Griechenland
Die Çelebi-Sultan-Mehmed-Moschee in Dimetoka

Ältestes türkisch-muslimisches Gotteshaus in Europa: Bereits gegen Ende des 14. Jahrhunderts gab Sultan Bayezid I. den Startschuss zum Bau der Moschee, den sein Sohn Sultan Mehmed I., zwischen 1420 und 1421 durch den Architekten Hacı Ivaz Pascha bauen ließ.

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von Kemal Bölge

Im heiligen Monat des Ramadans anno 1668, weilte der polyglotte osmanische Reiseschriftsteller Evliya Çelebi in Dimetoka, dem heutigen Didymoteicho. Er betrachtete die Çelebi-Sultan-Mehmet-Moschee und sah ihre Holzkuppel sowie das hohe, reich verzierte Minarett. Geografisch betrachtet befindet sich Dimetoka etwa 30 km südlich der türkischen Stadt Edirne.

Bereits gegen Ende des 14. Jahrhunderts gab Sultan Bayezid I. den Startschuss zum Bau der Moschee, den sein Sohn Sultan Mehmed I., zwischen 1420 und 1421 durch den Architekten Hacı Ivaz Pascha bauen ließ, aber im fortgeschrittenen Stadium des Baus den Regenten im Mai 1421 der Tod ereilte und der Gebieter die Fertigstellung nicht mehr selbst erleben durfte.

Hacı Ivaz Pascha gilt auch als Architekt der berühmten Grünen Moschee (Yeşil Cami) sowie des Grünen Schreins (Yeşil Türbe) in Bursa. Insbesondere die Grüne Moschee gilt als Meisterwerk osmanischer Baukunst.

Eine Moschee mit einem Pyramidendach

Da Sultan Bayezid I. als Bauherr der Moschee gilt, wird das Gebäude auch als Bayezid-Moschee bezeichnet. Dimetoka diente für kurze Zeit als Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Das historische Gotteshaus befindet sich im Zentrum von Dimetoka, des Bezirks Evros-Meriç, der sich im äußersten Nordosten Griechenlands befindet.

Die Moschee erstreckt sich über einer Grundfläche von 1000 Quadratmetern und besteht aus einem quadratischen Gebetsbereich sowie einem 22 Meter hohen Minarett. Schon beim ersten Anblick fällt das Pyramidendach des muslimischen Gotteshauses ins Auge, weshalb sich viele Besucher gefragt haben dürften, warum die Moschee keine klassische Kuppel besitzt und auch keinen Portikus vorweist.

Vom Gebetshaus zum Getreidedepot

Diese berechtigte Frage führen manche Wissenschaftler und die Online-Enzyklopädie des Islam auf den Tod von Mehmet I. zurück. Das Ableben des Souveräns habe die ursprüngliche angedachte Fertigstellung über den Haufen geworfen und in der Eile hätten sich die Bauplaner für ein Pyramidendach entschieden.

Die Çelebi-Sultan-Mehmet-Moschee gehört zu den ersten und ältesten osmanischen Moscheen in Europa. 1957 soll die türkische Zeitung Cumhuriyet einen Artikel veröffentlicht haben, wonach der damalige Gouverneur von Dimetoka den Schlüssel der Moschee beschlagnahmt und die muslimische Gebetsstätte an die griechische Agrarbank vermietet habe, die es als Getreidedepot genutzt hätte.

Nach Beginn der Restaurierungsarbeiten zerstörte ein Großbrand die Moschee

Wie zahlreichen anderen Moscheen in Griechenland droht leider auch dieser muslimischen Gebetsstätte das gleiche Schicksal. Im Herbst 1992 zerstörte ein Sturm einen Teil des Minaretts, aber auch die Fenster der Moschee gingen dabei zu Bruch.

Im Jahr 2008 hatten unbekannte Täter politisch motivierte Schmierereien am Gebäude angebracht und zur Zerstörung der Moschee aufgerufen. Die griechischen Behörden hatten die Restaurierung der alten Moschee genehmigt und mit den Sanierungsarbeiten wurde bereits begonnen. Am 22. März 2017 gegen 00:30 Uhr ereignete sich in der Nacht ein Großbrand, bei dem die historisch wertvolle hölzerne Innenkuppel völlig zerstört wurde.

Abschlussbericht der Feuerwehr: Brandursache ist Fahrlässigkeit des Restaurierungsteams

Zur Brandursache gibt es unterschiedliche Angaben, wobei zunächst erklärt worden war, dass der Brand in der Moschee durch unsachgemäße Schweißarbeiten oder durch Elektrokontakt ausgebrochen sei.

Einige Tage vor dem Großbrand wurden tagsüber tatsächlich Schweißarbeiten durchgeführt, allerdings konnte das ausgebrochene Feuer von der örtlichen Feuerwehr schnell gelöscht werden. Der Großbrand soll während der Nacht ausgebrochen sein, also zu einer Uhrzeit, wo normalerweise niemand in der Moschee arbeitet.

In dem hinzugefügten Video wird das ganze Ausmaß der zerstörten Moschee deutlich. In dem Abschlussbericht der griechischen Feuerwehr zur Brandursache heißt es, das Feuer sei auf Fahrlässigkeit des Teams zurückzuführen, die die Restaurierungsarbeiten in der Moschee durchgeführt habe. Nach dem Großbrand von 2017 hatten Unbekannte vor zwei Jahren an die Minarette der Moschee eine griechische Fahne aufgehangen, die von den Behörden wieder entfernt wurde.

Zu Beginn dieses Jahres hatten der oder die Täter an den Wänden eines Gebäudes gegenüber der Moschee Schmierereien wie „die Islamisierung des Evros muss jetzt beendet werden“, angebracht. Die Tat wurde sowohl die Partei für Freundschaft, Gleichheit und Frieden (DEB) als auch die Föderation der Westthrakien-Türken in Europa (ABTTF) verurteilt.

Halit Habipoğlu, Präsident der ABTTF, verurteilte damals die Tat aufs Schärfste und sprach von einer „bösen Mentalität“, die versucht habe, ein Anti-Islam-Plakat vor der historischen Moschee anzubringen. Seit dem Großbrand in der Çelebi-Sultan-Mehmet-Moschee in Dimetoka sind fünf Jahre vergangen und bisher ist nicht bekannt, wie es mit der zerstörten Moschee weitergeht. Lokale Medien hatten über die Bereitstellung von Finanzmitteln zur Wiedererrichtung des osmanisch-türkischen Gotteshauses berichtet, allerdings passierte danach nichts.

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