Hodschali-Massaker
Dr. Christian Johannes Henrich: Der Bergkarabach-Konflikt

Dr. Christian Johannes Henrich: Zweifelsohne ist die jüngere Geschichte Aserbaidschans von den geopolitischen Rahmenbedingungen im Kaukasus und den Machtinteressen europäischer Großmächte geprägt.

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Ein Gastbeitrag von Dr. Christian Johannes Henrich

Zweifelsohne ist die jüngere Geschichte Aserbaidschans von den geopolitischen Rahmenbedingungen im Kaukasus und den Machtinteressen europäischer Großmächte geprägt.

Die russische Expansionspolitik in den kaukasischen Raum und ans Kaspische Meer bekam Aserbaidschan durch die kurzzeitige Eroberung Bakus und der übrigen persischen Küstengebiete des Kaspischen Meeres im Jahr 1722 durch Zar Peter den Großen zu spüren.

Die Probleme im Südkaukasus haben überwiegend exogene Ursachen als Auslöser des unermesslichen Leids auf beiden Seiten. So führten die Zwangsumsiedlungen persischer und anatolischer Armenier in den Südkaukasus zu einer gravierenden Veränderung der ethnischen Zusammensetzung der Region und waren letztlich gemeinsam mit dem fortwährenden Beistand Russland (Sowjetunion) zu Armenien verantwortlich für die zahlreichen Massaker an Aserbaidschanern im letzten Jahrhundert.

Viele Menschen ließen ihr Leben in diesen Pogromen oder verloren ihre Heimat durch Vertreibung. Laut Kaukasus-Experte Johannes Rau wurde die unnachgiebige Schärfe und Aggression im Bergkrabach-Konflikt vor allem von der armenischen Diaspora betrieben. Rau sieht die Veteranen der Daschnaken Partei, insbesondere ihr zu Terroraktionen neigender linker Flügel Armenische Geheimarmee zur Befreiung Armeniens (ASALA), als die maßgeblich verantwortlichen Kriegstreiber.

Zahlreiche Kämpfer der Daschnaken Partei haben 16 Jahre Bürgerkriegserfahrungen im Libanon und dem Nahen Osten gesammelt. Als der Krieg im Libanon 1990 beendet wurde, immigrierten viele Armenier nach Armenien und forcierten dort einen Krieg mit Aserbaidschan.

Als der Bergkarabach-Konflikt 1988 neu entfacht wurde, erwarteten viele Aserbaidschaner militärischen Beistand aus der Türkei wie einst 1918. Auch zahlreiche hochrangige türkische Militärs machten sich für einen Kriegseintritt auf aserbaidschanischer Seite stark, dennoch entschlossen sich Staatspräsident Turgut Özal und Ministerpräsident Süleyman Demirel gegen eine Allianz mit Aserbaidschan.

Dies war ein schwerer Schlag für die türkisch-aserbaidschanischen Beziehungen. Nach seiner Wahl zum armenischen Staatspräsidenten am 4. August 1990 machte der armenische Nationalist Levon ter-Petrosjan mit seiner Kriegsrhetorik gegenüber Aserbaidschan Ernst und ließ am 17. August 1990 zwei armenische Brigaden das Gebiet um Tauz völkerrechtswidrig besetzen.

Ende November haben die armenischen Streitkräfte einen überraschenden Ausfall in die nordwestlichen Gebiete des Bergkarabachs hineingewagt, der erst von sowjetischen Truppen bei Martanuschen gestoppt wurde. Ein Jahr später gelang der Vorstoß in die südlichen Regionen des Bergkarabachs und die Armenier festigten erfolgreich eine Frontlinie zwischen Schuscha und Agdere.

Während der Besetzung dieser Gebiete kam es zu zahlreichen Übergriffen gegenüber der aserbaidschanischen Zivilbevölkerung, welche von internationalen Beobachtern als ethnische Säuberungen klassifiziert wurden. Viele Menschen ließen ihr Leben in diesen Pogromen oder verloren ihre Heimat durch Vertreibung.

Das bekannteste Massaker fand am 25. Februar 1992 in der aserbaidschanischen Stadt Xocali statt. 613 Zivilisten, darunter 106 Frauen und 83 Kinder starben nach offiziellen Angaben durch armenische Soldaten. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch spricht „vom größten Massaker“ des Bergkarabach-Konflikts. Dennoch wurde der territoriale Zwist nicht beigelegt und entlud sich zwischen 1992-1994 in einem Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan, der seit dem Waffenstillstandsabkommen von 1994 als frozen conflict weiter schwelt.

Trotz zahlreicher Resolutionen der Vereinten Nationen, des Europarats und der NATO schützte die Sowjetunion (heute Russland) als Vetomacht Armenien vor Sanktionen, ähnlich wie man es von den USA zugunsten Israels kennt. Durch dieses Verhalten verhindert Russland eine friedliche, nachhaltige und gerechte Beilegung des Bergkarabach-Konflikts.

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26.2.1992: Im Gedenken an die Opfer des Völkermordes von Hodschali

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