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Neuer Glücksspielstaatsvertrag soll den deutschen Markt 2021 für Anbieter weiter öffnen

Von ganz Europa verfügt Deutschland über den größten Glücksspielmarkt. Knapp 14 Milliarden Euro werden von Casinos, Sportwettenanbieter und Lottogesellschaften umgesetzt. Der Schwarzmarkt boomt – etwa ein Fünftel der Umsätze werden dort erzielt. Ein großer Anteil fällt auf öffentlich aufgestellte Spielautomaten und Spielhallen. Hinzu kommen die 16 Lotterieangebote der Bundesländer. Einen raschen Wachstum verzeichnen illegale Spielmöglichkeiten online, der Verdienst der Anbieter wird auf etwa zwei Milliarden Euro jährlich geschätzt.

(Symbolfoto: Pixabay)
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Von ganz Europa verfügt Deutschland über den größten Glücksspielmarkt. Knapp 14 Milliarden Euro werden von Casinos, Sportwettenanbieter und Lottogesellschaften umgesetzt. Der Schwarzmarkt boomt – etwa ein Fünftel der Umsätze werden dort erzielt.
Ein großer Anteil fällt auf öffentlich aufgestellte Spielautomaten und Spielhallen. Hinzu kommen die 16 Lotterieangebote der Bundesländer. Einen raschen Wachstum verzeichnen illegale Spielmöglichkeiten online, der Verdienst der Anbieter wird auf etwa zwei Milliarden Euro jährlich geschätzt.

Aktueller Stand 2020

In Deutschland ist das Online Glücksspiel illegal, mit Ausnahme von Schleswig-Holstein. Es ist das einzige Bundesland, das nicht in den damaligen Glücksspielvertrag einstieg, sondern einen anderen Weg beschritt: Dort wurden befristete Lizenzen erteilt, die nach zwischenzeitlichem Ablauf noch einmal bis zum Sommer 2021 verlängert wurden. Im Allgemeinen ist vielen Menschen überhaupt nicht bewusst, dass sie sich mit der Nutzung von Online Glücksspielen in einer Grauzone befinden. Die Angebote sind vielfältig, sie stammen von Firmen beispielsweise mit Sitz in Malta oder Gibraltar – ein Verwaltungszugriff der deutschen Behörden besteht dort nicht. Diskussionen über eine Reformierung des Glücksspielvertrags werden seit vielen Jahren geführt. Nun scheint es tatsächlich zu einem Ergebnis gekommen zu sein: Deutschland soll einen neuen Glücksspielstaatsvertrag erhalten.

Neuer Glücksspielstaatsvertrag: geplant ab dem 1. Juli 2021

Auf einen Blick stellen sich die vorgesehenen Inhalte wie folgt dar:

  • Die Beschränkung der monatlichen Einzahlungen auf 1.000 Euro.
  • Verbot der Wettart „Über/Unter“ bei Live-Wetten. D.h., es kann zum Beispiel nicht mehr auf die Gesamtanzahl der Tore, gelbe Karten in einem Spiel, Eckstöße etc. gewettet werden.
  • Die zurzeit geltende Beschränkung auf 20 Sportwetten-Lizenzen für private Anbieter soll gelockert werden.
  • Das gleichzeitige Einloggen bei verschiedenen Buchmachern soll unterbunden werden.
  • Eine intensive Überwachung der Wetten und Datenweitergabe ist in Planung.
  • Live-Wetten sollen allgemein eingeschränkt werden.

Zuständigkeit für die Konzessionserteilung

Mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag werden diesbezügliche Onlinespiele in Deutschland legalisiert. Sie umfassen nicht nur Casinos und Automatenspiele im Netz, sondern auch Poker. Erlaubt war das Kartenspiel bisher ausschließlich in staatlichen Spielbanken, darunter in Berlin, Dortmund, Hamburg und Wiesbaden. Damit ist es Spielern also in der Zukunft möglich, legal online Geld einzusetzen.

Es soll eine neue Anstalt des öffentlichen Rechts entstehen, die für die Erteilung der Konzessionen für die Betreiber von Sportwetten, Automatenspielen und Poker zuständig ist. Vermutlich wird diese ihren Sitz in Baden-Württemberg haben. Konzessionen für den Betrieb von Online Casinos werden die einzelnen Bundesländer erteilen. Die Anzahl dafür ist eingeschränkt und gilt für die jeweiligen Länder.

Der geplante Glücksspielstaatsvertrag sorgt für eine gesetzliche Liberalisierung der Online Sportwetten und des Glücksspieles, wobei umfangreiche Regelungen zum Schutz der Spieler beinhaltet sind.

Einzelheiten zum Spielerschutz

Private Anbieter werden laut neuem Glücksspielstaatsvertrag verpflichtet sein, Spielkonten einzurichten. Automatisch können suchtgefährdete Personen dadurch identifiziert werden, wodurch sich eine rechtzeitige Gegensteuerung ermöglicht.
Als ein weiterer Schutz der Spieler ist ein Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat geplant. Nicht angerechnet werden auf diese Grenze eventuelle Gewinne. Von 6.00 bis 23.00 Uhr soll zukünftig ein Werbeverbot im Internet und Rundfunk gelten.

Um die Einhaltung der Regulierungsbestimmungen durch die Anbieter überprüfen zu können, ist im neuen Glücksspielstaatsvertrag die Einführung einer Sperrdatei vorgesehen. Sie soll bei der geplanten Aufsichtsbehörde angelegt werden. Konzessionierte Online Betreiber werden verpflichtet, alle spielerbezogenen Daten jederzeit abrufbereit zur Verfügung zu stellen.

Suchtexperten sehen einige Maßnahmen der neuen Regulierungen kritisch. (Foto. Pixabay)

Was sagen Suchtexperten zum geplanten Glücksspielstaatsvertrag?

Laut einer Analyse von Suchtexperten sind einige Paragrafen des neuen Vertrages unzulänglich oder sogar kontraproduktiv, geht es um den Spielerschutz in Deutschland. Kritik besteht unter anderem an dem Einsatzlimit von 1.000 Euro monatlich. Fachleute sehen eine Gefahr, dass Spielern soziale Akzeptanz für die Ausgabe einer hohen Summe suggeriert wird. Außerdem wird der Ansatz von einem Euro pro Spiel als Limit als zu hoch erachtet.

Offline kostet ein Spin an einem Offline-Automaten höchstens 20 Cent. Suchtexperten schlagen die Orientierung an echten Spielautomaten vor. Wird das Einsatzlimit gesenkt, sollten jedoch auch die möglichen Gewinne reduziert werden. Ansonsten bestehe ein sehr hoher Anreiz für Spieler, die mit nur einem Euro Einsatz die Chance auf einen Gewinn von beispielsweise 50.000 Euro sehen. Grundsätzlich erklären Suchtexperten, dass Gewinne in dieser Größenordnung über eine stimulierende Wirkung verfügen. In der Folge wird die Jagd nach einem Verlustausgleich gefördert, das Suchtpotenzial des virtuellen Glücksspieles erhöht sich.

Bedeutet der neue Glücksspielvertrag das Ende der langanhaltenden Diskussionen?

Der deutsche Glücksspielstaatsvertrag präsentiert sich mit einer mühevollen und jahrelangen Geschichte. Bisher gilt in Deutschland noch immer das Verbot für private Anbieter. Das Monopol halten Offline Casinos und Lotterien. Im Jahr 2011 fanden zahlreiche Debatten für die Verlängerung des zur damaligen Zeit bestehenden Vertrages statt. Eine Einigung zwischen den Bundesländern konnte nicht erzielt werden. Zu diesem Zeitpunkt schlug Schleswig-Holstein seinen Sonderweg ein: die Konzessionsvergabe an Privatanbieter. Nach einem Regierungswechsel wurde er zwar wieder beendet, zu einer bundesweiten Einigung kam es jedoch nicht.

Zurzeit sieht es so aus, dass – wenn alles planmäßig verläuft – der neue Glücksspielstaatsvertrag in Deutschland mit Wirkung zum 1. Juli 2021 in Kraft tritt. Für die nächste Ministerpräsidentenkonferenz ist eine offizielle Präsentation vorgesehen. Danach steht die Absegnung der einzelnen Länderparlamente auf dem Programm. Läuft alles nach Plan ab, steht am Ende nach vielen Jahren der Unsicherheit erstmalig ein Glücksspielstaatsvertrag in Deutschland bereit, der bundesweit einheitliche Regelungen beinhaltet.