Namibia
Völkermord: Namibia lehnt Deutschlands Entschädigungangebot ab

Für den Völkermord an den Herero und Nama Anfang des 20. Jahrhunderts, fordern die Nachfahren von Deutschland eine Entschädigungszahlung von 30 Milliarden Dollar. Berlins Angebot über 10 Millionen Euro hat die namibische Regierung erneut entschieden abgelehnt.

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Windhoek – Im Jahre 1904 erteilte der deutsche Generalleutnant Lothar von Trotha in der damaligen deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika den Befehl, alle Stammesangehörigen der Herero zu töten. Bis 1908 wurden zwischen 65.000 und 80.000 Herero umgebracht, außerdem bis zu 20.000 Angehörige des Stammes der Nama.

Zwischen 1885 und 1903 wurde ein Viertel des Landes der Herero und Nama mit Einverständnis der Kolonialbehörden von deutschen Siedlern enteignet. Frauen und Mädchen der Herero und Nama seien, ebenfalls von den Kolonialbehörden geduldet, von Siedlern vergewaltigt und der Bevölkerung Zwangsarbeit auferlegt worden.

Die namibische Regierung forderte bereits 2017 eine Entschädigungszahlung über 30 Milliarden Dollar von Deutschland. berichtete die Tageszeitung The Namibian mit Verweis auf Regierungsdokumente.

Das Angebot der Bundesregierung, dafür zehn Millionen Euro zu zahlen, hat die namibische Regierung erneut abgelehnt. Das Angebot sei weiter „nicht akzeptabel“, zitierten namibische Medien am Dienstag Präsident Hage Gottfried Geingobs Berater Alfredo Tjiurimo Hengari. Vertreter der Herero und Nama verlangen von der Bundesrepublik eine Entschuldigung für die begangenen Verbrechen sowie eine finanzielle Wiedergutmachung.

„Wir begrüßen es, dass die namibische Regierung Deutschlands Vorschläge zurückgewiesen hat. Denn es ist eben keine bedingungslose Anerkennung und Entschuldigung für den Völkermord, wenn die Bundesregierung Verhandlungen mit den Vertretern der Ovaherero und Nama weiter ablehnt, Reparationszahlungen kategorisch ausschließt und stattdessen Maßnahmen der klassischen Entwicklungszusammenarbeit vorschlägt. Die dafür vorgesehene Summe von zehn Millionen Euro finden wir beleidigend, wenn man bedenkt, dass uns im Völkermord über die Mehrheit unserer Vorfahren hinaus auch unser gesamter Besitz an Land und Vieh genommen wurde“, zitiert die Tageszeitung Neues Deutschland Israel Kaunatjike, ein in Berlin lebender Herero und Sprecher des Bündnisses „Völkermord verjährt nicht!“.

Man rücke die Schädel seiner Vorfahren unter fadenscheinigen Gründen nicht raus.

Um die angebliche Minderwertigkeit der Afrikaner zu belegen, brachten die Deutschen aus ihrer damaligen Kolonie Schädel und Gebeine Einheimischer nach Berlin. Der Historiker Jürgen Zimmerer, der sich seit Jahren mit der Kolonialgeschichte befasst, geht davon aus, dass damals über 1000 menschliche Überreste nach Deutschland gelangten, deren Reste teilweise bis heute in Archiven, Magazinen und Kliniken lägen, berichtet Deutschlandradio Kultur.

Die Geschichte der Schädel, das sei bis heute ein Trauma für ihr Volk, empört sich Ester Utjiua Muinjangue, Angehörige der Volksgruppe der Herero aus Namibia.

„Die deutsche Schutztruppe brachte die abgetrennten Köpfe zu den Herero-Frauen und zwang sie, sie zu reinigen, damit sie wie Eier fein säuberlich in Kartons nach Deutschland transportiert werden konnten, beschreibt Muinjangue. Es konnten die Köpfe ihrer Ehemänner, Brüder oder Schwestern sein.“

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