Corona-Pandemie
Griechenland: Impf-Diskriminierung von Lehrern der türkischen Minderheit

Laut den Vertretern der türkischen Minderheit im griechischen Westthrakien, haben ihre Lehrer an den Minderheitenschulen keine Impfung erhalten.

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Von Kemal Bölge

Nach der Ankündigung der griechischen Behörden, die staatlichen Schulen wieder zu öffnen, um in den Präsenzunterricht zurückzukehren, sollten auch in der griechischen Stadt Xanthi (İskece) und Komotini (Gümülcine) die Lehrer an staatlichen Schulen eine Impfung erhalten.

Vor der Vergabe eines Impftermins wurden alle Lehrer aufgefordert, sich online zu registrieren, um einen entsprechenden Termin zu erhalten. Dieser Aufforderung kamen auch die Lehrer von zwei Realschulen und Gymnasien der türkischen Minderheit in Xanthi und der Celal Bayar Schule in Komotini nach. Während alle griechisch-stämmigen Lehrer vor Ort einen Impftermin zugewiesen bekommen hätten, erhielten die Lehrer der türkischen Minderheit von der Registrierungsplattform keinen Termin zugewiesen.

Schulleiter: Die Namen unserer Lehrer waren nicht in der Registrierungsliste aufgeführt

Der Schulleiter der Minderheitenschule in Xanthi, Selçuk Fehmi, äußerte sich gegenüber den Medien wie folgt:

„Vor einigen Wochen erhielten wir vom Schulamt für Realschulen ein Schreiben. Es gäbe einige [Personen], bei denen der Termin storniert worden sei und einige Lehrer, die geimpft werden könnten. Man bat uns um die Erstellung und Zusendung einer Liste. Daraufhin haben wir eine Liste mit neun Lehrern der türkischen Minderheit und neun Lehrern der Bevölkerungsmehrheit [Griechen] versendet. Kurz danach wurden drei Lehrer zum Impfzentrum gebeten, aber eine Impfung nicht durchgeführt. Unseren Lehrern wurde dort mitgeteilt, dass ihre Namen nicht in der Liste seien.

Nach einigen Tagen wurden wir gebeten, die Liste nach dem Alter aufzulisten. Danach wurde erklärt, die Pädagogen könnten über die Webpräsenz emvolio.gov.gr mit ihrer Versicherungsnummer (AMKA) einen Termin vereinbaren. Das haben wir unseren Lehrern in dieser Form mitgeteilt. Aber leider hat man uns als Lehrer der Minderheit keinen Termin gegeben. Unsere Kollegen christlichen Glaubens haben aber sehr wohl einen Termin erhalten. Wir haben dieses Problem sowohl dem Schulamt für Realschulen als auch dem verehrten Bildungsinspektor der Minderheit, Simeonidis, mitgeteilt. Der Versicherungsanstalt EFKA haben wir es ebenfalls gemeldet. Für unser Anliegen wurde uns leider bis heute keine Lösung präsentiert.“

Schulratsmitglied Kara: Diese Diskriminierung ist schwer nachvollziehbar

Ahmet Kara, Mitglied des Schulrats der Realschule und Gymnasiums der Minderheit in Xanthi, teilte hierzu mit, dass man vor einem Umstand voller Fragen stehe. „Während alle anderen Lehrer einen Impftermin bekommen haben, ist es beunruhigend, dass unsere Lehrer der Minderheit keinen Termin bekommen haben. Diese Diskriminierung ist schwer nachvollziehbar. Liegt hier eine Absicht oder eine Nachlässigkeit vor? Das muss aufgeklärt werden.

Diesbezüglich führen wir mit unterschiedlichen Institutionen Gespräche. Wir haben den Sachverhalt erläutert und um eine Lösung gebeten. Nach derzeitigem Stand hat das Kultusministerium die Lehrer-Liste der zwei Realschulen und Gymnasien der Minderheit dem Gesundheitsministerium nicht übermittelt. Es wäre interessant zu erfahren, warum man das so umgesetzt hat. Was auch immer der Grund gewesen sein mag, muss das Problem gelöst werden, und zwar unverzüglich.“

Corona-Pandemie war Vorwand für behördliche Schikanen gegen Moscheegemeinden

Obwohl kein gesetzliches Verbot existierte, nutzten griechische Behörden in Westthrakien während der Corona-Pandemie die gesetzlichen Einschränkungen dazu, den Ruf des Muezzins von den Minaretten zu verbieten. Polizeibeamte sprachen Warnungen aus, der Ruf des Muezzins sei verboten oder die Lautsprecher der Minarette sollten leiser gestellt werden.

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