Agentenkrimi am Bosposrus
Türkische Polizei nimmt russische Agenten fest – Planten sie Mord an Tschetschenen?

Die mutmaßlichen russischen Agenten, der 52-jährige Juri Anisimow und der 55-jährige Alexander Smirnow, wurden beim Sammeln von Informationen für eine weitere Exekution in Istanbul festgenommen.

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Istanbul (eurasia/nex) – Die mutmaßlichen russischen Agenten, der 52-jährige Juri Anisimow und der 55-jährige Alexander Smirnow, wurden beim Sammeln von Informationen für eine weitere Exekution in Istanbul festgenommen. Das berichtete die Tageszeitung Habertürk. Die russischen Spione, die es bisher ablehnten, bei Befragungen auszusagen, wurden bis auf Weiteres festgesetzt.

Am 1. November 2015 näherte sich Edelgirejew im Istanbuler Distrikt Kayasehir ein weißes Auto. Er wurde aus nächster Nähe angeschossen und von den Mördern niedergestochen. Polizeiermittlungen ergaben, dass das benutzte Auto 20 Tage vor dem Anschlag von einem russischen Staatsbürger namens Alexander Nasirow angemietet wurde, der am 11. September 2015 nach Istanbul reiste.

Zwischen dem 11. und 16. September mietete Nasirow jeden zweiten Tag zwei Autos. Die Autos wurden jeweils auf einem Parkplatz in der westlichen Provinz Yalova abgestellt. Nasirow wohnte allein in einem Istanbuler Hotel und verließ die Türkei schließlich am 16. September 2015. Er nahm einen Flug vom Atatürk-Flughafen in der Bosporus-Metropole zurück in die Russische Föderation.

Die Polizei verfolgte Nasirows Bewegungen in der Türkei. Dabei fanden sie heraus, dass sich die Agenten Anisimow und Smirnow in einem Hotel der Stadt Yalova aufhielten. Sie schliefen in separaten Zimmern und blieben vom 11. bis zum 13. September. Im Anschluss reisten beide von Yalova nach Istanbul weiter und nahmen verschiedene Hotels im Touristenviertels Sultanahmet zwischen dem 14. und 16. September. Schließlich verabredete sich Nasirow mit seinen Kollegen Smirnow und Anisimow unweit ihrer Hotels in Sultanahmet.

Eine offizielle Pressestellungnahme bezüglich der Ermittlungen zu den Russen gab es bislang nicht. In der Zwischenzeit teilten russische Behörden dem Nachrichtenportal RT, ehemals Russia Today, mit, sie stünden in Kontakt mit Anisimow und Smirnow.

Das russische Konsulat in Istanbul gab an, dass die zwei Männer die schwerwiegenden Anschuldigungen zurückwiesen. Ankara jedenfalls konfrontierte russische Diplomaten noch nicht mit Details im Zusammenhang mit den Anschuldigungen. Die Verdächtigen reisten am 4. April erneut nach Istanbul und mit einem Auto weiter nach Yalova. Die Polizei setzte das Duo bei ihrer Rückkehr von Yalova nach Istanbul letztlich fest. Dies geht aus Erkenntnissen von Habertürk hervor.

Ermittlungen ergaben, dass die russischen Agenten gefälschte Pässe benutzten, um in die Türkei einzureisen. Gefälschte Interpol-Identifikationen, eine Vielzahl an Fotos von russischen Staatsoffiziellen, ein USB-Speicherstick, fünf Handys mit verschiedenen Telefonnummern und US-amerikanisches Geld mit fortlaufenden Seriennummern wurden bei den mutmaßlichen Spionen durch türkische Sicherheitskräfte konfisziert.

Nach ersten Informationen, die dem USB-Stick entnommen werden konnten, machten die Verdächtigen Aufnahmen von Parkflächen, Kfz-Kennzeichen, Sicherheitskameras, Hotelzimmern und Räumen. Des Weiteren dokumentierten die mutmaßlichen Spione Bewegungen von Sicherheitskameras und schossen stündlich Fotos von Kamerapositionen. Derweil versuchen Experten, gelöschte Informationen auf dem USB-Stick wiederherzustellen.

Edelgirejew war eine bekannte und zentrale Persönlichkeit im Netzwerk des sogenannten Kaukasus-Emirats. Die Mitglieder der Organisation kämpfen für die Schaffung eines islamischen Emirats auf dem Territorium des muslimisch geprägten Nordkaukasus. Das Kaukasus-Emirat soll wiederum Beziehungen zum internationalen al-Qaida-Netzwerk pflegen.

Mehrere tausend Tschetschenen leben in Istanbul, wo es seinerzeit drei große Flüchtlingscamps für Tschetschenen, die vor den Kämpfen mit russischen Sicherheitskräften in den 1990er und 2000er Jahren im Nordkaukasus flohen, gab. Auch für tschetschenische Kämpfer und ihre Familien ist die Stadt zum Heimathafen geworden.

Kinder und Ehefrauen von tschetschenischen Kämpfern leben schon seit Jahren in der Metropole. Die Kämpfer kehren immer wieder zur medizinischen Versorgung zurück. Viele ehemalige Mitglieder des Kaukasus-Emirats fürchten inzwischen um ihr Leben. So sagte einer gegenüber dem britischen Nachrichtenportal „The Guardian“:

„Wir sind gezwungen, zahlreiche Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, leider.“

Edelgirejew wurde 1983 in der russischen Stadt Wolgograd geboren. Nach seinem Schulabschluss wollte er ein Jurastudium aufnehmen, doch es brach der zweite Tschetschenienkrieg 2000 aus. Seine Familie entschied, zurück in die Heimat, nach Tschetschenien, zu gehen. Drei seiner Brüder schlossen sich den tschetschenischen Rebellen an. Immer wieder griffen sie russische Kräfte an.

„Abdulwahid war kein Kämpfer, aber er wurde so oft von Sicherheitskräften verschleppt, die von ihm Informationen zu seinen Brüdern herauskriegen wollten, dass er schließlich entschied, dass es besser ist, in den Wald zu gehen“, verteidigte sein 71-jähriger Vater, Ali Edelgirejew, seinen Sohn. Dieser lebt nur zwei Blocks vom Todesort Abdulwahids in Istanbul entfernt.

 


Erschienen bei unserem Kooperationspartner eurasianews

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