"Selbstanzündungs-Theorie"
Anwältin Oury Jallohs fordert die Wiederaufnahme des Verfahrens

Berlin (ots) – Die Rechtsanwältin Gabriele Heinecke nennt das Vorgehen der Staatsanwaltschaft Halle im Verfahren zur Aufklärung des verstorbenen Oury Jalloh „skandalös und intransparent“. Das erklärte Heinecke im Interview mit der in Berlin erscheinenden Tageszeitung „neues deutschland“. Die Familie Jalloh habe jüngst einen Strafantrag gestellt, um ihr „Strafverfolgungsinteresse zu betonen“, so Heinecke. Der aus Sierra Leone stammende Mann war 2005 unter ungeklärten Umständen in einer Dessauer Polizeidienststelle gestorben. Im Interview berichtet Gabriele Heinecke über neue Erkenntnisse in dem Fall, von denen sie durch Akteneinsicht erfuhr. Demnach plädierte der ehemalige Ermittlungsleiter und Oberstaatsanwalt Folker Bittmann dafür, der These nachzugehen, dass Dritte am Tod Jallohs beteiligt waren. Zuvor hatte er selbst die „Selbstanzündungs-Theorie“ akzeptiert. Seine Meinungsänderung geht laut Heinecke auf Erkenntnisse aus neuen Gutachten von Experten wie Brandsachverständige, Rechtsmediziner und Toxikologen zurück. Die Experten seien „schon Anfang des Jahres 2017 überwiegend zu der Überzeugung gekommen, dass Oury Jalloh nicht selbst Feuer gelegt haben und daran gestorben sein kann“, sagt Heinecke gegenüber „nd“.

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(Archiv)

– NSU-Zeugensterben – Neunter Todesfall im NSU-Komplex: Das große Sterben geht weiter

Das Zeugensterben im Zusammenhang mit der NSU-Terrorzelle geht weiter. Ein weiterer vermeintlicher Selbstmord wird aus Karlsruhe gemeldet. Es handelt sich dabei um den Ex-Verlobten einer bereits 2015 verstorbenen Zeugin, deren vorheriger Freund im September 2013 in einem Auto verbrannte, bevor er zum Mord an der Polizeibeamtin Michèle Kiesewetter aussagen sollte.

Neunter Todesfall im NSU-Komplex: Das große Sterben geht weiter

Kriminalität
Gelsenkirchen: Schüsse auf türkischen Ladenbesitzer

Gelsenkirchen (nex) – Der Inhaber eines türkischen Supermarktes in Gelsenkirchen ist am Dienstag durch einen Schuss verletzt worden. Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte betraten am Dienstag gegen 12:00 Uhr zwei bislang unbekannte Männer einen türkischen Supermarkt an der Ückendorfer Straße. Gegenüber der im Geschäft anwesenden Angestellten gaben sie sich als Lieferanten aus und verlangten nach dem Inhaber des Supermarktes. Als der telefonisch herbeigerufene 43-jährige Ladenbesitzer eintraf, begaben sie sich zusammen in sein Büro. Dort fiel ein Schuss, durch den der Inhaber am Bein verletzt wurde. Anschließend wurde noch ein zweiter Schuss in Richtung einer Angestellten abgegeben, welcher diese jedoch verfehlte. Daraufhin verließen die beiden Unbekannten das Ladenlokal und flüchteten in unbekannte Richtung. Die Gelsenkirchener Polizei hat eine Mordkommission eingerichtet. Die Ermittlungen dauern an. Die beiden Flüchtigen können wie folgt beschrieben werden: 1.Täter: ca. 30 Jahre alt, schlanke Statur, südländisches Erscheinungsbild, schwarzes nach hinten gegeltes Haar, schwarze kurze Jacke (Bomberjacke) und dunkle Schuhe. Zur Tatzeit hatte er einen Rucksack der Marke „East Pack“ bei sich. 2.Täter: ca. 40 Jahre alt und von schlanker Statur. Er hatte kurzes, schwarzes, gewelltes Haar und trug einen Vollbart. Bekleidet war er mit einem dunklen Wollmantel, Hemd und Business Schuhen. Bei der Tatausführung trug er einen kleinen Koffer oder eine kleine Tasche bei sich. Polizei und Staatsanwaltschaft suchen nun nach Zeugen, die Angaben zum Tatgeschehen, den Täter und/oder deren Aufenthaltsort machen können. Sachdienliche Hinwiese bitte unter den Rufnummern 0209/365-7171 (Mordkommission) oder – 8240 (Kriminalwache).

Ägyüten
Kairo: 29 Personen wegen Spionage für Türkei verhaftet

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Kairo (nex) – Die ägyptische Staatsanwaltschaft hat die Festnahme von 29 Personen, die verdächtigt werden, im Namen der Türkei spioniert und sich „einer terroristischen Organisation“ angeschlossen zu haben, angeordnet. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur MENA am heutigen Mittwoch. Laut geheimdienstlichen Ermittlungen habe die Gruppe illegal Telefonate aufgezeichnet und diese an türkische Nachrichtendienste weitergeleitet. Das angebliche Ziel der mutmaßlichen Agenten sei gewesen, den vor vier Jahren durch einen Militärputsch gestürzten Muslimbrüdern wieder an die Macht zu verhelfen, berichtet MENA. Die Staatsangehörigkeiten der Verdächtigen wurden nicht angegeben. Zudem würden sie auch der Geldwäsche und des illegalen Währungshandels beschuldigt. Nach Mohamed Mursis Sturz und anschließender Verhaftung im Juni 2013 hatten die ägyptischen Behörden die brutale Niederschlagung der Muslimbrüder gestartet, bei der bereits Hunderte Menschen getötet und Zehntausende inhaftiert wurden. Mursi hat des Öfteren bekräftigt, dass er den Militärputsch von 2013, der seine Amtsenthebung und Inhaftierung nach nur einem Jahr Amtszeit zur Folge hatte, nicht anerkenne. Ihm wird „Verschwörung gegen Ägypten“, „Spionage für Katar“ und „Beleidigung des Gerichts“ vorgeworfen. Die Beziehungen zwischen Ankara und Kairo sind seit der Entmachtung Mursis durch die ägyptische Armee angespannt. Mursi war der erste demokratisch gewählte Präsident Ägyptens.

Höchster Stand in 20 Jahren
Mexiko: 2371 Morde allein im Oktober

Mexiko-Stadt (nex) – Wie mexikanische Medien unter Berufung auf eine Meldung des Innenministeriums berichten, wurden in Mexiko allein im Oktober 2.371 Morde begangen. Das sei der höchste Stand seit Beginn der statistischen Erfassung von Tötungsdelikten vor 20 Jahren. Schon jetzt sei 2017 das blutigste Jahr in der jüngeren Geschichte des Landes. Seit Jahresbeginn wurden 23.968 Menschen Opfer von Mord und Totschlag, so die Mitteilung des Innenministeriums. Durchschnittlich würden in Mexiko jeden Tag 69 Menschen ermordet. Mit 22.852 Tötungsdelikten war 2011 das bisher blutigste Jahr. Zurückzuführen sei diese Entwicklung auf Machtkämpfe um die Vorherrschaft im Drogenhandel, nachdem viele Kartell-Chefs festgenommen oder getötet worden seien.

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Mexiko: 2017 schon sechs Journalisten ermordet

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New York
Türkische Serie „Kara Sevda“ gewinnt Preis bei International Emmy Awards

New York City (nex) – Die türkische Drama-Serie „Kara Sevda“ (Unendliche Liebe) wurde am 21. November bei den 45th International Emmy Awards mit dem Preis für die beste Telenovela ausgezeichnet. Die von Ay Yapım produzierte Serie ist die erste türkische Produktion überhaupt, die den prestigeträchtigen Preis gewonnen hat. Wie die Nachrichtenagentur Associated Press berichtet, nahmen an der Preisverleihung in New York die Regisseurin der TV-Serie Hilal Saral, die Drehbuchautorin Burcu Görgün Toptaş und Ay Yapım-CEO Kerem Çatay teil. Mit den Schauspielern Burak Özçivit, Neslihan Atagül und Kaan Urgancıoğlu erlangte Kara Sevda weltweit große Popularität. Die TV-Serie wurde auch in viele Sprachen synchronisiert, darunter Italienisch, Persisch, Spanisch und Arabisch. Die 74 Folgen umfassende Serie wurde im Oktober 2015 uraufgeführt und lief bis Juni 2017. „Kara Sevda“ wurde in mehr als 60 Ländern ausgestrahlt. „Familie Braun“ beste Serie im Kurzformat Die deutsche Mini-Serie „Familie Braun“ wurde in der Kategorie „Kurzformat“ ausgezeichnet. „Die acht jeweils rund sechsminütigen Episoden der ZDF-Produktion drehen sich um das Mädchen Lara, ihre afrikanische Mutter und ihren Vater Thomas Braun, einen Neonazi. Da die Mutter nach dem One-Night-Stand in ihre Heimat Eritrea abgeschoben wird, muss der Vater sich in oft bizarren Situationen mit der dunkelhäutigen Tochter arrangieren“, schreibt der Deutschlandfunk. Der Brite Kenneth Branagh gewann den Preis für den besten Schauspieler, während die ebenfalls aus Großbritannien stammende Anna Friel den Preis für die beste Schauspielerin erhielt. Der International Emmy Award ist ein von der International Academy of Television Arts & Sciences verliehener Fernsehpreis im Rahmen der Emmy Awards. Die Organisation kürt alljährlich die besten, außerhalb der USA produzierten und ausgestrahlten Fernsehsendungen. Die Academy ist eine Organisation mit Mitgliedern aus über 60 Ländern und nahezu 500 Unternehmen. Sechzig Prozent des Vorstandsgremiums stammen aus Ländern außerhalb der Vereinigten Staaten und repräsentieren die weltweit größten Produktions-, Distributions- und Rundfunkunternehmen.

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Den Haag
„Schlächter von Bosnien“: Lebenslang für Ex-Armeechef Mladic

Den Haag (nex) – Der 75-jährige bosnisch-serbische Ex-Armeechef Ratko Mladic ist heute in Den Haag zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Richter sprachen ihn am Mittwoch unter anderem für den Völkermord in Srebrenica 1995 schuldig. Bei der Urteilsverkündung vor dem UN-Tribunal in Den Haag sei der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladic wegen störender Zwischenrufe aus dem Gerichtssaal gebracht worden. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Während der Vorsitzende Richter Alphons Orie am Mittwoch das Urteil verlas, habe der 75-Jährige die Urteilsverkündung immer wieder durch Zwischenrufe unterbrochen. „Sie lügen, sie lügen“, habe Mladic geschriehen. Daraufhin habe Orie den Angeklagten aus dem Saal bringen lassen. Der Richter habe zuvor auch einen Antrag der Verteidigung abgelehnt, das Verfahren wegen Mladics hohem Blutdruck zu unterbrechen. Serben-Führer Karadzic bereit 2016 verurteilt Der frühere Führer der bosnischen Serben im jugoslawischen Bürgerkrieg der 1990er Jahre, Radovan Karadzic, wurde bereits im März vergangenen Jahres in Den Haag unter anderem wegen Völkermordes zu einer Haftstrafe verurteilt. Neben Völkermord wurden ihm auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt. Karadzic wurde damals zu 40 Jahren Haft verurteilt, nachdem ihn der Internationale Strafgerichtshof der Vereinten Nationen für das frühere Jugoslawien (ICTY) des Genozids in Srebrenica für schuldig befunden hatte.

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Spanisch-palästinensisches Treffen
Dastis: Spanien wird Palästina anerkennen

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Madrid (nex) – Der spanische Außenminister äußerte am Montag die Hoffnung, dass sein Land Palästina „in den kommenden Monaten“ anerkennen werde, um die Friedensbemühungen im jahrzehntelangen israelisch-palästinensischen Konflikt zu fördern.   Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem palästinensischen Amtskollegen Riyad al-Maliki sprach Alfonso Dastis die Hoffnung aus, dass Spanien Palästina in den kommenden Monaten nach einem umfassenden Abkommen innerhalb der EU anerkennen werde. Al-Maliki begleitet den palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas in der spanischen Hauptstadt Madrid. „Die Anerkennung des palästinensischen Staates sollte innerhalb der EU koordiniert werden und darauf abzielen, ein Friedensabkommen zwischen Israel und Palästina in der Zukunft zu unterstützen“, so der spanische Minister. Dastis bekräftigte Spaniens Eintreten für eine Zwei-Staaten-Lösung zur Behebung des israelisch-palästinensischen Konflikts. Al-Maliki unterstrich, dass Spanien und Palästina „zwei befreundete Länder“ seien, die zusammenarbeiteten, um Frieden und Entwicklung in der Region zu unterstützen. Israel besetzte während des arabisch-israelischen Krieges 1967 die Westbank einschließlich Ostjerusalems. Es annektierte 1980 die gesamte Stadt und bezeichnete es als die „ungeteilte und ewige Hauptstadt“ des jüdischen Staates – ein Schritt, der von der internationalen Gemeinschaft nie anerkannt wurde. Das Völkerrecht betrachtet das Westjordanland und Ostjerusalem als „besetzte Gebiete“ und hält alle jüdischen Siedlungsbauten für illegal.

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Nigeria
Anschlag auf Moschee: Mindestens 50 Tote

Mubi (nex) – Mindestens 50 Menschen sind bei einem Selbstmordanschlag am Dienstagmorgen auf eine Moschee in der Stadt Mubi im Nordosten Nigerias ums Leben gekommen. Wie die Polizei mitteilte sei der Attentäter ein Teenager gewesen. „Es war ein Selbstmordattentäter, der sich unter die Gläubigen mischte“, sagte Polizeisprecher Othman Abubaka. Als das Morgengebet stattfand, habe er einen Sprengsatz gezündet.  Bei dem Anschlag seien zahlreiche Menschen verletzt worden. Noch habe sich keine Gruppe zu dem Anschlag bekannt. Das Attentat trage allerdings die Handschrift der Terrorgruppe Boko Haram. Trotz der Behauptung der Regierung, die Gruppe besiegt zu haben, setzt Boko Haram seine tödlichen Angriffe auf meist zivile Ziele fort, hauptsächlich mit Selbstmordattentätern in abgelegenen Gebieten des Landes. Laut Medienberichten wurden am Sonntag sechs Bauern erschossen und anschließend auf einer Plantage im Bundesstaat Borno verstümmelt.

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Sondierungsverhandlungen
FDP-Vize Strack-Zimmermann: „Merkel hat Anliegen der FDP ignoriert“

Düsseldorf (ots) – FDP-Vize-Chefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann wirft Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, während der  die Anliegen der FDP ignoriert zu haben. „Die Kanzlerin hätte eigentlich als Verhandlungsleiterin die Positionen zusammenbringen müssen. Aber bei zu vielen Themen hat sie die Anliegen der FDP nicht ernst genommen. Sie hat sie ignoriert“, sagte Strack-Zimmermann der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“. Merkel habe übersehen, dass es wie beim Soli und in der Energiepolitik Themen gibt, die für die FDP existenziell wichtig seien. Strack-Zimmermann betonte auch, ein Kompromiss bestehe darin, dass alle Seiten sich wiederfänden. „Wir haben uns aber überhaupt nicht wiedergefunden. Es gab vor allem Übereinkünfte der Union mit den Grünen.“ Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) fordert in der unklaren politischen Situation in Berlin eine starke Rolle des Parlaments. „Als Erstes muss der Bundestag anfangen zu arbeiten“, sagte der Politiker dem Hamburger Magazin „stern“, das nach dem Scheitern der Koalitionssondierungen sein Erscheinen in dieser Woche auf den Mittwoch vorgezogen hat. „Es macht ja keinen Sinn, dass hier 709 Abgeordnete rumsitzen, weil wir beispielsweise keine Aussschüsse haben“, sagte Kubicki. Das Parlament müsse mindestens arbeitsfähig sein. Am Dienstag war die Fraktion der Linken noch damit gescheitert, sofort alle Fachausschüsse einzusetzen. Der FDP-Vize wehrte sich gegen den Vorwurf, die FDP allein sei dafür verantwortlich, dass es jetzt wohl zu Neuwahlen kommen werde. Das liege nicht nur an der FDP. Den Vorwurf könne man genauso der SPD machen. „Ihr Weg in die Große Koalition wäre einfacher gewesen, als es Jamaika je war“, sagte Kubicki. Die Jamaika-Sondierung sei neben Sachfragen auch an fehlendem, gegenseitigen Vertrauen gescheitert. „Es gab kein menschliches Grundvertrauen.“ Wenn etwa grüne Abgeordnete über FDP-Politiker sagen würden, sie seien „Menschenfeinde, AfD-light, Populisten“, dann könne man nicht erklären, warum man zusammengehen solle.

Skandal in Norwegen
Türkische Majorin meldete NATO-Skandal

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Ankara (nex/tp) – Der Skandal beim NATO-Manöver „Trident Javelin 2017“ in Norwegen wurden von einer Majorin der türkischen Luftwaffe gemeldet. Laut dem Bericht des Habertürk-Journalisten Murat Bardakçı, hat die Majorin der Luftwaffe, Ebru Nilhan Bozkurt, den Skandal ihrem Vorgesetzten gemeldet. Inzwischen ist der Ruf nach Austritt aus der NATO wieder laut geworden. In der Parteilandschaft fordern inzwischen nicht nur AKP-Anhänger den Austritt aus der NATO, sondern nationalistische wie auch links- bis linksliberale Kräfte, bis hin zur oppositionellen CHP, dass die Türkei unter diesen Umständen nicht mehr länger der NATO angehören darf. Bardakçı zufolge bemekte Majorin Bozkurt während des Manövers im Chatverlauf einer eigens für die „Trident Javelin“-Simulation eingerichteten Social-Media-Chat mehrere Usernamen, die untereinander Nachrichten austauschten und dabei das Freund-Feind-Bild aufrechterhielten. Dabei soll unter anderem das Pseudonym „Trump“ im Chatverlauf als Freund, „Atatürk“ oder „RTErdogan“ dagegen als Feind aufgetreten sein, die wichtige strategische feindliche Informationen unter sich austauschen. Majorin Bozkurt soll daraufhin ihre Vorgesetzten über die Beobachtungen während des Manövers informiert und im Chat selbst angegeben haben, dass der türkische Staatspräsident ranghöchster politischer Oberbefehlshaber sei und dass sie dem Staatspräsidenten nichts nachsagen lassen werde. In der Konsequenz zog der türkische Generalstab rund 40 türkische Soldaten vom Manöver ab. In einer Stellungnahme erklärte Europaminister Ömer Çelik: „Das offizielle Ankara unterstrich, dass Missachtung gegenüber dem Gründer der Republik Türkei, Atatürk, und dem aktuellen Präsidenten Erdogan unannehmbar sei.“ NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg entschuldigte sich daraufhin seit Samstagabend bereits zum dritten Mal in 36 Stunden. Dieses Mal nicht mehr nur über eine öffentliche Erklärung und ein Schreiben an Staatspräsident Erdogan, sondern mit einem Telefonanruf beim Präsidenten selbst. Mit einer einfachen Entschuldigung sei es nicht getan, erklärte Erdogan dagegen und zeichnete schwere Zerwürfnisse innerhalb der NATO gegenüber der Türkei auf. So sei nicht nur auf der Höhe der Bedrohungen der türkischen Grenzregion durch den Krieg in Syrien, der Abzug von Raketenabwehrsystemen durch die NATO-Mitglieder ein bislang einmaliger Vorgang, sondern auch die Weigerungshaltung der NATO, Waffen-Technologien zu Teilen oder notwendige Ersatzteile für Waffen nicht zu liefern, weshalb man gezwungenermaßen u.a. auf russische Abwehrsysteme angewiesen sei, so Erdogan in einer Rede am Samstag. Der Vorfall im Joint Warfare Center der NATO im norwegischen Stavanger scheint mittlerweile aufgeklärt, berichten norwegische Medien. Ein türkischstämmiger norwegischer Offizier soll während der computergestützten Übung „Trident Javelin“ das Feindbild mit dem Porträt des Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk platziert haben, dazu noch versehen mit dem Namen des heutigen Staatspräsidenten Erdogan. Türkischen Medienberichten zufolge könnte es sich um ein FETÖ-Mitglied handeln. Derselbe Offizier habe demnach auch ein Twitterkonto mit dem Namen RTErdogan eröffnet. Dort setzte er bereits falsche Nachrichten über angebliche Entscheidungen Erdogans gegen die NATO in die Welt, was türkischen Militärs rasch auffiel. Der norwegische Offizier wurde noch am Freitag von seinen Vorgesetzten in der norwegischen Armee aus dem Übungszentrum entfernt. Dem Habertürk-Journalisten Murat Bardakçı zufolge wurde Ebru Nilhan Bozkurt Ende Dezember 2013 wegen mutmaßlicher Weitergabe von militärischen Geheiminformationen und Mitgliedschaft in der Ergenekon zu knapp sechs Jahren Haft verurteilt. Die sogenannten „Ergenekon“- und „Balyoz“-Prozesse, in der Hunderte Offiziere der türkischen Armee zu mehrjährigen bis lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt wurden, sind inzwischen revidiert worden, nach dem mehrere Berufungsgerichte die für die Anklagen vorgelegten Vorwürfe und Beweise als fingiert und manipuliert betrachtet haben. Bozkurt wurde daraufhin wieder in den Militärdienst aufgenommen und hat hier den Offiziersrang „Major“ erlangt. Die Justiz wirft der Parallelstruktur im Staat sowie der Gülen-Bewegung vor, die „Ergenekon“- und „Balyoz“-Mammut-Prozesse seit 2007 mit Absicht angestoßen zu haben, um weitere gegnerische Offiziere aus der Armee auszustoßen und die freigewordenen Stellen mit FETÖ-Offizieren zu besetzen und so die Armee, aber auch wichtige Schaltzentralen des Staates zu infiltrieren. Nach dem Skandal wird inzwischen der Ruf nach einem Austritt aus der NATO immer deutlicher. Nach 1968 und 1978 hat sich die Wahrnehmung unter den Türken über die NATO-Mitgliedschaft seit Jahren wieder deutlich negativ ausgeprägt. Von links- und linksliberalen Kräften, darunter auch den Oppositionsparteien CHP und Vatan, bis hin zu der AKP und MHP wird nach Jahrzehnten wieder ein Austritt verlangt. Laut einer Umfrage des Forschungsinstituts PEW vom vergangenen Sommer fühlen sich 72 Prozent der Türken durch den Bündnispartner USA bedroht.

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