15. jUli
Türkei: Die Chronologie des Putschversuchs

Zehn Jahre nach dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016 haben die türkischen Sicherheitsbehörden erstmals eine detaillierte Chronologie der monatelangen Vorbereitung des Putschplans veröffentlicht.

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Ein Gastkommentar von Nabi Yücel

Zehn Jahre nach dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016 haben die türkischen Sicherheitsbehörden erstmals eine detaillierte Chronologie der monatelangen Vorbereitung des Putschplans veröffentlicht.

Nach Angaben der Ermittlungsbehörden steht hinter dem damaligen Staatsstreich die sogenannte FETÖ-Gruppe unter dem mittlerweile verstorbenen Führer Fethullah Gülen.

Die Rekonstruktion stützt sich auf Erkenntnisse des Nationalen Nachrichtendienstes (MİT), Ermittlungsakten und gerichtlichen Verfahren und zeichnet den Ablauf von der politischen Entscheidung bis zur Umsetzung des Putschversuchs nach.

Der Wendepunkt nach der Wahl

Die strategische Entscheidung zum Staatsstreich fiel unmittelbar nach den Parlamentswahlen vom 1. November 2015. Die Organisation hatte zuvor versucht, ihren Einfluss über die Bürokratie und politische Netzwerke dauerhaft auszubauen.

Nachdem diese Strategie aus Sicht der Ermittler scheiterte, wurde der sogenannte „Plan B“ aktiviert: die gewaltsame Übernahme der Staatsgewalt.
Bildung einer zivilen Führungsstruktur

Im Mittelpunkt der Planungen stand eine zivile Führungsgruppe. Nach den Ermittlungen gehörten ihr Adil Öksüz, Kemal Batmaz, Hakan Çiçek, Nurettin Oruç, Harun Biniş und Özcan Aytuluner an. Das erste Treffen dieser Gruppe fand am 14. und 15. November 2015 in Pennsylvania statt.

Von dort aus wurden die weiteren Schritte koordiniert und anschließend in der Türkei umgesetzt. Die Ermittler sehen insbesondere Adil Öksüz als zentrale Verbindung zwischen der zivilen Organisationsführung und den militärischen Beteiligten.
23 dokumentierte Spitzentreffen

Nach Angaben der Sicherheitsbehörden konnten insgesamt 23 hochrangige Treffen rekonstruiert werden. Sie fanden in Ankara, Istanbul und Pennsylvania statt. Zwischen Ende Dezember 2015 und Juni 2016 folgte eine Serie von Besprechungen mit Offizieren verschiedener Teilstreitkräfte. Mehrfach reisten Adil Öksüz und Kemal Batmaz anschließend nach Pennsylvania, wo sie nach offizieller Darstellung Berichte übermittelten und neue Weisungen entgegennahmen.

Die Treffen verdichteten sich insbesondere zwischen Januar und Juni 2016 und dienten nach Einschätzung der Ermittler der detaillierten Vorbereitung des späteren Putschversuchs.

Die letzten Vorbereitungen

Vom 20. bis 25. Juni 2016 reisten Adil Öksüz, Kemal Batmaz und Nurettin Oruç erneut in die USA. Nach ihrer Rückkehr begann die Endphase der Planung. Zwischen dem 6. und 9. Juli 2016 fanden in Ankara an vier aufeinanderfolgenden Tagen Koordinierungstreffen mit ranghohen Offizieren statt. Dort wurden sämtliche operativen Schritte für den 15. Juli endgültig festgelegt.

Am 12. Juli reisten Adil Öksüz und Kemal Batmaz ein letztes Mal nach Pennsylvania. Dort soll die abschließende Lagebesprechung mit Fetullah Gülen erfolgt sein. Parallel dazu registrierten die Sicherheitsbehörden verstärkte Aktivitäten innerhalb der Organisation in Ankara und Istanbul.

Letzte Abstimmungen unmittelbar vor dem Putschversuch

In den Tagen vor dem Putsch fanden nach den Ermittlungen weitere Koordinierungstreffen in militärischen Einrichtungen statt, darunter in der Luftkriegsakademie, der Luftwaffenschule und der Maltepe-Kaserne in Istanbul. Zahlreiche Offiziere hielten sich dort auf, obwohl dies nicht ihrem regulären Dienstauftrag entsprach.

Am 14. Juli trafen schließlich die wichtigsten zivilen Organisatoren in Ankara ein. Nach offizieller Darstellung waren damit sämtliche Vorbereitungen abgeschlossen. Am Abend des 15. Juli 2016 begann der bewaffnete Umsturzversuch, der noch am folgenden Tag scheiterte.

Die veröffentlichte Chronologie zeichnet das Bild eines über Monate hinweg vorbereiteten, arbeitsteilig organisierten und konspirativ gesteuerten Putschplans. Nach Darstellung türkischer Behörden handelte es sich nicht um eine spontane militärische Erhebung, sondern um einen langfristig geplanten Ablauf mit einer zivilen Führungsstruktur, regelmäßigen Koordinierungstreffen und einer klaren Befehlskette zwischen Pennsylvania und den beteiligten Akteuren in der Türkei.


Gastbeiträge geben die Meinung der Autoren wieder und stellen nicht zwingenderweise den Standpunkt von NEX24 dar.


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