Imamoğlu-Verhaftung
Ekrem Imamoğlu: „Wir werden siegen“

Der Oberbürgermeister von Istanbul, Ekrem Imamoğlu, gab nach seiner Verhaftung auf seinem Social-Media-Konto eine erste Erklärung ab

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Istanbul – Der Oberbürgermeister von Istanbul, Ekrem Imamoğlu, gab nach seiner Verhaftung auf seinem Social-Media-Konto eine erste Erklärung ab und wandte sich an Präsident Recep Tayyip Erdoğan, ohne ihn namentlich zu nennen.

Imamoğlu rief die Bürger dazu auf, „die Hoffnung nicht zu verlieren“.

Ein Gericht hatte kurz zuvor Untersuchungshaft gegen den bereits am Mittwoch festgenommenen CHP-Politiker angeordnet.

Terrorrismusvorwürfe abgelehnt

Die Generalstaatsanwaltschaft Istanbul gab bekannt, dass Ekrem Imamoğlu im Rahmen der gegen ihn eingeleiteten Ermittlungen wegen „Korruption“ verhaftet wurde. Der Antrag des Staatsanwalts auf Verhaftung im Rahmen der wegen „Terrorismus“ eingeleiteten Ermittlungen wurde abgelehnt.

„Angst nützt nichts! Ihr werdet so oder so besiegt werden! Ihr werdet durch unsere Rechtschaffenheit, unseren Mut, unsere Demut und unser Lächeln besiegt werden!“, sagte Imamoğlu an die Regierung gewandt ohne einen Namen zu nennen.

An die Bürger appelierte Imamoğlu: „Seid nicht traurig, seid nicht deprimiert, verliert nicht die Hoffnung“ und sagte: „Wir werden diesen Putsch gegen unsere Demokratie, diesen schwarzen Fleck mit unseren gemeinsamen Händen entfernen.“

Imamoğlu:

„Die Tage sind nahe, an denen die Menschen, die diesen Prozess leiten, vor dem Allmächtigen sowohl im Diesseits als auch im Jenseits zur Rechenschaft gezogen werden. Ich lade 86 Millionen Bürgerinnen und Bürger ein, an die Wahlurnen zu gehen und der ganzen Welt den Kampf für Demokratie und Gerechtigkeit zu verkünden. Ich stehe aufrecht, ich werde mich niemals beugen. Alles wird gut werden…“

Zahlreiche Festnahmen

Im Rahmen zweier separater Ermittlungen der Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft gegen die Stadtverwaltung Istanbul wegen Terrorismus und organisierter Kriminalität wurden am Donnerstag Imamoğlu, sowie zahlreiche weitere Personen festgenommen.

Die gegen ihn eingeleiteten rechtlichen Schritte betreffen zwei Hauptuntersuchungen: eine Korruptionsuntersuchung im Zusammenhang mit öffentlichen Ausschreibungen und eine kommunale Beschäftigungssache, bei der es um die Einstellung von Personen mit Verbindungen zur terroristischen Vereinigung PKK geht.

Darüber hinaus wirft die türkische Staatsanwaltschaft  Imamoğlu  Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung, Erpressung, Bestechung und schwerer Betrug vor.

Wahl zum Präsidentschaftskandidaten

Imamoglu soll trotz seiner Inhaftierung zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei gewählt werden. Die Wahlbeteiligung scheint hoch zu sein. Medien übertrugen am Morgen Aufnahmen von langen Schlangen vor Wahllokalen in Städten wie Istanbul, Ankara, Izmir, Kahramanmaras und Adiyaman.

Zur Abstimmung aufgerufen sind die 1,7 Millionen Mitglieder der CHP-Partei. Darüber hinaus kann jeder Bürger an symbolischen Wahlurnen seine Solidarität mit Imamoglu bekunden, indem er dort seine Stimme abgibt. Imamoglu ist der einzige Kandidat. Offiziell wird er jedoch erst dann Kandidat, wenn die türkische Wahlbehörde YSK seine Kandidatur bestätigt.

Sollten die Terrorermittlungen gegen ihn bis zu diesem Zeitpunkt nicht eingestellt werden, ist eine Zulassung seiner Kandidatur unwahrscheinlich. Außerdem wurde ihm diese Woche sein Universitätsabschluss aberkannt, wobei die Entscheidung noch nicht rechtskräftig ist. Ein solcher Abschluss ist jedoch eine Voraussetzung, um in der Türkei als Präsidentschaftskandidat antreten zu können.

Zum Thema

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