"Diyarbakir-Mütter"
PKK-Oberkommandeur Karayilan nennt Proteste der Kurden „inszeniert“

Die Proteste der „Diyarbakır-Mütter”, die ihre gekidnappten Kinder zurückwollen, geht seit dem 3. September weiter.

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Weiterer Kurdischer Vater eines mutmaßlich entführten Kindes möchte Sohn zurück

Diyarbakir – Die Proteste der „Diyarbakır-Mütter”, die ihre gekidnappten Kinder zurückwollen, geht seit dem 3. September weiter.

Nachdem wichtige Kurden-Clans, Politiker, Prominente, Künstler und zuletzt iranische Opferfamilien den vor der HDP-Zentrale in Diyarbakır protestierenden Müttern beistanden, beteiligte sich nun ein weiterer Vater eines entführten Sohnes an dem Sitzstreik, dem das gleiche Schicksal wie den „Diyarbakır-Müttern” widerfuhr.

Sohn war Informatiker

Der Vater eines Kindes wandte sich vor der Parteizentrale in Diyarbakır an die Funktionäre der „Demokratischen Volkspartei“ (HDP). Die türkische Regierung beschuldigt die HDP seit langem, Verbindungen zur PKK-Terrorgruppe zu haben.

Halit Altun, der aus der osttürkischen Provinzstadt Muş zu den Protesten stieß, sagte, dass sein Sohn Muhsin vor vier Jahren, während seines Informatikstudiums an der İnönü-Universität in Malatya, indoktriniert und zum bewaffneten Kampf in die Berge verschleppt worden sei.

„Ich war schon überall wegen meines Sohnes“

Altun, der als Chauffeur seine neunköpfige Familie ernähre, sagte zudem, dass eines seiner Söhne als Soldat in Ankara diene. Der kurdische Vater, der seit vier Jahren auf der Suche nach seinen Sohn sei, erklärte außerdem: „Ich bin meinem Land, meinem Volk und meiner Fahne treu ergeben“. Altuns Nachforschungen hätten zutage geführt, dass sein Sohn in die Nähe von Kobane gebracht worden sei. „Ich war schon überall wegen meines Sohnes. Ständig lotsen sie mich woanders hin. Ich war zwei Jahre lang nicht zu Hause und habe mein ganzes Vermögen aufs Spiel gesetzt. Ich bin aber auf keine heiße Spur von meinem Sohn gestoßen.“

„Wieso bringen sie nicht ihre eigenen Kinder in die Berge?“

Altun sagte, er wollte unbedingt dabei sein, als er von dem Sitzstreik der kurdischen Mütter erfuhr. „Ich mache die HDP verantwortlich. Sie nehmen uns unsere Kinder weg. Wieso bringen sie nicht ihre eigenen Kinder in die Berge? Ihre Kinder lassen sie studieren, aber unsere Kinder schleppen sie zum bewaffneten Kampf in die Berge.“

Murat Karayilan dementiert Entführungen

Der Oberkommendeur der Terrororganisation PKK, Murat Karayilan, dementierte in einem Interview mit der in den Niederlanden ansässigen PKK-nahen Nachrichtenagentur ANF, Kinder entführt zu haben. Er nannte die Proteste der kurdischen Mütter „inszeniert“ und behauptet, dass Mitglieder der Organisation freiwillig beiträten.

Mehr als 30-jährige Terrorkampagne

In ihrer mehr als 30-jährigen Terrorkampagne gegen die Türkei war die PKK – von der Türkei, den USA und der EU als terroristische Organisation geführt – für den Tod von rund 40.000 Menschen, darunter Frauen und Kinder, verantwortlich.

„Gerade weil die PKK trotz des Verbots in Deutschland weiterhin aktiv ist, ist es notwendig und geboten, die PKK in ihre Schranken zu weisen und die Einhaltung der Rechtsordnung sicherzustellen“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer in einer Mitteilung im Februar dieses Jahres.

Eva Quadbeck in der Rheinischen Post:

„Die kurdische Arbeiterpartei PKK ist als Terrororganisation aus gutem Grund seit Anfang der 90er Jahre verboten. Dass sie hierzulande in Vereinen und Verlagen dennoch weiter operiert, kann der Rechtsstaat nicht hinnehmen. Das Verbot der Verlage ist nur konsequent. Die Bundesregierung tut gut daran, bei der PKK nüchtern nach rechtsstaatlichen Prinzipien zu verfahren. Deutschland steht in der Kritik der türkischen Regierung, die behauptet, es werde hierzulande nicht konsequent gegen die PKK vorgegangen, was nicht stimmt. Die politische Linke in Deutschland wiederum sieht das Verbot der Verlage als Zensur an.

Das Verbot hat aber nichts mit der Einschränkung von Meinungsfreiheit zu tun. Die betroffenen Verlage hatten die Unterstützung der verbotenen PKK im Auge. Dafür hätten sie auch Bananen vertreiben können. Die PKK heizt Auseinandersetzungen zwischen Türken und Kurden in Deutschland an. Mit Gewalt ausgetragene Rivalitäten befördern eine ablehnende Haltung gegenüber diesen Volksgruppen. Ein solcher Mechanismus gefährdet den inneren Frieden der Gesellschaft – insbesondere in Zeiten, in denen Fehlverhalten von Migranten gerne von Rechtspopulisten aufgegriffen wird“.

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Der andauernde Sitzstreik gegen die Verschleppung und Rekrutierung kurdischer Kinder durch die Terrororganisation PKK und deren politischen Arm, der „Demokratischen Volkspartei“ (HDP), in Diyarbakır, entwickelt sich zu einem Lauffeuer. Nachdem sich in den letzten Tagen mächtige Kurden-Clans den Protesten angeschlossen hatten, bekamen die „Mütter von Diyarbakır“, wie die Aufbegehrenden genannt werden, prominente Unterstützung.

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