Türkei
Flüchtlingsstadt Kilis kommt nicht zur Ruhe: Vier Tote nach IS-Raketenbeschuss

Gaziantep (nex) – Vier von Syrien aus abgefeuerte Raketen der Terrormiliz IS haben die südosttürkische Stadt Kilis getroffen. Dabei kamen vier syrische Flüchtlinge, drei davon Kinder, ums Leben. Wie türkische Nachrichtenagenturen berichten, sollen die Raketen in einer Schule eingeschlagen sein. Die Stadt Kilis befindet sich an der Grenze zu Syrien. Auf der syrischen Seite befindet sich ein vom IS kontrolliertes Gebiet. Kilis war schon des Öfteren Ziel von Raketen, die von Syrien aus abgefeuert wurden. Bundeskanzlerin Angela Merkel plant, Kilis am 23. April zu besuchen.    

Türkisch als Amtssprache
Zypriotischer Politiker schlägt Türkisch als EU-Amtssprache vor – Britische Medien laufen Sturm

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London (nex) – Die jüngste Initiative Brüssels, Türkisch zu einer der offiziellen Amtssprachen der Europäischen Union zu machen, hat die britische Rechte in Alarmstimmung versetzt. So bezeichnet die Tageszeitung „Daily Express“ den Vorschlag als „Horror“ und als einen Versuch, „vollendete Tatsachen“ bezüglich eines EU-Beitritts der Türkei trotz vieler Vorbehalte in der Bevölkerung zu schaffen. Die der euroskeptischen U.K. Independence Party (UKIP) nahe stehende Zeitung brachte die Initiative ausschließlich in einen Zusammenhang mit dem EU-Beitrittsprozess. Tatsächlich hat der Schritt ungleich mehr mit der Tatsache zu tun, dass etwa zehn Millionen Türken als Einwohner von Mitgliedsstaaten unter der Jurisdiktion der EU stehen. Das entspricht der Einwohnerzahl Ungarns und stellt eine höhere Zahl dar als die Gesamteinwohnerzahl von 16 der 28 EU-Mitgliedsländer.
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Der Vorschlag, Türkisch zur Amtssprache zu erheben, kam vom griechisch-zyprischen Präsidenten Nicos Anastasiades. Das Europäische Parlament hat sich am 14. April mit 375 gegen 133 Stimmen für diese Initiative ausgesprochen. Zypern ist seit 1974 in einen griechischen und einen türkischen Teil gespalten, derzeit bemühen sich Unterhändler beider Seiten sowie der Schutzmächte Griechenland und Türkei, eine Wiedervereinigung der Insel auf den Weg zu bringen. Die internationale Gemeinschaft betrachtet den griechischen Teil Zyperns als Rechtsnachfolger des 1960 gegründeten und 2004 in die EU aufgenommenen Staates, der zuvor britische Kolonie war. Die Türkische Republik Nordzypern (TRNC), deren Bevölkerung sich aus 313 000 zyprischen Türken und 150 000 türkischen Staatsangehörigen zusammensetzt, wird nur von der Türkei diplomatisch anerkannt. Türkische Zyprer werden jedoch als EU-Bürger mit allen Rechten und Pflichten angesehen, obwohl ihr Territorium nicht unter der Kontrolle der griechischen Administration in Nikosia steht. Anastasiades und der türkisch-zyprische Präsident Mustafa Akinci zeigten sich zuletzt optimistisch, bis Ende des Jahres 2016 eine Vereinbarung über einen Wiedervereinigungsprozess der Insel auf den Weg bringen zu können. Die Kosten für die Erhebung des Türkischen zur Amtssprache sollen bei 31 Millionen Euro liegen, schreibt der „Daily Express“ weiter, auch das sei ein „Beweis“ dafür, dass die Türkei auf jeden Fall in die EU aufgenommen werden sollte. Der Gesamtetat der EU liegt bei 155 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten und 144 Milliarden an Zahlungen. Am 23. Juni wird Großbritannien über einen möglichen EU-Austritt abstimmen. Einen Beitritt der Türkei, die den fünftgrößten Handelspartner der EU darstellt, als Schreckgespenst zu verkaufen, soll den Austrittsbefürwortern auf den letzten Metern noch einmal zusätzlichen Auftrieb geben. Neben Millionen türkischer Einwanderern, die in den 1950er und 1960er Jahren nach Europa gekommen waren, um dem Arbeitskräftemangel gegenzusteuern, lebt eine große Anzahl an Türken als Teil der autochthonen Bevölkerung in Griechenland, Bulgarien und Rumänien sowie den möglichen Beitrittsländern Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Mazedonien und Serbien.

Neue Tragödie im Mittelmeer
„Festung Europa“: Mehr als 400 Menschen im Mittelmeer ertrunken

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Kairo (nex) – Zu einer weiteren Tragödie im Mittelmeer soll es dem staatlichen italienischen Rundfunk RAI gekommen sein, als ein Flüchtlingsschiff mit mehr als 400 Menschen darauf auf hoher See gekentert sei. Nur 29 Insassen von vier Booten hätten überlebt. Die Opfer stammten aus Somalia, Eritrea und Äthiopien. Wie die „Zeit“ berichtet, habe das UN-Flüchtlingshilfswerk zwar den Vorfall als solchen bestätigt, aber noch keine Aussage zur Zahl der Opfer getroffen. Es handelte bei der Katastrophe um das mutmaßlich größte Unglück auf dem Mittelmeer seit einem Jahr, als vor Libyen in einem Abstand von wenigen Tagen zwei Boote gekentert waren und insgesamt mehr als 1000 Menschen dabei ums Leben gekommen sein sollen. Seit die EU die Verbringung von Schiffen der EU-Mission Eunavfor Med ins Mittelmeer veranlasst hatte, war die Zahl der Todesopfer bei Unglücken mit Flüchtlingsbooten zurückgegangen. Auch der vermehrte Zustrom von Flüchtlingen über den Landweg hat die Zahl ertrunkener Menschen im Mittelmeer reduziert. Die Verschärfung der Grenzkontrolle und das von der EU angestrebte Rücknahmeabkommen mit der Türkei scheinen jedoch wieder mehr Flüchtlinge dazu zu veranlassen, den gefährlichen Weg über das Mittelmeer zu nehmen. Italienische Rettungskräfte hätten des Weiteren auf einem im Mittelmeer vor der libyschen Küste in Seenot geratenen Boot sechs Leichen gefunden, so die „Zeit“. Weitere 108 Einwanderungswillige konnten demnach gerettet werden, nachdem es ihnen gelungen war, einen Notruf abzusetzen. Ob ein Zusammenhang mit der aktuellen Katastrophe besteht, ist noch unklar. Die Flüchtlinge sollen nach Sizilien gebracht worden sein.

Pilotprojekt gegen Steurflucht
DIHK begrüßt internationales Pilotprojekt gegen Steuerflucht

Osnabrück (ots) – Der Deutsche Industrie-und Handelskammertag (DIHK) gibt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Rückendeckung bei seinen Bemühungen, weltweit Steuerflucht zu bekämpfen. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer, die Initiative Deutschlands und vier weiterer großer EU-Länder, mit dem Austausch von Daten aus Firmenregistern so rasch wie möglich zu beginnen, sei ein richtiger Schritt. Nur internationale Lösungen legten Steueroasen trocken. Letztlich komme es aber darauf an, dass sich alle Länder beteiligten. „Sonst besteht am Ende die Gefahr von Wettbewerbsnachteilen für hiesige Unternehmen“, sagte Schweitzer. Schäuble und die Finanzminister aus Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien hatten zuvor in Washington vereinbart, in einem Pilotprojekt mit dem automatischen Austausch von Daten über die „wirtschaftlich Begünstigten“ von Unternehmen so schnell wie möglich zu beginnen. So soll rasch die Transparenz auch anonymer Briefkastenfirmen erhöht werden. Der DIHK-Präsident warnte vor „Pauschalurteilen“ gegen Briefkastenfirmen. Nicht jede von ihnen diene der Steuerflucht. „Manches Unternehmen nutzt dieses Instrument, um unbemerkt von Wettbewerbern Gelder zu sparen, die sie für Investitionen brauchen“, erklärte er.

Islamverbot
Jetzt wird es ernst für Muslime: AfD will Islam aus der Öffentlichkeit verbannen

Berlin (nex) – Wie die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ berichtet, will die AfD mit einem „entschiedenen Anti-Islam-Kurs“ in die nächste Bundestagswahl gehen. Laut „FAS“ will die AfD diesen Kurs auf dem anstehenden Parteitag in Stuttgart beschließen.

Der Islam sei mit dem Grundgesetz nicht vereinbar, so von Storch. Der Islam als Religion solle als mit der freiheitlichen Verfassung unvereinbar beschrieben, Symbole des Islams sollten aus der Öffentlichkeit verbannt werden.

„Der Islam ist an sich eine politische Ideologie, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist“, so Vize-Parteivorsitzende und Europa-Abgeordnete Beatrix von Storch gegenüber der „FAS“.

„Wir sind für ein Verbot von Minaretten, von Muezzins und für ein Verbot der Vollverschleierung“, so Storch weiter. Moscheen solle man streng kontrollieren, jedoch wegen des Rechts auf Religionsausübung nicht verbieten.

Fraktionschef der AfD in Brandenburg und ebenfalls Vize-Parteichef Alexander Gauland äußerte sich ähnlich.

„Der Islam ist keine Religion wie das katholische oder protestantische Christentum, sondern intellektuell immer mit der Übernahme des Staates verbunden. Deswegen ist die Islamisierung Deutschlands eine Gefahr“, sagte Alexander Gauland der „FAS“.

Islamophobie
USA: Kopftuchträgerin wird gezwungen Flugzeug zu verlassen

Washington D.C (nex) – Eine Muslimin soll am vergangenen Freitag aufgefordert worden sein, das Flugzeug der Southwest Airlines, das von Washington D. C. nach Chicago fliegen sollte, zu verlassen, nachdem sie einen anderen Gast gefragt haben soll, ob sie ihre Sitzplätze tauschen könnten. Nach einem Bericht des britischen Nachrichtenportals „Independent“ soll Hakima Abdulle, eine somalischstämmige Muslimin mit Kopftuch, ohne jede Erklärung aufgefordert worden sein, das Flugzeug zu verlassen, weil eine Flugbegleiterin sich dabei „unbehaglich gefühlt“ haben soll, als die Passagierin mit einem anderen Gast die Sitzplätze getauscht habe. Die Flugbegleiterin sei an Abdulle herangetreten und habe gesagt, es sei nicht gestattet, Sitzplätze zu tauschen, obwohl in den Flugzeugen der Southwest Airlines die freie Sitzplatzwahl angeboten wird. Als die Polizei die Flugbegleiterin am Gate nach dem Grund fragte, weshalb Abdulle das Flugzeug verlassen musste, sei erstere nicht in der Lage gewesen, eine begründete Erklärung abzugeben, sondern habe lediglich „ihr Unbehagen“ gegenüber der Passagierin anführen können. „Da keine einleuchtende Erklärung abgegeben wurde, warum diese muslimische Passagierin in Gegenwart anderer Fluggäste aus dem Flugzeug entfernt wurde, sehen wir uns gezwungen, Untersuchungen hinsichtlich der Feststellung einer möglichen Voreingenommenheit in den Handlungen der Crew zu fordern“, erklärte Zainab Chaudry, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit des Rates für amerikanisch-islamische Beziehungen (CAIR). Southwest Airlines brachte ein Statement heraus, in dem es hieß, dass der Zwischenfall keinen rassistischen Hintergrund gehabt habe und ihre Mitarbeiterin „entsprechend den Handlungen der Kundin die richtigen Schritte eingeleitet hat“.

"Einfrierung der Ölförderung"
DIW erwartet leichten Ölpreisanstieg

Düsseldorf (ots) – Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet leicht steigende Ölpreise. „Es ist wahrscheinlich, dass sich die OPEC-Staaten einigen, die Ölförderung auf das Produktionsniveau vom Januar einzufrieren. Der Ölpreis ist derzeit stark spekulativ getrieben, sodass damit zu rechnen ist, dass der Ölpreis nach der Einigung und Ankündigung eher steigen wird“, sagte DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert der „Rheinischen Post“ zu den aktuellen Verhandlungen in Doha. Sollten der Ölpreis steigen, würde auch der Spritpreis leicht zulegen. Mit einem starken Anstieg rechnet Kemfert aber nicht: „Alle Ölländer produzieren derzeit überdurchschnittlich viel, die USA haben ihre Förderung mittels Fracking erhöht, der Irak und auch Russland produzieren ebenso überdurchschnittlich viel Öl. Ein Einfrieren der Ölförderung auf das Januar-Niveau wird den Überschuss kaum mindern, zumal der Iran plant, die Ölförderung auszuweiten. Entscheidend ist, was in den USA passiert, ob dort die Ölförderung aufgrund des niedrigen Ölpreises sinken wird.“

PKK-Terror
Minsterpräsident Davutoglu sagt vietnamesischer Polizistenwitwe türkische Staatsbürgerschaft zu

Ankara (nex) – Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte am vergangenen Freitag einer Vietnamesin, die mit einem türkischen Polizeibeamten verheiratet war, die türkische Staatsbürgerschaft zu. Der Ehemann Tansu Aydin wurde in der Provinz Diyarbakir von PKK-Terroristen aus dem Hinterhalt getötet. Dank der türkischen Staatsbürgerschaft wird die Witwe ein Monatsgehalt erhalten. Davutoglu wies die Behörden an, die Formalitäten für Vu Thuy Tuong Vi Les Antrag auf die Staatsbürgerschaft einzuleiten, nachdem er erfahren hatte, dass Vi Le aufgrund der fehlenden türkischen Staatsangehörigkeit die den Familien im Dienst gefallener Soldaten und Polizisten zustehende staatliche Rente nicht würde erhalten können. Aydin, der Verkehrspolizist war, wurde von PKK-Terroristen getötet, nachdem er im August letzten Jahres mit einer fingierten Unfallmeldung in einen Hinterhalt gelockt worden war. Laut türkischer Gesetzgebung hat ein Ausländer, der mit einem türkischen Staatsbürger drei Jahre verheiratet und es zum Zeitpunkt des Antrags auch immer noch ist, Anspruch auf Einbürgerung. Vi Le war jedoch zum Zeitpunkt des Todes ihres Ehemannes nur zwei Monate mit ihm verheiratet, was ihr den Zugang zur Rente verwehrte.
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Die PKK, die auch von den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft ist, hat im Juli letzten Jahres ihren 30-jährigen bewaffneten Kampf gegen die Türkei wiederaufgenommen. Seitdem verloren mehr als 350 türkische Sicherheitskräfte ihr Leben und Tausende Terroristen wurden landesweit und im Nordirak außer Gefecht gesetzt.

Flüchtlingslösungen
Türkische Stadt Kilis für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen

Kilis (nex) – Während man im ostdeutschen Clausnitz ankommende Flüchtlinge durch fremdenfeindliches Gejohle noch zum Weinen bringt oder aufgrund eines Flüchtlingsanteils im einstelligen Prozentbereich sich mit deutschlandweiten „Wir-sind-das-Volk-Spaziergängen“ Montag für Montag in Rage versetzt, macht eine kleine türkische Stadt, die dreimal so viele syrische Flüchtlinge aufnahm, als sie an Bevölkerung hat, international positiv von sich reden. Welt-Stars wie der irische Sänger Bono oder die US-Schauspielerin Angelina Jolie haben die Stadt schon besucht und in höchsten Tönen von ihr gesprochen. Angela Merkel und eine ausländische internationale Delegation werden am 23.4.16 in die Türkei reisen und Kilis sowie die geleistete Flüchtlingsarbeit inspizieren. Die Bevölkerung von Kilis bewirbt sich mit ihrem Beitrag zur Flüchtlingskrise um den Friedensnobelpreis. Der Abgeordnete für Kilis und stellvertretende Vorsitzende der regierenden Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP), Ayhan Sefer Üstün, hatte die syrische Grenzstadt, die er in der Großen Nationalversammlung vertritt, für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Der amtierende Gouverneur der Stadt, Süleyman Tapsız brachte seine Bewunderung für diese einzigartige Stadt in einem Schreiben, das an die Delegation gerichtet ist, zum Ausdruck. Nachrichtenexpress dokumentiert dieses Schreiben im Wortlaut „Sehr verehrte Damen und Herren, im Stadtzentrum leben gerade einmal 93 000 Menschen. Die Provinz selbst liegt im Südosten des Landes und teilt sich mit Syrien eine Grenzlänge von 111 km. Es ist die kleinste Provinz der Türkei, ihr Name – Kilis. Im politischem Tagesgeschäft dieser Welt hat sich diese kleine Provinz längst einen wohl verdienten Namen gemacht. Weit über ihre eigenen Kapazitäten hinaus war sie imstande, dreimal so viele syrische Flüchtlinge aufzunehmen, als sie an Bevölkerung hat. Es ist kaum mit Worten zu beschreiben, was diese kleine Provinz und ihre Einwohner seit Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien leisten. tuerkei.syrien.fluechtlinge.afad.nex24 Seit Kriegsbeginn suchen noch immer Tausende vom Krieg gezeichnete Menschen, Junge, Alte, Frauen, Kinder und Männer mit zum Teil weniger als der Kleidung auf ihrem Leib, zum Teil barfuß, Zuflucht in Kilis. Jeder dieser Menschen trägt seine eigene Geschichte vom Krieg in sich. Darunter auch ein achtjähriges kleines Mädchen, das sich gezwungenermaßen ohne seine Familie auf die Flucht begeben musste. Traumatisiert erzählt sie von ihren Erlebnissen wie: “Meine Eltern waren im Zimmer nebenan, eine Bombe fiel auf unser Heim. Ich sah, wie meine Eltern und mein kleiner Bruder in den Flammen dahinschmolzen. Ich konnte nicht einmal weinen. Ich kann es immer noch nicht.” Ein anderer Flüchtling erzählt, wie eine Bombe seinen linken Arm zerfetzte, und er zwischen all dem Rauch und Qualm nach Hause lief, aber dass da kein Zuhause mehr stand. Mit Hilfe seiner Nachbarn habe er es bis hierhin geschafft. Im Flüchtlingscamp von Öncüpınar leben mitlerweile 15 000 Flüchtlinge, zum Elbeyli-Camp haben es 25 000 geschafft, ins Zentrum von Kilis, wo 90 000 Menschen leben, haben es 130 000 Flüchtlinge geschafft. Doch das ist längst nicht alles. Der Gouverneur von Kilis hat das umgesetzt, was die Türkei seit Februar 2014 der EU vorschlägt. Kilis hat selbst eine Schutzzone für Flüchtlinge in Syrien eingerichtet und zusätzlich zehn Flüchtlingscamps aufgebaut, die für 100 000 Menschen eine Zuflucht gewährleisten. Seit fünf Jahren schon und ohne ein großes Aufheben zu machen oder gar sich zu beklagen, kümmert sich die Bevölkerung von Kilis um 230 000 syrische Flüchtlinge.
(Foto: afad)
(Foto: afad)
Man teilt sein Essen und lässt seine Gastfreundschaft spüren. In manchen alten Steinhäusern von Kilis, in denen dreißig bis vierzig syrische Flüchtlinge leben, sind im Laufe der Zeit Freundschaften gewachsen. Man begegnet sich mit Reife, Geduld und Achtsamkeit im Umgang mit dem Anderen. Niemand in Kilis nimmt Anstoß an der Sprache des Anderen, seiner Herkunft, Nationalität oder gar seiner anderen Religion. Auf den Straßen begrüßen sich vertraute Gesichter, Syrer und Türken lächeln sich freundschaftlich an und grüßen sich. Niemand wird hier ausgeschlossen, diffamiert oder gar diskriminiert. Warum auch? In der Tradition und dem Verständnis des “Ensar – Muhacir” der gemeinschaftlichen Hilfe für Hilfsbedürftige, haben die Bewohner von Kilis nicht nur einfach ihre Türen und Häuser für die Neuankömmlige geöffnet, sondern auch ihre Herzen.
(Foto: AA)
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Auf den Straßen von Kilis hört man längst sehr viel Arabisch. Das stört weder die Bevölkerung noch die Regierenden. Warum auch? Um derart viele syrische Flüchtlinge aufnehmen und sich um sie kümmern zu können, bedarf es eines gemeinschaftlichem Willens und sehr viel Organisationstalent. Das hat allen voran der Gouverneur von Kilis in die Hand genommen. Das gemeinsame Leben mit den Flüchtlingen ergab sich dann von ganz allein. Hand in Hand haben die verschiedenen Ministerien gearbeitet. Der türkische Katastrophenschutz AFAD hat gemeinsam mit dem Innen-, dem Außen-, dem Gesundheits-, dem Bildungs- und Familienministerium sowie dem türkischen Halbmond entscheidend zum Gelingen dieser neuen Aufgabe beigetragen. Wenn Sie die Bevölkerung von Kilis fragen, wie denn ihr Verhältnis zu den Syrern sei, bekommen Sie in der Regel immer nur eine Antwort und die zeugt von Reife und versetzt westliche Journalisten stets ins Staunen:
(Foto: aa)
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“Das Leid, das Menschen überall auf der Welt widerfahren kann, nimmt uns in die Pflicht, es motiviert uns immer wieder aufs Neue, gütig zu sein, uns des Hilfesuchenden zu erbarmen und mit diesen Menschen besonders behutsam umzugehen. Wir sind Erben einer Kultur, in der Geiz, Egoismus und Unbarmherzigkeit nie einen Platz hatten. Uns wurde stets gelehrt, an der Seite der Waisen, Bedürftigen und Unterdrückten zu sein. Wir sind stolz auf diese kulturellen Werte. Die Flüchtlinge, die in Kilis oder zum Teil in den Camps leben, sind nicht unsere Gäste, sie sind Miteigentümer unserer Häuser und Höfe. Jedes Baby, das hier geboren wird, ist auch unser Kind, jeder Soldat, der auf der anderen Seite fällt, auch unser Sohn. Wir können diesen Menschen, die mit ihren Kindern und Familien um ihr Leben fliehen, doch nicht sagen: ‚Kommt bloß nicht zu uns!‘ fluechtlinge.tuerkei.syrien Von unseren Ahnen haben wir gelernt und verinnerlicht, dass, wer seine eigene Würde nicht verlieren will, den Bedürftigen mit Achtung begegnen muss.” Bitte versetzen Sie sich für nur einen Moment in die Lage dieser Menschen. Vergegenwärtigen Sie sich, Sie müssten in ein fremdes Land fliehen und Sie wären in diesem Land nicht willkommen. Sie wären rassistischen Übergriffen ausgesetzt, hätten kein eigenes Dach über dem Kopf, dürften oder könnten nicht arbeiten, weil man Ihnen schlicht keine Arbeit gäbe. Vielleicht waren Sie in Ihrem Land ein gut situierter Bürger, vielleicht sogar ein Geschäftsmann, jetzt aber wären Sie auf Almosen angewiesen und langsam würde Sie das Gefühl beschleichen, nutzlos und ein Nichts zu sein. Wie würden Sie sich fühlen? Was würden Sie machen, wenn Sie verdammt dazu wären, hilflos, tagtäglich in die verweinten Augen Ihres Kindes blicken zu müssen? Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie Ihr Kind verlören, nur weil keine helfenden Hände es am Leben halten konnten? Sehen Sie, und damit all das den Flüchtlingen erspart bleibt, keiner hilflos leiden oder zusehen muss, ist die Bevölkerung von Kilis fest entschlossen, tatkräftig zu helfen. Es erfreut uns, dass die Menschen in den Camps ‚Öncüpınar‘ und ‚Elbeyli‘ von Kilis nicht in einfachen Zelten leben müssen. Sie bewohnen komfortable Container mit Warmwasserversorgung – rund um die Uhr und die Menschen werden medizinisch versorgt, erhalten drei warme Mahlzeiten am Tag und können sich weiter- und fortbilden. Hier sind wir traurige Zeugen von Assads Krieg. Unter den Verletzten, die ins Krankenhaus eingeliefert werden, befinden sich neben den Erwachsenen auch Kinder, die ein Bein oder einen Arm verloren haben. tuerkei.syrien.fluechtlinge.erdogan.nex24 Neben einem Kleinkind, das vom Knöchel ab seinen Fuß verloren hat, liegt auch eine Schwangere. Ihr Ungeborenes wurde von einer Kugel getroffen, es weiß, wie sich Krieg anfühlt, bevor es überhaupt geboren wurde. Im städtischen Krankenhaus von Kilis, das seit März 2012 über 700 000 Syrer versorgt hat, wurden unter anderem über 47 000 Flüchtlinge operiert. Neben all diesem Leid gibt es auch Erfreuliches. Elftausend syrische Babys haben hier in Kilis das Licht der Welt erblickt. Es ist an der Zeit die Leistungen der türkischen Regierung und die der Bewohner von Kilis entsprechend zu würdigen. Das psychologisch-soziale Hilfsangebot, Kitas, Vorschulen, Grund- und weiterführende Schulen, Sprachangebote sowie Einkaufsmöglichkeiten, Waschsalons, ein Notdienst für Strom- und Wasserversorgung, Pflasterwege, sichere Ein- und Zufahrten zu den Camps, digitalisierte Personalausweise sowie das monatliche Taschengeld von immerhin 85 Lira, welches regelmäßig ausgezahlt wird, sind nur einige wenige Beispiele dafür, die dazu beitragen sollen, das Leben der Flüchtlinge zu erleichtern. Für die gesamten Schulkosten schulpflichtiger Kinder, die verwaist oder Halbwaisen sind, kommt der Staat auf. Es wird sehr darauf geachtet, dass der Schulunterricht ohne Ausfälle stattfindet. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder, die entweder in den Camps oder im Zentrum der Stadt beschult werden, beläuft sich inzwischen auf 30 000. Es erfüllt uns mit großer Freude, wenn ausländische Beobachter, die diese Camps besuchen, immer wieder erstaunt feststellen, dass diese Einrichtungen einmalig auf der Welt seien. Die Türkei, die zur Versorgung dieser Menschen bislang über zehn Milliarden Dollar ausgegeben hat, hat vom Ausland nur einen Zuschuss von 417 Millionen Dollar erhalten. Somit kann man sagen, dass die türkische Bevölkerung 96% dieser Kosten selbst geschultert hat. Leidtragende des Krieges sind jedoch nicht nur Syrer. Auch Kilis und seine Bevölkerung wurden immer wieder von Bomben und Granaten getroffen. Raketen, die ins Stadtzentrum von Kilis fielen und sogar auf den Schulhof einer Schule, haben zahlreiche Einwohner das Leben gekostet und ebensoviele Bürger verletzt. Vermutlich wären manche anderen Länder, deren Bevölkerung durch den Krieg im Nachbarland selber zu Schaden kam, und die sogar Tote und Verletzte zu beklagen hätten, den Kriegsflüchtlingen gegenüber nicht ganz so freundschaftlich verbunden wie wir es trotz allem sind, denn das Volk von Kilis ist anders. Kein einziger Vorwurf, kein Gräuel gegenüber den Flüchtlingen, keinerlei Schuldzuweisung, denn für uns ist es – angesichts dieser menschlichen Tragödie – eine Frage des Anstandes, diesen Menschen gegenüber solidarisch zu sein. Wer zum Leid von zig Millionen Menschen in Syrien schweigt, wer tatenlos zusieht, wie Menschen nicht einmal mehr das Geringste zum Leben haben, die gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen, vor Krieg fliehen oder unter Trümmern sterben, von Raketen und Bomben getötet werden, macht sich mitschuldig an diesem Drama. Wir, die Bewohner von Kilis zumindest vertreten diese Auffassung. In dieser schwierigen Zeit ist es die Stadt Kilis, die wie keine andere Stadt dieser Erde Verantwortung gegenüber diesen Flüchtlingen zeigte. Und Kilis ist einzigartig. Die Zahl der Flüchtlinge, die sie aufgenommen hat, übersteigt längst die Zahl ihrer ursprünglichen Einwohner. Keine andere Stadt hat im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl so viele Flüchtlinge aufgenommen wie Kilis. tuerkei.syrien.fluechtlinge.kilis.erdogan Die Bevölkerung von Kilis, die ihre Speisen, Häuser und Schulen, Krankenhäuser und Parkanlagen, kurz: ihre Stadt mit den syrischen Flüchtlingen teilt, zeigt in der Summe Gastfreundschaft auf höchster Ebene, denn es sind ehrwürdige Bürger. Voltaire hatte es treffend formuliert, „Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun.” Tausenden Menschen dieser Erde wird tagtäglich großes Leid zugefügt. Um so dringender ist es, statt zu jammern und zu klagen, endlich Gutes und Sinnvolles zu tun. Es ist längst an der Zeit, uns an das zu erinnern, was uns Menschen ausmacht, die Menschlichkeit in uns. Es ist das Mindeste, wenn wir die integrative Leistung und den herzlichen Umgang dieser Stadt mit den Flüchtlingen entsprechend honorieren. Sowohl im Koran, dem Buch der Muslime, als auch in der Bibel, dem Buch für die Christen und im Alten Testament, das seine Gültigkeit für Juden hat, finden wir sinngemäß ein Zitat mit allgemeingültiger Aussage. Diese lautet, “Wer auch nur ein Menschenleben rettet, hat quasi die gesamte Menschheit gerettet.” Und genau aus diesem religiösen Grund ist unser Handeln motiviert. Dass wir den Hilfsbedürftigen – unabhängig von seiner Herkunft, seiner Sprache und seiner Religionszugehörigkeit – helfen, rührt von diesem religiösem Verständnis, das allen monotheistischen Religionen zugrunde liegt, her. Der bekannte Künstler, Alaattin Yavaşça, der selbst aus Kilis stammt, hat es in einem Lied, das er den Bewohnern von Kilis gewidmet hat, sehr treffend formuliert, “Sie sind bekannt für ihre Großzügigkeit, sind tapfer gleich Helden, ihre Gastfreundschaft und ihre Nächstenliebe legendär.” Einst hob auch der Gründer der Türkischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk, das Besondere dieser Stadt hervor. In seiner Dankesrede am 28. Oktober 1918, konstatierte er, “Als ich zum ersten Mal nach Kilis kam, war ich überwältigt von der außergewöhnlichen Klugheit und Reife seiner Bewohner. Und ich versichere Ihnen, so lange es solche Menschen gibt wie Sie, wird kein Leid geschehen und dieses Volk niemals untergehen. Mit meinen allerbesten Wünschen und Grüßen an die Bewohner von Kilis. Gouverneur von Kilis, Süleyman Tapsız  
Übersetzt aus dem Türkischen ins Deutsche, Zerrin Konyalıoğlu.

Saddam Husseins Anfal-Operation
Kurden gedenken weltweit des Anfal-Genozids – Hunderttausende flohen damals in die Türkei

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Kurdische Kinder erhalten Unterricht über Anfal-Genozid

Sulaimaniyya/Irak (nex) – Kurden auf der ganzen Welt gedenken diese Woche des 28. Jahrestages des Anfal-Genozids, bei dem verschiedenen Quellen zufolge 50.000 bis 180.000 Kurden von der Baath-Armee des Saddam-Regimes  getötet wurden. Nach offiziellen Angaben der kurdischen Autonomieregion soll nun Schülern tiefergehendes Wissen über die berüchtigte Kampagne, die immer noch im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung weiterlebt, vermittelt werden. Der damalige türkische Staatspräsident Turgut Özal öffnete Hunderttausenden Kurden die Grenzen und brachte sie in Flüchtlingslagern unter.


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Das Ministerium für die Anfal-Opfer teilte mit, dass Lehrer dazu aufgefordert werden sollen, den Genozid und seine Folgen für die Schulkinder zu thematisieren und diese mit historischen Fakten zu belegen. Ibrahim Muhammad vom Ministerium für die Anfal-Opfer erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Rudaw: „Wir haben sie dazu aufgefordert, über die acht Phasen der Anfal-Kampagne zwischen 1986 und 1988 zu sprechen, also darüber, wie die Gräueltaten begannen und ihr Ende nahmen.“
Die Anfal-Kampagne war ein Kreuzzug gegen die kurdische Widerstandsbewegung im Nordirak, den die irakische Regierung in den letzten Phasen des Iran-Irak-Kriegs durchführte.
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Die Kampagne hat ihren Namen der Sure al-Anfal im Koran zu verdanken, der von der damaligen irakischen Regierung als Codename für eine Reihe von systematischen Angriffen auf die kurdische Bevölkerung benutzt wurde, die zwischen 1986 und 1989 stattfanden und ihren Höhepunkt im Jahr 1988 erreichten. Ibrahim wies darauf hin, dass elf Dokumentensammlungen über die Anfal-Operation gefunden und ins Kurdische übersetzt worden seien. Sie würden bald der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, so der Mitarbeiter weiter. „Wir haben auch islamische Geistliche dazu aufgefordert, in ihren Freitagspredigten über die Anfal-Kampagne zu sprechen und so die Erinnerung daran aufrechtzuerhalten“, schloss er ab. Während der Anfal-Operation wurden fast 3.000 Dörfer zerstört und Tausende Familien vertrieben. Fast sämtliche kurdische Regionen waren Ziel der Genozid-Kampagne. Am schlimmsten betroffen war jedoch die Garmian-Region, wo ganze Gemeinden zerstört wurden und die Bevölkerung gewaltsam in den Südirak deportiert wurde, wo sie entweder hingerichtet wurden oder „verschwanden“. Allein vom Stamm der Barzanis sind mindestens 5.000 bis 8.000 Mitglieder deportiert und ermordet worden.