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Türkei
Adana-Festival bricht Besucherrekorde

Eigentlich ist es ja vom offiziellen Titel her ein Karneval: Der sechste Internationale Orangenblüten-Karneval fand gerade im türkischen Adana statt. Aufgrund der sensationellen Besucherzahlen darf man ihn aber durchaus in die Kategorie Festival einreihen, oder noch besser: in die Elite-Klasse der Mega-Events.

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(Foto by Eray Kinay)

Von Klaus Jurgens

Adana setzt neue Festival-Besucher-Rekorde

Eigentlich ist es ja vom offiziellen Titel her ein Karneval: Der sechste Internationale Orangenblüten-Karneval fand gerade im türkischen Adana statt. Aufgrund der sensationellen Besucherzahlen darf man ihn aber durchaus in die Kategorie Festival einreihen – oder noch besser: in die Elite-Klasse der Mega-Events.

Diesen Montag wird das Organisations-Komitee zusammenkommen, um Fazit zu ziehen, aber eines ist sicher: Lange Gesichter wird es dabei nicht geben. Als NEX24 die Chance hatte, mit Ali Haydar Bozkurt – dem Mann der als Ideengeber, Gründer und somit Urheber des Karnevals nicht nur in Adana, sondern überall in der Türkei hoch geschätzt wird – zu einem persönlichen Gespräch vor Ort zusammenzukommen, gab es nur Hochrechnungen.

(Fotos by Eray Kinay)

Aber was man hörte, übertraf alle Erwartungen: Alleine zur Straßenparade mit anschließendem Open Air Konzert der bekannten Popgruppe Kıraç waren nach übereinstimmenden Schätzungen weit über 100.000 Menschen gekommen. Wenn man dann die über einhundert weiteren Veranstaltungen, die im Rahmen des Karnevals stattfanden, hinzurechnet, kommt man schnell in schwindelerregende Höhen; 100.000 ist also nur der erste Anhaltswert!

Nach weiteren Berichten war die Ausstrahlung so groß, dass im Prinzip ganz Adana und Umgebung zumindest zeitweise auf den Beinen waren; dann könnte man sogar von einer potentiellen Anziehungskraft von über einer Million Menschen sprechen.
Herr Bozkurt sagte mir, dass sich nunmehr ein Traum verwirklicht hätte; der Karneval werde von Jahr zu Jahr besser, größer. Als ich ihn vor vier Jahren ebenso hier im schönen Adana kennenlernen durfte, war er sich da noch nicht so sicher – der 2. Karneval war noch viel kleiner, und es war noch unsicher, ob es genügend Sponsoren geben würde, um weitere Veranstaltungen dieser Art auf die Beine zu stellen.

Mit unermüdlichem Fleiß haben er und sein ehrenamtliches (!) Team aber genau das geschafft – eine Mega-Veranstaltung, wo sich potentielle Sponsoren schon lange im Voraus zusammenfinden, um gemeinsam das Beste für die Stadt, die Region und im Prinzip auch für die gesamte Türkei zu bewerkstelligen.

Ali Haydar Bozkurt sagte uns auch, dass Adana eine Stadt der Harmonie sei, kosmopolitisch und weltoffen und dass der Karneval ein enormes Potential zur Tourismuswerbung und weiteren Ankurbelung der regionalen Wirtschaft habe.

Einige Beispiele: Es gab eine faszinierende Modenschau, auf der die schönsten Kleider-Designs mit dem Thema Blüten (und Bienen) ausgezeichnet und mit Preisen honoriert wurden. Man konnte zu Ausstellungseröffnungen von bekannten Künstlern gehen. Für alle Fans von Volkswagen wurde ein Treffen der VW-Fans organisiert. Die gesamte Innenstadt war im Sinne der Orangenblüte dekoriert, und es ist bestimmt nicht übertrieben zu sagen, dass Adanas Innenstadt mit ihrer sehr großen Fußgängerzone in ein gigantisches Freiluftausstellungs-, Flanier- und Verkaufszentrum umgewandelt wurde.

NEX24 nutzte ebenso die Gelegenheit, um mit Frau Doktor Seyda Andaç zu sprechen. Frau Andaç hatte zusammen mit einer Gruppe von 500 praktizierenden Ärztinnen aus der ganzen Türkei am Karneval teilgenommen. Diese beeindruckende Anzahl von Teilnehmerinnen, die alle dieselbe Gruppe oder Organisation repräsentieren, dürfte für sich selber genommen rekordverdächtig sein. Und dann gibt es da ihre Facebook-Gruppe, allerdings nur für Mitgliederinnen, die ebenso wie die Delegation, die nach Adana reiste, rein aus weiblichen Ärzten besteht und von Frau Doktor Figen Demir Kardeş ins Leben gerufen wurde.

Dort tauschen sich rund 12.000 Personen aktiv zu medizinischen Themen aus; man kümmert sich um Anfragen der Mitglieder, unterstützt bei medizinischen oder auch kosmetischen Problemen und Anfragen und greift auch jüngeren Menschen finanziell mit kleinen Zuschüssen für ihre Ausbildung unter die Arme.
Der gesamte sechste internationale Orangenblüten-Karneval, der nun zu Ende ist, zeigt, wie aktiv die türkische Zivilgesellschaft wirklich ist – ein Fakt, der im Ausland gerne absichtlich oder unwissentlich übersehen wird.

Die Ärztinnen aus der ganzen Türkei, die nach Adana reisten, sind eine tolle, aber eben auch nur eine von sehr, sehr vielen und unterschiedlichen Gruppen, Vereinen und Clubs, die jeden Tag ihren Beitrag zu einer noch besseren,  noch schöneren, noch erfolgreicheren Türkei leisten.

Als ich mich mit einem Handschlag und Lächeln von Ali Haydar Bozkurt verabschiedete, kam mir ein Gedanke: Mein Vorschlag für Sie, verehrte Leserinnen und Leser – streichen Sie sich den Monat April 2019 schon einmal rot im Kalender an, denn eines ist wohl sicher: Ser 7. Internationale Orangenblüten-Karneval wird wieder versuchen, neue Rekorde zu setzen. Schauen Sie einfach regelmäßig unter www.nisandaadanada.com nach!

 


Klaus Jurgens

Klaus Jurgens – London School of Economics Postgraduate Degree Government. Vormals Uni-Dozent Ankara, Schwerpunkt BWL und KMU. Über zehn Jahre vor Ort Erfahrung Türkei. Zur Zeit wohnhaft in Wien. Politischer Analyst und freiberuflicher Journalist.

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