Grexit
Griechenland: Türkische Lira als Zahlungsmittel immer beliebter

Auf Grund von Unsicherheit über die Zukunft des Euros im Land und angesichts massiver Kapitalverkehrskontrollen wird die türkische Lira zum beliebten Zahlungsmittel in Griechenland

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Griechenland (nex) – Auf Grund von Unsicherheit über die Zukunft des Euros im Land und angesichts massiver Kapitalverkehrskontrollen wird die türkische Lira zum beliebten Zahlungsmittel in Griechenland. Indessen wäre die Türkei von einem „Grexit“ nicht in starkem Ausmaß betroffen.
Immer mehr Griechen entdecken – neben der bulgarischen Leva – auch die türkische Lira als valides Zahlungsmittel im täglichen geschäftlichen Verkehr.
Angesichts der anhaltenden Unsicherheit über den weiteren Verbleib Griechenlands in der Eurozone, vor dem Hintergrund des durch Kapitalverkehrskontrollen eingeschränkten Zugangs zu Euros und angesichts der stockenden Zufuhr an liquiden Mitteln durch einen Rückgang der Touristenzahlen greifen vor allem immer mehr griechische Unternehmer zu den Währungen der Nachbarländer.
Wie die Financial Times jüngst berichtete, sei die Anzahl der Last-Minute-Buchungen für Griechenland gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um zwischen 30 und 40 Prozent gesunken. Da die Nachbarländer Griechenlands über frei konvertierbare Währungen verfügen und es kein Gesetz gibt, das Griechen verbiete, Geschäfte im eigenen Land in türkischer Währung abzuwickeln, sehen Unternehmen keinen Anlass, auf diese Option zu verzichten, so die FT.
Sollte es Griechenland bis Sonntag nicht gelingen, mit seinen europäischen Kreditgebern zu einer Einigung über eine weitere Kreditgewährung und die weiteren Bedingungen im Zusammenhang mit der Rückzahlung der Außenstände des schwer verschuldeten Landes zu erreichen, droht ein Austritt aus der Eurozone. Dieses mögliche Szenario sorgt auch in den Nachbarländern Griechenlands für Angst vor einer möglichen Destabilisierung.
Die Türkei sei jedoch auch im Fall eines „Grexit“ verhältnismäßig sicher, betonen Ökonomen. „Griechenland ist kein größerer Handelspartner“, erklärt der geschäftsführende Leiter des Think Tanks EDAM, Sinan Ulgen, in Istanbul gegenüber der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. Es könnten sich sogar mehr Investitionsmöglichkeiten für türkische Unternehmen im Nachbarland zu günstigeren Bedingungen ergeben, sobald sich die Wirtschaft wieder stabilisiert habe.
Auch der Ökonom mit Schwerpunkt Emerging Markets bei Capital Economics in London, William Jackson, stößt ins gleiche Horn. „Ich denke, die direkten Implikationen für die Türkei im Falle eines ‚Grexit‘ sind begrenzt“, so Jackson laut AA. „Die Handelsbeziehungen mit Griechenland sind eher wenig ausgeprägt, ebenso die direkten finanziellen Bindungen (mit Ausnahme der Tochterfirma einer griechischen Bank). So lange sich die Probleme auf Griechenland beschränken, ist es unwahrscheinlich, dass diese einen größeren Effekt auf die Türkei haben werden.“ Dies sei auch eine mögliche Erklärung dafür, dass sich die türkischen Finanzmärkte in den letzten Wochen trotz der Unsicherheiten rund um die Zukunft Griechenlands in der Eurozone relativ gut entwickelt hätten.
Etwa 20 türkische Unternehmen sind Statistiken der türkischen Regierung zufolge in Griechenland tätig. Das größte davon ist die Ziraat Bank, die dort etwa 90 Millionen US-Dollar investiert hat. Türkische Banken halten nur wenige griechische Titel und der türkischen Zentralbank zufolge gäbe es auch keine nennenswerten Engagements in Darlehen an Unternehmen in Griechenland. Das einzige nennenswerte Restrisiko für die Türkei wäre das Entstehen eines generellen Misstrauens gegenüber Schwellenländern

 

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