Terroranschlag in Istanbul:
SPD bietet Türkei engere Zusammenarbeit bei Terrorbekämpfung an

Berlin (ots) – Nach dem tödlichen Anschlag in Istanbul hat der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, der Türkei eine engere Zusammenarbeit bei der Terrorbekämpfung angeboten. Arnold sagte am Donnerstag im rbb-inforadio, er könne sich vorstellen, „dass die NATO AWACS-Aufklärungsflugzeuge mandatiert.“ Diese Maschinen könnten den Luftraum kontrollieren und Flugzeuge leiten – um Kampfflugzeuge und die Truppen am Boden im Kampf gegen den IS zu unterstützen. Dies sei aber nur möglich, wenn Präsident Erdogan seine Politik korrigiere, so der SPD-Politiker weiter. „Es ist nicht wichtig, ob der Deutsche Bundestag eine Resolution verabschiedet, die ihm nicht gefällt. Es muss möglich sein, dass wir unter Freunden auch kritische Diskussionen führen, aber die Spielregeln in der Zusammenarbeit müssen eingehalten werden.“ Erdogan müsse außerdem dafür sorgen, dass seine Polizei und seine Nachrichtendienste „in erster Linie gegen den Terror eingesetzt werden, nicht gegen Kritiker und unliebsame Journalisten.“

Syrien-Konflikt
Bericht: Jordanischer Geheimdienst stiehlt Waffen syrischer Rebellen

New York (nex/eurasia) – Der jordanische Geheimdienst hat US-amerikanische und saudische Waffen für die syrische Opposition gestohlen und auf dem Schwarzmarkt gewinnbringend weiterverkauft. Das bestätigten jordanische und US-Offizielle gegenüber den New York Times.
Waffen, die vom US-Auslandsgeheimdienst CIA und Saudi-Arabien nach Jordanien verschifft wurden und für Kräfte der syrischen Opposition gedacht waren, wurden von jordanischen Geheimdienstoffizieren gestohlen. Daraufhin verkauften die Agenten diese Waffen, räumten US-amerikanische und jordanische Offizielle ein. Der systematische Diebstahl wurde durch eine gemeinsame investigative Recherche von Al Jazeera und den New York Times enthüllt. Aus dem Bericht geht hervor, dass der jordanische Geheimdienst nach Beschwerden der US-Regierung und saudischen Regierungsvertretern die Unterschlagung fortan unterließ. Einige dieser Waffen sollen bei einer Schießerei im vergangenen November zum Einsatz gekommen sein, bei der zwei US-Amerikaner und drei weitere Personen in einer Polizei-Ausbildungsstätte in Amman getötet wurden. Die jordanischen Geheimdienstmitarbeiter, die an der Unterschlagung der Waffensysteme für syrische Rebellen beteiligt waren, sollen das Geld aus den Waffengeschäften für teure Luxusartikel ausgegeben haben. Mehrere dutzend Agenten des jordanischen Geheimdienstes sind in diesem Fall verwickelt, heißt es. Inzwischen würden die Geheimdienstmitarbeiter von Sicherheitskräften festgenommen. Die Untersuchung ergab, dass die CIA und mehrere arabische Nachrichtendienste unter dem Trainingsprogramm mit dem Codenamen „Timber Sycamore“ syrische Rebellen im Kampf gegen die alawitische al-Assad-Regierung unterstützen. Das Programm ist vom CIA aufgesetzt worden und läuft separat zu einem anderen des Pentagons. Das US-Verteidigungsministerium bildet oppositionelle Kräfte im Kampf gegen die Terrormiliz IS aus als gegen syrische Regierungstruppen.  
Erschienen bei unserem Kooperationspartner Eurasianews

Türkisch-russische Beziehungen
Ankara: Erdogan und Putin treffen sich vor G20-Gipfel

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Erdogan und Putin erörtern am Telefon bilaterale Beziehungen Ankara (nex) – Wie das Amt des türkischen Präsidenten Erdogan mitteilte, erörterten dieser und sein russischer Amtskollege Putin am gestrigen Mittwoch in einem Telefongespräch die Normalisierung der Beziehungen. Der türkische und der russische Präsident führten am gestrigen Mittwoch ein Telefongespräch, bei dem sie die bilateralen Beziehungen und die Zusammenarbeit bei regionalen Angelegenheiten sowie humanitären Krisen erörterten, hieß es in einem ebenfalls am Mittwoch veröffentlichten Statement des Amtes des türkischen Präsidenten. Während des Gesprächs hätten der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin hervorgehoben, wie wichtig die Normalisierung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern sei. „Der Präsident und Herr Putin wiesen darauf hin, wie wichtig es sei, angesichts der politischen, wirtschaftlichen und humanitären Krisen in der Region zusammenzuarbeiten sowie die notwendigen Schritte zur Wiederbelebung der bilateralen Beziehungen zu unternehmen“, ist in dem Statement zu lesen. Des Weiteren habe Putin den tödlichen Terroranschlag vom vergangenen Dienstag am Flughafen Atatürk-Istanbul, bei dem mehr als 40 Menschen getötet und Hunderte verletzt wurden, aufs Schärfste verurteilt und dem türkischen Volk sein Beileid ausgesprochen. Unter den Opfern des Anschlags gab es auch ausländische Staatsbürger. Die beiden Politiker drückten ihre Entschlossenheit aus, gemeinsam den Terror zu bekämpfen und vereinbarten, weiterhin in Kontakt zu bleiben. Am Mittwochmorgen hatte eine Quelle aus dem Amt des türkischen Präsidenten, die auf Grund von Restriktionen bezüglich öffentlicher Äußerungen unter der Bedingung der Anonymität mit den Medien sprach, gegenüber den Medien erklärt, dass das Gespräch zwischen Erdogan und Putin sehr positiv verlaufen sei. Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Türkei und Russland wurden ab November nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets im türkischen Luftraum auf Eis gelegt. Der Kreml verhängte Sanktionen gegen türkische Lebensmittel, schaffte das visafreie Reisen für türkische Staatsbürger ab und rief seine Bürger zu einem Tourismusboykott gegen die Türkei auf. Erdogan hatte am vergangenen Montag Putin einen Brief mit dem Aufruf geschickt, die „traditionell freundlichen Beziehungen“ wiederzubeleben. Der Sprecher des türkischen Präsidenten Ibrahim Kalin sagte, dass ein wichtiger Schritt zur Normalisierung der Beziehungen getan worden sei und die beiden Länder „eine neue Seite zur Lösung der Probleme im Bereich der bilateralen Beziehungen und regionalen Fragen wie Syrien, der Ukraine und der Krim durch Dialog und Verhandlung“ geöffnet hätten. Ein türkischer Regierungsvertreter, der auf Grund von Restriktionen bezüglich öffentlicher Äußerungen unter der Bedingung der Anonymität mit den Medien sprach, teilte mit, dass sich Erdogan und Putin noch vor dem G20-Gipfel, der im September in China stattfinden soll, treffen würden.  

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Brexit
SPD-Fraktionsvize Schäfer wirft Cameron Betrug vor

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Düsseldorf (ots) – In der Debatte um einen möglichst schnellen Austritt der Briten aus der EU wirft SPD-Fraktionsvize Axel Schäfer Premierminister David Cameron Betrug vor. „David Cameron hat uns ein weiteres Mal betrogen“, sagte Schäfer der  „Rheinischen Post“. Der SPD-Europapolitiker begründet seinen Vorwurf damit, dass Cameron vor der Brexit-Abstimmung versprochen habe, direkt nach dem Referendum eine Sondersitzung des britischen Parlaments einzuberufen. Von dieser Sitzung wäre der Antrag auf EU-Austritt ausgegangen. „Weil er das aber nicht getan hat, sind uns die Hände gebunden“, sagte Schäfer. Jetzt müsse man voraussichtlich bis September auf den Antrag warten. „Ich bleibe bei meiner Haltung und der sozialdemokratischen Forderung, dass ein schneller Antrag besser wäre als einer in drei Monaten“, sagte Schäfer. Aus seiner Sicht hätte das Votum des britischen Volkes genügt, um Artikel 50 auszulösen. Da Referenden nach britischem Recht aber nicht bindend für die Regierung seien, bestehe eine Lücke, die Cameron „schamlos ausnutzt“, sagte Schäfer.

107 000 Fachkräfte fehlen
Kita-Studie Ansporn zu weiteren Anstrengungen

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Stuttgart (ots) – Die Studie ist Ansporn zu weiteren Anstrengungen, kein Anlass zu bitteren Klagen. Auch die Betreuung in den Kindergärten und Krippen will schließlich finanziert sein. 107 000 zusätzliche Fachkräfte (Mehrkosten 4,8 Milliarden Euro) fehlen nach Angaben der Studie für den Idealfall – sicher auch, weil der Erzieherberuf trotz Tariferhöhungen weiter vergleichsweise nicht gut genug bezahlt ist. Dennoch will zwischen statistischem Personalschlüssel und gelebter Qualität klug abgewogen sein. In Baden-Württemberg hat man offenbar einen Weg gefunden, beides gut miteinander zu verbinden.

Kampf gegen den Terror
Türkische Gemeinde fordert mehr Solidarität nach Attentat in Türkei

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Düsseldorf (ots) – Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, hat nach den Anschlägen von Istanbul mehr Solidarität der Europäer gefordert. „Europa macht zu oft den Fehler, dass es Terrorismus als zweitrangig betrachtet, wenn er nicht direkt vor der eigenen Tür geschieht“, sagte Sofuoglu „Rheinischen Post“. „Wir brauchen eine internationale Anti-Terror-Initiative, in der die Weltgemeinschaft gemeinsam den Terror bekämpft“, sagte Sofuoglu. Die Länder müssten aufhören, sich gegenseitig vorzuwerfen, wer wo an welchen Terroranschlägen mit Schuld trage. Vielmehr müssten die Kräfte im Kampf gegen den Terror gebündelt werden, ansonsten gewännen der IS und andere Terroristen weiter an Boden.

US-Wahlen
Türkischer Ministerpräsident prangert islamfeindliche Rhetorik bei US-Wahlen an

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Ankara (nex) – Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim drückte am gestrigen Montag sein Unbehagen über die islamfeindliche Rhetorik in den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen aus. „Ein Präsidentschaftswahlkampf findet in den USA, die unsere engen Verbündeten und Partner sind, statt. Wir möchten unser Unbehagen über die islamfeindlichen Kommentare in diesem Wahlkampf zum Ausdruck bringen, die dem Hate Speech Öl ins Feuer gießen“, erklärte Yildirim während eines im Hauptquartier der regierenden Partei für Gerechtigkeit und Fortschritt (AKP) in Ankara ausgerichteten Fastenbrechens. Yildirims Bemerkungen zielten offensichtlich auf den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump ab, den er jedoch nicht namentlich erwähnte. „Es ist wichtig, dass diese Rhetorik während der Wahlen nicht an Boden gewinnt und dass sie durch wirksame politische Maßnahmen eingedämmt wird“, betonte Yildirim. Trump hat während seiner Präsidentschaftskampagne Muslime wiederholt zur Zielscheibe gemacht. So forderte er zum Beispiel nach dem Massaker von San Bernardino in Kalifornien, bei dem im vergangenen Dezember 14 Menschen getötet wurden, ein Einreiseverbot für Muslime. Nach dem Anschlag auf einen Nachtclub in Orlando im US-Bundesstaat Florida zu Beginn dieses Monats, bei dem 49 Menschen starben, wiederholte er diese Forderung.

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Genf
Afrikanische Staaten: „Israel soll die Besatzung jetzt beenden“

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Genf (nex) – Das palästinensische Volk habe das Recht „auf Selbstbestimmung und einen Staat in den Grenzen von 1967 mit Ostjerusalem als Hauptstadt“, sagt die Afrikagruppe. „Die Afrikagruppe ruft zu einer unverzüglichen Beendigung der israelischen Besatzung, der Siedlungen und der Blockade über zwei Millionen Menschen im Gazastreifen, der Festnahmen und Inhaftierungen Tausender Palästinenser und jeder anderen Form der kollektiven Bestrafung mit dem Ziel der Unterdrückung des palästinensischen Volkes auf“, erklärte die Afrikagruppe mit ihren 54 Mitgliedsstaaten in einem Statement, das Südafrika im Namen der Gruppe verlas. Südafrika gab das Statement während des berühmten Agenda 7 ab, der vorsieht, dass der UNHRC in jeder Sitzung die Menschenrechtsverletzungen Israels gegen die Palästinenser erörtert. Kein anderes Land hat einen solchen ständigen Tagesordnungspunkt auf seiner Agenda. Israel müsse unverzüglich die Besatzung des Westjordanlandes und die Gaza-Blockade beenden, erklärte die Afrikagruppe gegenüber dem UN-Menschenrechtsrat in Genf. Um gegen die Agenda 7, die sie für parteiisch und voreingenommen halten, zu protestieren, haben sich Israel und die meisten westlichen Staaten einschließlich Europa weitestgehend darauf geeinigt, im UNHRC auf die Agenda 7 nicht einzugehen. Der Appell der Afrikagruppe kommt vor dem hochmediatisierten, für Anfang Juli geplanten Afrikabesuch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zur Intensivierung der israelisch-afrikanischen Beziehungen. „Die internationale Gemeinschaft muss zu ihrer Verantwortung stehen und dringend Maßnahmen zur Verbesserung dieser Situation ergreifen, da sie bestrebt ist, Menschenrechte und grundlegende Freiheiten auf der ganzen Welt zu schützen und zu fördern, es ist unsere Pflicht, unser erstrangiges Augenmerk auf die Notlage der Bevölkerung in den besetzten palästinensischen Gebieten zu richten, die unter der katastrophalen Menschenrechtslage infolge der Besatzung leiden müssen.“  

Lobbyist in Unruhe
„ADD ist besorgniserregend“: Dubioser Tourismusfunktionär sieht Türken in etablierten Parteien gut aufgehoben

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Antalya (nex) – Der Sprecher der „Plattform TYHP“ (Turizmde Yeni Hamle ve Hareket Platformu; Plattform für Neue Aktion und Bewegung im Tourismus), Hüseyin Baraner, hat gegenüber der Nachrichtenseite tourexpi.com nun auch zu der Gründung der bislang vorwiegend von Einwanderern unterstützten „Allianz Deutscher Demokraten“ (ADD) eine Wortspende abgegeben. Darin gibt er an, er stehe „in Zeiten, wo wir die Menschen über die Grenzen von Herkunft, Religion und Sprache zusammenbringen wollen“, allem skeptisch gegenüber, was „die Menschen entlang ethnischer und religiöser Linien treffen könnte“ (sic!). Auch wenn jeder, das Recht habe, eine Partei zu gründen, habe er, Baraner, „viel dagegen, wenn eine solche Partei offen oder hinter vorgehaltener Hand als ‚Türkenpartei‘ deklariert wird.“ Remzi Arus Pläne seien „besorgniserregend“. Baraner erklärte, er hätte am Dienstag in Antalya „mit wichtigen Politikern und Abgeordneten der türkischen Regierungspartei AK Parti gesprochen“, die sich ebenfalls gegen die Gründung einer solchen Partei ausgesprochen hätten. Sie hätten ihm gesagt, dass sie Aru niemals unterstützen würden. Allerdings habe Aru ihnen zufolge „eine Lücke erkannt und will die Tatsache ausnutzen, dass es einen Kreis von Türken und anderen Migranten gibt, die sich in Deutschland politisch nicht vertreten fühlen“. In einer Argumentationsweise, die an Stringenz durchaus noch Luft nach oben bietet, wirft Baraner der ADD vor, diese würde „sich mit ethnischen Zuschreibungen schmücken, die das nach außen leugnen, und sagen, dass jeder Mitglied werden könne, aber die Interessen ethnischer Gruppen vertreten wollen“. Die Gründer der am Sonntag in Berlin aus der Taufe gehobenen ADD, Remzi Aru und Ramazan Akbaş, haben im Vorfeld der Gründung wiederholt selbst deutlich gemacht, dass es sich bei ihrer politischen Formation um keine „Türkenpartei“ handeln würde. Bereits jetzt haben ihren Angaben zufolge Menschen aus vielen gesellschaftlichen, religiösen und landsmannschaftlichen Bevölkerungsgruppen Interesse an einer Mitarbeit in der liberal-konservativen Partei bekundet, die allerdings nach eigenem Selbstverständnis durchaus auch die multinationale und multireligiöse Realität in Deutschland betont. Die ADD wolle den Gründern zufolge entsprechend auch eine Stimme von Einwanderern sein, die in den etablierten Parteien mehr oder minder deutliche Bestrebungen hin zu einer Assimilationspolitik erkennen wollen und sich deshalb dort nicht vertreten fühlen. Baraner, nach eigenen Angaben Mitglied in der CDU, betonte hingegen, dass „auch Menschen mit Migrationshintergrund sehr wohl ihren Platz in der politischen Landschaft der etablierten Parteien in Deutschland finden können“. Wenn man sich in Deutschland wirklich um Politik bemühe und seine Ideen und Ansichten durchsetzen möchte, dann könne man auch in den etablierten Parteien aktiv werden, so der ehemalige Reiseveranstalter, der sich aus undurchsichtigen Gründen aus einem gemeinsamen Projekt mit dem Ende des Vorjahres pleitegegangenen Vural Öger und dessen Bruder zurückgezogen haben soll und seither Beobachtern zufolge die Nähe von Politikern sucht, um befreundeten Lobbyisten in diesem Bereich Kontakte zu eröffnen.

Baraner: An der Armenier-Resolution sind Türken schuld

Quellen aus Finanzkreisen wollen eine zeitliche Korrelation zwischen dem Zerwürfnis der Ögers mit Baraner und dem Beginn der finanziellen Schieflage des ehemaligen Reisemoguls festgestellt haben. Ein darüber hinausgehender Zusammenhang konnte bis dato jedoch nicht verifiziert werden. Quellen aus dem türkischen Tourismusministerium zufolge soll es auch Klagen über intransparente Vorgänge gegeben haben, die Ansinnen Baraners bezüglich Fördermitteln des türkischen Staates für Projekte deutscher Reiseveranstalter betreffen. Was Baraner unter „Vermeidung gesellschaftlicher Spaltung“ versteht, lässt sich einem „offenen Brief“ entnehmen, den dieser an den jüngst vereidigten türkischen Premierminister Binali Yıldırım gerichtet hatte. Darin hat er Konsequenzen mit Blick auf die umstrittene Armenier-Resolution gefordert, die wie kaum ein anderes Ereignis zu einer Spaltung und Stigmatisierung der türkischen Einwanderercommunity geführt hatte. Allerdings nur innerhalb der türkischen Community selbst. „Ich bin der Überzeugung, dass wir manche der Zuständigen, die unser Land in Deutschland vertreten, in den kommenden Monaten bald ihrer Posten entheben sollten“, polterte Baraner auf seinem Blog. Baraner ist sich sicher: „Wenn die türkischstämmigen und türkischen Mitbewohner Deutschlands frühzeitig von der Resolution zum Völkermord an den Armeniern erfahren hätten und wir viele Persönlichkeiten, Gruppen und Verbände, mit denen wir in Deutschland in Verbindung stehen, mobilisiert hätten, dann wäre diese Resolution, die uns alle so sehr betrübt und niederschmettert, und die zu einem Abkühlen der Freundschaft mit den Deutschen, mit denen wir seit 50 Jahren zusammenleben, geführt hat, vielleicht nicht verabschiedet worden.“ Nun war die geplante Resolution bereits Monate vor ihrer Verabschiedung Tagesgespräch innerhalb der türkischen Community, aber auch der türkischen Verbände, und eine Reihe türkischer Persönlichkeiten, Offizieller und Verbandsfunktionäre hatte sich an Politiker gewandt, um diese vor dem Schaden zu warnen, den diese Resolution verursachen würde. Am Ende hat der Bundestag sie verabschiedet – auch mit den Stimmen aller anwesenden türkeistämmigen Abgeordneten. Die einzige Gegenstimme kam von einer Abgeordneten aus Leipzig und damit einer Ecke, in der man keine sehr ausgiebige Präsenz türkischer Einwohner in deutschen Parteien vermuten könnte.

Aru: „Baraner zu sehr mit Anbiederung beschäftigt, um selbst politisch zu wirken“

Offenbar haben sich also – um Baraner beim Wort zu nehmen – die türkeistämmigen Mitglieder der etablierten Parteien, einschließlich seiner Person und seiner Familienmitglieder und Neffen in SPD und Grünen am Ende doch „nicht wirklich um Politik bemüht“. Das deutet zumindest auch Remzi Aru an, der in Reaktion auf den Blogbeitrag bei tourexpi.com gegenüber NEX erklärte: „Offenbar war und ist Baraner so intensiv damit beschäftigt, sich selbst auf Kosten engagierter Aktivisten bei den Herrschenden anzubiedern, dass er selbst keine Zeit mehr dafür fand, selbst am Aufbau von Strukturen mitzuwirken.“

Terror gegen die Türkei
Istanbul: Regierung hält Terrormiliz IS für wahrscheinlichen Urheber des Anschlages

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Istanbul (nex) – Mindestens 36 Menschen und die drei Selbstmordattentäter wurden getötet sowie nach derzeitigem Stand 140 verletzt, als sich am Dienstagabend auf dem Atatürk-Flughafen in Istanbul ein Terroranschlag ereignete. Dies bestätigte am Mittwoch der türkische Premierminister Binali Yıldırım. Der Premierminister, der am Morgen die Medien über den aktuellen Erkenntnisstand in Kenntnis setzte, verurteilte den Anschlag und sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. Die Polizei ermittle in alle Richtungen, erklärte Yıldırım. Allerdings deuten bisherige erste Erkenntnisse darauf hin, dass die drei Selbstmordattentäter der Terrormiliz IS (Daesh) zuzuordnen sein könnten. Die Art und Weise der Ausführung, das Anschlagsziel und die zeitliche Nähe zu den Normalisierungsbestrebungen der türkischen Regierung in den Beziehungen zur Russischen Föderation und zu Israel lassen ebenfalls einen dschihadistischen Hintergrund als wahrscheinlich erscheinen. Auch Yıldırım bezeichnete den Zeitpunkt der Attacke als „vielsagend“ und ging davon aus, dass ein Zusammenhang mit diesen diplomatischen Schritten bestehen könne. Unter den Opfern des Anschlages sollen sich auch zahlreiche ausländische Staatsangehörige befinden. Auf Nachfrage hielt es Yıldırım für unwahrscheinlich, dass ein weiterer Attentäter inmitten des Chaos entkommen sein könnte, die Sicherheitsbehörden würden jedoch alle Optionen intensiv prüfen. Die Attentäter seien nach bisherigem Ermittlungsstand mit dem Taxi zum Flughafen gekommen. Yıldırım betonte jedoch, es gäbe „keine Sicherheitslücke auf dem Flughafen“. Justizminister Bekir Bozdağ zufolge sollen die Angreifer zuerst mit einem AK-47-Sturmgewehr in die Menge geschossen haben und eine Sprengstoffweste zur Detonation gebracht haben, als die Polizei im Begriff war, ihrerseits das Feuer auf sie zu eröffnen. Die Tat spielte sich in der Eingangshalle des Flughafens ab. Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat bereits eine Sondersitzung im Präsidentenpalast einberufen, zu der auch Premierminister Yıldırım und der Chef des Generalstabes der türkischen Streitkräfte, Hulusi Akar, geladen waren. Immer noch befinden sich zusätzliche Polizeieinheiten auf dem Flughafengelände. Auch Premierminister Yildirim, der von Innenminister Efkan Ala über den Ermittlungsstand auf dem Laufenden gehalten wird, wird seinerseits noch im Laufe des Tages das Kabinett zusammenrufen.