Zaxo-Anschlag
US-Stratege Rich Outzen bezweifelt „türkischen Angriff“

48 Stunden nach dem trilateralen Treffen in Teheran: Tote Zivilisten nach Artilleriebeschuss im Nordirak. US-Stratege zweifelt offizielle irakische Version an.

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von Nabi Yücel

In der autonomen kurdischen Region Nordiraks kam es nur 10 km südlich der türkischen Grenze in einer Touristenregion nahe der Stadt Zakho zu Explosionen. Dabei starben nach letzten Meldungen neun Menschen, mehr als 20 wurden verletzt. Danach ging es Schlag auf Schlag. Alle Blicke richteten sich auf die Türkei, die als Urheber des Massakers in der Touristenregion Zaxo ausgemacht wurde.

Der Ehrenvorsitzende des Atlantischen Councils Colonel a.D. Rich Outzen erklärte, er sei skeptisch, was die Vorwürfe gegenüber der Türkei angehe. Vielmehr dürfe man nicht außer Acht lassen, dass die Provinzregion Dohuk und die angrenzende türkische Region ausgezeichnete Handelsbeziehungen unterhalten und bislang in dieser Region derartiges nicht vorkam.

Man müsse in Betracht ziehen, dass es sich hierbei entweder um einen atypischen Fehler oder um eine Provokation handeln könnte. Angesichts der zuvor getätigten Äußerungen und Warnungen seitens der Terrororganisation PKK sowie des Iran während des trilateralen Treffens in Teheran gegenüber der türkischen Delegation, könne man vom letzteren ausgehen, so Outzen.

Outzen war von 2016 bis 2021 im US-Außenministerium als militärischer und ziviler Berater tätig, zunächst im Büro für politische Planung und später im Büro des Sonderbeauftragten für Syrien.

Laut dem irakischen Premierminister Mustafa Al-Kadhimi handelte es sich bei den Explosionen in der Provinz Dohuk um Einschläge türkischer Artilleriegeschosse. Er schickte nach einer Dringlichkeitssitzung des Nationalen Sicherheitsrats eine Delegation unter der Leitung von Außenminister Fuad Hussein in das Gebiet, der dort angekommen erklärte, es handele sich definitiv um einen türkischen Angriff. Laut offiziellen Angaben werde man den Vorfall vor die Vereinten Nationen tragen, das als Verletzung der Souveränität des Iraks bewertet werde.

Wenig später berichtete die New York Times hingegen, es handele sich um einen türkischen Luftangriff, der mit Kampfdrohnen erfolgt sei. Muqtada as-Sadr, radikaler irakischer Geistlicher und Milizenführer, forderte eine umgehende Grenzschließung zur Türkei und die Einstellung aller Flüge aus der Türkei. Auch die völkisch-kurdische Terrororganisation PKK erklärte in einem offiziellen Statement, dass das Bombardement auf „Zaxo“ ein Verbrechen der Türkei sei und von der internationalen Gemeinschaft scharf verurteilt werden müsse.

Die Türkei erklärte wenig später, man spreche den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus und werde bei den Ermittlungen den irakischen wie auch autonomen kurdischen Behörden uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Außerdem erklärte man sich bereit, Verletzte in türkischen Krankenhäusern aufzunehmen und zu behandeln. In einem späteren Statement unterstrich das Außenministerium, dass die erhobenen Vorwürfe nicht bestätigt werden könnten. Man appelliere an die irakische Führung, die Lage sachlich zu erörtern sowie abzuwarten und gemeinsam den Vorfall zu eruieren. Man werde bei der Aufklärung des schrecklichen Vorfalls vollumfänglich zusammenarbeiten.

In Bagdad versammelten sich noch in der Nacht vor der türkischen Botschaft Demonstranten, um gegen das „türkische Verbrechen“ in Zaxo zu protestieren. Dabei wurde die türkische Fahne vom Botschaftsgebäude heruntergerissen. Aus Erbil wie auch Dohuk im Nordirak, wurden an den türkischen Generalkonsulaten vor Visa-Stellen teilweise gewalttätige Ausschreitungen gemeldet.

Am Donnerstag erklärte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu, dass nach Rücksprache mit dem türkischen Generalstab ein Angriff auf Zivilisten ausgeschlossen werden könne. Die türkische Armee habe bei militärischen Operationen bislang Vorsicht wallten lassen und zivile Opfer stets gemieden. Angriffe im Nordirak wie in Nordsyrien würden lediglich auf Stellungen der PKK bzw. der YPG/SDF eingegrenzt erfolgen, worüber auch lückenlos Bericht erstattet werde. Man gehe vielmehr davon aus, dass der Angriff auf die Tourismusregion auf die PKK zurückzuführen sei.

Der Bürgerkrieg in Syrien war vor zwei Tagen ein Thema auf der Agenda des Treffens in Teheran. In Syrien unterstützen Russland und der Iran Präsident Baschar al-Assad, während die Türkei Teilen der bewaffneten Opposition zur Seite steht. Erdogan hatte mit einer Militäroffensive in Nordsyrien gedroht, um von den USA unterstützte völkisch-kurdische Terroristen von der türkischen Grenze zu vertreiben. Der Oberste Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, warnte Erdogan vor einem solchen Schritt. Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow kündigte an, der Kreml lehne einen türkischen Militäreinsatz in Nordsyrien ab.

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