Kampagne SUPPLY CHA!NGE
Orangensaft-Produktion: Die großen Discounter und ihre „Sklaven“ in Brasilien

"Für knapp 10 Euro Tageslohn müssen die ArbeiterInnen ungefähr 1,5 Tonnen Orangen täglich ernten. Der Sonne sind sie ungeschützt ausgesetzt, wenn sie die wackligen Holzleitern mit bis zu 30 kg schweren Säcken hoch und runter steigen.", fasst Sandra Dusch Silva die Recherche-Ergebnisse zu den Arbeitsbedingungen in Brasilien zusammen.

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Münster (ots) – Deutschland ist Fruchtsaft-Weltmeister und größter Abnehmer von Orangensaft aus Brasilien. Die heute veröffentlichte Studie der Christlichen Initiative Romero e.V. (CIR) und GLOBAL 2000 stellt die gesamte Orangensaft-Lieferkette von den Plantagen Brasiliens bis in die deutschen Supermärkte dar. Sie deckt prekäre Arbeitsbedingungen auf und liefert neue Erkenntnisse über die verheerenden Umweltauswirkungen der Orangensaft-Produktion.

„Für knapp 10 Euro Tageslohn müssen die ArbeiterInnen ungefähr 1,5 Tonnen Orangen täglich ernten. Der Sonne sind sie ungeschützt ausgesetzt, wenn sie die wackligen Holzleitern mit bis zu 30 kg schweren Säcken hoch und runter steigen.“, fasst Sandra Dusch Silva von der Christlichen Initiative Romero die Recherche-Ergebnisse zu den Arbeitsbedingungen in Brasilien zusammen.

„Die von wenigen internationalen Konzernen dominierte brasilianische Landwirtschaft ist extrem Pestizid-intensiv. In der Orangenproduktion werden dabei die größten Mengen Pestizide pro Hektar verbraucht“, ergänzt Martin Wildenberg, Umweltexperte der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000. „Dabei ist auch ein völliger Verzicht auf Pestizide im Orangenanbau möglich – wie bio-zertifizierte Betriebe überall auf der Welt beweisen.“

Joan aus dem Nordosten von Brasilien bei seiner Arbeit (Name von der Redaktion geändert) Foto: ci-romero.de
Joan aus dem Nordosten von Brasilien bei seiner Arbeit (Name von der Redaktion geändert)
Foto: ci-romero.deopäischen Union geförderten Kampagne SUPPLY CHA!NGE statt. Gleichzeitig zur Veröffentlichung der Studie startet das Kampagnenbündnis eine europaweite Petition, die europäische Supermärkte auffordert, für ihre Eigenmarken soziale und ökologische Standards zu implementieren. Der Aufruf ist ab dem 08.10.15 auf www.supplychainge.org geschaltet.

Hintergrund

Bereits im Jahr 2013 hatte die Christliche Initiative Romero e.V., damals gemeinsam mit der Gewerkschaft VER.DI eine Studie zu den Arbeitsbedingungen in der brasilianischen Orangensaft-Produktion vorgelegt. Das Urteil über die Entwicklungen der Branche von Studienleiterin Sandra Dusch sind empörend: „Trotz enormer Gewinne der brasilianischen Exportunternehmen und europäischer Handelsketten werden Plantagenarbeiterinnen und -arbeiter zu Bedingungen beschäftigt, die sich nur noch als moderne Sklavenarbeit bezeichnen lassen.“

Die Orangensaft-Industrie ist – in Brasilien wie in Deutschland – von einer enormen Konzernkonzentration gekennzeichnet. Obwohl die Hälfte des weltweit konsumierten Orangensaftes aus Brasilien stammt, betreiben aufgrund von Wettbewerbsverdrängung lediglich drei Großkonzerne Orangenanbau und Konzentrat-Gewinnung. Auch am Ende der Lieferkette stehen immer weniger Handelskonzerne, die in Deutschland Lebensmittel anbieten. Edeka, Rewe, Lidl/Kaufland und Aldi vereinigen 85 Prozent Marktanteil auf sich und diktieren damit indirekt die Arbeitsbedingungen von Millionen Beschäftigten.

Dabei ist die Produktion und der Verkauf von Eigenmarken eine zentrale Strategie der europäischen Handelsunternehmen: Anstatt Produkte eigenständiger Marken zu handeln, stellen Supermärkte verstärkt ihre eigenen Produkte her. In Europa werden 66% des Orangensaftes als Eigenmarken der Supermärkte und Discounter verkauft.

Bei einer Razzia auf der Orangensaftplantage im brasilianischen Avaré inspiziert der Regionalchef des Arbeitsministeriums, Luis Henrique Rafael, das Gelände.

Vom 07. bis 08. Oktober 2015 fand in Antwerpen der Juice Summit, das Wirtschaftstreffen der globalen Saftindustrie statt. VertreterInnen von Gewerkschaften kamen nicht zu Wort. „Es ist bezeichnend für die Verfassung der internationalen Saftindustrie, dass die Diskussion über die Zukunft der Branche unter Ausschluss von ArbeiterInnen und ihren VertreterInnen stattfindet“, sagt Sandra Dusch Silva.

Die Christliche Initiative Romero e.V. (CIR) setzt sich seit 1981 für Arbeits- und Menschenrechte in Ländern Mittelamerikas ein. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Unterstützung von Basisbewegungen und Organisationen in Nicaragua, El Salvador, Guatemala und Honduras sowie die Kampagnen- und Bildungsarbeit in Deutschland. Ziel ist, eine Brücke zwischen Ländern des Südens und Deutschland zu schlagen. Im Sinne ihres Namensgebers, des 1980 ermordeten salvadorianischen Erzbischofs Oscar Romero, setzt sich die Christliche Initiative Romero gegen Ungerechtigkeitsverhältnisse ein und ergreift Partei für die Armen.

GLOBAL 2000 ist Österreichs führende, unabhängige Umweltschutzorganisation. Als aktiver Teil von Friends of the Earth International (FOEI) setzt sie sich für eine intakte Umwelt, eine zukunftsfähige Gesellschaft und nachhaltiges Wirtschaften ein.

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