Türkischer Kampfjet
Kampfjet KAAN: Türkei baut Europas größte Flugzeugfabrik für globale Nachfrage

Um den Übergang zur Serienfertigung zu bewältigen, wird das Gelände von Turkish Aerospace Industries (TAI/TUSAŞ) bei Ankara derzeit zur modernsten Flugzeugwerft der Hemisphäre ausgebaut.

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Ankara – Die Ambitionen der türkischen Luftfahrtindustrie erreichen im Januar 2026 eine neue Dimension. Während der nationale Stealth-Kampfjet der 5. Generation, die KAAN, vor intensiven Flugtests mit weiteren Prototypen steht, schafft Ankara nun die industrielle Basis für eine globale Massenproduktion.

Ziel ist nichts Geringeres als der Bau der größten und modernsten Luftwaffenfabrik auf europäischem Boden, um milliardenschwere Exportaufträge bedienen zu können.

Die Geschichte der KAAN: Von der Vision zur Notwendigkeit

Der Weg zur KAAN begann bereits im Jahr 2010, als die Türkei die grundsätzliche Entscheidung traf, einen eigenen Kampfjet der nächsten Generation zu entwickeln (damals als TF-X Projekt). Über fast ein Jahrzehnt hinweg lief das Programm als langfristige Ergänzung zur geplanten F-35-Flotte.

Der entscheidende Wendepunkt kam im Jahr 2019: Nachdem die USA die Türkei aufgrund des Erwerbs des russischen S-400-Systems völkerrechtswidrig aus dem F-35-Programm ausgeschlossen hatten, wandelte sich die KAAN von einer fernen Vision zur existenziellen strategischen Notwendigkeit. Ankara reagierte mit einer massiven Beschleunigung der Entwicklung.

Was als Ergänzung geplant war, wurde nun zum Rückgrat der nationalen Souveränität.

„Unser Hauptziel in der Verteidigungsindustrie ist die vollständige Unabhängigkeit. Wir planen so, dass wir niemals von einer einzigen Quelle abhängig sind“, betonte Haluk Görgün, Leiter der Direktion für Verteidigungsindustrie (SSB), mehrfach in Bezug auf die strategische Autonomie des Projekts.

Technische Überlegenheit: Mehr als nur Tarnkappe

Die KAAN ist als zweistrahliges Mehrzweckkampfflugzeug konzipiert, das speziell für Luftüberlegenheit und Präzisionsangriffe optimiert wurde. Mit einer Länge von rund 21 Metern und einer Spannweite von 14 Metern gehört sie zu den größeren Vertretern der 5. Generation.

Produktionsschub: Die Mega-Fabrik in Karamankazan

Um den Übergang zur Serienfertigung zu bewältigen, wird das Gelände von Turkish Aerospace Industries (TAI/TUSAŞ) bei Ankara derzeit zur modernsten Flugzeugwerft der Hemisphäre ausgebaut. Auf einer Fläche von mehreren hunderttausend Quadratmetern entsteht eine automatisierte Fertigungsstraße, die modernste Robotik nutzt.

Insgesamt plant TUSAŞ den Bau von sechs Prototypen bis Ende 2026, um das Testprogramm massiv zu beschleunigen. „Wir sind jetzt in der ‚Promotionsphase‘ des Projekts – wir tun Dinge, die wir zuvor noch nie getan haben“, erklärte TUSAŞ-Chef Mehmet Demiroğlu kürzlich.

Diese Investition ist notwendig, da die Auftragsbücher bereits prall gefüllt sind. Die Kapazitäten sind darauf ausgelegt, ab 2028/2029 die ersten Maschinen an die türkische Luftwaffe auszuliefern und gleichzeitig den internationalen Markt zu bedienen.

Das „Loyal Wingman“-Konzept: Die digitale Vernetzung

Ein revolutionärer Aspekt der KAAN ist ihre Rolle als „Mutterschiff“. Der Jet ist darauf ausgelegt, im Verbund mit unbemannten Begleitern wie der Bayraktar KIZILELMA oder der ANKA-3 zu operieren.

Diese Drohnen dienen als „Loyal Wingmen“, die gefährliche Aufklärungsflüge übernehmen oder feindliche Luftabwehr ablenken, während der KAAN-Pilot aus sicherer Entfernung die Kommandos gibt. Diese Synergie macht die türkische Luftwaffe zu einer der fortschrittlichsten Streitkräfte im digitalen Gefechtsfeld.

Milliarden-Deals: Indonesien und Saudi-Arabien greifen zu

Die strategische Weitsicht Ankaras zahlt sich bereits aus. Während westliche Kampfjets oft an drakonische politische Bedingungen geknüpft sind, bietet die Türkei eine technologisch ebenbürtige Alternative auf Augenhöhe.

Wie NEX24 bereits im Juni 2025 berichtete, hat Indonesien einen historischen Deal über die Bestellung von 48 KAAN-Kampfjets unterzeichnet. Dieser Milliarden-Auftrag, der auch Technologietransfer beinhaltet, markiert den endgültigen Durchbruch auf dem asiatischen Markt.

Doch damit nicht genug: Auch Saudi-Arabien hat laut Berichten von Anfang 2025 sein Interesse untermauert und prüft den Kauf von bis zu 100 Maschinen, um seine Luftstreitkräfte zu diversifizieren und die Abhängigkeit vom Westen zu reduzieren.

Der Weg zum nationalen Triebwerk

Der letzte Baustein zur vollständigen Autarkie ist das Triebwerk. Während die aktuellen Testflugzeuge noch von US-Triebwerken angetrieben werden, arbeitet das nationale Konsortium unter Hochdruck am eigenen Aggregat (TF35000).

Haluk Görgün stellte klar:

„Unsere seriell produzierten Flugzeuge werden mit nationalen Triebwerken fliegen.“

Damit wäre die Türkei eine von nur fünf Nationen weltweit, die einen Stealth-Jet der 5. Generation inklusive Antrieb komplett in Eigenregie herstellen können.

Supercruise: Die Fähigkeit, dauerhaft Überschallgeschwindigkeit zu fliegen, ohne den spritfressenden Nachbrenner nutzen zu müssen – ein Merkmal, das nur wenige Jets weltweit beherrschen.

AESA-Radar MURAD-600A: Das von Aselsan entwickelte Radar bietet eine Reichweite von über 200 km und kann Ziele mit extrem hoher Präzision verfolgen, während es gleichzeitig elektronische Angriffe gegen feindliche Radarsysteme durchführt.

Waffenkapazität: Mit zwei internen Schächten für Stealth-Missionen und sechs externen Aufhängungspunkten kann die KAAN bis zu 10 Tonnen Munition tragen – das ist deutlich mehr als die Kapazität einer F-35.

Die „Künstliche Nase“ (IRTST): Die KAAN besitzt vor dem Cockpit ein spezielles Infrarot-Such- und Trackingsystem. Das bedeutet, sie kann feindliche Stealth-Jets (wie die F-35 oder die russische Su-57) allein anhand ihrer Wärme aufspüren, ohne selbst ihr Radar einzuschalten. Damit bleibt sie für den Gegner „unsichtbar“, während sie ihn bereits im Visier hat.

Radarabsorbierende Beschichtung (RAM): Die Türkei hat eine eigene Fabrik nur für die spezielle Außenhaut-Beschichtung gebaut. Diese „Farbe“ saugt Radarstrahlen förmlich auf, anstatt sie zu reflektieren. Dass die Türkei diese chemische Formel selbst entwickelt hat, war einer der größten technologischen Durchbrüche.

Das Cockpit-Interface: Der Pilot steuert die KAAN nicht mehr nur mit Knöpfen, sondern über einen riesigen Panorama-Bildschirm und eine Sprachsteuerung. Das System ist darauf ausgelegt, die „kognitive Last“ des Piloten zu senken – das Flugzeug filtert die wichtigsten Informationen vor.

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