Hıdiv Kasrı
Jugendstil in Istanbul: Khedivenpalast – das Schloß des Khediven von Ägypten

Abbas Hilmi II. (1874-1944), der Bauherr dieses malerischen Schlosses, war Khedive von Ägypten (Vizekönig). Wurde Ägypten de facto zwar seit etwa 1880 als Teil ihres Kolonialreiches von den Briten regiert, so war es de jure bis zum Eintritt des Osmanischen Reiches in den Ersten Weltkrieg im November 1914 auf Seiten der Mittelmächte eben Teil des Osmanischen Reiches.

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Ein Gastbeitrag von Thomas Weiberg – Historiker

Abbas Hilmi II. (1874-1944), der Bauherr dieses malerischen Schlosses, war Khedive von Ägypten (Vizekönig). Wurde Ägypten de facto zwar seit etwa 1880 als Teil ihres Kolonialreiches von den Briten regiert, so war es de jure bis zum Eintritt des Osmanischen Reiches in den Ersten Weltkrieg im November 1914 auf Seiten der Mittelmächte eben Teil des Osmanischen Reiches.

Die Briten regierten nominell im Namen des jeweils in Konstantinopel herrschenden Sultans, als dessen Vertreter vor Ort der Khedive galt – und leisteten bis zum Ende der osmanischen Suzzeränität festgelegte jährliche Zahlungen an die Staatskasse in Konstantinopel.

Abbas Hilmi II., dessen Mutter Prinzessin Emine İbrahim Hanımsultan (1858-1931) eine Enkelin Sultan Abdül Mecids war, hatte übrigens einen Teil seiner militärischen Ausbildung als Angehöriger der osmanischen Armee in Wien erhalten und sprach daher fließend Deutsch. Nachdem die Briten ihn Ende 1914 als Vizekönig von Ägypten abgesetzt und Ägypten ganz offiziell dem Britischen Empire einverleibt hatten, zog der Khedive sich ganz und gar nach Konstantinopel zurück und bewohnte sein am Bosporus auf der asiatischen Seite gelegenes Sommerschloss (Hıdiv Kasrı/Khedivenpalast) in Çubuklu.

Ab 1907 hatte Abbas Hilmi II. für sich und seine Geliebte, die ungarische Gräfin Marianna Török de Szendrő (1877-1968), in einem ausgedehnten Park hoch über dem Bosporus auf der asiatischen Seite von Antonio Lasciac und Delfo Seminati ein repräsentatives Schloss in einer Mischung aus italienischer Renaissance, Jugendstil und osmanischer Palastarchitektur mit einer erlesenen Innenausstattung errichten lassen.
1937 verkaufte der Khedive das Schloss an den türkischen Staat, und heute befindet sich dort ein elegantes Restaurant, dessen Preise allerdings durchaus bezahlbar sind.

(Foto: Weiberg)

Es lohnt sich, nach einem Tee oder Kaffee und dem ausgezeichneten Kuchen, in die zahlreichen Räume des Schlosses zu schauen, denn es gibt viel Sehenswertes zu entdecken — in der Halle befindet sich ein Fahrstuhl mit Messinggittern im Jugendstil, in vielen Räumen sind originale Möbelstücke und Lampen (das damals noch sehr neue elektrische Licht führte zu ganz erstaunlichen Kreationen, bei denen teilweise jede einzelne Glühlampe herausgehoben präsentiert wurde) zu sehen, farbige Bleiverglasungen schmücken einige Türen und das Oberlicht im Treppenhaus, ein origineller Jugendstil-Brunnen ist der Blickfang im elegant stuckierten Gartensaal.

Doch wie gesagt, das Hıdiv Kasrı ist kein Museum… Allerdings ist das Restaurantpersonal sehr freundlich und hat nichts dagegen einzuwenden, wenn sich Gäste behutsam im Haus umsehen, sofern nicht gerade eine Veranstaltung stattfindet. Durch den großen Park kann man dann zum Bosporus hinunter spazieren und mit dem Bus nach Kanlıca (am dortigen Schiffsanleger gibt es den legendären Joghurt, wahlweise mit Puderzucker, Honig oder Reçel serviert) oder Çubuklu fahren. Damit das Schloss alle interessierten Nicht-Istanbulerinnen und -Istanbuler finden, hier die Adresse: Çubuklu Mahallesi, Ortanca Sk. No:13.

Das Hıdiv Kasrı befindet sich zwischen Kanlıca und Çubuklu, von der Uferstraße zweigt eine beschilderte Straße ab. Das Schloß liegt in einem weitläufigen Garten. Sehenswert sind auch die fast neogotisch anmutenden Torgebäude am Eingang der Parkanlage.

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