Völkermord-Vorwürfe
Namibia verurteilt Deutschlands Israel-Unterstützung

Namibia wirft Deutschland vor, keine Lehren aus seinem eigenen Völkermord an der namibischen Bevölkerung zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu ziehen.

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Windhoek – Namibia wirft Deutschland vor, keine Lehren aus seinem eigenen Völkermord an der namibischen Bevölkerung zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu ziehen.

Namibia hat die „schockierende Entscheidung“ Deutschlands kritisiert, Israel in dem von Südafrika vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) angestrengten Völkermordfall zu unterstützen.

„Deutschland hat sich entschieden, vor dem Internationalen Gerichtshof die völkermörderischen und grausamen Taten der israelischen Regierung gegen unschuldige Zivilisten in Gaza und den besetzten palästinensischen Gebieten zu verteidigen“, sagte der Präsident Namibias, Hage Geingob, am Samstag in einer Erklärung auf X.

Auf namibischem Boden habe Deutschland zwischen 1904–1908 den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts verübt, bei dem Zehntausende unschuldige Namibier unter unmenschlichsten und brutalsten Bedingungen starben. Die Bundesregierung müsse erstmal den Völkermord auf namibischem Boden vollständig sühnen.

Am Donnerstag und Freitag fand vor dem Weltgerichtshof – dem höchsten juristischen Organ der Vereinten Nationen – eine zweitägige öffentliche Anhörung zu dem Fall statt, bei der Südafrika und Israel ihre Argumente vortrugen. Südafrika teilte dem Gericht am Donnerstag mit, dass die israelische Luft- und Bodenoffensive – die nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Gaza einen Großteil der Enklave verwüstet und fast 24.000 Menschen getötet hat – darauf abzielte, „die Vernichtung der Bevölkerung“ in Gaza herbeizuführen.

„Deutschland kann sich moralisch nicht zum Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen Völkermord verpflichten, einschließlich der Sühne für den Völkermord in Namibia, und gleichzeitig das Äquivalent eines Holocaust und Völkermords in Gaza unterstützen“, so Geingob in der Erkläerung weiter.

Namibias First Lady, Monica Geingos, hat zudem den Zeitpunkt der deutschen Erklärung verurteilt.

„Die Vorbereitungen zum von Deutschland verübten Herero-Nama-Völkermord in Namibia begannen am 12. Januar 1904. Die Absurdität, dass Deutschland am 12. Januar 2024 die Völkermordvorwürfe gegen Israel zurückwies und vor der „politischen Instrumentalisierung der Anklage“ warnte, ist uns nicht entgangen“; so Geingos auf X. 

Die Bundesregierung hat sich in dem Völkermord-Verfahren zum Gaza-Krieg nochmals klar an die Seite Israels gestellt. „Wir wissen, dass verschiedene Länder die Operation Israels im Gazastreifen unterschiedlich bewerten. Den nun vor dem Internationalen Gerichtshof gegen Israel erhobenen Vorwurf des Völkermords weist die Bundesregierung aber entschieden und ausdrücklich zurück“, erklärte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Freitag in Berlin. Der Vorwurf entbehre jeder Grundlage.

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