PKK
Netjes: Für die Mehrheit der Kurden ist Öcalan ein Terrorist

Netjes: "Öcalan mag in der Türkei eine relative Fangemeinde haben, aber die Mehrheit der syrischen Kurden sieht in ihm einen Unruhestifter/Terroristenführer"

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Den Haag – In Deutschland gelten sie als das Sprachrohr und legitime Vetreter der Kurden, dies spiegelt jedoch nicht die Realität wider. Für die Mehrheit der Kurden sei der Gründer der Terrororganisation PKK, Abdullah Öcalan, ein Terrorist „der ihre Kinder entführt“.

„Öcalan mag in der Türkei eine relative Fangemeinde haben, aber die Mehrheit der syrischen Kurden sieht in ihm einen Unruhestifter/Terroristenführer, der ihre Kinder entführt, damit sie in ihren militärischen Reihen sterben. Seit Öcalan in Syrien ist, sind Tausende kurdischer Kinder verschwunden, relativ viele davon in Afrin“, so die renommierte niederländische Politikanalystin Rena Netjes in einem Tweet.

Netjes: „Ja, Kurden werden eingeschüchtert, damit sie sich den Aufmärschen der PYD/pro Öcalan anschließen. Etwas, das von vielen im Westen ignoriert wird.“

Die PKK und ihr syrischer Arm, die YPG, hätten die Bevölkerung jüngst über WhatsApp zu dem am 10. Mai in Qamischli stattgefundenen Marsch für die Freilassung von Öcalan aufgerufen und ihnen gedroht: „Jeder sollte wissen, dass diejenigen, die nicht zu dem Marsch kommen, kein Brot und kein Benzin bekommen werden“. so Netjes.

Obwohl zahlreiche Menschenrechtsorganisationen, wie Human Rights Watch, der  Terrororganisation PKK Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen auch unter der kurdischen Bevölkerung vorwerfen, wird in den europäischen Medien kaum darüber berichtet. Ein Beispiel ist die Zwangsrekrutierung von Minderjährigen.

Netjes ist eine der wenigen Medienvertreter, die kritisch berichten und Verbrechen der Terrororganisation aufdecken. Hierfür erhielt sie bereits zahlreiche Morddrohungen. „Ich zahle einen Preis dafür, dass ich die Propaganda der PYD entlarve“, so Netjes auf Twitter.

Aber auch assyrische Christen und Aramäer sind frustriert in Bezug auf die Medienberichterstattung über die PKK und ihrem syrischen Ableger, die YPG. Die Berichte spiegelten meist nicht die Realität wider. Jeder, der Fragen stellt oder Einwände erhebt, werde „in Europa ignoriert“. Der assyrische Journalist Dikran Ego etwa, Chefredakteur von Assyria TV, sagte in einem Interview: „Westliche Medien lassen keine kritischen Fragen über die PKK oder die YPG zu.“

Öcalan gründete die PKK Ende der 1970er Jahre und führte bis zu seiner Verhaftung in Nairobi, Kenia 1999, einen bewaffneten Kampf gegen den türkischen Staat, bei dem bisher über 40.000 Menschen zu Tode kamen. Die PKK wird in den USA, der EU und der Türkei als Terrororganisation eingestuft. Nach einem im Jahre 2013 begonnenen Versöhnungsprozess nahm die PKK ihre Angriffe im Juli 2015 wieder auf. Seitdem geht das türkische Militär wieder verstärkt gegen die Organisation vor. Die PKK und ihre Splitterorganisation TAK verübten zahlreiche Anschläge, unter anderem in Ankara und Istanbul.

Eine Kritik an der PKK ist im Vergleich zu den 1990er Jahren in europäischen Medien kaum noch zu finden. Obwohl es vor allem Kurden selbst sind, die unter dem Dominanzstreben der linksextrem ausgerichteten PKK und ihres syrischen Ablegers YPG leiden – und für viele Kurden, die der PKK/YPG-Doktrin nicht folgen, die Kritik an ihnen mit Gefahr für Leib und Leben verbunden ist – stellen westliche Medien die beiden Organisationen fast ausschließlich als legitimes Sprachrohr der Kurden dar.

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