Rechtsextremismus
Asyl-Gegnerin Naomi Seibt beantragt Asyl in den USA

Ironischerweise hat Seibt sich in der Vergangenheit wiederholt und scharf gegen die deutsche Asyl- und Migrationspolitik positioniert.

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Washington – Die 25-jährige deutsche Webvideoproduzentin und politische Aktivistin Naomi Seibt, bekannt als „Anti-Greta“ wegen ihrer klimaskeptischen und rechtsextremen Positionen, hat Asyl in den Vereinigten Staaten beantragt.

Seibt, die eng mit der Alternative für Deutschland (AfD) verbunden ist, begründet ihren Antrag mit anhaltenden Todesdrohungen von Antifa-Aktivisten und einer angeblichen politischen Verfolgung durch den deutschen Staat.

Die Influencerin, die sich vor allem auf englischsprachigen Plattformen wie X (ehemals Twitter) profilierte, hat sich in einem öffentlichen Post besonders bei Tesla-Chef Elon Musk bedankt, der ihre Flucht und den Asylantrag unterstützt.

Ironischerweise hat Seibt sich in der Vergangenheit wiederholt und scharf gegen die deutsche Asyl- und Migrationspolitik positioniert. In zahlreichen Posts und Videos forderte sie „Remigration“ – also die Rückführung von Migranten – und kritisierte Masseneinwanderung als Ursache für Kriminalität und gesellschaftlichen Zerfall.

So warf sie der Regierung vor, „Migrant Crimes“ zu vertuschen und Opfer von Angriffen durch Zuwanderer zu ignorieren, etwa in Fällen von Vergewaltigungen oder Morden durch Asylbewerber. Sie plädierte für eine AfD-Politik, die Massenmigration „stoppen“ und „psychopathische“ Einwanderer ausweisen solle.

Nun sucht sie selbst Schutz vor politischer Verfolgung – ein Umstand, der in sozialen Medien und Berichten als „hypokritisch“ oder „widersprüchlich“ diskutiert wird.

Naomi Seibt wurde am 18. August 2000 in Münster, Nordrhein-Westfalen, geboren und wuchs in Deutschland auf. Als Jugendliche begann sie, Videos zu Klimawandel-Skepsis und konservativen Themen zu produzieren, was sie schnell zu einer polarisierenden Figur in rechtsextremen Kreisen machte.

Sie arbeitete zeitweise für das Heartland Institute, eine US-amerikanische Denkfabrik, die Klimawandelleugnung fördert, und positionierte sich als Gegenpol zur schwedischen Aktivistin Greta Thunberg. In Deutschland stand Seibt im Fokus von Medienberichten über ihre Nähe zur AfD und Vorwürfe, Hassrede zu verbreiten. Bis vor Kurzem lebte sie in Deutschland, floh jedoch nun in die USA, wo sie derzeit untertaucht und auf die Bearbeitung ihres Asylantrags wartet.In ihrem Dankespost an Musk schrieb Seibt:

„Vielen Dank an @elonmusk für seine Unterstützung – er hat mir geholfen, hierher zu kommen und für Freiheit zu kämpfen.“

Der Milliardär, der X besitzt, hatte zuvor ihre Beiträge geteilt und ihre Lage öffentlich thematisiert. Die Drohungen, die Seibt als Grund für ihre Flucht nennt, umfassen laut ihren Angaben Überwachung durch den Verfassungsschutz und physische Bedrohungen, die sie mit ihrer AfD-Nähe in Verbindung bringt.

Nicht nur Seibts Fall unterstreicht die Nähe zwischen der Aktivistin und Musk: Der Tech-Milliardär hat die AfD in den vergangenen Monaten wiederholt gelobt und sie als „die einzige Rettung Deutschlands“ beschrieben. Im Dezember 2024 twitterte er explizit: „Only the AfD can save Germany“, was er im Kontext des Bundestagswahlkampfs als Unterstützung für die Partei formulierte.

Musk mischte sich mehrmals in den deutschen Wahlkampf ein, kritisierte die etablierten Parteien und warnte vor einem „totalitären“ Deutschland – Aussagen, die von Kritikern als Einmischung in die innere Politik gewertet werden.

Das Heartland Institute

Das Heartland Institute ist eine einflussreiche, konservative Denkfabrik (Think Tank) in den USA, die sich für freie Märkte und marktorientierte Lösungen zu gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemen einsetzt.

Gegründet 1984 in Chicago, Illinois, zielt die Organisation darauf ab, Politikempfehlungen zu entwickeln, die staatliche Eingriffe minimieren und individuelle Freiheiten fördern. Mit einem Fokus auf Themen wie Steuern, Bildung, Gesundheit und Umwelt gilt es als eine der prominentesten Stimmen in der Debatte um Klimapolitik.

Geschichte und Gründung

Das Institute wurde 1984 von David P. Theroux und Joseph Bast ins Leben gerufen, mit dem Ziel, konservative Ideen in der Politik zu verbreiten. In den 1990er Jahren arbeitete es eng mit der Tabakindustrie zusammen, insbesondere mit Philip Morris, um Zweifel an den gesundheitlichen Risiken von Passivrauch zu säen und Regulierungen zu bekämpfen.

Dies markierte den Einstieg in kontroverse Lobbytätigkeiten. Heute hat es seinen Sitz in Arlington Heights, Illinois, und beschäftigt rund 50 Mitarbeiter sowie ein Netzwerk von Experten.

Mission und Schwerpunkte

Die offizielle Mission lautet: „Entdecken, entwickeln und fördern freimarktbasierter Lösungen für soziale und wirtschaftliche Probleme.“

Zu den Kernbereichen gehören:

Klimapolitik:

Das Heartland Institute ist ein zentraler Akteur in der Klimaskepsis. Es bezweifelt die Dringlichkeit des anthropogenen Klimawandels und kritisiert wissenschaftliche Konsense, z. B. durch Konferenzen und Berichte, die erneuerbare Energien als unwirtschaftlich darstellen.

Weitere Themen:

Förderung fossiler Brennstoffe, Kritik an Umweltregulierungen (z. B. EPA-Vorschriften), Schulwahl und Steuerreformen.

Aktivitäten:

Es organisiert jährliche Konferenzen wie die International Conference on Climate Change, veröffentlicht Policy-Papiere und beeinflusst Gesetzgebung. Seit 2018 hat es seinen Ansatz verschoben, indem es wirtschaftliche und moralische Argumente für die Förderung heimischer fossiler Energien betont.

Bekannte Figuren sind Präsident James Taylor (seit 2015) und frühere Führer wie Joseph Bast, der bis 2020 aktiv war.

Kontroversen

Das Institute ist hoch umstritten, insbesondere wegen seiner Finanzierung und Methoden.

Finanzierung:

Es erhält Spenden von Unternehmen der Fossilindustrie, wie ExxonMobil und Koch Industries, was Vorwürfe der Interessenvertretung nährt. Transparenzberichte sind begrenzt.

Klimaleaks 2012:

Ein interner Leak enthüllte Pläne, Klimawissenschaft zu diskreditieren, z. B. durch Vergleiche von Klimaforschern mit dem Unabomber Ted Kaczynski. Dies führte zu massiver öffentlicher Kritik und Rücktritten.

Weitere Skandale:

2018 verklagten Umweltgruppen das Institute und die EPA, um Dokumente zu seiner Einflussnahme auf Klimapolitik zu erzwingen. Es wird oft als „Klimaleugner-Organisation“ bezeichnet und hat sich gegen Lehrmaterialien zu globaler Erwärmung in Schulen gestellt.

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