Syrien
„Schlachter von Hama“ tot: Rifaat al-Assad stirbt im Exil

Rifaat al-Assad, der für das Massaker an bis zu 40.000 Menschen im Jahr 1982 verantwortlich war, verstarb 88-jährig im Exil. Er hinterlässt eine Spur der Verwüstung

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Dubai – Einer der meistgehassten Männer der syrischen Geschichte ist tot. Rifaat al-Assad, der Bruder des langjährigen Diktators Hafiz al-Assad und Onkel des gestürzten Machthabers Baschar al-Assad, verstarb am 20. Januar 2026 im Alter von 88 Jahren in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Er hinterlässt ein Erbe aus Blut, geraubten Milliarden und ungesühnten Verbrechen.

Ein Erbe, geschrieben in Blut (1970–1984)

Bevor Rifaat al-Assad zum Milliardär in europäischen Metropolen wurde, war er als Kommandeur der berüchtigten „Verteidigungskompanien“ die „eiserne Faust“ des Regimes. Er war der Hauptverantwortliche für zwei der dunkelsten Kapitel der syrischen Geschichte:

Das Massaker von Hama (1982): Auf seinen Befehl hin wurde eine ganze Stadt dem Erdboden gleichgemacht. Schätzungen gehen von 10.000 bis 40.000 ermordeten Zivilisten aus.

Das Massaker im Tadmor-Gefängnis: Nach einem Attentatsversuch auf seinen Bruder ließ Rifaat über 1.000 wehrlose politische Gefangene in ihren Zellen hinrichten.

Diese Taten zementierten das „System der Angst“, das Syrien über Jahrzehnte im Würgegriff hielt.

Luxus-Exil mit geraubten Staatsgeldern

Nach einem gescheiterten Putschversuch gegen seinen Bruder im Jahr 1984 wurde Rifaat in ein „goldenes Exil“ geschickt. Mit hunderten Millionen Dollar, die er direkt aus der syrischen Staatskasse geplündert hatte, baute er sich in Europa ein Immobilienimperium auf.

Sein Besitz wurde auf rund 800 Millionen Euro geschätzt, darunter Luxusvillen in Spanien und ein prächtiges Palais an der Avenue Foch in Paris. Trotz seiner blutigen Vergangenheit wurde ihm 1986 sogar das Großkreuz der französischen Ehrenlegion verliehen – eine Auszeichnung, die er trotz Protesten von Menschenrechtlern jahrzehntelang behalten durfte.

Flucht vor der Justiz und der Sturz des Regimes

Erst spät holte ihn die Vergangenheit ein. 2020 verurteilte ihn ein französisches Gericht wegen Geldwäsche und Veruntreuung zu vier Jahren Haft. Um der Zelle zu entgehen, floh er 2021 unter dem Schutz seines Neffen Baschar zurück nach Damaskus.

Doch die Geschichte holte ihn erneut ein: Nach dem Zusammenbruch des Assad-Regimes im Dezember 2024 und dem Sieg der syrischen Revolution musste der „Schlachter“ erneut fliehen. Er sah zu, wie die Statuen seines Bruders gestürzt wurden, bevor er sich über den Libanon in die VAE absetzte.

Symbolische Wiedergutmachung: Die Rückgabe des Raubguts

Obwohl Rifaat al-Assad persönlich nie für seine Taten zur Rechenschaft gezogen wurde, gibt es an der finanziellen Front erste Erfolge. Nur wenige Tage vor seinem Tod bestätigte die französische Regierung die Überweisung einer ersten Tranche von rund 32 Millionen Euro an das syrische Volk.

Diese Gelder stammen aus dem beschlagnahmten Vermögen des Assad-Clans in Frankreich. Für Menschenrechtsorganisationen wie Sherpa und Transparency International, die über zwei Jahrzehnte gegen die Straflosigkeit des „Schlachter von Hama“ gekämpft haben, ist dies ein wichtiger, wenn auch nur symbolischer Sieg im Kampf um die Rückführung illegaler Staatsgelder.

Bilanz eines ungesühnten Lebens

Mit dem Tod von Rifaat al-Assad endet eines der dunkelsten Kapitel der syrischen Zeitgeschichte. Dass er bis zuletzt einem Prozess vor einem internationalen Tribunal wegen der Massaker von Hama und Tadmor entging, bleibt für die Hinterbliebenen der zehntausenden Opfer ein bitterer Beigeschmack.

Dennoch bleibt eine historische Ironie: Rifaat al-Assad musste lange genug leben, um den totalen Kollaps des Regimes, das er mit aufgebaut hatte, aus der Ferne mitanzusehen. Er starb nicht als mächtiger Vize-Präsident in Damaskus, sondern als flüchtiger Exilant, während in seiner Heimat die Statuen seines Bruders bereits gefallen waren. Während die irdische Justiz unvollständig blieb, markiert sein Ableben für viele Syrer den endgültigen Schlussstrich unter die Ära der Assad-Diktatur.

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