"Verdeckte Operationen"
Türkische Sicherheitskreise: „Deutsche Agenten planen neue Gezi-Aktionen“

istanbul (nex) – Der dubiose deutsche Aktivist Peter Steudtner, der bei dem Geheimtreffen im Hotel Ascot auf der Insel Büyükada vor Istanbul festgenommen worden war, soll den Teilnehmern Unterricht über Tarn-Maßnahmen und Geheimdienstpraktiken erteilt haben. Das berichten türkische Medien unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Steudtner, ein IT-Spezialist, habe Medienberichten zufolge den Teilnehmern des Tipps über die Vermeidung von staatlicher Überwachung gegeben.

Er habe des Weiteren vor IMSI-Catchern (International Mobile Subscriber Identity), so genannten Handyfängern, gewarnt, die von Geheimdiensten zum Abfangen von Anrufen und Nachrichten eingesetzt werden und den Teilnehmern erklärt, wie ihre Geräte IMSI-Catcher erkennen und so das Abgehörtwerden vermeiden können.

Er habe darauf hingewiesen, als Vorsichtsmaßnahme zum nächsten Treffen nicht mit demselben Handy zu erscheinen, da dieses anhand der IMEI-Nummer identifiziert werden könnten.

Er warnte auch die Teilnehmer des Meetings davor, sich von den regulären SIM-Karten fernzuhalten und stattdessen nicht zurechenbare, die auf dem schwarzen Markt verkauft werden, zu verwenden.

Wie türkische Medien unter Berufung auf Sicherheitskreise weiter berichten, würden die Aktivisten, die auf Büyükada von Sicherheitskräften nicht festgenommen worden sind, diese Tarn-Lektionen in den kommenden Tagen bei der Anstiftung zu Protesten wie Gezi vor vier Jahren anwenden.

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"Liste nicht freigegeben"
Fipronil-Skandal: Kritik an niederländischen Behörden aus Deutschland

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KAT-Vorsitzender Ripke: Niederlande haben keine Liste potenziell betroffener Betriebe freigegeben Osnabrück (ots) – Aus Deutschland wird Kritik an der Arbeit niederländischer Behörden im Fipronil-Skandal laut. Der europaweit größte Eier-Zertifizierer KAT kritisiert die schleppende Zusammenarbeit. Friedrich-Otto Ripke, Vorsitzender des Vereins für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Der Datenfluss aus den Niederlanden lässt deutlich zu wünschen übrig. Man muss überprüfen, ob so ein Verhalten überhaupt europarechtskonform ist.“ Eier-Zertifizierer sieht Aufklärung durch Nachbarland ausgebremst Laut Ripke haben die Behörden aus dem Nachbarland nach wie vor keine Liste potenziell betroffener Betriebe freigegeben. „Das verzögert die Aufklärung in Deutschland und lässt die Verbraucher im Unklaren. Das geht in so einer Situation gar nicht“, sagte Ripke. Dem Eier-Zertifizierer KAT gehören europaweit 2200 Legehennenbetriebe an, fast jedes Ei in deutschen Supermärkten kommt aus einem KAT-zertifizierten Betrieb.

Siemens-Deal
Trotz Urlaubs-Boykott der Deutschen: Siemens unterzeichnet Milliarden-Deal in der Türkei

Istanbul (nex) – Während deutsche Urlauber dieses Jahr die Türkei als Urlaubsziel boykottieren und den diesjährigen Sommer im Regen verbringen müssen, um damit angeblich den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf Grund von Menschenrechtsverletzungen zu einem Rücktritt zu bewegen, hat das deutsche Traditionsunternehmen Siemens in der Türkei heute einen Multimilliarden-Deal an Land gezogen. Wie die „Deutsche Welle“ unter Berufung auf türkische Nachrichtenagenturen berichtet, habe das deutsch-türkische Konsortium aus Siemens und Türkerler-Kalyon mit 3,48 Dollar pro Kilowattstunde den geringsten Preis bei der Ausschreibung geboten. Das Projekt sehe vor, in fünf Regionen des Landes Windturbinen mit einer Gesamtleistung von 1000 Megawatt zu bauen. In Anbetracht der über 200-jährigen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Türkei werde dieser Deal zu den deutsch-türkischen Beziehungen einen wichtigen Beitrag leisten, so der türkische Energieminister Berat Albayrak gegenüber Medien. Dem Bericht zufolge soll Siemens in der Türkei eine Fabrik zur Herstellung von Windturbinen errichten. Laut Ausschreibung müssten 80 Prozent der Ingenieure Türken sein. Das Konsortium soll mehr als eine Milliarde Dollar investieren. Wie die „Deutsche Welle“ weiter berichtet, sollen mit den Anlagen pro Jahr drei Milliarden Kilowattstunden Strom produziert werden, was für den Bedarf von 1,1 Millionen Haushalten ausreiche. Neben vier deutschen Unternehmen beteiligten sich an der Ausschreibung auch Konzerne aus den USA, Dänemark und China mit ihren türkischen Partnern. Bei den deutschen Konzernen handele es sich neben Siemens um die Unternehmen Nordex, Enercon und Senvion. Die Ausschreibung war Teil eines Projekts der türkischen Regierung zum Ausbau erneuerbarer Energien.

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ASEAN
China: Türkei erwartet bis zu 3 Millionen chinesische Touristen

Peking (nex) – Bei einem Treffen mit seinem chinesischen Amtskollegen in Peking betonte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu die Intensivierung der sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen China und der Türkei. Cavusoglu besuchte China vor seiner Reise in die Philippinen, wo er am Gipfel der Vereinigung der Südostasiatischen Nationen (ASEAN) in Manila teilnehmen wird. „Wir sehen Chinas Sicherheit als unsere Sicherheit an“, sagte der Minister auf einer Pressekonferenz mit Außenminister Wang Yi. „Wir werden nachteilige Handlungen gegen China in unserem Land oder der Region nicht zulassen.“ Türkei möchte die Zusammenarbeit auch in den Bereichen Bildung, Kultur und Tourismus stärken, so Cavusoglu weiter. „Wir hoffen, dass die Zahl chinesischer Touristen in den nächsten Jahren steigen wird“, sagte Cavusoglu. Man hoffe, dass drei Millionen der hundert Millionen Chinesen, die jährlich ins Ausland reisen, die Türkei besuchen werden. Nach seinem Halt in China wird der türkische Außenminister in die philippinische Hauptstadt Manila weiterreisen und dort die Außenminister von 26 Staaten treffen.

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"Förderung talentierter Zuwanderer"
Messerattacke in Hamburg: Zentralrat der Muslime fordert konsequente Abschiebung von Gefährdern

Heilbronn (ots) – Nach der gescheiterten Abschiebung des späteren Messerangreifers von Hamburg fordert Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Konsequenzen. Mazyek sagte der „Heilbronner Stimme“: „Ich finde, die Debatte über den Messerangriff in Hamburg geht etwas an der Sache vorbei. Zunächst finde ich es heroisch, wie die Helfer eingeschritten sind, und den Messerangreifer von weiteren Taten abgehalten haben. Das verdient unseren Respekt und Anerkennung. Mich wundert aber beim Thema immer mehr, dass hehre Absichten nicht umgesetzt werden und es keine Konsequenzen gibt. Es leben Menschen unter uns, die eigentlich keine Berechtigung dazu haben, zudem unsere Gesellschaft gefährden, die aber nicht konsequent abgeschoben werden. Es dauert oft Jahre, bis Konsequenzen gezogen oder Strafen ausgesprochen werden. Hier muss der Staat handeln.“ Mazyek fügte hinzu: „Es ist notwendig, genau zu analysieren, welche handwerklichen Fehler die Sicherheitsbehörden gemacht haben. Das gilt für den Fall Amri genauso wie für den Messerangriff von Hamburg. Das V-Leute-System muss grundlegend auf den Prüfstand und neu justiert werden. Der Täter von Berlin hätte nicht als V-Mann angeworben dürfen, sondern man hätte ihn abschieben müssen. Doch viel zu oft bleiben Fehler der Behörden ohne Konsequenzen, dabei wären diese notwendig, um ähnliche Taten zu verhindern. Wir müssen uns also nicht wundern, wenn wieder so etwas passiert.“ Mazyek mahnt in diesem Zusammenhang eine bessere Förderung talentierter Zuwanderer und Flüchtlinge an: „Zugleich gibt es zahllose engagierte und talentierte Zuwanderer, die wegen ihres unklaren Aufenthaltstitels keine Chance für den Berufseinstieg bekommen und ebenfalls auf Koffern leben. Es gibt Arbeitgeber, die gerne Flüchtlinge als Azubis übernehmen würden, sich aber nicht trauen, weil sie die Sorge haben, dass die Lehrlinge in ein, zwei Jahren wieder das Land verlassen müssen. Solange wir diesen Menschen keine Chance geben, müssen wir über das hehre Ziel Fördern und Fordern nicht reden. Wer in der Politik meint, es sei mit dem Aussprechen der Losung Fördern und Fordern getan, der hält Sonntagsreden. Auch die vielen talentierten und willigen Zuwanderer und Flüchtlinge verdienen unseren Respekt und Anerkennung.“ Es sei notwendig, so der Vorsitzende des Zentralrates, auch die Ursachen der Flucht stärker in den Fokus zu rücken. Mazyek: „Wir müssen mehr dafür tun, die Lage in den Herkunftsländern und den Erstaufnahmeländern wie Griechenland, Italien oder Libyen zu verbessern, das gilt ebenso und verstärkt für die Flüchtlingsstädte in Jordanien, Libanon und der Türkei, wenn die Weltgemeinschaft schon versagt, die Kriege endlich zu stoppen. Aber man muss doch nach Möglichkeiten suchen, menschenwürdige Verhältnisse zu organisieren! Wer sich hier engagiert, verdient ebenfalls Respekt und Anerkennung. Solange wir aber nicht handeln, solange müssen wir uns nicht wundern, wenn die AfD in Landtagen und demnächst vielleicht auch im Bundestag vertreten ist.“ Deutschland müsse mehr Anreize für diejenigen schaffen, die sich tatsächlich integrieren und Teil der Gemeinschaft werden möchten. „Den anderen müssen wir mit Sanktionen begegnen. Was nicht geht ist, die Menschen zu Empfängern von Hilfsleistungen zu konditionieren. Das führt nur zu Frustrationen oder zu Lethargie und bisweilen gleiten diese Leute in Kriminalität, Alkoholabhängigkeit oder Terrorismus über.“  

Biokonversion
Türkische Wissenschaftlerin: Fliegenlarven als Ersatz für chemische Düngemittel

Kocaeli (nex) – Wissenschaftler in der Türkei haben entdeckt, dass die schwarze Soldatenfliege die Antwort auf einige der größten Umweltprobleme des Landes sein könnte. Die Fliegenlarve kann schnell Biomüll fressen und diesen zu hochwertigem Biokompost verarbeiten, der Wissenschaftlern zufolge ein perfekter Ersatz für chemische Düngemittel wäre. Die Experten sind des Weiteren davon überzeugt, dass die schwarze Soldatenfliege und ihre Larven ein exzellentes Beispiel für nachhaltige Biokonversion seien, da die Larve als hervorragendes Viehfutter dienen könnte.
(Foto: AA)
„Dies ist ein geschlossener Regelkreis“, erklärt die Biologin Esra Serbes von der Kocaeli Universität gegenüber Medien. „Wir nehmen den Abfall und füttern damit die Larven. Dann verfüttern wir die Larven an Tiere wie Hühner. Dann essen wir die Hühner, der Rest stellt dann Abfall dar. Diesen geben wir erneut den Larven der schwarzen Soldatenfliege als Nahrung. Und dann werden sie wieder zu eiweißreicher Nahrung. Es ist also ein geschlossener Regelkreis.“  
 

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"Dollar-Ära"
Kommentar: Was steckt hinter der Russlandhetze der USA?

Von Ernst Wolff
Wenn es um Russland geht, werden amerikanische Politiker hysterisch. Egal, was auf der Welt geschieht – es gibt kaum eine negative Meldung, deren Ursache nicht umgehend Russland oder dem russischen Präsidenten zugeschrieben wird. Ob es sich um einen Flugzeugabsturz in der Ukraine, die Manipulation der Präsidentenwahl in den USA oder Massendoping bei internationalen Sportereignissen handelt – US-Politiker und US-Medien deuten sofort mit dem Finger auf Russland.
  Diese permanente Schuldzuweisung ist nicht neu: Gleich nachdem sie das nationalsozialistische Deutschland im Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit der Sowjetunion besiegt hatten, änderten die USA den Kurs gegenüber dem Verbündeten und eröffneten die jahrzehntelange Phase des „Kalten Krieges“. Wer immer in den USA auch nur ein positives Wort über die Sowjetunion fallen ließ, wurde in der „McCarthy-Ära“ der Fünfziger Jahre als „Kommunistenfreund“ verfolgt. Wer sich dem staatlichen Diktat nicht beugte, verlor – wie u.a. Charlie Chaplin – die US-Staatsbürgerschaft oder wanderte ins Gefängnis. Warum? Wieso wurde aus dem Verbündeten im Zweiten Weltkrieg plötzlich der Staatsfeind Nr. 1? Und wieso wird heute wieder solche Hetze gegen Russland betrieben? Das neue Finanzsystem: Die Diktatur des US-Dollars Die USA gingen aus dem Zweiten Weltkrieg als wirtschaftlich und militärisch stärkste Macht der Welt hervor. In Bretton Woods legten sie 1944 ein neues Weltwährungssystem fest, das den US-Dollar zur ersten globalen Leitwährung machte. Es gab nur eine wirtschaftlich bedeutende Nation, die sich dem Diktat des US-Dollars nicht unterwarf: die Sowjetunion. Sie ging sogar noch einen Schritt weiter und sorgte dafür, dass ihre Satellitenstaaten (die Länder des „Ostblocks“) dem Abkommen ebenfalls fernblieben. Damit wurde mehr als ein Sechstel der Erde dem Einfluss des US-Dollars und dem ungehemmten Export von US-Waren entzogen. Für die neue Supermacht USA Grund genug, den ehemaligen Verbündeten umgehend zum Feind zu erklären und mit Hilfe der Medien nach allen Regeln der Kunst zu verteufeln. Auch die amerikanische Rüstungsindustrie trug zum Kurswechsel bei: Da sie im Zweiten Weltkrieg gegeneinander kämpfende Kriegsparteien mit Waffen versorgt hatten, war sie zu einer Wirtschaftsmacht erster Ordnung angewachsen. Nach Kriegsende geriet sie schnell in die roten Zahlen und lechzte daher nach Absatzmöglichkeiten und weiteren Kriegen. Da gegenüber der eigenen Bevölkerung ein passendes Feindbild benötigt wurde, kam die Ablehnung des Bretton-Woods-Abkommens durch die Sowjetunion für die Rüstungsindustrie wie gerufen. Gegenwärtiges Ziel der USA: Das Ende der Dollar-Ära abwenden Nach der Auflösung der Sowjetunion 1991 und dem Zerfall der Ostblockregimes änderte sich das Bild. Amerikanisches Kapital konnte den europäischen Osten fast ungehemmt überschwemmen. Damit entfiel die Notwendigkeit, das Feindbild aufrechtzuerhalten. Doch mit der Zeit begannen Russlands neue Machthaber, ihre eigenen Interessen zu verfolgen und nicht mehr nach der Pfeife des US-Kapitals zu tanzen. Gleichzeitig zeigte sich der fortschreitende Niedergang der US-Wirtschaft, deren Arbeitsplätze im Rahmen der Globalisierung ins Ausland verlegt worden waren und die immer stärker dem Spekulationskarussell des Finanzsektors unterworfen wurde. Als erste Länder versuchten, sich der globalen Dominanz des US-Dollars zu entziehen, reagierten die USA mit eiserner Härte: Saddam Husseins Plan, Erdöl für Euro zu verkaufen, wurde mit einer Kriegserklärung an sein Land beantwortet, er selbst landete am Galgen. Gaddafis Vorhaben, einen goldgedeckten nordafrikanischen Dinar einzuführen, führte zur Verwüstung Libyens durch eine US-geführte Koalition und zu Gaddafis Ermordung. Hintergrund der extremen Reaktion ist die Tatsache, dass der Dollar bis heute der wichtigste Eckpfeiler der globalen US-Vorherrschaft ist. Sobald er fällt, ist es mit der weltweiten Wirtschafts- und Finanzdominanz der USA vorbei. Deshalb stemmt sich Washington mit aller Macht gegen jeden Versuch, den Einfluss seiner Währung zu beschränken. Genau hier liegt auch der Grund für die seit drei Jahren an Schärfe zunehmende Russland-Hetze: Russland hat sich nämlich 2014 erdreistet, mit China nicht nur einen Mega-Deal im Energiebereich abzuschließen, sondern auch anzukündigen, künftig sämtliche Geschäfte im chinesisch-russischen Handel direkt in Rubel und Yuan abzuwickeln. Beide Länder haben damit nichts anderes getan, als ihr international geltendes Recht als souveräne Staaten wahrzunehmen. Doch die USA haben eine lange Tradition, internationales Recht zu missachten, wenn es um eigene Machtansprüche geht. Russland und das mittlerweile wirtschaftlich übermächtige China haben in den Augen Washingtons einen Präzedenzfall geschaffen, der die Weltherrschaft des Dollars infrage stellt und weitere Länder ermutigen könnte nachzuziehen – und der damit das Ende der US-Dollar-Diktatur einläuten könnte. Da das US-Finanzsystem auf Grund riesiger Spekulationsblasen derzeit in allergrößten Schwierigkeiten steckt, ist nicht mit einem Nachlassen der Russland-Hetze zu rechnen. Im Gegenteil: Washington wird auch für die absehbaren weiteren Einbrüche im Wirtschafts- und Finanzsektor, zur Rechtfertigung seiner militärischen Aufrüstung und zur Begründung umfassender Sozialkürzungen dringend einen Sündenbock brauchen. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass wir demnächst erfahren, dass die Ursache für einen Kurssturz des Dow Jones, das Platzen neuer US-Immobilienblasen oder Kürzungen von Essensmarken für bedürftige US-Bürger nicht im US-Finanzsektor oder in Washington zu suchen sind, sondern – in den weiten Gefilden des 8.000 Kilometer entfernten Moskauer Kremls.

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Währungskrieg Erdogan sagt Dollar Kampf an: Türkei will Handel mit Lira und Rubel betreiben

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat am heutigen Sonntag erklärt, dass die Türkei Schritte unternommen habe, um ihren Außenhandel in ihrer Landeswährung zu betreiben

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Ernst Wolff ist freier Journalist und Autor des Buches “Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs“, erschienen im Tectum-Verlag, Marburg.
Dieser Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder und stellt nicht zwingenderweise den Standpunkt von nex24 dar.

Fußball international
Mircea Lucescu wird neuer Nationaltrainer der Türkei

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Istanbul (nex) – Nachdem Fatih Terim am 26. Juli entlassen wurde, hat der türkische Verband nun einen Nachfolger gefunden. Wie der türkische Fußballverband am Mittwoch bestätigte, übernimmt der Rumäne Mircea Lucescu den Trainerposten der Nationalmannschaft. Türkische Medien zufolge soll der 72-Jährige 2,5 Millionen Euro jährlich verdienen. Am kommenden Freitag werde er offiziell in Istanbul vorgestellt. Lucescu trainierte bereits die türkischen Mannschaften Galatasaray Istanbul und Besiktas. Die ukrainische Mannschaft Donezk führte er zwischen 2004 und 2016 achtmal zum Meistertitel und gewann 2009 im Finale gegen Werder Bremen den UEFA-Cup. Die türkische Nationalmannschaft soll der Rumäne nun zur WM 2018 führen.

EU-Türkei-Beziehungen
Juncker will an EU-Beitrittsgesprächen mit der Türkei festhalten

Köln/Brüssel (nex) – Trotz des angespannten Verhältnisses zur Türkei warnt EU-Kommissionspräsident Juncker vor einem Abbruch der EU-Beitrittsgespräche mit Ankara: „Ich bin der Meinung, dass sich die Türkei von der Europäischen Union schrittweise entfernt, manchmal auch in Riesenschritten“, sagte Juncker im Interview mit dem ARD-Europastudio Brüssel. Das habe er dem türkischen Präsidenten Erdogan auch ausführlich erläutert, so der EU-Kommissionschef. Junker stellt weiter klar, dass die EU mit einem Abbruch der Beitritts-Gespräche einen Fehler machen würde: „Jetzt die Last der Verantwortung auf die Europäische Union zu übertragen, anstatt sie in der Türkei zu lassen, hielte ich nicht für ein Beispiel gehobener Staatskunst.“ Die Europäische Union hatte Ende 2016 entschieden, keine neuen Kapitel mehr in den Beitritts-Gesprächen zu öffnen. Formal laufen sie aber weiter. Parallel dazu empfahl die EU-Kommission, mit Ankara über eine Ausweitung der Zollunion zu verhandeln. Doch Juncker stellt im ARD-Interview weitere Handelserleichterungen nun in Frage: „Ich bin mit mir selbst darüber im Zwiegespräch. Es sind aber in den letzten 18 Monaten so viele Ereignisse eingetreten, auch was die Freiheit von objektiv berichtenden Journalisten anbelangt. Daher will ich jetzt nicht sagen, dass wir das ohne Abstriche tun sollten“, sagte Juncker. Man sei mit der Türkei im „streitbaren Gespräch“ über diese Fragen.

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NEX24-Interview
Protest gegen Armenien-Resolution: Nach 21 Jahren aus CDU ausgetreten

Siegen (nex) – Am 31. Juli jährte sich zum 37. Mal der Mord an dem türkischen Botschaftsattaché Galip Özmen und seiner 14-jährigen Tochter Neslihan durch die armenische Terrororganisation ASALA. Im Jahr 1980 kamen an diesem Tag in Athen Özmen und seine Tochter bei einem bewaffneten Anschlag durch die ASALA ums Leben, während seine Frau Sevil Özmen und sein Sohn Kaan schwerverletzt überlebten. Der Mord an Özmen und seiner Tochter reihte sich ein in eine Spur blutiger Anschläge armenischer Terrororganisationen, die von den 70-er bis in die 90-er Jahre des letzten Jahrhunderts für hunderte von Todesopfern sorgte. Der erste Terroranschlag zielte auf Mehmet Baydar, den türkischen Generalkonsul in Los Angeles und seinen Stellvertreter Bahadir Demir. Die Morde wurden von einem Armenier namens Gurgen Yanikan im Jahr 1973 ausgeführt. Aus dieser einzelnen Aktion wurden dann in den nächsten Jahrzehnten organisierte terroristische Aktionen in 38 Städten von 21 Ländern. Von den 110 Terrorakten waren 70 Bombenattacken und 39 bewaffnete Angriffe, dazu gab es eine Botschaftsbesetzung.
Türkische Politiker, Medien und Blogger verhalten sich zu den Vorkommnissen im Osmanischen Reich bisher oft sehr passiv und reagieren erst, wenn von deutschen Medien und Politikern das Thema angesprochen wird. Selten haben sie die Initiative ergriffen, somit konnten türkische Standpunkte oft nicht zufriedenstellend vermittelt werden.
Der Siegener Politikwissenschaftler und Leiter des Forschungszentrums Südosteuropa und Kaukasus, Dr. Christian Johannes Henrich, hat bereits in seiner Doktorarbeit die westliche Einseitigkeit in der Bewertung der Ereignisse von 1915 in Ostanatolien kritisiert. Er ist 2015 aus Protest gegen die Armenien-Resolution des Deutschen Bundestages nach 21 Jahren aus der CDU ausgetreten. NEX24: Herr Dr. Henrich, was stört Sie an der Völkermord-Resolution des Deutschen Bundestages? Dr. Henrich: Es ist vollkommen unpassend, geschichtliche Ereignisse durch Politiker bewerten zu lassen – noch dazu die Geschichte eines anderen Landes. Es sitzt kein Wissenschaftler im Bundestag, der Experte zu diesem Thema ist. Es wurden auch keine Fachleute aus Armenien oder der Türkei zur Geschichte befragt. Allerdings haben wir 80 Rechtsanwälte im Bundestag, die alle die Grundlagen des juristischen Studiums vergessen haben, nämlich das strafrechtliche Rückwirkungsverbot von Gesetzen. Der Völkermord ist ein strafrechtlicher Tatbestand und wurde 1948 ins Völkerstrafrecht eingeführt. Natürlich kann man anführen, dass im internationalen Strafrecht andere Regeln gelten (siehe Nürnberger Prozesse); dass dann aber immer nur die Türkei angeklagt wird, nicht aber die Niederlande (Indonesien, 1965-1966), Belgien (Kongo, 1888-1908), Frankreich (u.a. Algerien, 1954-1962), die USA (Indigene Völker, um 1830), Großbritannien (Burenkrieg 1899-1902; Indien, 1857) und Deutschland (Herero und Nama 1904-1908), wirkt absonderlich. NEX24: Was ist Ihrer Meinung nach ein gangbarer Weg zur Aufarbeitung der Geschichte? Dr. Henrich: Aus meiner Sicht gibt es zwei Wege, einen juristischen und einen wissenschaftlichen. Auf dem juristischen Weg könnte Armenien oder ein anderes die Völkermord-These unterstützendes Land Klage vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag einreichen. Völkermord verjährt nicht. Allerdings haben bisher das Osmanische Reich, die Türkei und einzelne türkische Staatsbürger stets Gerichtsverfahren zu dieser Thematik gewonnen. Angefangen von dem Malta-Tribunal 1920 bis hin zum jüngsten Erfolg von Doğu Perinçek gegen die Schweiz vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg im Oktober 2015. Der zweite, wissenschaftliche, Weg ist eine internationale Historiker-Konferenz, wie sie die Türkei schon seit über 15 Jahren vorschlägt. Diese Vorschläge wurden von Eriwan bisher abgelehnt oder nicht beantwortet – eine klare Verzögerungstaktik zur Wahrung des status quo. Armenien hat ja bereits den Westen hinter sich, warum sollten die den wissenschaftlichen Weg der Wahrheitsfindung gehen? Deshalb hält Armenien auch die Archive verschlossen. Man muss sich das mal in einem Gerichtssaal vorstellen: Jemand erhebt Mordanklage gegen einen anderen, hält dann aber sämtliche Beweise zurück. NEX24: Wieso denken dann alle, dass es ein Völkermord war? Dr. Henrich: Ich bin Ihnen sehr dankbar für diese Frage. Mir wurde sie früher schon einmal unvorbereitet gestellt. Nun ganz einfach, es denken gar nicht alle so. Es ist reine Propaganda und ein psychologisches Spiel. Man versucht bei Querdenkern wie mir, die an die Quelle in die Archive gehen, ein Gefühl des Zweifels und der Verunsicherung zu erzeugen. Die Realität ist eine andere: „Alle“ sind 197 souveräne Staaten, lediglich 23 haben die Ereignisse von 1915 als Völkermord klassifiziert. Diese 23 Staaten repräsentieren 617 Millionen Menschen von 7,3 Milliarden. Die Mehrheit ist das wohl eher nicht. Was soll auch die Entscheidung eines Parlaments bedeuten? Politiker entscheiden nach subjektiven Interessen. Als die Bundeswehr 1999 zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg an einem bewaffneten Kampfeinsatz teilnahm, handelte es sich um einen Angriffskrieg gegen Jugoslawien. Der Bundestag hat dies in seinem Beschluss vom 16. Oktober 1998 gegen die Bedenken des damaligen Justizministers Edzard Schmidt-Jortzig (FDP) anders bewertet. NEX24: Haben Sie aufgrund Ihrer Forschungen und Veröffentlichungen Probleme mit Gegnern oder armenischen Aktivisten gehabt? Dr. Henrich: Nein, außer den üblichen Beleidigungen keine Probleme. Allerdings merkt man schon eine ablehnende Haltung seitens deutscher Kolleginnen und Kollegen. Bei universitären Auswahlverfahren und Forschungsmitteln werden ich und meine Projekte nicht berücksichtigt. Körperliche Gewaltandrohungen habe ich zum Glück nicht erlebt. Allerdings sind die Zeiten des armenischen Terrors zum Glück auch vorbei. NEX24: Was meinen Sie mit armenischem Terror? Dr. Henrich: Die nationalistisch-terroristischen Aktivitäten der Daschnaken stehen auch nicht für alle Armenier. Die Daschnaken Partei hat sich 1890 in Tiflis gegründet, um Terror ins Osmanische Reich zu bringen. Diese Gruppe war erst für den Zerfall der jahrhundertelangen Freundschaft zwischen Armeniern und Türken verantwortlich. Die nationalistisch-terroristischen Aktivitäten der Daschnaken stehen natürlich nicht für alle Armenier. Aus dieser Historie heraus haben sie zwischen 1920 und 1922 mit der Operation Nemesis sieben türkische und aserbaidschanische Politiker ermordet. Die armenische Geheimarmee zur Befreiung Armeniens (ASALA) hat zwischen 1973 und 1994 durch mehrere Attentate 35 türkische Diplomaten und deren Familienangehörigen getötet. Ebenfalls haben Sie US-amerikanische Wissenschaftler und deren Familien bedroht, falls diese sich weiterhin kritisch zur Völkermord-Thematik äußern würden. Daschnaken und ASALA unterhalten bis heute eine enge Freundschaft mit der PKK. NEX24: Konnten Sie nicht von der Türkei aus finanziell gefördert werden? Dr. Henrich: Prinzipiell schon, aber die Türkei hat meinen Wert noch nicht erkannt. Bedeutende internationale Wissenschaftler, die sich gegen den Völkermord Vorwurf stellen, sind zwischen 70 und 90 Jahre alt. In der jüngeren Generation gibt es noch Brendon J. Cannon. Mir fehlt die Bekanntheit, sowohl in Deutschland, als auch in der Türkei. Die Türkei hat mich seit 2006 immer wieder mit Versprechungen hingehalten und am Ende gab es die lustigsten Ausreden, warum man die Forschungsvorhaben ablehnt. Schlussendlich wurde mir gesagt, dass die Türkei mich nicht finanzieren will, damit nicht der Eindruck entstehe, ich sei gekauft. Es ist schon erschreckend, dass man Bauvorhaben in Milliarden Höhe in Auftragt gibt und ein Forschungszentrum, dass für ein zweijähriges Projekt 100.000 Euro haben wollte, wird abgewiesen. Ein aserbaidschanischer Kollege von mir, Anar Allahverdi, erklärte mir dieses türkische Verhalten mit einer Theorie des emotionalen und rationalen Patriotismus. Die Türken leben größtenteils einen emotionalen Patriotismus. Große Reden und viel Applaus sind wichtiger, als handfeste Taten fürs Vaterland. Ohnehin reagiert man in Ankara häufig nur dann, wenn etwas in Europa thematisiert. NEX24: Wie finanzieren Sie sich und Ihr Forschungszentrum? Dr. Henrich: Wir sind eine gemeinnützige Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt). Als solche sind wir auf die Einwerbung von Spenden angewiesen. In 2016 habe ich 95 % unserer Mittel selber gespendet. Dies sprengt allerdings meine finanziellen Möglichkeiten. Nicht zuletzt auch weil ich inzwischen sogar gegen einen türkischen Verband vor Gericht ziehen muss, da dieser mein vereinbartes Honorar für einen Vortrag im November 2016 in Karlsruhe nicht bezahlen will. Eine Ditib Gemeinde hat ebenfalls die Honorarzahlung nicht geleistet, ein UETD Verband mich wieder ausgeladen, weil Sie die Fahrtkosten nicht übernehmen wollen. Traurig. Leider werden mir mehr Steine in den Weg gelegt, als geholfen. Da mich die türkische Regierung nicht unterstützen will und die türkischen Verbände und Stiftungen sehr zurückhaltend sind, habe ich einen Spendenaufruf für ein Buchprojekt gestartet. Meine letzte Hoffnung liegt nun auf der türkischen Bevölkerung. Sollte hier auch nichts passieren, werde ich mich anderen Themen zuwenden müssen. Wäre zwar Schade, weil ich mit Leib und Seele für dieses Thema brenne, aber am Ende des Tages muss auch ich meine Familie ernähren. NEX24: Herr Dr. Henrich, wir bedanken uns für das Gespräch.
SOEK – Forschungszentrum Südosteuropa und Kaukasus IBAN: DE17700222000020108231 BIC: FDDODEMMXXX Fidor Bank AG Paypal: info@soek-online.org