Start Politik Ausland Menschenrechtsverletzungen in China Situation der Uiguren: Muslimische Öffentlichkeit nicht ausreichend informiert

Menschenrechtsverletzungen in China
Situation der Uiguren: Muslimische Öffentlichkeit nicht ausreichend informiert

"Der Druck der Straße muss daher wachsen. In denjenigen muslimischen Ländern, die ich kenne, vor allem Indonesien und Iran, aber auch Nordafrika, ist die Öffentlichkeit nicht ausreichend informiert, oder sie wird, wie dieses Beispiel zeigt, gezielt desinformiert. Es ist die Pflicht eines jeden Muslims, die Wahrheit zu verbreiten." Ein Kommentar.

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Von Prof. Dr. Hans-Christian Günther
Die Jakarta Post, die zu Anfang dieses Jahres einen Artikel von mir über die Situation der Uiguren abgelehnt hat, stattdessen einen des chinesischen Botschafters in Indonesien veröffentlichte,

hat am vergangenen Donnerstag einen Bericht über die Antwort der chinesischen Regierung auf eine Anfrage des indonesischen Außenministeriums zur Situation der Muslime in Xinjiang veröffentlicht.

Veranlasst war diese Anfrage durch eine Protestwelle in Indonesien gegen die chinesische Unterdrückung des Islam, nachdem die Ulema Indonesiens die Regierung aufgefordert hatte, China zur Rede zu stellen. Der Vizepräsident hatte dies abgelehnt.

Der Artikel zeigt dasselbe Foto, wie der erwähnte Artikel des Botschafters (die Auswahl an geeigneten Fotos scheint gering), ein Foto mit tanzenden Uiguren vor der zentralen Moschee von Kashgar. Dieses Bild soll beweisen, dass die Uiguren die volle Religionsfreiheit genießen und am Eid-Fest diese Freiheit sogar mit Tänzen vor der Moschee feiern können.

Als ich Kaschgar besuchte, war ich täglich auf dem Platz vor der Moschee und auch fast täglich in der Moschee. Damals war sie stets mit Gläubigen gefüllt, zu den Gebetszeiten sogar überfüllt. In Urumqi habe ich gesehen, dass die Moscheen am Freitag so voll waren, dass viele Menschen auf der Straße davor beteten.
Die zentrale Moschee Kaschgars ist inzwischen für das Gebet geschlossen. Der Halbmond wurde durch eine chinesische Fahne ersetzt. Sie ist nur noch für Touristen zugänglich. Vor dem Gebetsraum hängt ein Bild Xi Jinpings.
Die Fotos oben sind von einem australischen Touristen, der diese 2018 gemacht hat. Er hat mir erlaubt, aus seinen Fotos einen Bildband zu erstellen.
Moscheen in Urumqi sind inzwischen ebenfalls leer. Der australische Tourist war – da er den Hintergrund zunächst nicht kannte – erstaunt über die leeren Straßen und die geschlossenen Häuser (ein Bericht der BBC zeigt dasselbe). Ich habe den zentralen Platz in Kaschgar noch nie so leer gesehen wie auf allen Fotos des Australiers.
Dass eine Zeitung eines muslimischen Landes so etwas wie die Jakarta Post veröffentlicht, ist ein Skandal. Inzwischen bewegt sich allerdings die Straße in der muslimischen Welt: in Pakistan, Bangladesch, Kasachstan, Kirgisistan und massiv in Indonesien. Die Reaktionen der Regierungen sind – mit Ausnahme Malaysias – allerdings immer noch unbefriedigend.
Der Druck der Straße muss daher wachsen. In denjenigen muslimischen Ländern, die ich kenne, vor allem Indonesien und Iran, aber auch Nordafrika, ist die Öffentlichkeit nicht ausreichend informiert, oder sie wird, wie dieses Beispiel zeigt, gezielt desinformiert. Es ist die Pflicht eines jeden Muslims, die Wahrheit zu verbreiten. Muslimische Organisationen müssen die Straße mobilisieren, bis die Regierungen sich ihrem Druck nicht mehr entziehen können.
Die IUMS hat inzwischen eine angemessene Reaktion auf China gefordert, ebenfalls die Ulema (der Rat islamischen Gelehrter Indonesiens). Es wurden auch Demonstrationen organisiert.

Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

Zum Thema

– Kommentar –
Prof. Dr. Hans-Christian Günther zu Uiguren: Schande für gesamte muslimische Welt

Es ist Zeit, das sich etwas ändert. Und zwar schnell. Ich befürchte, für die Muslime in China wird es zu spät sein. Die Welt hat die Uiguren und ihre Kultur zum Abschuss freigegeben. Die schon fast abgeschlossene Vernichtung der Uiguren wird einmal – wie die Vernichtung der Juden, der Indianer, der australischen Ureinwohner – eine Schande nicht nur für ihre Mörder, sondern auch für die Welt sein, die dabei zugesehen hat, besonders für die Muslime.

Prof. Dr. Hans-Christian Günther zu Uiguren: Schande für gesamte muslimische Welt


Prof. Dr. Hans-Christian Günther

Geb. am 28.4.1957 in Müllheim / Baden

Professor für klassische Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität. Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung

Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.

Zahlreiche Publikationen und Gastprofessoren. Lange Aufenthalte in der VR China. Im Bereich der Altertumswissenschaft besonderer Schwerpunkt auf der politischen Dichtung der Augusteer und allgemein der Reflexion antiker Autoren auf ihre gesellschaftliche Stellung und Verantwortung Seit 2004 Tätigkeit im Bereich des Dialogs der Religionen und Kulturen mit zahlreichen Veröffentlichungen.

Ausgebildet in Freiburg und Oxford. Stipendiat der DFG und der Alexander von Humboldt -Stiftung. Gerhard Hess Preis der DFG.

Zahlreiche Publikationen (ca. 40 Bücher, u.a. Brill’s Companion to Propertius, Brill’s Companion to Horace) im Bereich der antiken Philosophie und Literatur, der Byzantinistik, Neogräzistik, modernen Literatur und Philosophie, Ethik und Politik. Zahlreiche Versübersetzungen aus dem Lateinischen, Italienischen, Neugriechischen, Georgischen, Japanischen und Chinesischen.

Lehrt regelmäßig in Italien, zahlreiche Gastaufenthalte in der Schweiz, Polen, Georgien, Indonesien, Iran, Seoul, Tokyo und vielen chinesischen Universitäten. Herausgeber mehrerer Buchreihen, im wissenschaftlichen Beirat zahlreicher wissenschaftlichen Zeitschriften.

 

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