Keine Gnade für Wikileaks-Gründer
Schweden: Haftbehl gegen Assange bleibt bestehen

Von Peter Z. Ziegler  Basel (nex) – Das kleine Zimmer, das Wikileaks-Gründer Julian Assange in der Londoner Botschaft von Ecuador seit mehr als vier Jahren bewohnen darf, ist sicher nicht komfortabler als eine Gefängniszelle in Schweden. Vorerst muss er dort bleiben, denn die Justiz des Königsreichs Schweden weigert sich einen europäischen Haftbefehl gegen Assange aufzuheben. Unglaubwürdig – mit offensichtlich bösen Absichten, so sehen Millionen Kritiker die Entscheidung der schwedischen Justiz. Mit jedem Tag, den Assange im Asyl eingesperrt bleibt, sinkt weltweit das Image des früher so sympathischen Königsreichs. Die dortige Staatsgewalt hält an dem 2010 erwirkten europäischen Haftbefehl fest. Die Agentur AFP meldet aus Stockholm, der von Assange eingereichte Antrag zur Aufhebung des Haftbefehls werde abgewiesen, entschied das Berufungsgericht am heutigen Freitag. Der Vergewaltigungs-Verdacht gegen Assange bestehe fort, und es gebe die Gefahr, dass er sich einer juristischen Verfolgung und Verurteilung entziehe. Die Geschichte ist bekannt: Assange flüchtete sich im Juni 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London, nachdem er in Großbritannien alle Rechtsmittel gegen einen Antrag Schwedens auf seine Auslieferung ausgeschöpft hatte. Seitdem lebt er im Botschaftsgebäude auf beengtem Raum mit Bett, Computer und Balkonzugang. Sollte der Wikileaks-Gründer auch nur vor die Türe des Gebäudes treten, in dem die Botschaft residiert, will ihn die britische Polizei festnehmen und an Schweden überstellen. Für diesen Fall befürchtet Assange, von den schwedischen Behörden an die USA ausgeliefert zu werden, wo ihm wegen Geheimnisverrats eine langjährige Haftstrafe und möglicherweise sogar die Todesstrafe droht. Das Vorgehen der US-Streitkräfte bei den Kriegen im Irak und in Afghanistan. wurde durch die Aktivitäten von Assange jedermann bekannt. Der Zorn der US-Regierung und der NATO kannte kaum Grenzen. In den vergangenen Jahren publizierte Wikileaks hunderttausende geheimer Dokumente. Sitzt Assange erst einmal in Schweden in Haft, dann folgt das Auslieferungsgesuch der USA auf dem Fuss. Die Vergewaltigung, die Julian Assange vorgeworfen wird, ist eine höchst zweifelhafte Geschichte und das angebliche Opfer wirkt nicht unbedingt glaubhaft. Es geht um eine Bettgeschichte, anfänglich mit einvernehmlichem Sex, später soll die Frau ihren Liebhaber vergeblich zum Ende des Liebesspiels aufgefordert haben. Die schwedische Staatsanwältin hatte bereits vier Jahre Zeit, um Assange in der Botschaft von Ecuador zu vernehmen. Dazu war er stets bereit. Das lehnten die Schweden aus „staatspolitischen Gründen“ stets mit rechthaberischer Arroganz ab und verlangen bis heute partout, Assange solle zu ihnen nach Stockholm kommen. Das riecht förmlich nach bösen Absichten und vorauseilendem Gehorsam gegenüber den USA.  
Foto: wikimedia         

Großbritannien
Irak-Krieg: Britische Soldaten ließen irakischen Jungen ertrinken

London (nex) – Das britische Verteidigungsministerium teilte am Freitag sein „außerordentliches Bedauern“ über das Ertrinken eines irakischen Jungen mit, den während der britischen Besatzung im Jahr 2003 vier britische Soldaten gezwungen hatten, in einen Fluss zu springen. Ahmad Jabbar Kareem Ali war im Mai 2003, kurz nach dem Sturz des Saddam-Regimes, wegen Plünderungsverdachts verhaftet worden. Die Soldaten brachten den 15-Jährigen mit drei weiteren Festgenommenen zu einem Fluss im Südosten von Basra, um sie zur Strafe zu „durchnässen“. Der Junge konnte jedoch nicht schwimmen. Der in dem Fall ermittelnde britische Richter sah es als „klar erwiesen“ an, dass die britischen Soldaten Ahmeds Tod verursacht hatten. „Der Tod trat ein, weil er von den Soldaten gezwungen worden war, in den Fluss zu steigen, wo er, in Anwesenheit der Soldaten, ganz offensichtlich in Schwierigkeiten geriet und im Wasser unterging“, stellte der Richter George Newman in einem am Freitag veröffentlichten Bericht fest. „Ungeachtet der rechtswidrigen Behandlung des Jungen, der dazu gezwungen worden war, ins Wasser zu steigen, hätte sein Tod vermieden werden können, denn er hätte gerettet werden können und sollen, nachdem klar wurde, dass er strampelnde Bewegungen machte“, fügte er hinzu. In dem Bericht wird auch darauf hingewiesen, dass der Teenager „angegriffen und stark misshandelt wurde“, bevor er zu dem Fluss Schatt al-Arab gebracht wurde. „Dies war ein gravierender Zwischenfall, den wir außerordentlich bedauern“, erklärte ein Sprecher des britischen Außenministeriums und fügte hinzu: „Wir haben die Pflicht, allen Behauptungen von Fehlverhalten der britischen Soldaten nachzugehen, und wir werden aus Sir Georges Erkenntnissen unsere Lehren ziehen, um zu helfen, zu gewährleisten, dass derartiges nicht wieder passiert.“ Die Ergebnisse des Berichts werden keine Auswirkungen auf den Prozess von 2006 wegen Totschlags im Fall Ahmed haben, der mit einem Freispruch für die vier anonymen Soldaten endete.

71. UN-Generalversammlung
UNO: Türkei weltweit Nummer eins bei Aufnahme von Flüchtlingen

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Rabat (nex) -Wie der Leiter des UN-Informationszentrums in der marokkanischen Hauptstadt am gestrigen Donnerstag erklärte, hat die Türkei in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres mehr Flüchtlinge als jedes andere Land der Welt aufgenommen. „Die Türkei belegt bei der Aufnahme von Flüchtlingen weltweit den ersten Platz“, sagte Fathi al-Dababi während einer Pressekonferenz, die anlässlich des für den kommenden Montag geplanten UN-Gipfels zu Flüchtlingen und Migranten abgehalten wurde. „UN-Daten zeigen, dass die Türkei in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres mehr als 1.838.000 Flüchtlinge aufgenommen hat“, fügte al-Dababi hinzu. „Den zweiten Platz belegt Pakistan, das etwa 1,5 Millionen Flüchtlinge aufnahm, danach kommen der Libanon, der Irak, Äthiopien, Jordanien, Kenia, Uganda, der Tschad und der Sudan“, so der UN-Vertreter. Er teilte weiter mit, dass in jeder Minute 24 Menschen aus der ganzen Welt ihr Heimatland verließen. Al-Dababi wies auch auf die hohe Sterblichkeitsrate unter Migranten und Flüchtlingen hin und merkte an, dass sie oft Menschenhändlern ausgeliefert und anderen Gefahren ausgesetzt seien. Auf der Pressekonferenz am gestrigen Donnerstag betonte der Residierende UN-Koordinator Philippe Poinsot die Notwendigkeit, eine Lösung „für die großen Flüchtlings- und Migrantenströme zu finden, die ihr Land wegen Konflikten, extremer Armut und Ernährungsunsicherheit, Arbeitslosigkeit, Diskriminierung und anhaltender Menschenrechtsverletzungen verlassen“. „Zum ersten Mal wird ein Weltgipfel zur Erörterung dieses Themas gehalten werden“, erklärte er in Bezug auf den Gipfel in New York, auf dem die UNO-Generalversammlung voraussichtlich eine Reihe von ‚Verpflichtungen‘ zum Schutz von Flüchtlingen und Migranten verabschieden wird. „Sobald diese Verpflichtungen verabschiedet sind, sollen sie als New Yorker Erklärung bezeichnet werden“, heißt es dazu in einer Erklärung der UNO. „Die Staaten erklären darin ihre Solidarität gegenüber Menschen, die gezwungen sind zu fliehen, verpflichten sich auf die uneingeschränkte Wahrung der Menschenrechte von Flüchtlingen sowie Migranten und sagen Ländern, die von großen Flucht- und Migrationsbewegungen betroffen sind ihre uneingeschränkte Unterstützung zu.“ Die Türkei bietet aktuell über drei Millionen syrischen und irakischen Flüchtlingen Schutz, die vor dem Konflikt in ihren Heimatländern fliehen mussten.

Bischof Paul von Arabien
Schweizer Bischof: Europa lieber islamisch als religionslos

Von Peter Z. Ziegler  Basel (nex) – Hat ein katholischer Bischof aus der Schweiz das Christentum verraten, als er formulierte „Lieber ein islamisches als ein religionsloses Europa“? Die Reaktionen „besorgter Christen“ in der Schweiz sind jedenfalls eindeutig. Die Interviews mit Bischof Paul Hinder im Deutschlandradio und im katholischen Schweizer Medienportal kath.ch wurden zuerst wenig beachtet, doch dann publizierte das missionierende Webportal livenet.ch einen „Zwischenruf“ mit dem provozierenden Titel. Livenet bekennt sich nach eigenen Angaben „zur Glaubensbasis der Europäischen Evangelischen Allianz einem Zusammenschluss verschiedener Landes- und Freikirchen“. Es handelt sich also nicht gerade um Freunde der katholischen Kirche. Bischof Hinder ist ein Kenner der abrahamitischen Religionen und sein Wort hat Gewicht. Er amtet als „Bischof von Arabien“ direkt an deren Schnittstelle im Nahen Osten. Offiziell ist der 1942 im Thurgau geborene Kleriker „Apostolischer Vikar“ mit Sitz in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Dass dort überhaupt ein katholischer Bischof wohnen und amten darf, haben viele islamophobe Schweizer zunächst mit Kopfschütteln quittiert. Es folgten zornige Antworten wie diese, im Stil eines polternden Martin Luther: „Es war kommen zu sehen, dieser Verrat. Haben die Kleriker je Werte gehabt oder leben die nur mit Sprüchen auf anderer Leute Kosten, weil sie in ihrer Lebensunfähigkeit selbst nichts auf die Füsse gestellt bekommen?“ Bischof Hinder beschrieb in seinem Interview ein lebendiges Christentum in Arabien, dass manchem Landsmann die Schamröte ins Gesicht treiben musste. Einem Deutschen übrigens ebenso. Das Christentum werde dort von den Europäern aktiver gelebt als zuhause. Er mache sich Sorgen, dass Europa seine christlichen Wurzeln allmählich preisgebe. Denn das Erbe seiner christlichen Geschichte sei «nicht in Granit gehauen, sondern es kann verdunsten». Und dann wäre es besser, eine authentisch gelebte Religion zu haben – ob Christen, Muslime, Juden oder Hindus – als gar keine. Die folgenden Erläuterungen des Klerikers scheinen bereits im Proteststurm untergegangen zu sein. Wenn er davon spreche, dass ihm ein islamisches Land lieber wäre als ein religionsloses, habe er einen «positiven Islam» vor Augen. Hinder: «Der Islam hat einen ganzen Gürtel von Marokko bis China kulturell geprägt. Dadurch schuf er eine Grundsolidarität innerhalb des Islams. Ein Muslim war für den anderen primär ein Bruder oder eine Schwester.» Leider werde diese Grundsolidarität durch die Radikalismen jetzt aufgebrochen, stellt der Bischof fest. Der Islam müsse zudem sein Gewaltpotenzial noch aufarbeiten, wie es die Christen bereits getan hätten. So sensationell klang der Titel des „Zwischenrufs“ nun nicht mehr. Dann verpasste der Bischof seinen Mitchristen freilich noch eine kleine Ohrfeige. Er sei im Übrigen überzeugt, dass die Verunsicherung gegenüber Muslimen bei jenen Menschen am grössten ist, die sich ihrer eigenen «religiösen Position» nicht sicher sind. Die Angst lasse sich am besten abbauen, indem man die Menschen kennen lerne. So etwas hatte bereits Angela Merkel beim Staatsbesuch in Bern den Schweizern gesagt. Die belehrungsresistenten Schweizer Evangelikalen kontern freilich wie gewohnt mit missionarischen Parolen. Ihr Kommentar: „Nicht der Islam oder die Religionslosigkeit sondern lieber gleich das Richtige und den Chef: Jesus Christus, der Sohn Gottes und damit die Person, die sowieso der Herr über alles ist!“  

Istanbul
Türkischer Filmstar Tarik Akan tot

Istanbul (nex) – Wie ein Sprecher der Nazim-Hikmet-Stiftung mitteilte, erlag der türkische Schauspieler Tarik Akan am Freitag dem Krebs. Akan, der seit einiger Zeit wegen Lungenkrebs in Behandlung war, wurde 66 Jahre alt. Als einer der führenden Schauspieler der 1970er und 80er Jahre spielte er in über hundert Filmen und TV-Serien mit. 1982 erhielt er bei den Filmfestspielen von Cannes den Preis für den besten männlichen Schauspieler. Internationale Anerkennung erlangte er mit „Yol – Der Weg“, einem Film über den Militärputsch in der Türkei 1980. Tarik Akan, der mit bürgerlichem Namen Tahsin Tarık Üregil hieß, wurde am 13. Dezember 1949 in Istanbul geboren. Der aus einer Militärfamilie stammende Schauspieler verbrachte seine Kindheit in Erzurum und Kayseri. Nachdem er eine Rede in Deutschland gehalten hatte, wurde er während des Putsches im September 1980 für zweieinhalb Monate inhaftiert. Mit dem Buch „Anne Kafamda Bit Var“ (Mutter, ich habe Läuse), beschrieb Akan seine Zeit im Gefängnis. Der Schauspieler äußerte sich wiederholt kritisch über den türkischen Präsidenten Erdogan.

„Penne mit Tomatensoße“
Je ne suis pas Charlie: Italiener verklagen Charlie Hebdo

  Dortmund (nex) – Überlebende des Erdbebens vom 24. August in Mittelitalien haben die des Öfteren kontrovers diskutierte französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo wegen ihrer Darstellung der Tragödie verklagt. Das für ihre provokativen Cartoons bekannte Magazin stellte die Opfer des Erdbebens als Spezialitäten der italienischen Küche dar. Die Karikaturen wurden unter dem Titel „Erdbeben nach italienischer Art“ veröffentlicht. Eine Karikatur zeigt beispielsweise ein blutendes männliches Opfer und heißt „Penne mit Tomatensoße“. Auf einer anderen ist eine Frau zu sehen, die Makkaroni mit Käse darstellen soll. „Lasagne“ heißt die Karikatur, auf der mehrere Opfer unter ihren eingestürzten Häusern begraben sind. „Es ist eine makabre, taktlose und unfassbare Schmähung der Opfer einer Naturkatastrophe“, erklärte der Anwalt von Amatrice, Mario Cicchetti, gegenüber den Medien. Die kleine Berggemeinde war von dem Erdbeben besonders stark betroffen. Bei dem Erdbeben in Mittelitalien kamen fast 300 Menschen ums Leben, allein in Amatrice wurden 230 Leichen geborgen. Es besteht der Verdacht, dass Mafiaunternehmen an den Bauaufträgen beteiligt gewesen und Bauvorgaben missachtet worden sind. Nachdem die Empörung in Italien über die Karikaturen groß war, legte Charlie Hebdo nach und veröffentlichte eine weitere Karikatur mit dem Titel: „Italiener, nicht Charlie Hebdo hat eure Häuser gebaut, sondern die Mafia.“

Gaza-Blockade
Israels Blockade brechen: Frauenschiff auf dem Weg nach Gaza

Barcelona (nex) – Eine internationale Gruppe von Aktivistinnen ist mit einer Flottille von Barcelona nach Gaza aufgebrochen, um die Blockade Israels zu brechen. Etwa 20 Frauen aus verschiedenen Ländern wurden am Mittwochabend von jubelnden Menschenmengen verabschiedet. Die Ankunft in Gaza ist für Oktober geplant Der Bürgermeister von Barcelona, Ada Colau, war ebenfalls anwesend. Die zwei Schiffe mit Lebensmitteln und Medikamenten werden die Enklave voraussichtlich im Oktober erreichen, teilten die Organisatoren gegenüber den Medien mit. Auf ihrer Website heißt es, dass. ‚Das Schiff der Frauen nach Gaza‘ nicht nur die israelische Blockade brechen, sondern auch Solidarität bezeugen und dem palästinensischen Volk eine Botschaft der Hoffnung überbringen möchte“. Frauen aus aller Welt wollten „mit dem ‚Frauenschiff‘ auf den unbestreitbaren Beitrag der palästinensischen Frauen hinweisen, die in dem palästinensischen Kampf eine zentrale Rolle spielen“. Eine ähnliche Protestaktion im Jahr 2010 endete in einer Tragödie, als israelische Sicherheitskräfte Schiffe mit Hilfsgütern auf dem Weg nach Gaza stürmten und dabei zehn türkische Aktivisten töteten. Die mittlerweile fast ein Jahrzehnt währende israelische Blockade über dem Gazastreifen wurde seinerzeit verhängt, um Druck auf die dort regierende Hamas-Partei auszuüben. Durch die Blockade ist laut dem Weltbankbericht 2015 Gazas Bruttoinlandsprodukt um die Hälfte geschrumpft; des Weiteren führte sie zur höchsten Arbeitslosenrate der Welt. Die Einwohner von Gaza leiden seitdem unter schlechtem Zugang zu Grundversorgungseinrichtungen. Die meisten können die Enklave nicht ohne eine besondere Ausreisegenehmigung verlassen. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat die Blockade als eine „Kollektivstrafe“ bezeichnet.      

Demokratische EU
Gregor Gysi: „Dann ist die EU mausetot“

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Hemer/Bonn (ots) – Der langjährige Linken-Fraktionschef Gregor Gysi fordert vom EU-Gipfel in Bratislava eine „mutige Kehrtwende“. „Die Bürger empfinden die EU als unsozial, undemokratisch, bürokratisch und intransparent“, sagte der Linken-Politiker dem Fernsehsender phoenix. „Wir müssen endlich aufhören, ein Europa zu konstruieren, in dem die Regierungen untereinander kummeln, irgendein Recht beschließen und Parlamente nicht mehr befragen. Das geht nicht“, sagte Gysi weiter. Die EU müsse demokratischer und sozial gerechter werden. Große Gefahr sieht er auch in einem möglichen Wahlsieg von Front National-Politikerin Marine Le Pen im kommenden Jahr als französische Präsidentin. „Wenn dann noch ein Volksentscheid durchgeführt wird und sich die Mehrheit der Franzosen für einen Austritt aus der EU entschließt, dann ist die EU mausetot“, warnte Gysi. Zu seiner erneuten Kandidatur für den Bundestag 2017 sagte der Linken-Politiker: „Ich werde nicht der Spitzenkandidat. Ich habe ja die Verantwortung abgegeben. Aber ich werde meine eigene Rolle spielen.“

Weil die Empörung so gross war
Jetzt doch: Richter von Nizza bestätigen Burkini-Verbot

Von Peter Z. Ziegler  Basel (nex) – Ist die Empörung der besorgten Bürgerinnen gross genug, dann ist das Verbot von Burkinis gerechtfertigt. So sind zwei Urteile des Verwaltungsgerichtshofs Nizza zu interpretieren, die jetzt  ergangen sind. Sie sind die letzten in einer Reihe von juristischen Auseinandersetzungen um den islamischen Schwimmanzug für Frauen, die weltweit beachtet worden sind. Jetzt wird das Thema erneut aktuell. Der Anwalt der CFIC (Kollektiv gegen Islamophobie in Frankreich) kündigte auf Twitter an, dass er das Burkiniverbot erneut vor den Staatsrat bringen werde. „Es war die Kontroverse des Sommers, wir dachten, sie hat sich erschöpft, stattdessen fährt sie fort“ kommentiert die Regionalzeitung „Nice Matin“. Am 26. August hatte das Verfassungsgericht Frankreichs, der Staatsgerichtshof in Paris, das Burkiniverbot einer bestimmten Gemeinde an der Cõte d´Azur aufgehoben. Während in der Folge überall sonst in Frankreich die Gemeinden ihr Verbot entweder freiwillig annullierten oder die örtlichen Verwaltungsgerichte – dem Urteil des Staatsgerichtshofs folgend – das Verbot aufhoben, blieben Politiker und Richter des Bezirks Nizza beratungsresistent. Gerade dort sind die Bürgermeister und Parlamente von der rechtsradikalen Front National (FN) oder von konservativen Republikanern bestimmt. Beide wollen unisono mit den Ängsten der Bürger als Folge der Terrorattacke vom 14. Juli Stimmen sammeln. Die Zahl der Leserkommentare in den Medien an der Rivièra gibt ihnen scheinbar Recht. Diese zeigen deutlich, dass die Entscheidung aus Paris bei „Volkes Stimme“ nicht gut ankommt. Das Verwaltungsgericht Nizza hat jetzt das Burkiniverbot der beiden Badeorte Cagnes-sur-Mer und Vallauris Golfe-Juan aufgrund offensichtlich fabrizierter  Beweise der verklagten Gemeinden für gültig erklärt. Zuvor waren am 9. September 2016 in einem „letzten Paket“ die Verbote dieser beiden Gemeinden sowie jene von Saint-Jean-Cap-Ferrat, Théoule-sur-Mer und Saint-Laurent-du-Var öffentlich erörtert worden. Zwei Gemeinden zogen ihr Verbot noch vor einem Urteil zurück. Im Fall von Saint-Laurent-du-Var folgten die Verwaltungsrichter dem Staatsgerichtshof und hoben das Burkiniverbot auf. Die allgemeinen Sorgen und Ängste vor Terroranschlägen rechtfertigten ein solches Verbot nicht. Da müssten schon konkrete Gründe genannt werden. Anders entschieden die Richter in den zwei verbliebenen Fällen. Sie bezogen sich auf die Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof wo wiederholt gefragt worden war, ob „Störungen der öffentlichen Ordnung“ durch das tragen religiöser Kleidung an den Stränden verursacht worden sei. Dies war nicht der Fall, und deshalb – so die höchsten Richter – sei eine „schwerwiegende Verletzung einer Grundfreiheit nicht gerechtfertigt. Anders sei dies in Cagnes-sur-Mer und Vallauris Golfe-Juan, folgerten die regionalen Richter. Der Bürgermeister von Cagnes-sur-Mer verteidigte seinen Erlass wortgewandt mit der Beschreibung einer „großen Auseinandersetzung “ und einem „ziemlich starken verbalen Austausch“ zwischen einer Familie, in der „zwei Mitglieder häufig Badeanzüge genannt ´burkinis´ trugen und anderen Strandbenutzern. Dieser Zwischenfall soll sich am 23. August ereignet haben. Der Anwalt der Stadt erklärte, dass der Bürgermeister am nächsten Tag den Auftrag wahrgenommen habe „die Sicherheit des gesamten Küstenbereichs seiner Gemeinde zu garantieren„. Das Gericht erachtete in der Folge das Burkiniverbot als „ geeignet, erforderlich und angemessen“. Die gleiche Situation in Vallauris Golfe-Juan: Hier soll sich am 12. August 2016 eine Gruppe von denBadegästen,„empört und Provokation schreiendgegen die Anwesenheit von zwei Frauen gewehrt haben, die in einer Djellaba und verschleiert, so dass nur ihre Gesichter zusehen waren, dem Schwimmen gefrönt haben„. Auch hier entschieden die Richter von Nizza, dass das Burkaverbot zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung diente. Kritiker der beiden Urteile sind sich einig: Wenn „besorgte Bürger“ laut genug schreien und empört genug protestieren, so ist die öffentliche Ordnung gefährdet und die Verfassung wird notfalls ausser Kraft gesetzt.

Kampf dem Kebap
Schweiz: Volksinitiative „Ja zum Kebabverbot“

Von Peter Z. Ziegler  Basel (nex) – Und wieder hat es ein Schweizer erfunden! Nach dem Minarettverbot und dem Burkaverbot soll das Volk nun über ein Kebabverbot abstimmen. Der PR-Profi Daniel Graf aus Zürich will folgenden Satz als Artikel 10a in die Bundesverfassung der Eidgenossenschaft schreiben lassen: „Niemand darf mit Fleisch gefüllte Brottaschen im öffentlichen Raum und an Orten konsumieren, die öffentlich zugänglich sind oder an denen grundsätzlich von jedermann beanspruchbare Dienstleistungen angeboten werden.“ Doch Vorsicht, Satire! Derzeit läuft auf Facebook ein Test. Ab 50’000 Likes soll laut Graf die Unterschriftensammlung für eine «echte» Volksinitiative gestartet werden. https://www.facebook.com/kebabverbot/ Daniel Graf regt sich auf, dass die rechtspopulistische SVP mit dem Thema Burkaverbot die öffentliche Diskussion dominiert. «Gegen ein Phantom wie die Burka haben wir keine Chance», erklärt er gegenüber der Boulevardzeitung BLICK. Wer sich zur Burka äussern wolle, müsse heute zwingend auch etwas zum Thema Terrorismus sagen. „Kebabs zerstören die Schweizer Esskultur!“ Dieses Scheinargument von PR-Mann Graf könnten wohl viele Sympathisanten der Rechtspopulisten unterschreiben: Weil aber auch einige Schweizer Rezepte gefüllte Brottaschen kennen, wurde an Ausnahmen gedacht. In Absatz 2 wird formuliert: „Diese umfassen ausschliesslich Gründe des einheimischen Brauchtums.“ Bei einer Umfrage des „Tagesanzeiger“ stimmten 54.5 % der Leser dem PR-Profi zu: mit der Initiative würde die Burkadiskussion als reine Symbolpolitik geoutet. 42.1% waren dagegen sauer: „Mit Volksrechten spasst man nicht“.