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Nach Erdogan: Immer mehr Länder senken Zinsen

Im vergangenen Monat ließ der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die Leitzinsen um 4,25 senken und erntete dafür von der Opposition und auch von hiesigen Politikern und Medien viel Kritik und Spott. 

(Archivfoto: AA)
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New York – Im vergangenen Monat ließ der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die Leitzinsen um 4,25 senken und erntete dafür von der Opposition und auch von hiesigen Politikern und Medien viel Kritik und Spott.

Auch wenn die Europäische Zentralbank bereits vor der Türkei bei ihrer letzten Sitzung die Leitzinsen auf einem historischen Tiefstand von 0,0 Prozent ließ und die US-Notenbank erstmals seit der Finanzkrise ihre Zinsen senkte, waren „Erdogan hat sich verzockt!“ oder „Erdogan fährt die Wirtschaft gegen die Wand“ gängige, dem Anschein nach schadenfreudige Schlagzeilen.

Erdogans Entscheidung habe sich bisher jedoch als rational erwiesen, berichtet die Wirtschaftszeitung Handelsblatt. Nicht nur die Inflation ist wie geplant zurückgegangen – von 25 Prozent im Oktober vergangenen Jahres auf eine Inflationsprognose von 13,9 Prozent für 2019, sondern auch der Wert der türkischen Lira hat sich verbessert. Die türkische Währung hatte im vergangenen Jahr gegenüber dem US-Dollar und dem Euro enorm an Wert verloren, doch seit Mai gehört sie zu den stärksten Währungen weltweit, so Handelsblatt weiter.

Zahlreiche Zentralbanken schließen sich den tieferen Leitzinsen an

Die Zentralbanken von Indien, Thailand, Neuseeland und Australien ziehen nach: Die Reserve Bank of India setzte den Leitzins zum vierten Mal in Folge – zuletzt um 35 Basispunkte – herab. Parallel drehte die thailändische Zentralbank zum ersten Mal seit vier Jahren um 25 Basispunkte an der Zinsschraube. Die Reserve Bank of New Zealand überraschte mit einer Leitzinssenkung um 50 Basispunkte – der Leitzins dort landet so auf einem Allzeittief von 1 Prozent. In Australien wurde der Leitzins ebenfalls auf seinem Rekordtief belassen“, berichtet das Finanzportal finanzen.net.

Nicht nur die großen Wirtschaftsblöcke wie die USA und die Eurozone bräuchten einfachere Währungsbedingungen, sondern auch andere Volkswirtschaften, die Teil der globalen Maschine sind“, zitiert finanzen.net den Senior Fixed Income Portfoliomanager bei London & Capital Rabbani Wahhab, der mit  dem US-Nachrichtensender CNBC sprach.

Die mehrheitliche Lockerung der Geldpolitik signalisiere laut finanzen.net, dass die Zentralbanken erhebliche Sorgen hinsichtlich der wirtschaftlichen Aussichten, sowohl im In- als auch im Ausland, hegen. Die geldpolitischen Maßnahmen würden ergriffen, um einem Abschwung entgegenzuwirken und die Wirtschaft anzukurbeln.

„Die allgemeine Sorge der globalen Zentralbanker ist die Disinflation, die an sich oft ein Vorbote für die Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit ist“, so Wahhab gegenüber CNBC. Er geht außerdem davon aus, dass weitere Zentralbanken den historisch niedrigen Zinsniveaus anschließen werden.

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