Ukraine-Konflikt
USA erbitten Türkei um S-400 Lieferung an Ukraine

Der Erwerb des russischen Raketenabwehrsystems S-400 durch die Türkei sorgte seit Jahren für Spannungen und eine Eiszeit zwischen Washington und Ankara.

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Washington – Der Erwerb des russischen Raketenabwehrsystems S-400 durch die Türkei sorgte seit Jahren für Spannungen und eine Eiszeit zwischen Washington und Ankara. Der Türkei wurden zudem Sanktionen auferlegt und aus dem gemeinsamen F-35-Kampfjetprogramm ausgeschlossen.

Nun habe Washington Ankara jedoch darum gebeten, ihr in Russland hergestelltes Raketenabwehrsystem in die Ukraine zu liefern, um das Land im Kampf gegen die eindringenden russischen Truppen zu unterstützen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf „drei mit der Angelegenheit vertraute Quellen„.

US-Vertreter haben den Vorschlag demnach im vergangenen Monat mit ihren türkischen Kollegen erörtert. Es seien jedoch keine spezifische oder formelle Anfrage gestellt worden, so die namentlich nicht genannten Quellen gegenüber Reuters. Dies sei auch kurz während des Besuchs der stellvertretenden Außenministerin Wendy Sherman in der Türkei Anfang des Monats zur Sprache gekommen.

Washington habe Verbündete, die Ausrüstung und Systeme aus russischer Produktion – darunter S-300 und S-400 – einsetzen, gebeten, deren Weitergabe an die Ukraine zu erwägen. Der Vorschlag, der Analysten zufolge mit Sicherheit von Ankara abgelehnt werden würde, war Teil einer breiteren Diskussion zwischen Sherman und türkischen Offiziellen darüber, wie Washington und seine Verbündeten die Ukraine stärker unterstützen können, so Reuters.

Die türkischen Behörden haben sich zu keinem Vorschlag in Bezug auf die Lieferung von Ankaras S-400-Systemen an die Ukraine geäußert, berichtet Reuters weiter und bemerkte, dass Beamte des türkischen Außenministeriums nicht sofort für einen Kommentar zur Verfügung standen.

„Propaganda der amerikanischen Geheimdienste“

Es sei „unwahrscheinlich“, dass Ankara den Vorschlag der USA akzeptiere, sagte der Vorsitzende der linken türkischen Vatan-Partei, Dogu Perincek in einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur Sputnik. Er bezeichnete die Gerüchte als „Propaganda der amerikanischen Geheimdienste“.

„Die USA haben nicht die Autorität, der Türkei Befehle zu erteilen. Die türkische Regierung wird auf keinen Fall einen Befehl wie die Übergabe von russischen S-400 an die Ukraine akzeptieren“, sagte Perincek. Es sei unmöglich, dass die türkische Regierung bereit ist, auf solche Befehle zu hören. Diese Information sei „typische amerikanische Geheimdienstpropaganda“, fügte er laut Sputnik hinzu.

Washington lehnt Kauf der S-400 ab

Washington lehnte die Übernahme des russischen Fliegerabwehrsystems durch die Türkei entschieden ab und suspendierte die Türkei von ihrem Hi-Tech-Kampfjetprogramm F-35, da die S-400 eine Bedrohung für die Stealth-Kampfjets darstelle. Die US-Regierung hatte Ankara auch davor gewarnt, dass es US-Sanktionen nach dem Countering America’s Adversaries Through Sanctions Act riskiert, wenn das S-400-System aktiviert wird. Die Türkei besteht darauf, dass sie gezwungen wurde, das russische System zu kaufen, nachdem Washington sich geweigert hatte, ihm das US-Patriot-System zu verkaufen.

Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu kritisierte die Position der USA zu dem Geschäft und wies darauf hin, dass Ankara das Raketensystem brauche.

„Wenn die Vereinigten Staaten wollen, dass die Türkei Waffen von ihnen kauft, sollten sie diese zu vernünftigen Preisen und mit besseren Bedingungen anbieten“, so Cavusoglu.

Ausschluss aus dem F-35-Programm

Nachdem die Bundesregierung im August 2015 den Abzug der deutschen Patriot-Abwehrraketen aus der Türkei angekündigt hatte, gab Ankara 2017 den Kauf des russischen System S-400 bekannt. Die USA haben dieses Vorhaben Ankaras scharf verurteilt und ihren NATO-Partner aus dem gemeinsamen F-35-Entwicklungsprogramm ausgeschlossen. Die Türkei ist Mitentwickler und Lieferant von etwa 900 Bauteilen.

Die russische S-400 „Triumf“ (NATO-Bezeichnung: SA-21 Growler) ist das neueste Boden-Luft-Raketensystem mit langer und mittlerer Reichweite Russlands, das 2007 in Dienst gestellt wurde. Es ist für die Zerstörung von Flugzeugen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen ausgelegt und kann auch gegen Bodeneinrichtungen eingesetzt werden. Die S-400 kann Ziele in einer Entfernung von bis zu 400 km und in einer Höhe von bis zu 30 km unter intensivem feindlichem Beschuss und Störfeuer bekämpfen.

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