritätsprogramm mit Koranrezitationen, Gebeten und Redebeiträgen.
„Wir werden Gaza nicht allein lassen“
Der Vorsitzende der Ülfet-Bildungs- und Hilfsorganisation, Gazi Kılıçparlar, erklärte gegenüber türkischen Medien, die Initiative wolle auf das Leid der Palästinenser aufmerksam machen und deren Anliegen auf internationaler Ebene sichtbar halten.
„Unser Ziel ist das Westjordanland, Jerusalem und die Al-Aqsa-Moschee. Wir werden die gerechte Sache Palästinas überall zur Sprache bringen.“
Auch der Mufti der Provinz Adana, Mehmet Taşçı, begrüßte die Teilnehmer und bezeichnete die Fahrt als Gewissensreise.
„Wir sind hier, wir werden euch nicht allein lassen. Wir werden weiterhin an der Seite unserer Brüder und Schwestern in Gaza stehen.“
Der islamische Theologe Dr. İdris Polat bezeichnete den Konvoi gegenüber türkischen Medien als weit mehr als eine gewöhnliche Reise.
„Dies ist eine Reise der Einheit. Sie bringt die Gemeinschaft wieder zusammen und vereint die Menschen gegen das Unrecht.“
„Gewaltfreier, aber entschlossener Widerstand“
Vorstandsmitglied Davut Daşkıran sagte gegenüber türkischen Medien, die Teilnehmer setzten bewusst auf zivilen und friedlichen Protest.
„Wir führen einen gewaltfreien, aber entschlossenen Widerstand. Wir sprechen die universelle Sprache des Gewissens und nicht die radikale Sprache, die Israel hören möchte.“
Zugleich rief Daşkıran dazu auf, die Aktion in den sozialen Medien zu unterstützen. Jede Veröffentlichung helfe dabei, die internationale Aufmerksamkeit für die Lage der Palästinenser zu erhöhen.
Ziel ist das Westjordanland
Nach Angaben der Organisatoren verfolgt der Konvoi drei zentrale Ziele: Er wolle verhindern, dass das Westjordanland das Schicksal des Gazastreifens teile, die humanitäre Lage in Gaza trotz zwischenzeitlicher Waffenruhen im internationalen Fokus halten und den friedlichen Druck für ein Ende der Besatzung aufrechterhalten.
Die Initiative versteht sich nach eigenen Angaben als parteipolitisch unabhängige zivile Bewegung. Die Route soll über die Türkei, den Irak und Jordanien bis in das besetzte Westjordanland führen. Die Ankunft in Grenznähe ist nach Angaben der Organisatoren für die zweite Augusthälfte geplant.
More than 500 activists set out from Bosnia and Herzegovina, aboard 17 buses and dozens of vehicles on a humanitarian convoy to the border of Palestine.
The convoy is calling for international attention to the humanitarian crisis in Gaza and the West Bank. The convoy has now… pic.twitter.com/j4QvA099hJ
— WearThePeace (@WearThePeaceCo) August 5, 2026
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